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Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. August 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

wieder setzen wir unsere kleine Reihe zum 175. Jubiläum des Clementine Kinderhospitals fort. Der entsprechende Beitrag und diesmalige Artikel des Monats beschäftigt sich mit einem äußerst prominenten und bedeutenden Frankfurter des 19. Jahrhunderts, der heute – zu Unrecht – fast vergessen ist.

Artikel des Monats August 2020:
Der vergessene Hofrat

Er war ein gesuchter Arzt, forschender Naturwissenschaftler, wegweisender Balneologe, fortschrittlicher Kinderarzt und begabter Gelegenheitsdichter: Salomon Friedrich Stiebel. Geboren wurde der Sohn einfacher Leute 1792 in der Frankfurter Judengasse. Sein Studium der Medizin unterbrach er, um 1813/14 an den Befreiungskriegen teilzunehmen. Im Frühjahr 1815 legte er in Göttingen seine Dissertation vor, die geradezu revolutionäre Erkenntnisse zur Entwicklungsbiologie enthielt, aber wegen des eher entlegenen Titels („Über die Anatomie der Teichhornschnecke“) weitgehend unbeachtet blieb.
Am 20. Juli 1815 ließ sich Stiebel als praktischer Arzt und Chirurg in seiner Heimatstadt Frankfurt nieder. Zu seinen Patienten gehörten bald die Rothschilds ebenso wie die Brentanos. Doch erst der Entschluss, sich taufen zu lassen, trug ihm 1828 die vollen Bürgerrechte in Frankfurt ein. Bei einem Aufenthalt in Soden, bei dem er sich eigentlich von seiner ausgedehnten Tätigkeit als Arzt erholen sollte, erforschte Stiebel die Wirksamkeit der dortigen Heilquellen. Für seine Förderung des Kurbetriebs in dem seinerzeit noch sehr beschaulichen Ort am Taunus wurde ihm 1840 der Titel eines Herzoglich Nassauischen Geheimen Hofrats verliehen.
Dem testamentarischen Wunsch seines Patienten und Freundes Theobald Christ entsprechend, begann der vielbeschäftigte Doktor 1841, das von Christ gestiftete Kinderhospital in Frankfurt aufzubauen. Das Kinderkrankenhaus, das am 14. Januar 1845 eröffnet wurde, leitete Stiebel als Chefarzt bis 1853. Danach blieb er weiterhin Administrator der Trägerstiftung bis zu seinem Tod 1868.
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Über Themen aus seiner ärztlichen Praxis am Dr. Christ’schen Kinderhospital, dem ersten Kinderkrankenhaus in Frankfurt, schrieb Salomon Friedrich Stiebel regelmäßig im Jahresbericht der Klinik. Diese Aufsätze zeigen ihn als erfahrenen Säuglings- und Kinderarzt, der mit seinen Ansichten seiner Zeit weit voraus war. So veröffentlichte er unter dem – wieder wenig glücklich gewählten – Titel „Skizzen zur Gehirn-Diätetik der Säuglinge“ (1855) eine Abhandlung über die Entwicklung des Gehirns im ersten Lebensjahr, die er durchaus mit praktischen Ratschlägen für die Eltern verband. Seine These war, dass die Fähigkeiten des Gehirns im ersten Lebensjahr weit mehr ausgebildet würden, als man damals vermutete. Diese Entwicklung beginne am ersten Lebenstag und werde entscheidend durch die Verarbeitung von Sinnesreizen in Form von einem Lernprozess gefördert. Ein wichtiger Reiz für neugeborene und auch ältere Babys sei etwa die Empfindung des mütterlichen Körpers, weswegen ein Säugling nachts ins Bett der Mutter und nicht in die Wiege gehöre. Durch den Regelkreis Hunger – Trinken – Sättigung – Befriedigung sollten Mutter und Kind die unterschiedlichen Bedürfnisse des Kindes unterscheiden lernen. Wenn die Mutter erkenne, dass der Säugling trinken möchte, solle sie ihn auf Verlangen stillen. Auch sollten Säuglinge nicht fest eingewickelt werden, weil das Spiel mit Händen und Füßen wiederum Lernprozesse in Gang setze, die zur Ausbildung bestimmter geistiger Fähigkeiten führen. Die Mimik des Säuglings entwickele sich durch Nachahmung des mütterlichen Gesichtsausdrucks, und – davon war Stiebel überzeugt – wenn man das Kind in der Wiege möglichst freundlich ansehe, dann wirke sich das positiv auf seine ganze Entwicklung aus. Solche und andere Erkenntnisse zur Säuglingspsychologie lesen sich überraschend – auch angesichts der üblichen Ratschläge für folgende Müttergenerationen bis ins 21. Jahrhundert hinein, wie der Säugling zu einem strengen Drei-Stunden-Rhythmus und einer festen Schlafenszeit gebracht werden sollte.
Es spricht für Stiebel, dass er immer das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellte. Deshalb initiierte er auch die Gründung der ersten Kinderkrippe in Frankfurt (1851), womit er nicht nur zur Entlastung der arbeitenden Mütter aus unteren Schichten beitragen wollte. „Wenn er durch die engen, bevölkerten Theile der Stadt und namentlich durch Sachsenhausen ging“, so erinnert sich sein Sohn, „da war des Grüßens kein Ende und die Kinder umringten ihn wie einen alten Freund und streckten ihm die Händchen entgegen, und er nahm sie gern, gewaschen oder ungewaschen, wie’s kam (...).“
Bei den Eltern dagegen konnte sich der Hofrat manchmal unbeliebt machen, wenn er etwa gegen althergebrachte Erziehungs- und Behandlungsmethoden vorging – oft mit drastischen Mitteln: Er riss im ungelüfteten Krankenzimmer ungefragt die Fenster auf oder schmiss den „Dauerlutscher“ – einen aus Lappen angefertigten und mit süßem Brei gefüllten Schnuller – einfach fort. Auch die modebewussten Damen unter seinen erwachsenen Patienten dürfte er durchaus verärgert haben: Er verurteilte die „Schnürleiber“ nicht nur theoretisch in einer Veröffentlichung (1861), sondern soll auch ganz praktisch dagegen vorgegangen sein – indem er seiner Patientin während der Untersuchung einfach die Korsettstangen aus dem Mieder zog.

