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Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Februar 2018

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

das „Neue Frankfurt“ liegt im Trend. Zahlreiche Initiativen, Projekte und Präsentationen beschäftigen sich derzeit, nicht nur aus historischer Sicht, mit dem Gesamtkonzept für das moderne Leben in der Großstadt, das Stadtbaurat Ernst May und seine Mitarbeiter im Frankfurt der späten 1920er Jahre zu realisieren versuchten. Manche aus Mays Team, die mittlerweile in Vergessenheit geraten waren, traten erst durch die Forschungen jüngster Zeit aus dem Schatten der Vergangenheit und damit ihres Vorgesetzten. Auch unser Artikel des Monats stellt wieder eine Persönlichkeit aus dem Kreis der Protagonisten des „Neuen Frankfurt“ vor, die bis vor kurzem nur wenig Beachtung in der Stadtgeschichtsschreibung fand.

Artikel des Monats Februar 2018:
Lenkerin des Blicks auf die moderne Stadt

Sie setzte das „Neue Frankfurt“ ins Bild: Grete Leistikow. Die ausgebildete Fotografin aus Breslau folgte im Frühjahr 1927 ihrem Bruder nach Frankfurt, dem Grafiker Hans Leistikow, dem Ernst May die Leitung des grafischen Büros der Stadt übertragen hatte. Zusammen mit ihrem Bruder gestaltete Grete Leistikow künftig die Zeitschrift „Das Neue Frankfurt“, die einer breiteren Öffentlichkeit die Ideen des modernen großstädtischen Lebensprogramms vermitteln sollte. Auch lieferte Grete Leistikow, die eine eigene „Photographische Werkstatt“ im Haus ihres Bruders in Ginnheim betrieb, zahlreiche Fotos von den neuen Bauten jener Zeit, womit sie den Blick auf das „Neue Frankfurt“ prägte. Bald nach der Heirat mit dem Architekten Werner Hebebrand 1930 gab sie jedoch ihren Beruf auf.
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In der aktuellen Lieferung beschäftigen sich übrigens zwei weitere Artikel mit Mitarbeitern aus Mays Stab für das „Neue Frankfurt“, mit dem Werbegrafiker Werner Epstein, einem Schüler Leistikows, der Drucksachen für die städtische Verwaltung und viele andere Auftraggeber in jener Zeit entwarf, und insbesondere mit dem Baumeister Carl-Hermann Rudloff, dem Chefarchitekten der Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen und ihrer Tochtergesellschaften, der für einige wichtige Siedlungsbauten der Ära May verantwortlich zeichnete.

Weshalb das „Neue Frankfurt“ gerade im Blickpunkt der Stadtgeschichtsforschung steht, darüber ließe sich trefflich philosophieren. Im Widerspiel traditioneller und moderner Kräfte, das die Entwicklung der Stadt Frankfurt von jeher bestimmte, erscheint es kaum verwunderlich, dass die Rückbesinnung auf das „Neue Frankfurt“ parallel verläuft zum Bau einer neuen Altstadt.
Oft lässt es sich jedoch viel prosaischer erklären, warum ein stadthistorisches Thema Konjunktur hat. Meist steht ein Gedenktag an, den es aus verschiedensten Gründen zu nutzen gilt. Momentan werden der 100. Geburtstag des Bauhauses 2019 und der 100. Jahrestag des Amtsantritts von Ernst May in Frankfurt 2025 vorbereitet.
Vor 20 Jahren feierten wir das „Paulskirchenjubiläum“: Damals, im Frühjahr 1998, wurde an die Eröffnung der Nationalversammlung, des ersten freigewählten deutschen Parlaments, in der Frankfurter Paulskirche vor 150 Jahren gedacht. Zur 75-Jahr-Feier der Nationalversammlung 1923 war Reichspräsident Friedrich Ebert nach Frankfurt gekommen. Wie er hier aus diesem Anlass eine eindrucksvolle Demonstration für die Demokratie und damit vielleicht den Höhepunkt seines politischen Wirkens erlebte, können Sie in dem neu bearbeiteten Artikel über Ebert und seine Frankfurter Biographie nachlesen.

Eine andere, eher unbekannte Episode aus der Stadtgeschichte erzählt der Beitrag über den Dichter und Schriftsteller Wassili Andrejewitsch Schukowski, den Begründer der russischen Romantik, der auf der Suche nach gesundheitlicher Erholung eine Weile in Frankfurt wohnte. Ein beschauliches Domizil für sich und seine Familie fand er in einem Landhaus am Main, der heutigen Villa Metzler des Museums Angewandte Kunst – bis ihn die Revolution von 1848 nach Baden-Baden weiterwandern ließ.

Wenn Sie Entspannung suchen sollten, dann gönnen Sie sich doch einfach die Lektüre im Frankfurter Personenlexikon. Hier finden sich genug interessante Geschichten, die Sie vom Alltag abschalten lassen.

Mit besten Empfehlungen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. März 2018.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Januar 2018

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

wie schön, dass Sie auch im neuen Jahr wieder im Frankfurter Personenlexikon vorbeischauen! Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute, viel Glück und viel Segen für 2018!

Die erste Monatslieferung des Jahres befasst sich vorrangig mit Personen des 20. Jahrhunderts. Dieser Schwerpunkt, der sich wie zufällig aus der laufenden Artikelarbeit ergeben hat, ist dennoch folgerichtig. Gerade aus der Zeitgeschichte ist, nicht nur wegen des Ablaufs von Schutzfristen wichtiger Aktenbestände als wesentlicher Quellen, immer wieder wirklich Neues zu berichten. Auch unser Artikel des Monats bringt Neuigkeiten aus der Geschichte auf dem alleraktuellsten Stand der Forschung.

