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Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Februar 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

erst in jüngerer Zeit sind viele Frankfurter bildende Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts mit ihrem Werk (wieder) in den Blick gerückt. Dazu gehört auch eine avantgardistische Malerin der 1920er Jahre, deren Leben und Schaffen im aktuellen Artikel des Monats im Frankfurter Personenlexikon vorgestellt wird.

Artikel des Monats Februar 2023:
Malerin „aus Sehnsucht nach Stil“

Sie war eine Frankfurter Künstlerin auf dem Weg in eine europäische Karriere, dem die Nationalsozialisten abrupt ein Ende setzten: Ruth Cahn. Aus Frankfurt war die jüdische Bankierstochter, die damals noch Amalie mit Vornamen hieß, im Alter von 30 Jahren nach München gegangen, um sich ab Herbst 1906 an der dortigen Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins zur Malerin ausbilden zu lassen. Später gab sie sich den Künstlernamen Ruth Cahn und lebte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zumeist in Spanien, auch wenn sie immer wieder in ihre Geburtsstadt Frankfurt zurückkehrte. In den 1920er Jahren kam sie nach Paris, wo sie zu den Kreisen von Picasso und Matisse gehörte und Unterricht bei dem Maler Kees van Dongen nahm, dessen fauvistische Porträts sie in ihrem Schaffen inspirierten.
Ihre erste Einzelausstellung hatte Ruth Cahn 1924 in der „Galeries Dalmau“ in Barcelona, die auch Miró und Dalí herausbrachte. Daneben, seit 1919, präsentierte die Malerin ihre Werke regelmäßig in ihrer Heimatstadt, etwa in den Galerien Trittler und Schames oder in den Ausstellungen des Frankfurter Künstlerbunds im Kunstverein. Bei einem letzten Besuch in ihrem Atelier im Mai 1935 sah die Kunstkritikerin Sascha Schwabacher die „Sehnsucht nach Stil“ in den Bildern und eine „leise Wehmut“ im Wesen von Ruth Cahn. Aufgrund der Restriktionen des NS-Regimes durfte die knapp 60-Jährige ihren Beruf als Kunstmalerin nicht mehr ausüben. Zusammen mit ihrem ebenfalls alleinstehenden Bruder, dem Kaufmann Arthur Cahn, gelang ihr 1935 die Flucht nach Chile. Mit der Emigration gab sie die Kunst für immer auf. Ende der Fünfzigerjahre kehrte Ruth Cahn nach Frankfurt zurück, wo sie – wie sie sagte – „hingehöre“. Hier fand sie nach ihrem Tod im 91. Lebensjahr auch ihre letzte Ruhestätte.
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Der Artikel über Ruth Cahn ist der dritte in der Reihe über die vier vergessenen Frankfurter Künstlerinnen, die im Frankfurter Personenlexikon begleitend zur derzeitigen Ausstellung „Zurück ins Licht“ des Jüdischen Museums erscheint. Im Zusammenhang mit der Ausstellung, die gerade bis zum 29. Mai des Jahres verlängert wurde, hat das FP in den vergangenen Monaten bereits Beiträge über Amalie Seckbach und Rosy Lilienfeld gebracht.
Unabhängig davon erschienen in den vergangenen Lieferungen des Frankfurter Personenlexikons viele andere Artikel über Frankfurter bildende Künstlerinnen des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts, wie z. B. über Ottilie W. Roederstein, Julia Virginia Scheuermann, Mathilde Battenberg, Jenny Fleischhauer, Nini und Carry Hess, Maria Proelss, Hanna Bekker vom Rath, Elisabeth Hase, Christa von Schnitzler, Charlotte Posenenske und Renate Sautermeister, um einmal ein exemplarisches Dutzend – chronologisch nach den Geburtsjahren von 1859 bis 1937 – zu nennen. (Wie Sie sicher bemerkt haben, sind in der Aufzählung natürlich nicht nur Malerinnen und Zeichnerinnen, sondern auch Bildhauerinnen und Fotografinnen dabei.) Weitere Artikel über Frankfurter Künstlerinnen sind in Planung.