Ein anderer Artikel in diesem Monat berichtet über einen bis heute ungeklärten Mordfall in Frankfurt im Jahr 1957. Nein, es geht nicht um Rosemarie Nitribitt, der sich in diesem Jahr das Lesefest „Frankfurt liest ein Buch“ widmen wird. Im Frankfurter Personenlexikon lesen Sie vielmehr die tragische Geschichte des Buchhändlers Julius Neuß.
Aus aktuellem Anlass sei außerdem daran erinnert, dass der Schriftsteller Wolfdietrich Schnurre am 22. August vor 100 Jahren in Frankfurt geboren wurde. Seine frühen Jahre verbrachte er in Oberrad und Eschersheim, bevor er mit dem Vater 1928 nach Berlin umzog. Dort spielen seine Kindheitserinnerungen „Als Vaters Bart noch rot war“ (1958), mit denen er bekannt wurde (und lange in vielen Schullesebüchern vertreten war). Doch auch seine Frankfurter Zeit hat Schnurre literarisch verarbeitet, wie in dem schon länger verfügbaren Artikel über ihn im Frankfurter Personenlexikon nachzuschlagen ist.

Es zeigt sich also auch in diesem Monat wieder einmal: Mit dem Frankfurter Personenlexikon kann es eigentlich nie langweilig werden.

Herzliche Grüße – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. September 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juli 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die biographische Arbeit erfordert oft Geduld. Wie bei einem Puzzlespiel lassen sich erst nach und nach die fehlenden Teile finden, und manchmal passt plötzlich ein Teil, für das lange gar kein Platz gewesen war. Und schließlich fügt sich ein fast nahtloses Bild zusammen, das sich den – bestenfalls von all der Mühe nichts ahnenden – Betrachtern darbietet.
Einige überraschende Details enthält auch die Biographie eines prominenten Frankfurter Professors der jüngsten Zeit, die der diesmalige Artikel des Monats erzählt.

Artikel des Monats Juli 2020:
Zwischen den Ideologien

Er sprach für die Politikwissenschaft aus Frankfurt: Iring Fetscher. Nach dem Abitur 1940 hatte sich der in Dresden aufgewachsene Medizinersohn für die Offizierslaufbahn entschieden, war in die Wehrmacht eingetreten und wurde an der Ost- und an der Nordfront eingesetzt. Sein Vater Rainer Fetscher, einst NS-naher Rassehygieniker, der nach seiner Entlassung als Professor 1936 in seiner Arztpraxis Verfolgten und Gegnern des nationalsozialistischen Regimes geholfen hatte, kam beim Einmarsch sowjetischer Truppen in Dresden am 8. Mai 1945 ums Leben. Nach dem Vorbild des Vaters wollte Iring Fetscher, aus britischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, Medizin studieren. Er ging daher noch 1945 nach Tübingen, wechselte dort bald zur Philosophie, konvertierte zum Katholizismus, promovierte über Hegel und schrieb seine Habilitation über Rousseau. Zum Dreh- und Angelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit jedoch wurden Karl Marx und der Marxismus, die er gegen den Strich gängiger Deutungsmuster las.
Auf Fürsprache von Horkheimer und Adorno erhielt Fetscher 1963 einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft an der Frankfurter Universität, den er fast ein Vierteljahrhundert lang innehatte. Auch über seine Emeritierung 1987 hinaus war der international anerkannte Wissenschaftler und wortmächtige Intellektuelle im politischen Diskurs in der Öffentlichkeit präsent. Gerne kommentierte er das aktuelle Geschehen in der Bundesrepublik – von der Studentenbewegung über den RAF-Terrorismus bis hin zum Erstarken neokonservativer und rechter Strömungen – auch in den Medien. Als der „Stern“ 2011 veröffentlichte, dass Fetscher NSDAP-Mitglied gewesen sei, bestritt er, aktiv in die Partei eingetreten zu sein.
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Fast alle anderen Artikel in dieser Monatslieferung beschäftigen sich ebenfalls mit Biographien, die ihren Schwerpunkt im 20. Jahrhundert haben. Es geht – in chronologischer Reihenfolge nach dem Geburtsjahr – um den Börsenmakler John Elsas, der im Alter zum echten Künstler wurde, die Kunsthistorikerin Rosy Schilling, die als erste Frau in ihrem Fach in Frankfurt promovierte, den Arzt Felix Abraham, der von Magnus Hirschfeld an dessen Institut für Sexualwissenschaft in Berlin berufen wurde, und den Maler Theo Garve, der Beckmanns erster Meisterschüler an der Kunstgewerbeschule in Frankfurt war. In allen diesen Lebensläufen brachte das Jahr 1933, der Beginn des nationalsozialistischen Terrorregimes, einen Bruch. Es gilt daher umso mehr, diese Biographien zu dokumentieren und zu publizieren – wider das Vergessen.

Mit einem weiteren Beitrag erinnern wir gerne wieder an das diesjährige 175. Jubiläum des Clementine Kinderhospitals, dessen Geschichte bis zu dem 1845 eröffneten Dr. Christ’schen Kinderhospital zurückreicht. Dessen Stifter Theobald Christ wurde im Artikel des Monats Juni vorgestellt. Ein anderer Wohltäter, der dem Kinderhospital auf eher merkwürdige Weise verbunden ist, war der gut betuchte Kaufmann Philipp Heinrich Fleck (1740-1816): Er liegt im Garten des Kinderhospitals begraben – und zwar bereits seit dem Bau des Krankenhauses und damit ebenfalls seit ziemlich genau 175 Jahren. Das Privileg, sich außerhalb eines Friedhofs bestatten zu lassen, hatte sich Fleck zu Lebzeiten selbst erwirkt. Außer ihm wurde es nur zwei anderen Frankfurtern zuteil: Johann Christian Senckenberg, der heute in der Kapelle des von ihm gegründeten Bürgerhospitals beigesetzt ist, und Jakob Guiollett, der sein Grab im von ihm geschaffenen Anlagenring fand. Die Grabstätte von Philipp Heinrich Fleck ist seit einigen Jahren in den Spielplatz auf dem Außengelände des Clementine Kinderhospitals integriert – was durchaus dem Wunsch des Verstorbenen entspricht, der sich immer vorgestellt hatte, dass der Garten mit seinem Grab ein sonntäglicher Tummelplatz für Kinder sein sollte. Die sonderbare Lebensgeschichte von Philipp Heinrich Fleck, eines heute fast vergessenen Frankfurters, der sich vom Steuersünder zum wohltätigen Stifter wandelte, ist ab sofort im Frankfurter Personenlexikon nachzulesen.