Artikel des Monats Januar 2018:
Verdienter Senckenberger im Zeichen der NS-Zeit

Er widmete sein Leben zu jeder Zeit „dem Senckenberg“: Rudolf Richter. Der promovierte Geologe und Paläontologe kam 1908 nach Frankfurt, um hier eine Stelle als Lehrer anzutreten, und engagierte sich seitdem – jahrzehntelang ehrenamtlich – in der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft (SNG) und für deren Naturmuseum. 1928 gründete er „Senckenberg am Meer“, die Forschungsanstalt für Meeresbiologie und Meerespaläontologie in Wilhelmshaven. Seit 1932 Direktor des Senckenbergmuseums, bekannte sich Richter als dessen „Führer“ seit 1933 zum Nationalsozialismus. Linientreu zeigte er sich etwa in seinem neuen, durchaus modernen und publikumswirksamen Konzept der Museumsdidaktik. Andererseits blieb er jüdischen Förderern, insbesondere Arthur von Weinberg, und Mitarbeitern, u. a. Tilly Edinger, weiterhin verbunden. Nach dem Krieg, nachdem er im Spruchkammerverfahren als „entlastet“ eingestuft worden war, konnte Richter seine Arbeit am Senckenberg bald fortsetzen, wenn auch nicht mehr in leitender Position. Die Aufnahme des Senckenberg in das „Königsteiner Abkommen“ zur staatlichen Forschungsförderung 1954 ist wesentlich ihm zu verdanken.
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Unser Autor Andreas Hansert hat die Biographie von Rudolf Richter für das Frankfurter Personenlexikon verfasst aufgrund der Forschungen für sein Buch „Das Senckenberg-Forschungsmuseum im Nationalsozialismus“, das soeben erschienen ist. Darin weist Hansert nach, dass das bisherige Bild, wonach die führenden Senckenberger sich in der NS-Zeit „einwandfrei“ verhalten hätten und „ohne Flecken“ geblieben seien, ein Mythos ist – an dessen Entstehung Richter selbst und seine Mitarbeiter maßgeblich beteiligt waren. Um die Einlassungen mit dem Nationalsozialismus vor der Nachwelt zu verbergen, hat Richter sogar die Protokolle des „Führerbeirats“, des Leitungsgremiums der SNG in der NS-Zeit, nachträglich umgeschrieben.
Hanserts Buch dürfte für Diskussionen sorgen – über den angemessenen Umgang mit der Vergangenheit, aber auch über Möglichkeiten und Grenzen bei der Aus- und Bewertung historischer Quellen. Schon jetzt zeigt das aktuelle Beispiel: Das Handwerk des Historikers ist nicht überflüssig geworden. Eine professionelle quellenkritische Betrachtung ist auch bei der Auswertung „moderner“ und vermeintlich leicht verständlicher Überlieferung vonnöten.

Im Frankfurter Personenlexikon bemühen wir uns um eine fundierte wie vielseitige Betrachtung der Vergangenheit. Ein weiterer Schwerpunkt in der Januarlieferung liegt auf Biographien aus den 1920er Jahren: Es sind Artikel über die Architekten Otto und Eduard Fucker, den Rundfunkpionier Ernst Schoen, den Werbefachmann Herbert Skrebba und Felix Weil, den Mitbegründer des Instituts für Sozialforschung, neu im Frankfurter Personenlexikon erschienen.

Einen interessanten und abwechslungsreichen Monat Januar, nicht nur bei der Lektüre des Frankfurter Personenlexikons, wünscht Ihnen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Februar 2018.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Dezember 2017

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie es schon bemerkt? Im vergangenen Monat hat das Frankfurter Personenlexikon ein neues Layout bekommen. Die moderne und optisch ansprechende Gestaltung unterstützt das Konzept und hat an den Inhalten nichts geändert. Weiterhin genießen die Nutzer den vollen Komfort des digitalen Nachschlagewerks, etwa bei der Personen- und Stichwortsuche, und der Zugang zu den Inhalten von der Startseite ist sogar noch einfacher und übersichtlicher geworden. Über die zentrale Leiste von A bis Z gelangt man von dort schnell zu den bereits veröffentlichten Frankfurter Biographien aus über 1.200 Jahren Stadtgeschichte. Nicht nur beim Klicken auf einen der Buchstabenwürfel in dieser Leiste werden Sie sehen, dass wir der bewährten Signalfarbe unseres Projekts treu geblieben sind: Das Orange der „Frankfurter Biographie“ hat inzwischen Tradition und wurde passend zum neuen „Style“ unserer Internetseite zwar etwas zurückgenommen, aber nicht aufgegeben.
Das neue Layout des Frankfurter Personenlexikons wurde von der Kommunikationsdesignerin Anja Müller-Ries (Entwurf) und dem Datenbankprogrammierer Andreas Bombel (Umsetzung) in enger Zusammenarbeit mit der Redaktion geschaffen. Ein solches Kleid kriegt man nicht im Kaufhaus. Fast alles andere aber schon. Dieses Erfolgsrezept der Kaufhäuser erkannte und nutzte schon früh Hermann Wronker, dessen Biographie unser heutiger Artikel des Monats erzählt.