Auch das alltägliche Leben verlangt derzeit viel Geduld. Wirklich glücklich ist in diesen Wochen wohl, wem es vergönnt ist, die kleinen Freuden genießen zu können.

Beste Sommergrüße – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. August 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juni 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

gerne nehmen wir besondere Jubiläen und Gedenktage zum willkommenen Anlass für neue Artikel im Frankfurter Personenlexikon. So wurde vor 175 Jahren das Dr. Christ’sche Kinderhospital in Frankfurt eröffnet, das die ältere der beiden Wurzeln vom heutigen Clementine Kinderhospital ist. Dem Gründer ist daher der Artikel des Monats gewidmet.

Artikel des Monats Juni 2020:
Ein Hospital für alle kranken Kinder

Er half fast 10.000 Frankfurterinnen und Frankfurtern auf die Welt: Theobald Christ. Der Mediziner hatte sich das Geld für sein Studium als Chorsänger bei Begräbnissen selbst verdient. Im Herbst 1802 ließ sich der 25-Jährige als praktischer Arzt in seiner Heimatstadt Frankfurt nieder, wo er bald zum gefragtesten Geburtshelfer wurde. Eigene Kinder hatte Christ jedoch nicht. In seinem Testament von 1835 bestimmte er deshalb seinen Grundbesitz und sein Vermögen im Wert von rund 150.000 Gulden zur Errichtung eines Krankenhauses für Kinder von vier bis zwölf Jahren und, soweit möglich, einer Entbindungsanstalt für arme Bürgersfrauen. Ausdrücklich hielt der Stifter fest, dass bei der Aufnahme in beide Einrichtungen die Religionszugehörigkeit keine Rolle spielen sollte.
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Am 14. Januar 1845, keine vier Jahre nach dem Tod von Theobald Christ, wurde das von ihm gestiftete Kinderhospital eröffnet. Es besteht am angestammten Standort in der nach dem Stifter benannten Theobald-Christ-Straße im Ostend fort, heute unter dem Namen „Clementine Kinderhospital“, das somit auf eine Tradition als eines der ältesten Kinderkrankenhäuser in Deutschland zurückblicken kann. Das „Clemi“, wie es von Ärzten wie Patienten oft liebevoll genannt wird, erinnert mit seinem jetzigen Namen an Clementine von Rothschild (1845-1865). Deren Mutter Louise von Rothschild hatte zur Erinnerung an die früh verstorbene Tochter ebenfalls ein Kinderspital gestiftet, das, ursprünglich nur für kranke Mädchen, 1875 eröffnet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg taten sich die Dr. Christ’sche und die Rothschild’sche Stiftung zusammen; das Clementine Kinderhospital wurde auf dem zunächst gepachteten Gelände des weitgehend kriegszerstörten Dr. Christ’schen Kinderkrankenhauses neu errichtet, und zum 1. Januar 1975 vereinigten sich die beiden Stiftungen als „Clementine Kinderhospital – Dr. Christ’sche Stiftung“, die seitdem die Trägerschaft des Krankenhauses innehatte.
Im Jahr 2009 schlossen sich das Clementine Kinderhospital und das Bürgerhospital unter einem gemeinsam gegründeten neuen Träger zusammen. Die „Clementine Kinderhospital – Dr. Christ’sche Stiftung“ ist, zusammen mit der Dr. Senckenbergischen Stiftung, Gesellschafter des Trägers und dient dem Zweck der Förderung des Kinderkrankenhauses und der Pädiatrie. Heute bietet das Clementine Kinderhospital mit seinen 75 Betten eine umfassende medizinische Versorgung für kranke Kinder vom Frühgeborenen bis zum Jugendlichen, ergänzt durch Spezialambulanzen für Rheumatologie, Diabetologie, Nephrologie, Neurologische Rehabilitation und Pneumologie/Allergologie. Die zum Haus gehörende Klinik für Psychosomatik ist ein weit über die Region hinaus einzigartiges Angebot für eine stationäre Behandlung auf diesem Gebiet. Infolge der Fusion wurden das Clementine Kinderhospital und das Bürgerhospital mit der größten Geburtshilfestation im Rhein-Main-Gebiet (mit fast 3.800 Geburten pro Jahr), der Früh- und Neugeborenen-Intensivstation, einer Kinderchirurgie und -urologie sowie der allgemeinen Pädiatrie als Perinatalzentrum Level 1 (also der höchsten Versorgungsstufe) anerkannt. Im Jahr 2017 haben die beiden Krankenhäuser außerdem die Frankfurter Hebammenschule mitbegründet, ganz in der Tradition des Stifters Theobald Christ, der, selbst ein ausgezeichneter Geburtshelfer, sich schon früh in der Ausbildung von Hebammen engagierte.

Ein weiteres wichtiges Jubiläum, das in der Coronakrise ziemlich untergegangen ist, ist der 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin. Der Dichter verbrachte zwar nur wenige, aber wesentliche Jahre in Frankfurt und im benachbarten Bad Homburg. Ende Dezember 1795 kam Hölderlin in die Mainstadt, um hier eine Stelle als Hauslehrer bei der Familie Gontard anzutreten. Die Begegnung mit Susette Gontard, der Dame des Hauses, sollte sein künftiges Leben und Schaffen bestimmen. Die schöne Frankfurter Bankiersgattin inspirierte ihn zur Figur der Diotima in seinen Gedichten und in seinem Roman „Hyperion“. Näheres ist in dem neuen Artikel über Friedrich Hölderlin im Frankfurter Personenlexikon nachzulesen.
Eigentlich hätte Hölderlins Geburtstag schon am 20. März 2020 angestanden, als jedoch die Zeit des weitgehenden Shutdowns infolge der Corona-Pandemie gerade begonnen hatte. Mit den Lockerungen läuft jetzt das Programm zum „Hölderlinjahr“ wieder an, selbstverständlich unter den weiterhin erforderlichen Einschränkungen und Schutzmaßnahmen. Ab dem 19. September ist eine zentrale Festwoche in Frankfurt geplant, veranstaltet von der Stadt in Zusammenarbeit mit dem Freien Deutschen Hochstift.
Angesichts der Zeitumstände ist zum Jubiläum unvermutet ein Vers aus Hölderlins Hymne „Patmos“ in den Blick gerückt, der hoffen lässt:
„Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.“

Es würde mich freuen, wenn auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, in dieser seltsamen Zeit etwas Trost finden könnten, vielleicht bei der Lektüre von Hölderlins Gedichten, oder wenn Sie einmal etwas Ablenkung brauchen sollten, möchte ich Ihnen das Stöbern im Frankfurter Personenlexikon empfehlen. Dabei lässt sich immer etwas Lesens- und Wissenswertes entdecken.

Beste Grüße und Wünsche – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juli 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Mai 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

allmählich läuft das Frankfurter Kulturleben in der Coronakrise wieder an. Wenn alles gut geht, wird noch im Mai eine Ausstellung des Instituts für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster eröffnet, die an einen zu Unrecht vergessenen Künstler erinnert. Das Frankfurter Personenlexikon stellt ihn schon jetzt im diesmaligen Artikel des Monats vor.

Artikel des Monats Mai 2020:
Konstruktiver Künstler und Kurator

Er sorgte für einen Kunstskandal in Frankfurt: Eberhard Steneberg. Der aus Weimar stammende und früh vom Bauhaus-Kreis geprägte Künstler lebte seit 1951 in der Mainstadt. Für die Städtische Galerie im Karmeliterkloster kuratierte er 1959 die Ausstellung „Beitrag der Russen zur modernen Kunst“, die die Bedeutung der Russischen Avantgarde für die Moderne in den Blick rückte. Das war damals, mitten im Kalten Krieg, ein Wagnis und auch ein Politikum; der Oberbürgermeister kam nicht zur Eröffnung, und Steneberg wurde als „Kommunist“ beschimpft. In seinem eigenen Schaffen erforschte der Künstler die Möglichkeiten der Abstraktion in der Malerei. Typisch für ihn wurden konstruktive Bilder mit kräftigen Farben und geometrischen Formen, die sich oft in transparent wirkenden Flächen überschneiden. Auch seinen der klassischen Moderne verpflichteten Werken bot und bietet das Karmeliterkloster ein Forum: für die erste Retrospektive 1998 ebenso wie für die demnächst kommende Ausstellung.
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Insgesamt konzentriert sich die aktuelle Artikellieferung auf Persönlichkeiten aus dem 20. Jahrhundert. Neu sind diesmal etwa die Biographien der international berühmten Fotografinnen Ilse Bing, einer gebürtigen Frankfurterin, und Gisèle Freund, einst Frankfurter Studentin, die in der NS-Zeit wegen ihrer jüdischen Herkunft und – im Falle Freunds – ihrer politischen Überzeugung verfolgt wurden und fliehen mussten. Ein anderer Artikel rekonstruiert den Lebenslauf des Frankfurter Journalisten und Schriftstellers August Kruhm, der im Zuge von „Aktionen“ des NS-Staates gegen Homosexuelle zweimal verhaftet wurde. Gerade in einer Zeit, in der wieder fragwürdige Ideologien ihre Anhänger finden, können solche Lebensgeschichten wie diese drei gar nicht oft genug erzählt werden.

Weitere neue Artikel beschäftigen sich mit zwei gebürtigen Frankfurtern, die im ausgehenden 20. Jahrhundert die städtische Kulturszene mitprägten. Beide kreierten auf jeweils eigene Art übrigens Figuren, die sie im hiesigen Dialekt sprechen ließen.
Der früh verstorbene Schriftsteller Jakob Arjouni erfand für seinen Debütroman „Happy birthday, Türke!“ 1985 den inzwischen legendären Privatdetektiv Kemal Kayankaya und begann damit eine Serie von Frankfurtkrimis, als dieses Genre noch nicht inflationär war.
Der Schauspieler Hans Zürn, der erst vor wenigen Wochen im Alter von 84 Jahren starb, ist als Ensemblemitglied des mittlerweile geschlossenen Volkstheaters Frankfurt noch in guter Erinnerung. Auf dessen Bühne im Großen Hirschgraben bewies er in Rollen vom alten Bürgerkapitän bis zum Mephisto, dass er sein Fach und seine Sprache in allen Nuancen beherrschte.

In die Reihe von Persönlichkeiten aus jüngster Vergangenheit passt ein großer Frankfurter, an den es demnächst anlässlich von seinem 100. Geburtstag, am 2. Juni des Jahres, zu erinnern gilt: Marcel Reich-Ranicki. Der Artikel über den prominenten Literaturkritiker ist zwar schon im September 2015 im Frankfurter Personenlexikon erschienen, aber weiterhin gültig und empfehlenswert, nicht zuletzt, weil er geprüfte Informationen zur Biographie bietet, zahlreiche Details zu Frankfurter Betreffen zusammenträgt und dennoch gut und oft auch unterhaltsam zu lesen ist. Diesen Ansprüchen fühlen sich Redaktion wie Autorinnen und Autoren in der Arbeit für das Frankfurter Personenlexikon weiterhin verpflichtet.

Beste Grüße – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juni 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. April 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

auch Bücher haben ihre Schicksale, wie das lateinische Sprichwort sagt. Das wohl berühmteste Buch aus Frankfurt machte seinen Weg vom ersten Exemplar in einem einfachen Schreibheft zum internationalen Bestseller in unzähligen Auflagen und Übersetzungen: „Der Struwwelpeter“. Die „lustigen Geschichten“ und „drolligen Bilder“ hatte 1844 der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann ursprünglich für seinen kleinen Sohn aufgezeichnet. Inzwischen, mehr als 175 Jahre später, hält „Der Struwwelpeter“ standhaft den Rekord als das am längsten kontinuierlich verlegte deutsche Kinderbuch. Und so prägte er nicht nur die Biographien von seinem Verfasser und seinen Verlegern, sondern auch von deren Nachfahren. Davon erzählen auch die beiden Artikel dieses Monats.