Artikel des Monats Dezember 2017:
Frankfurts Kaufhauskönig

Er ermöglichte vielen die Erfüllung ihrer Wünsche: Hermann Wronker. Der 23-jährige Kaufmann aus Posen, der seinen Beruf bei den Gebrüdern Tietz gelernt und deren Nichte geheiratet hatte, kam 1891 nach Frankfurt und eröffnete hier ein Warenhaus, das er stetig ausbaute. Spätestens seit dem Umzug in das neue, ab 1907 errichtete Geschäftsgebäude auf der Zeil war „Wronker“ das größte Kaufhaus in Frankfurt. In den Zwanzigerjahren stand das Frankfurter Stammhaus als Flaggschiff an der Spitze einer überregionalen Kaufhauskette der „Hermann Wronker AG“. In der NS-Zeit wurde das Unternehmen zwangsweise „arisiert“ und in die Firma „Hansa AG“ überführt. Hermann Wronker und seine Frau Ida flohen 1939 nach Frankreich. Es gelang ihnen jedoch nicht mehr, zu ihren nach Ägypten emigrierten Kindern auszureisen. Aus dem besetzten Frankreich wurden Hermann und Ida Wronker 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.
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In einem Brief an die Stadt Frankfurt am Main vom 4. Oktober 1961 schrieb Alice Engel, die Tochter von Hermann und Ida Wronker, aus New York: „Mein Vater war ein stolzer Jude, der jedoch ohne Unterschied der Religion Gutes tat. Sein grosser Stolz war ein Kinderbrief, den er immer bei sich trug: ‚An das liebe Christkind‘. Die Hauptpost schickte diese Zeilen an meinen Vater und am Weihnachtsabend stand ein Weihnachtsbaum mit allen erwuenschten Geschenken darunter vor der Tuere der betreffenden Familie.“ (Brief von Alice Engel in: ISG, S2/604.)

Das ist doch eine wunderbare Weihnachtsgeschichte, die zu Herzen geht wie auch ein bisschen zu beschämen vermag – selbst wenn man sie nicht vom bitteren Ende des Kaufhauskönigs her liest. Aber vielleicht kann die Erinnerung Kraft entfalten, und dann lässt sie uns nicht nur hoffen, sondern auch etwas tun – für glückliche und friedliche Festtage im Miteinander aller Menschen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Start in das neue Jahr!
Herzlichst
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Januar 2018.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. November 2017

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

keiner weiß, wie die Gegenwart endet. Erst im Rückblick ordnet sich das Geschehene zur Geschichte. Und so sind wir es gewohnt, vergangene Epochen von ihrem Schluss aus zu betrachten und zu bewerten. Doch die Menschen in ihrer Zeit konnten das Ende nicht kennen, sahen noch Alternativen, kämpften für verschiedene Ideale und andere Ziele. Die einstige Vielfalt der handelnden Personen und herrschenden Meinungen wird im öffentlichen Geschichtsbild, das sich im Interesse der Erkenntnis notwendigerweise unter Konzentration auf das Wesentliche entwickelt hat, weitgehend ausgeblendet. Zu den eher vergessenen Protagonisten der Politik auf dem Weg zur deutschen Einheit im 19. Jahrhundert etwa gehört der Paulskirchenabgeordnete und Bundestagsgesandte Justin von Linde, den der diesmalige Artikel des Monats vorstellt.

Artikel des Monats November 2017:
Einmal das Zünglein an der Waage

Er war anerkannt als Jurist und konservativ als Politiker: Justin von Linde. Nach dem Abschied aus hessen-darmstädtischen Staatsdiensten kehrte der gebürtige Westfale 1848 auf die politische Bühne zurück. Als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche plädierte er für einen Staatenbund unter Einschluss und Vorsitz Österreichs und galt damit als einer der stärksten Gegner Gagerns. Zugleich äußerte er sich in Grundrechts- und Verfassungsfragen eher fortschrittlich, trat für die Gleichberechtigung der jüdischen Religion und die Abschaffung von Vorrechten des Adels ein. Nach Erneuerung des Deutschen Bundes wirkte Linde als Gesandter und juristischer Berater, u. a. für Österreich, am Bundestag in Frankfurt. Am 14. Juni 1866 gab seine Stimme den Ausschlag für die Annahme des österreichischen Antrags, die Bundestruppen gegen Preußen zu mobilisieren. Damit begann der Deutsche Krieg, der letztlich alle politischen Hoffnungen Lindes zerstörte.
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Gerade die Biographie eines Politikers wie diese verleitet zu Fragen: Wo stand er? Wo wollte er hin? Verfocht er Ideale? Welche? Zeigte er Verantwortung? Trug er Schuld? Gehörte er zu den Gewinnern oder den Verlierern? Zu den „Guten“ oder den „Bösen“?
Direkte Antworten finden sich im Frankfurter Personenlexikon meist nicht. Gemäß seinem historiographischen Ansatz ist das FP vielmehr bestrebt, geprüfte Fakten zu vermitteln, ohne zu werten. Auf dieser Basis mögen die Leserinnen und Leser sich selbst ein Bild und ein Urteil machen. Und wenn Sie dabei feststellen sollten, dass sich die meisten der dargestellten Personen nicht so einfach mit Etiketten versehen lassen, dann haben wir hier in der Redaktion nicht alles falsch gemacht. Das Leben in der Vergangenheit, das die Menschen aus dem FP prägten, war nicht immer nur hell oder dunkel, schwarz oder weiß, sondern oft bunt – und noch öfter grau. Wie diese trüben Novembertage, die wie geschaffen dafür sind, im Frankfurter Personenlexikon zu stöbern und zu schmökern. Dabei könnten Sie, liebe Leserinnen und Leser, schon bald eine Überraschung sehen.

Einstweilen beste Grüße
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Dezember 2017.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Oktober 2017

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

der Artikel des Monats ist diesmal einem ganz großen Frankfurter gewidmet. Selbstverständlich war er bereits in der „Frankfurter Biographie“ vertreten. In Frankfurt heißt heute (wieder) ein Platz in der Innenstadt nach ihm, verleiht eine von Bürgern gegründete Stiftung seit fast einem Vierteljahrhundert einen renommierten Preis zu seinem Gedenken und wurde erst vor wenigen Jahren eine Schule nach ihm benannt. Dennoch sind sein Name, Leben und Wirken im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit weiterhin kaum präsent. Mit besonderer Freude präsentieren wir Ihnen daher die Biographie dieses prominenten Frankfurters in einer grundlegend aktualisierten und überarbeiteten Fassung im Frankfurter Personenlexikon.

Artikel des Monats Oktober 2017:
Einflussreicher Zeitschriftsteller und virtuoser Sprachkünstler

Er gilt als Begründer des kritischen Journalismus: Ludwig Börne. Geboren 1786 als Juda Löw Baruch in der Frankfurter Judengasse, schlug der 25-Jährige zunächst eine Verwaltungslaufbahn als Polizei-Aktuar im Dienst des Großherzogtums Frankfurt ein. Mit dem Ende der napoleonischen Zeit aus dem Staatsdienst entlassen, weil er Jude war, wollte er sich eine neue Existenz als Journalist aufbauen. Aus Furcht vor antisemitischen Vorurteilen änderte er seinen Namen in „Ludwig Börne“, ließ sich taufen (was er aber zunächst nicht publik machte) und begann mit der Herausgabe des Blattes „Die Wage“. Die geschliffenen Essays und scharfsinnigen Kritiken, die er in dieser Frankfurter „Zeitschrift für Bürgerleben, Wissenschaft und Kunst“ von 1818 bis 1821 veröffentlichte, markieren die Erfindung des modernen Feuilletons. Getreu seinem Selbstverständnis als „Zeitschriftsteller“ schrieb Ludwig Börne rücksichtslos und unermüdlich für Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde, gegen Intoleranz, Unterdrückung und Antisemitismus. Als entschiedener Republikaner engagierte er sich bis zuletzt für eine demokratische Entwicklung in Deutschland. Am 12. Februar 1837 endete sein kurzes und bewegtes Leben im Exil in Paris.
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Übrigens würde es das Werk Börnes nicht in der überlieferten Form geben ohne Jeanette Wohl, die Frankfurter Freundin an seiner Seite, deren Biographie ebenfalls in einem grunderneuerten Artikel in dieser Oktoberlieferung des Frankfurter Personenlexikons erscheint.

Dass Ludwig Börne nicht im kollektiven Gedächtnis geblieben ist, mag auch daran liegen, dass er aufgrund seiner jüdischen Herkunft in der Zeit des Nationalsozialismus aus der Geschichte gestrichen wurde. Oft wirken der nationalsozialistischen Ideologie verhaftete Sichtweisen stärker auf das bundesdeutsche Geschichtsbild nach, als es uns bewusst ist. Auch Selbstdarstellungen von Repräsentanten des NS-Regimes, die sie – nie uneigennützig – in die Historiographie der Nachkriegszeit einbrachten, sind lange unhinterfragt stehengeblieben. Erst kürzlich etwa entlarvte der Zeithistoriker Magnus Brechtken die „Legende vom guten Nazi“, die Hitlers Architekt und Rüstungsminister Albert Speer über sich selbst in die literarische Welt gesetzt und damit in der Geschichtsschreibung etabliert hat, die aber einer kritischen Überprüfung anhand der Quellen nicht standhält.

Auch in der Buchausgabe der „Frankfurter Biographie“ gibt es Fälle, in denen die Artikel teilweise dem perfekt „persilgewaschenen“ Selbstbild erlegen sind, mit dem ehemalige Anhänger des Nationalsozialismus in der Nachkriegsgesellschaft gut leben konnten. Ein Beispiel dafür ist der Biophysiker Boris Rajewsky, der 1934, als „ausgezeichneter Nationalsozialist“ bekannt, vom Assistenten direkt zum Leiter des Frankfurter „Instituts für physikalische Grundlagen der Medizin“ aufstieg und ab 1949 seine Karriere an dem daraus hervorgegangenen „Max-Planck-Institut für Biophysik“ fortsetzte. Ein deutlich differenzierteres Bild seines Lebens als die „Frankfurter Biographie“ bietet der neue Artikel im Frankfurter Personenlexikon aufgrund der kritischen Quellenrecherche des Autors Dieter Wesp.

Manchmal sind Biographien bekannter Frankfurter gefragt, die aus historischer Sicht noch nicht lückenlos erforscht und daher nicht abschließend zu bewerten sind, gerade wenn es um die Rolle der behandelten Person in der NS-Zeit geht. Das Frankfurter Personenlexikon kommt in solchen Fällen dem Informationswunsch seiner Leser gerne nach, weist aber in dem entsprechenden Artikel darauf hin, wenn noch Forschungsbedarf besteht, der im Rahmen der rein lexikographischen Arbeit unseres Projekts nicht oder zumindest nicht im vollen Umfang zu leisten ist. Aber vielleicht kann das Frankfurter Personenlexikon dadurch den Anstoß für weitere Forschungen geben. Auch das begreifen wir als wichtigen Auftrag im Dienst des wissenschaftlichen Fortschritts.