Artikel 1 des Monats April 2020:
Der Urenkel vom Verfasser

Er hat den „Struwwelpeter“ vertont: Kurt Hessenberg. Der in Frankfurt geborene und in Leipzig ausgebildete Komponist schuf gleich zu Beginn seiner Karriere eine „Struwwelpeter-Suite“, bestehend aus fünf Tanzburlesken nach den Geschichten aus dem Bilderbuch seines Urgroßvaters, die in der Frankfurter Aufführung des Radio-Sinfonie-Orchesters 1934 auch im Rundfunk zu hören waren. Kurz zuvor war der damals 25-Jährige als Lehrer am Hoch’schen Konservatorium nach Frankfurt zurückgekehrt. Nach dem Krieg konnte Hessenberg, obwohl Mitglied der NSDAP, seine Laufbahn fortsetzen. Zum großen Erfolg wurde etwa seine „Struwwelpeter-Kantate“ für Kinderchor, die in der deutschen Fassung 1951 und in der lateinischen Übersetzung 1958 in Frankfurt uraufgeführt wurde. Über 40 Jahre lang, von 1933 bis 1973, lehrte der Komponist in Frankfurt, zuletzt als Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.
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Artikel 2 des Monats April 2020:
Der Großneffe vom ersten Verleger

Er hat den „Struwwelpeter“ verlegt: Wilhelm Ernst Oswalt. 1901 übernahm der damals 24-Jährige die Leitung des von seinem Großonkel Joseph Rütten mitbegründeten Frankfurter Verlags „Rütten & Loening“, in dem das Bilderbuch „Der Struwwelpeter“ seit seinem ersten Erscheinen 1845 herauskam. Oswalt verwirklichte ein ansehnliches literarisches Programm und gewann sogar drei Nobelpreisträger für seinen Verlag. Dennoch prägte der traditionsreiche Erfolgstitel von Heinrich Hoffmann weiterhin den geschäftlichen wie auch den familiären Alltag des Verlegers. Seinen beiden Söhnen schenkte Oswalt immer wieder neue Ausgaben vom „Struwwelpeter“, etwa die lateinische Fassung zum Schulabschluss. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Wilhelm Ernst Oswalt 1936 zum Verkauf des Verlags „Rütten & Loening“ gezwungen. Er starb im Juni 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen.
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Eher zufällig gingen diese beiden Beiträge fast gleichzeitig für die aktuelle Artikellieferung des Frankfurter Personenlexikons bei der Redaktion ein. Als sich zeigte, dass sie von zwei gegenläufigen deutschen Schicksalen erzählen, in denen doch ein und dasselbe Buch eine wichtige Rolle spielte, war schnell klar, dass es diesmal ausnahmsweise einen „Doppelartikel“ des Monats geben müsste.

Für die Nachkommen von Heinrich Hoffmann und Wilhelm Ernst Oswalt gehört „Der Struwwelpeter“ selbstverständlich zu ihrer Familiengeschichte und ihrem Leben – bis heute. Hoffmanns Nachfahren förderten und fördern das Andenken an und die Erforschung von dessen Leben und Werk, und ohne ihr Engagement würde es wohl auch das Struwwelpeter-Museum nicht geben, das erst vor wenigen Monaten in sein neues Haus in der Altstadt eingezogen ist. Oswalts Enkelin, die nach der Emigration ihres Vaters in der Schweiz geboren wurde, verarbeitete ihre Familientradition in dem Theaterstück „Struwwelväter“, das sie vor einigen Jahren auch in Frankfurt zeigte. Ruth C. Oswalt ist übrigens nur wenige Jahre jünger als eine Tochter von Kurt Hessenberg, die ebenfalls Schauspielerin ist und u. a. in Lesungen auch an ihren Vater erinnert.

Als die Herausgeber sich vor etwa einem Jahrzehnt für eine digitale Zukunft des Frankfurter Personenlexikons entschieden, konnten sie nicht ahnen, dass diese Ausrichtung sich einmal in einer solchen Situation wie derzeit bewähren würde. Wir sind nun in der glücklichen Lage, unser Projekt nicht erst in digitaler Form aufbauen zu müssen, sondern können es in bekannter Weise weiterhin anbieten. Auch die Arbeit am Ausbau des Frankfurter Personenlexikons läuft in Zeiten der Corona-Krise weiter. Und vor allem können Sie, liebe Leserinnen und Leser, das Frankfurter Personenlexikon uneingeschränkt nutzen, was in diesen Tagen, in denen digitalen Angeboten eine besondere und auch soziale Bedeutung zukommt, wichtig ist.

Aus aktuellem Anlass möchte ich Sie daher heute auf ein neues und zusätzliches Angebot im Frankfurter Personenlexikon aufmerksam machen, das – wie einige von Ihnen schon bemerkt haben – seit einiger Zeit im Aufbau ist. Wir haben uns entschlossen, die Artikel aus der zweibändigen Buchausgabe der „Frankfurter Biographie“ von 1994/96 online im Frankfurter Personenlexikon zugänglich zu machen, auch wenn sie noch nicht abschließend für die Neuedition überarbeitet werden konnten.
Momentan finden Sie alle „Altartikel“ vom Buchstaben L bis zum Buchstaben R online, knapp 600 Personeneinträge, womit Informationen zu insgesamt rund 1.000 Frankfurter Biographien im FP im Internet zu finden sind. Beinahe täglich kommen neue Einträge hinzu, denn die Onlineveröffentlichung der „Altartikel“ aus der „Frankfurter Biographie“ wird kontinuierlich fortgesetzt. Aus technischen Gründen sind lediglich die „Altartikel“, die gerade in Bearbeitung für das Frankfurter Personenlexikon sind, eine Zeitlang nicht erreichbar – bis sie in Neufassung online erscheinen werden.
Die „Altartikel“ aus der „Frankfurter Biographie“ sind durch die Quellenangabe und den Hinweis, dass der jeweilige Artikel noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet wurde, gekennzeichnet. Schon jetzt, auch vor ihrer endgültigen Neubearbeitung für das Frankfurter Personenlexikon, bieten die Onlinefassungen der „Altartikel“ deutlich mehr als in der Buchausgabe. So enthalten sie erste Korrekturen, Ergänzungen und Aktualisierungen. Außerdem wurden sie bereits mit Angaben zu Quellen und Literatur versehen, die seinerzeit für die Buchausgabe nur in einer Kartei im Institut für Stadtgeschichte geführt wurden und jetzt aus dieser Kartei in die Onlinefassung übertragen werden konnten. Selbstverständlich ist zu allen veröffentlichten „Altartikeln“ auch die GND-Nummer erfasst, so dass sich weitere Einträge zu der jeweiligen Person in anderen wissenschaftlichen Datenbanken leicht und bequem erschließen lassen.
Ziel ist, dass bald alle „Altartikel“ aus der „Frankfurter Biographie“ online im Frankfurter Personenlexikon nachgeschlagen werden können. Wir arbeiten daran.

Ich würde mich freuen, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, im Frankfurter Personenlexikon wie gewohnt wieder Neues entdecken könnten. Gerade in unserem veränderten Alltag in dieser schwierigen und auch etwas unheimlichen Zeit mag ein gewisses Maß an Normalität und Ablenkung doch positiv wirken.
Die Hauptsache aber ist weiterhin: Bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße und beste Wünsche
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Mai 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. März 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

zuallererst möchte ich Ihnen ganz herzlich danken, dass Sie dem Frankfurter Personenlexikon die Treue halten. Ich freue mich sehr, dass ich Sie nach dem krankheitsbedingten Ausfall der vergangenen Monatslieferung heute wieder hier willkommen heißen kann.
Der diesmalige Artikel des Monats, der ausnahmsweise aus zwei unzertrennlichen Teilen bestehen muss, ermöglicht einen Sprung zurück in die Zeit vor ziemlich genau 100 Jahren, als die Schwestern Nini und Carry Hess in Frankfurt ihr berühmtes Fotoatelier betrieben.

Artikel des Monats März 2020:
Starfotografinnen der Goldenen Zwanziger

Sie fotografierten die Frankfurter Gesichter eines Vierteljahrhunderts: Nini und Carry Hess. 1913 gründeten die damals 29 und knapp 24 Jahre alten Schwestern ihre „Werkstätte für die Lichtbildkunst“ in der Frankfurter Börsenstraße. Schnell stieg die Firma zu einem gefragten Atelier für Porträt-, Theater- und Tanzfotografie auf. Schriftsteller, Künstler und Theaterleute, aber auch Politiker, Wissenschaftler und Sportler ließen sich von den Schwestern Hess fotografieren. Deren Studio entwickelte sich dadurch zu einem Salon, in dem sich die Prominenz der Weimarer Zeit in Frankfurt traf. Bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Carry Hess nach Frankreich, wo sie – erfolglos – eine neue Existenz für sich und ihre Schwester aufzubauen versuchte. Das von Nini Hess in Frankfurt weitergeführte Fotoatelier wurde beim Novemberpogrom 1938 zerstört. Damals ging das gesamte Negativ- und Bildarchiv der beiden Fotografinnen verloren.
Lesen Sie mehr über > Nini Hess und > Carry Hess

Sie fotografierten etwa Thomas Mann und Carl Zuckmayer, Elisabeth Bergner und Heinrich George, Max Beckmann und Paul Hindemith, Niddy Impekoven und Helene Mayer. Doch von Nini und Carry Hess selbst ist bisher kein Porträtfoto bekannt. Das Museum Giersch der Goethe-Universität, das für Frühjahr/Sommer 2021 eine Ausstellung zu Leben und Werk der beiden Fotografinnen plant, hat daher zur Suche nach Material zu den Schwestern Hess aufgerufen. Vielleicht finden sich in dem einen oder anderen Frankfurter Fotoalbum noch Bilder, die Nini und Carry Hess aufgenommen haben oder sogar zeigen.

Nicht nur für die kommenden Wochen ist der wichtigste Wunsch: Bleiben Sie gesund!
Und falls Sie dennoch das Haus hüten müssen oder möchten, so steht es Ihnen wenigstens frei, im Kopf zu verreisen – beim Lesen eines Buchs in ferne Welten oder beim Stöbern im Frankfurter Personenlexikon in andere Zeiten.

Für heute sendet Ihnen gute Grüße
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. April 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Februar 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

manchmal hat man hochfliegende Pläne, und plötzlich – liegt man auf der Nase. So ist es mir in diesem wechselhaften Winter ergangen. Deshalb:

Die Februarlieferung muss krankheitsbedingt leider entfallen.

Eine gute und nicht allzu stürmische Zeit bis zum baldigen Wiederlesen wünscht
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. März 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Januar 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

es freut mich sehr, Sie auch 2020 wieder auf unseren Seiten online begrüßen zu dürfen! Ich wünsche Ihnen persönlich das Allerbeste für das neue Jahr und uns allen viele interessante Begegnungen – nicht nur, aber auch im Frankfurter Personenlexikon!
Mitten in der Theatersaison befasst sich der Artikel des Monats diesmal mit einer Frau, die Zeichen auf der Opernbühne – nicht nur in Frankfurt – gesetzt hat.

Artikel des Monats Januar 2020:
Die Frau für den Frankfurter „Ring“

Sie gab der Oper einen neuen Sinn: Ruth Berghaus. Unter der Intendanz von Michael Gielen hatte die Regisseurin aus der DDR ihren wichtigsten Wirkungsschwerpunkt an der Oper Frankfurt. Von 1980 bis 1987 brachte sie hier neun Produktionen heraus, von Mozarts „Zauberflöte“ bis zu Wagners „Ring des Nibelungen“, der ersten Nachkriegsaufführung des gesamten Zyklus an den Städtischen Bühnen. Eine Inszenierung von Ruth Berghaus wurde nie gleichgültig aufgenommen. Immer reagierten Publikum wie Kritik angesichts der unkonventionellen Interpretationen altvertrauter Musiktheaterstücke leidenschaftlich: hell begeistert oder wutempört. Für einen „Rosenkavalier“ kehrte die international berühmte Regisseurin 1992 noch einmal an die Frankfurter Oper zurück.
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Die Aufregung, für die das Musiktheater der Ära Gielen in Frankfurt vor rund 40 Jahren sorgte, ist im Rückblick zu verstehen. Gerade die Oper schien damals noch weitgehend in einer Aufführungstradition zu verharren, in der Konventionen eine große und Inhalte fast gar keine Rolle mehr spielten. In der rosaroten Erinnerung an meine ersten Opernbesuche als Teenager, etwa ab Ende der 1970er Jahre, tauchen Bilder von beleibten Opernsängerinnen mit kastanienroten Hochsteckfrisuren auf, die sich in einem lilasamtenen Ungetüm von Kleid redlich bemühen, möglichst unbeschadet von den Zinnen der Engelsburg zu stürzen. (Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen und Inszenierungen sind natürlich rein zufällig und nicht beabsichtigt.)
Und dann habe ich, vielleicht mit 17 oder 18, den „Parsifal“ in der Frankfurter Fassung von Ruth Berghaus aus dem Jahr 1982 gesehen. Das war vollkommen neu für mich. Das Setzen starker Bilder auf einer eher kargen Bühne hat mich tief beeindruckt, so sehr, dass ich einzelne Szenarien bis heute nicht vergessen habe. Dass sich Amfortas das Blut aus seiner immer wieder aufbrechenden Wunde selbst mit einem dicken roten Filzstift aufmalte, fand ich damals ziemlich schräg. Noch konnte ich die Zeichen, die die Regisseurin ihren Zuschauern zumutete, nicht deuten. Bei Ruth Berghaus, die für ihre Genauigkeit in der Regiearbeit bekannt war, war nichts zufällig. Sie wollte, wie sie sinngemäß einmal in einem Fernsehinterview sagte, mit der Irritation den Zuschauer wachmachen, damit er die Bilder, Metaphern, Vorgänge auf der Bühne entdecke und kombiniere. Es würde hier zu weit führen, in das dramaturgische Konzept von Berghaus’ „Parsifal“ einzusteigen. Dennoch habe ich mir in Gedanken einmal den Spaß gemacht, mit der von der Regisseurin geforderten „Entdeckerlust“ die Versatzstücke aus der Erinnerung an die Inszenierung zusammenzufügen. Und tatsächlich ergibt sich eine stimmige Interpretation, in der auch der Rotstift von Amfortas seinen berechtigten Platz hat.