Goldene Oktobergrüße
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. November 2017.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. September 2017

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

im Herbst füllen sich die Blätter. Vergessen sind alle Sommerlöcher, und die Zeitungen werden scheinbar von ganz alleine dicker – nicht nur in Wahlkampftagen wie diesen. Da liegt es nahe, dass wir unseren Artikel des Monats wieder einmal einem bedeutenden Blattmacher widmen.

Artikel des Monats September 2017:
Höchster Anspruch auf lokaler Ebene

Er machte Zeitung für Frankfurt: Erich Helmensdorfer. Der damals knapp 56-jährige Journalist, früher bekannt als Quizmaster aus dem Fernsehen, wechselte bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 1976 vom Auslandskorrespondenten in Ägypten zum Lokalchef in Frankfurt. Sein publizistisches Wirken gewann dadurch an Intensität und politischem Einfluss. Aus Prinzip hätte er das Blatt jedoch nie gegen die Stadtregierung redigiert. Zehn Jahre lang erfüllte Erich Helmensdorfer als Leiter des Lokalressorts bei der FAZ eine Aufgabe, die er selbst zu den anspruchvollsten im Mediengewerbe zählte: Nirgendwo sonst seien Journalisten so zur Detailgenauigkeit gezwungen wie im Lokalteil – allein schon aufgrund der unmittelbaren Überprüfbarkeit aller Fakten durch die Leser. Dabei erwies sich Helmensdorfer als souveräner Kenner der Stadt, ihrer Gegenwart und ihrer Geschichte. Stets war er auch bestrebt, „leere Seiten“ in der Stadthistorie zu füllen, und brachte in seinem Blatt großformatige Artikel, die sich schon früh, noch vor der Fachhistorie, mit dem Nationalsozialismus, dessen Aufstieg und Akteuren in Frankfurt auseinandersetzten.
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Die Anforderung der Detailgenauigkeit gilt auch für ein lokales Nachschlagewerk wie das Frankfurter Personenlexikon, und wir versuchen, diesem Anspruch nach bestem Wissen und Gewissen gerecht zu werden. Falls sich doch einmal ein Fehler in einen Artikel einschleichen sollte, dann weisen uns glücklicherweise wache Leser wie Sie gelegentlich darauf hin, so dass wir für eine Korrektur sorgen können.

Für Ihr aufmerksames Interesse am Frankfurter Personenlexikon sei Ihnen allen an dieser Stelle einmal ausdrücklich gedankt.

Herzliche Herbstgrüße
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Oktober 2017.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. August 2017

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

als Kunststadt ist das Frankfurt des Mittelalters und der frühen Neuzeit nicht bekannt. Köln hatte seinen Stefan Lochner, Nürnberg seinen Albrecht Dürer – und Frankfurt seine reichen Kaufleute, die dort ihre Kunstwerke bestellten und erwarben. So meint man, und als Paradebeispiel dafür gilt der Frankfurter Patrizier und Tuchhändler Jakob Heller, der sozusagen Stammkunde bei Dürer in Nürnberg war. Dabei blühte in Frankfurt an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert eine eigene Künstlerszene, die von der Kunstgeschichtsschreibung um 1900 entdeckt wurde, dann jahrzehntelang aus dem Blick geriet – und erst jetzt allmählich wieder und neu erforscht wird. Zwei bedeutende Künstler aus dem alten Frankfurt um 1500 werden in unseren Artikeln des Monats auf der Basis des neuesten kunsthistorischen Forschungsstands vorgestellt.

Artikel des Monats: Zwei vergessene Meister aus Frankfurt
Vor fast genau 500 Jahren malten Vater und Sohn in ihrer Werkstätte im Umkreis des Frankfurter Doms ihre Bilder: Hans und Martin Caldenbach gen. Hess. Die Kunstgeschichte wurde erst 1862 auf Martin Caldenbach aufmerksam, weil Dürer ihn in seinen Briefen an Jakob Heller anerkennend erwähnt. Heute werden beiden Frankfurter Malern wichtige Werke, die auch in Kirchen und Museen der Stadt zu sehen sind, zugeschrieben. Am bekanntesten dürften die Bildnisse des Frankfurter Patriziers Claus Stalburg „des Reichen“ und seiner Ehefrau Margarethe vom Rhein sein, die sehr wahrscheinlich Hans und Martin Caldenbach gemeinsam in Stalburgs Auftrag 1504 für dessen Privatkapelle malten und die inzwischen zu den traditionellen Glanzstücken in der Sammlung des Städel Museums gehören. Trotz solcher potenten Auftraggeber konnten Vater und Sohn Caldenbach nicht von ihrer Kunst allein leben. Beide verdingten sich nebenher als städtische Beamte, um außer ihren Honoraren als Maler noch ein sicheres Einkommen zu haben.
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Die Erforschung von Leben und Werk der Künstler aus der frühen Neuzeit kann manchmal spannender sein als ein Krimi. So war zwar bekannt, dass Martin Caldenbach in seiner Tätigkeit als Visierer – das war seinerzeit eine Art städtischer Zollbeamter, der den Handel mit in Fässern angelieferten Waren kontrollierte – auch die Zollbücher auf der Fahrpforte am damaligen Mainhafen geführt hatte. Doch die Fahrpfortenbücher mit den Einträgen Caldenbachs schienen seit der Zerstörung des alten Stadtarchivs und seiner Bestände bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg verloren. Erst in den 1990er Jahren wurden im nunmehrigen Institut für Stadtgeschichte insgesamt 104 Wehrmachtskisten mit „Brandakten“, die 1944 aus dem brennenden  Archivgebäude am Weckmarkt geborgen worden waren, gesichtet und katalogisiert. Darin fanden sich auch die Fahrpfortenbücher von 1514 bis 1518 wieder, in denen noch Eintragungen von Martin Caldenbach zu lesen sind, versehen mit seinem Namenszug und Monogramm.