Der Start in das neue Jahr verlief in der Redaktion des Frankfurter Personenlexikons leider etwas holprig. Sie, liebe Leserinnen und Leser, mussten sich diesmal sehr lange gedulden, bis die Januarlieferung endlich komplett und auch über dieses Editorial hier zu finden war. Wir bitten, diese Unbill zu entschuldigen, und sehen den künftigen Lieferungen, für die sich schon einige neue bedeutende und attraktive Artikel angekündigt haben, frohgemut entgegen.

Noch einen schönen Januar und bald einen guten Februar wünscht Ihnen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Februar 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Dezember 2019

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

Kirchenmusik hat immer einen guten Klang. Gerade jetzt zur Weihnachtszeit wird sie überall gespielt, gesungen und gehört. Im alten Frankfurt beschäftigte der Rat der Stadt eigens einen Kapellmeister oder Konzertdirektor, der für die Musik an den Kirchen zuständig war und auch gleich die passenden Stücke für kirchliche und andere Anlässe zu komponieren oder wenigstens zu arrangieren hatte. Von einem aus der Reihe städtischer Kapellmeister handelt der diesmalige Artikel des Monats.

Artikel des Monats Dezember 2019:
Himmlische Melodien

Er schrieb Schlager für die evangelische Kirche: Georg Christoph Strattner. Wohl auf Fürsprache des Seniors Philipp Jakob Spener, des Begründers des Pietismus, wurde der bisherige badische Hofkapellmeister 1682 an die Barfüßerkirche in Frankfurt berufen. Zu seinen künftigen Aufgaben als städtischer Kapellmeister gehörte die Aufsicht über die Musik in allen Kirchen und am Gymnasium, die Ausbildung von Kapellknaben und die Tätigkeit als Tenorsänger. Während seiner Frankfurter Zeit vertonte Strattner alle 64 Lieder für die 1691 erschienene Neuausgabe des Gesangbuchs von Joachim Neander, dem pietistischen Kirchenlieddichter, dessen Werk wegweisend für den evangelischen Kirchengesang wurde. Die Kirchenlieder von Strattner zeichneten sich durch arienhafte Melodien aus, weshalb sie nicht nur besonders eingängig gewesen, sondern auch als gefühl- und stimmungsvoll angekommen sein mögen. Bis heute ist eines der von ihm in Frankfurt komponierten Lieder im Evangelischen Kirchengesangbuch enthalten: „Himmel, Erde, Luft und Meer“ (EG 504).
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Der Abschied Strattners von Frankfurt 1692 war allerdings unrühmlich: Infolge einer Ehebruchsaffäre wurde er entlassen und der Stadt verwiesen. Trotz aller Bittgesuche, auch seiner Frau Anna Elisabetha, konnte er seine Wiedereinstellung nicht erreichen, obwohl der Posten des städtischen Kapellmeisters lange unbesetzt blieb. Der Rat der Stadt bewahrte in dieser Angelegenheit seine moralische Haltung. Strattner fand erst zwei Jahre später wieder Arbeit, zunächst als Tenorist in Weimar. Das eigentliche Opfer in der Geschichte dürfte jedoch Elisabeth Erlenbach gewesen sein. Die erhaltene Kriminalakte im Institut für Stadtgeschichte dokumentiert den Tatbestand der „Unzucht“ des Kapellmeisters Strattner und des Musikers Blattenschläger mit der Dienstmagd Elisabeth Erlenbach, die in der Folge von Blattenschläger schwanger geworden war.
Seit einiger Zeit nimmt sich die moderne Sozialgeschichtsschreibung solchen und ähnlichen Fällen aus der städtischen Kriminalhistorie an. Prominentestes Beispiel ist wohl die „Kindsmörderin“ Susanna Margaretha Brandt, das Vorbild für Goethes Gretchen, deren Biographie inzwischen angemessen und vorurteilsfrei dargestellt ist. Vielleicht kann die Geschichtsforschung auch im Falle der Elisabeth Erlenbach, der geradezu erschreckend aktuelle Bezüge aufzuweisen scheint, dem Opfer das Gesicht wiedergeben.

Nach diesem ernsten Exkurs fällt es schwer, hier an der Stelle zum redaktionellen Alltag zurückzufinden. Dennoch sei der Hinweis gestattet, dass der neue Beitrag über Georg Christoph Strattner den chronologischen Auftakt zu einer Artikelreihe im Frankfurter Personenlexikon bildet, die damit zugleich vorläufig abgeschlossen ist. Die von Roman Fischer verfasste Reihe stellt die ansonsten ehrenwerten und auch berühmten Kirchenmusikdirektoren und Kapellmeister der Stadt Frankfurt am Main im 18. Jahrhundert vor: Johann Philipp Telemann, Johann Christoph Bodinus, Johann Balthasar König, Heinrich Valentin Beck, Johann Heinrich Steffan, Johann Christoph Fischer und Johann Conrad Seibert.

Es steht zu vermuten, dass alle der Herren Kapellmeister im Dienste der Stadt Frankfurt am Main auch Weihnachtsmusik komponiert haben, was aber noch genauer zu prüfen wäre. Im Namen des Frankfurter Personenlexikons stimme ich derweil in den so oft vertonten Gruß der himmlischen Heerscharen aus der Weihnachtsgeschichte ein und wünsche uns allen Friede auf Erden.