Auch andere Biographien in unserer diesmaligen Monatslieferung sind wieder eine spannende Sache, selbst wenn sie von Personen aus neuerer Zeit handeln, etwa die Artikel über Hans Herkommer, den Architekten der Frauenfriedenskirche, und über Rosa Kempf, eine Protagonistin der empirischen Sozialforschung.

In diesem Sinne wünscht Ihnen einen interessanten Monat August
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. September 2017.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juli 2017

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

wann haben Sie zuletzt einen Schmetterling gesehen?
Als mir neulich ein Zitronenfalter über den Weg flatterte, fielen mir plötzlich dessen Gefährten wieder ein, deren poetische Namen mir aus der Kindheit vertraut sind: das Pfauenauge etwa oder der Schwalbenschwanz und das Landkärtchen. Jeder dieser Namen zaubert sofort Bilder von ebenso wunderbarer wie fragiler Schönheit vor mein geistiges Auge, und ich sehne mich nach den unbeschreiblichen Formen und Farben, die man nie vergisst, wenn man sie einmal geschaut hat.
Wenn auch Sie gern wieder einmal einen Schmetterling in der freien Natur beobachten würden, dann ist jetzt die beste Zeit dafür. Nicht umsonst werden Falter manchmal Sommervögel genannt, ein einst auch in Frankfurt verbreiteter Begriff, wie wir etwa durch Goethes Verwendung des Worts in seinem „Urfaust“ wissen. Wohin die Faszination für Schmetterlinge im besonderen Einzelfall führen kann, erzählt unser diesmaliger Artikel des Monats.

Artikel des Monats: Die Falterfrau
Sie war eine geniale Künstlerin und Naturforscherin: Maria Sibylla Merian. Als Tochter des berühmten Kupferstechers Matthäus Merian 1647 in Frankfurt geboren, erlernte das Mädchen schon früh die Kunst des Blumenmalens. Als Dreizehnjährige begann sie, Seidenraupen zu züchten, deren Metamorphose zum Falter sie staunend beobachtete und aufzeichnete. Trotz ihrer späteren Heirat und der Geburt zweier Töchter setzte Maria Sibylla ihre künstlerische Arbeit ebenso wie ihre naturwissenschaftlichen Studien fort, bildete sich autodidaktisch weiter und brachte ihre Forschungsergebnisse 1679 erstmals in einem von ihr selbst exzellent bebilderten Buch („Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung“) heraus.
Nach der Trennung von ihrem Mann zog Maria Sibylla mit ihrer Mutter und ihren Töchtern in eine urchristliche Kommune auf Schloss Waltha in den Niederlanden, wo sie erstmals präparierte Falter und Pflanzen aus Surinam sah. Deren exotische Schönheit weckte den Wunsch in ihr, irgendwann selbst nach Surinam zu reisen und im tropischen Regenwald zu forschen. Im Frühsommer 1699 ging die 52-Jährige, nur in Begleitung ihrer jüngeren Tochter, an Bord eines holländischen Segelschiffs, das sie in das Land ihrer Träume brachte. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Forschungen in Surinam, die sie nach ihrer Rückkehr von dem zweijährigen Tropenabenteuer 1701 in Amsterdam zu einem dreibändigen Werk ausarbeitete, gilt Maria Sibylla Merian als Begründerin der modernen Insektenforschung. In ihren bis heute beeindruckenden Büchern hat „die Merianin“ übrigens nie das Wort „Schmetterling“ verwendet, sondern sie schrieb immer von „Sommervögelein“.
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Anlässlich ihres 300. Todestags in diesem Jahr wird Maria Sibylla Merian allerorten geehrt, auch in ihrer Geburtsstadt Frankfurt, wo ihr u. a. ab Oktober eine große Ausstellung im Städel Museum gewidmet sein wird, und da liegt es nahe, dass jetzt der Artikel über diese prominente Frankfurterin aus der Buchausgabe der „Frankfurter Biographie“ in überarbeiteter, ergänzter und aktualisierter Fassung im Frankfurter Personenlexikon erscheint.

Der außergewöhnlichen Frau lassen die Herren der diesmaligen Monatslieferung sicher gern den Vortritt, auch wenn sie alle sich mit ihren Biographien nicht verstecken müssen. So befinden sich in unserer hochsommerlichen Gesellschaft gleich drei Grafen, die sich in der Mainstadt jedoch gerade durch ihre Bürgernähe auszeichneten: der Diplomat Melchior Friedrich von Schönborn und sein Sohn Rudolf Franz Erwein von Schönborn, zwei kaiserliche Kommissare, die im Frankfurter Verfassungsstreit des frühen 18. Jahrhunderts für die Mitbestimmung der Bürgerschaft eintraten, und der Schriftsteller Anastasius Grün, eigentlich Anton Alexander von Auersperg, der bei seinem Aufenthalt als Abgeordneter der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt im Sommer 1848 mit einem Ehrenfest des Liederkranzes gefeiert wurde und in seinen langen, heute vergessenen Gedichten auch die Stadt am Main besang.
Außer diesen Neuzugängen für das Frankfurter Personenlexikon präsentieren sich etwa der Historiker Johann Friedrich Böhmer, der Begründer der bedeutenden Quellenedition „Regesta Imperii“ zur deutschen Geschichte des Mittelalters, und der Zeichner Albert Hendschel, der Schöpfer des Titelschriftzugs von Stoltzes Wochenzeitschrift „Frankfurter Latern“, in Neufassungen der Artikel aus der Buchausgabe.