Mit den allerbesten Grüßen und Wünschen zu den bevorstehenden Festtagen
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Januar 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. November 2019

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

das „Neue Frankfurt“ kam nicht erst 1925 mit Ernst May. Das entscheidende Konzept zur Stadtentwicklung hatte bereits seit 1917 Ludwig Landmann ausgearbeitet und umgesetzt, zunächst als Wirtschaftsdezernent, seit 1924 als Oberbürgermeister. Am Anfang stand 1919 die Neugründung der Frankfurter Internationalen Messe. Zu deren Mitarbeitern gehörte bald eine bemerkenswerte Frau, von deren kurzer und doch so wichtiger Frankfurter Zeit der diesmalige Artikel des Monats handelt.

Artikel des Monats November 2019:
Eine Frau für die Moderne

Sie zeigte Frankfurt und der Welt die Moderne: Lilly Reich. Als Mitglied der Jury für das „Haus Werkbund“ auf dem Frankfurter Messegelände kam die 38-jährige Berliner Innenarchitektin und Modedesignerin um 1923 nach Frankfurt. Im Auftrag des Messamts war sie etwa für die Ausstellung „Die Form“ im städtischen Kunstgewerbemuseum 1924 mitverantwortlich, die den Übergang vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit in Frankfurt markiert. Nebenbei betrieb Lilly Reich, die schon früh für eine Reform in Modefragen eingetreten war, ein Atelier für Wäsche, Blusen und Kleider in der Fahrgasse. Dort bot sie auch Lehrkurse im Nähen, Schnittzeichnen und Sticken an. Doch scheinen sich ihre Hoffnungen auf eine berufliche Laufbahn in der Mainstadt nicht erfüllt zu haben. Mit der von ihr geschaffenen Ausstellung „Von der Faser zum Gewebe“ in der Festhalle verabschiedete sich Lilly Reich zur Herbstmesse 1926 von Frankfurt. An der Seite des Architekten Ludwig Mies van der Rohe, den sie während ihrer Frankfurter Jahre kennengelernt hatte, sollte sie nun so richtig durchstarten – in eine internationale Karriere als Ausstellungsgestalterin und Innenarchitektin der Moderne.
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Neben Lilly Reich gehörten zu dem Kreis, der seit Beginn der 1920er Jahre in Kooperation und manchmal auch in Konkurrenz das „Neue Frankfurt“ vorbereitete, etwa die Messedirektoren Otto Ernst Sutter und Josef Modlinger, die zudem als Presse- und Werbefachleute eine wichtige Rolle spielten, der Kunsthistoriker Fritz Wichert, der seit 1923 die städtische Kunstgewerbeschule leitete, und der Architekt Ferdinand Kramer, der, damals ganz am Beginn seiner Karriere, zunächst zusammen mit Lilly Reich im Sinne des Deutschen Werkbunds arbeitete und später in das Team von Ernst May am Hochbauamt wechselte.
Weitere Biographien von diesen und anderen prägenden Persönlichkeiten der frühen Moderne am Main werden im Frankfurter Personenlexikon nach und nach folgen. Manche der Protagonisten sind erst in jüngerer Zeit wieder in den Blickpunkt der Forschung und das Interesse der Öffentlichkeit gerückt. Auch Lilly Reich war nach ihrem Tod 1947 jahrzehntelang vergessen. Nach einer ersten Monographie von Sonja Günther (1988) wurde sie wieder wahrgenommen, zunächst meist nur als Partnerin von Mies van der Rohe, heute als eigenständige Architektin und Designerin. Der Artikel im Frankfurter Personenlexikon bietet auch neue Recherchenergebnisse aus den Quellen zur Frankfurter Zeit von Lilly Reich.
Auf dem aktuellsten Stand der Forschung präsentiert sich diesmal außerdem der Artikel über den Kunsthistoriker Ernstotto Graf zu Solms-Laubach, verfasst von Ulrike Schmiegelt-Rietig, Spezialistin für Provenienzforschung, die in ihrem Beitrag auch Solms’ Rolle als Museumsleiter in der NS-Zeit und während des Krieges behandelt. Ebenfalls auf grundlegenden eigenen Recherchen basiert der Beitrag über den Psychologen Maximilian Schubart, geschrieben von Michael Heymel, einem bewährten Autor des Frankfurter Personenlexikons, der einmal hinter den schillernden Schein von Schubarts Leben als „Deutschlands erster Headhunter“ in den 1960er Jahren schaut.

Zum Schluss dieses Editorials möchte ich Sie herzlich um Entschuldigung bitten, dass Sie diesmal aus redaktionellen Gründen länger warten mussten, bis die aktuelle Monatslieferung endlich ganz komplett online zu lesen war. Ich würde mich freuen, wenn Sie dem Frankfurter Personenlexikon dennoch treu und gewogen blieben.
Sollten Sie etwa an grauen Tagen, wie es sie im November und auch im Dezember noch geben kann, eine bunte Abwechslung und einen interessanten Zeitvertreib suchen, denken Sie bitte wieder einmal an das Frankfurter Personenlexikon. Es lässt sich darin immer etwas Lesenswertes entdecken.

Mit den besten Grüßen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Dezember 2019.

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Ein Projekt der Frankfurter Bürgerstiftung

Förderer: Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Stiftung Niederländische Gemeinde Augsburger Confession

Kooperationspartner: Frankfurter Historische Kommission
Projektleitung: Sabine Hock
Herausgeber: Clemens Greve, Sabine Hock
Datenbankprogrammierung: Andreas Bombel
Gestaltung: Anja Müller-Ries

Bildnachweis für die Kopfleiste (v. l. n. r.): Hamman von Holzhausen (Hans Happ nach Conrad Faber von Creuznach/UB Ffm.), Arthur Schopenhauer (ISG), Friedrich Stoltze (ISG), Johann Wolfgang Goethe (Johann Heinrich Lips/FDH-FGM), Max Beckmann (ISG), Bertha Pappenheim (ISG), Eduard Rüppell (Pompeo Marchesi/Archiv der SGN als Dauerleihgabe im HMF/Foto: Sven Tränkner), Paul Ehrlich (ISG), Christian Egenolff (Johann Friedrich Schmidt nach dem Monogrammisten „M“/ISG), Karl der Große (Andreas Artur Hoferick nach Karl Eduard Wendelstadt/Foto: Wolfgang Faust), Franz Adickes (ISG), Liesel Christ (hr-Archiv/Foto: Kurt Bethke), Ernst May (ISG), Georg Philipp Telemann (Valentin Daniel Preisler nach Ludwig Michael Schneider/ISG).

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