Mit solchen Gesellen kann man interessante Sommerwochen verbringen, wenn auch nur virtuell im Frankfurter Personenlexikon, das hiermit gut gestimmt und aufgestellt in sein viertes Jahr im Internet startet.
Falls Sie in dieser Ferienzeit auch „richtig“ verreisen möchten, dann wünsche ich Ihnen einen schönen Urlaub. Glücklicherweise (oder leider?) ist das Reisen kein solch schwieriges, riskantes und insbesondere für eine Frau ungeheuerliches Unternehmen mehr wie zu Zeiten unserer Heldin Maria Sibylla Merian.

Kommen Sie also gesund und gut erholt wieder – nach Hause und zur nächsten Lektüre im Frankfurter Personenlexikon.
Bis dahin grüßt Sie herzlich
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. August 2017.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juni 2017

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

mit einer kleinen, aber feinen Artikellieferung startet das Frankfurter Personenlexikon in die Sommerzeit. Unter den diesmal teilweise sehr prominenten Namen gibt es einen echten Neuzugang, der noch nicht mit einem Eintrag in der Buchausgabe der „Frankfurter Biographie“ bedacht war. Ihm gilt der Artikel des Monats.

Artikel des Monats: Kommunalpolitischer Kämpfer für die Werte der parlamentarischen Demokratie
Er prägte die kommunalpolitische Kultur der frühen Nachkriegszeit in Frankfurt: Hermann Schaub. Der Sozialdemokrat, einst im Alter von 31 Jahren zum Bürgermeister von Sinn im Dillkreis und damit zum damals jüngsten hauptamtlichen Bürgermeister in Hessen gewählt, war im Februar 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt vertrieben worden. Er ließ sich daraufhin in Frankfurt nieder, wo er ein Milchgeschäft im Riederwald unterhielt. Im weiteren Verlauf der NS-Zeit wurde er mehrfach von der Gestapo verhaftet, zuletzt anlässlich der „Aktion Gitter“ nach dem 20. Juli 1944. Sofort bei Kriegsende 1945 nahm Hermann Schaub seine kommunalpolitische Tätigkeit wieder auf. Seit 1946 gehörte er der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung an, der er vom Mai 1948 bis Anfang 1954 vorstand. Dann wechselte er nach Kassel, weil er zum ersten Direktor des neu gegründeten Hessischen Landeswohlfahrtsverbands gewählt worden war. Der Stadt Frankfurt, wo er weiterhin wohnte, blieb Schaub jedoch verbunden, u. a. als engagierter Vorsitzender des Frankfurter Bunds für Volksbildung.
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In der Liste neuer Artikel, die wie immer dem Editorial folgt, finden Sie außerdem zwei sehr große Namen: Bettine von Arnim, geb. Brentano, und Friedrich Carl von Savigny. Beide, Fritz und Bettine, wie sie familiär hießen, sind in Frankfurt geboren und gehörten später zu den herausragenden Persönlichkeiten der Romantik. Beide waren selbstverständlich schon mit einem Eintrag in der „Frankfurter Biographie“ vertreten. Für das Frankfurter Personenlexikon wurden die Artikel über Bettine von Arnim und Friedrich Carl von Savigny jedoch grundlegend neu bearbeitet, auf dem aktuellsten Forschungsstand, zumal die Romantik in Frankfurt in letzter Zeit stark in den Blickpunkt gerückt ist und bald sogar in einem eigenen Museum präsent sein wird.
Es freut mich besonders, dass wir für beide Artikel äußerst fachkundige und auf dem entsprechenden Forschungsgebiet führende Autoren gewinnen konnten: Es haben Wolfgang Bunzel, der Leiter der Brentano-Abteilung am Freien Deutschen Hochstift, über Bettine von Arnim und Joachim Rückert, emeritierter Professor für Zivilrecht, Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie an der Goethe-Universität, über Friedrich Carl von Savigny im Frankfurter Personenlexikon geschrieben.

Nicht vergessen werden sollen die übrigen beiden Namen in der Juniliste, auch wenn sie heute nicht mehr so bekannt sind. Der Statistiker Gottlieb Schnapper-Arndt gehörte immerhin zu den Begründern der modernen Sozialwissenschaft, und der außergewöhnlich produktive Architekt Ludwig Bernoully, von dem genau 238 Bauten in Frankfurt gezählt wurden, war ein Vorkämpfer des „Neuen Frankfurt“.

Nebenbei ist ein Blick auf die Herkunftsfamilien der vier gebürtigen Frankfurter in dieser Artikellieferung interessant: Savigny stammte aus oberlothringischem Dienstadel, der in Frankfurt mit dem alten Patriziat verkehrte, Bettine Brentano aus einer aus Italien zugewanderten katholischen Kaufmannsfamilie, Gottlieb Schnapper-Arndt aus dem alteingesessenen Frankfurter Judentum und Ludwig Bernoully von niederländischen Glaubensflüchtlingen, die im 16. Jahrhundert hierher emigriert waren. So erzählen die Biographien im Frankfurter Personenlexikon auch diesmal wieder Geschichten vom Neben- und Miteinander verschiedener Nationalitäten, Religionen und Konfessionen in der traditionsreichen Mainstadt, die zeigen, dass manche Probleme ganz alt und doch immer neu sein mögen, aber stets auch eine Chance in sich bergen.

Freundliche Sommergrüße
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juli 2017.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Mai 2017

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

in vergangene Zeiten zu reisen und das alte Frankfurt zu sehen – davon träumen viele. Die Vorstellung von einem verlorenen Stadtbild wird beflügelt beim Betrachten historischer Bilder, die umso besser wirken, je authentischer sie scheinen. Gerade frühe Fotografien üben daher eine besondere Faszination aus. Und so war es eine kleine Sensation, als ein Bildband vor knapp 25 Jahren eine Auswahl von Fotografien präsentierte, die kurz zuvor auf einem Dachboden wiederentdeckt worden waren: Sie zeigen das alte Frankfurt, wie es vor 1914 war, in Farbe! Den Fotografen dieser Bilder stellt unser diesmaliger Artikel des Monats vor.

Artikel des Monats: Meister des lichten Blaus an Altfrankfurts Himmel
Er war (fast) der erste, der Frankfurt in Farbe fotografierte: Carl Knabenschuh. Der Architekt, der ein begeisterter Amateurfotograf war, begann bereits 1908 mit dem Autochromverfahren zu experimentieren, das erst im Jahr zuvor auf den Markt gekommen war. Diese technische Neuerung ermöglichte es ihm, echte – also nicht nachkolorierte – Farbbilder aufzunehmen. Auf insgesamt fast 500 Dias, davon über 100 Autochromen, überlieferte er bis 1925 das Bild seiner Heimatstadt, Szenen aus der Altstadt und den Vororten, aber auch Ansichten von Landschaften und Parks sowie gelegentlich einmal ein Stillleben, etwa aus einer Äpfelweinkneipe, wo auf der eichenen Theke ein riesiger blaugrauer Bembel im „Faulenzer“ wippt, um das goldgelbe „Stöffche“ in ein geripptes Glas zu schenken. Nach seiner Pensionierung war Knabenschuh in den 1930er Jahren mit der Vermessung und Dokumentation von Gebäuden in der Altstadt befasst, die abgebrochen und an anderer Stelle wiedererrichtet werden sollten. Mit Kriegsbeginn bekam diese „Altstadtaufnahme“ eine andere Dringlichkeit.
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Für die derzeitige Rekonstruktion der kriegszerstörten Altstadt im Dom-Römer-Bereich konnten auch Pläne, Risse und Zeichnungen von Carl Knabenschuh als Quellen herangezogen werden. Sie werden heute im Institut für Stadtgeschichte aufbewahrt, ebenso wie Knabenschuhs frühe Farbfotografien der Stadt, die nichts von ihrem Reiz verloren haben. Aufgrund der Besonderheiten des Autochromverfahrens, das der Autor Tobias Picard in seinem Artikel über Carl Knabenschuh im Frankfurter Personenlexikon genauer beschreibt, wirken diese ersten Farbfotos wie hingetupfte Widerspiegelungen, die auf merkwürdig surreal-reale Weise vergangene Zeiten abbilden.

Ähnlich wie Knabenschuhs Fotografien möchte auch das Frankfurter Personenlexikon Ihnen, liebe Leserinnen und Lesern, eine authentische, farbige Darstellung der Stadt, ihrer Geschichte und deren handelnder Personen bieten. Natürlich soll es nicht zu bunt werden. Aber ein Farbtupfer hier und da macht die Sache anschaulich und kann daher auch in einem wissenschaftlichen Lexikon nicht schaden.

Eine abwechslungsreiche Lektüre im Frankfurter Personenlexikon wünscht Ihnen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juni 2017.

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Ein Projekt der Frankfurter Bürgerstiftung

Förderer: Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Stiftung Niederländische Gemeinde Augsburger Confession

Kooperationspartner: Frankfurter Historische Kommission
Projektleitung: Sabine Hock
Herausgeber: Clemens Greve, Sabine Hock
Datenbankprogrammierung: Andreas Bombel
Gestaltung: Anja Müller-Ries

Bildnachweis für die Kopfleiste (v. l. n. r.): Hamman von Holzhausen (Hans Happ nach Conrad Faber von Creuznach/UB Ffm.), Arthur Schopenhauer (ISG), Friedrich Stoltze (ISG), Johann Wolfgang Goethe (Johann Heinrich Lips/FDH-FGM), Max Beckmann (ISG), Bertha Pappenheim (ISG), Eduard Rüppell (Pompeo Marchesi/Archiv der SGN als Dauerleihgabe im HMF/Foto: Sven Tränkner), Paul Ehrlich (ISG), Christian Egenolff (Johann Friedrich Schmidt nach dem Monogrammisten „M“/ISG), Karl der Große (Andreas Artur Hoferick nach Karl Eduard Wendelstadt/Foto: Wolfgang Faust), Franz Adickes (ISG), Liesel Christ (hr-Archiv/Foto: Kurt Bethke), Ernst May (ISG), Georg Philipp Telemann (Valentin Daniel Preisler nach Ludwig Michael Schneider/ISG).

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