Die drei Herren in der vorliegenden Februarlieferung sind der Mediziner Gustav Spieß, der Bibliothekar Friedrich Knorr und der Politiker Ludwig Erhard. Der Artikel über Gustav Spieß erscheint als Nachklang zum 75. Todestag des Frankfurter Hals-Nasen-Arztes am 11. Januar des Jahres. Spieß, der überregional berühmt wurde, als er 1903 den deutschen Kaiser erfolgreich an den Stimmbändern operierte, war später der erste Direktor der Hals- und Nasenklinik an der neu gegründeten Frankfurter Universität. Als langjähriger Vorsitzender der Frankfurter Museums-Gesellschaft gewann der Rhino-Laryngologe auch prominente Dirigenten der Museumskonzerte wie Richard Strauss zu Freunden und Patienten.
Ein weitgehend unbekanntes Kapitel zur Frankfurter Bibliotheksgeschichte rekonstruiert der Artikel über Friedrich Knorr, der von 1941 bis 1945 als NS-konformer Direktor der Bibliothek für neuere Sprachen und Musik (wie die Freiherrlich Carl von Rothschild’sche Bibliothek im Zuge der „arisierenden“ Namensgebung bereits seit Ende 1933 hieß) amtierte. Angesichts der Luftangriffe auf die Stadt organisierte Knorr ab 1943 die Auslagerung der Bestände aller Frankfurter wissenschaftlichen Bibliotheken nach Oberfranken, wo die Bücher auf Geheiß des Oberbürgermeisters Friedrich Krebs für den Frankfurter Universitätsbetrieb im postalischen Leihverkehr benutzbar sein und daher entsprechend aufgestellt werden sollten. So entstand in oberfränkischen Schlössern und Gasthofsälen die Frankfurter „Stadt- und Universitätsbibliothek“, bevor sie eigentlich – im Oktober 1945 – gegründet wurde.
Ludwig Erhard verbrachte zwei zentrale Abschnitte seines Lebens in Frankfurt: Er promovierte 1925 an der hiesigen Universität zum Dr. rer. pol. und stellte zwischen 1947 und 1949 vom Rhein-Main-Gebiet aus die Weichen für die soziale Marktwirtschaft in der entstehenden Bundesrepublik Deutschland, deren erster Wirtschaftsminister er dann wurde. In dieser Funktion und später als Bundeskanzler kam Erhard zu zahlreichen öffentlichen Auftritten nach Frankfurt, zuletzt im Februar 1977, als er hier mit zwei Empfängen der CDU zu seinem 80. Geburtstag geehrt wurde.

Ich würde mich freuen, wenn Sie auch in diesem Monat immer wieder einmal reinschauen würden – ins Frankfurter Personenlexikon.

Beste Grüße und Wünsche
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. März 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Januar 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

hier und heute wünsche ich Ihnen allen noch ein glückliches und gesundes Neues Jahr, das Sie hoffentlich gut begonnen haben. Der erste Artikel des Monats im Frankfurter Personenlexikon 2023 setzt unsere Fotografenserie mit einem aktuellen Beitrag fort.

Artikel des Monats Januar 2023:
Kennedy und die Nitribitt

Er fotografierte mehr als vier Jahrzehnte lang die Stadt, ihre Stars und ihre Sternchen: Kurt Weiner. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der gelernte Fotokaufmann aus Danzig eher zufällig nach Frankfurt. Er fand zunächst eine Anstellung bei einem Fotogeschäft in der Kaiserstraße und unternahm nach Ladenschluss mit einer geliehenen Kleinbildkamera fotografische Streifzüge durch die zerstörte Stadt. Bald erschienen erste Aufnahmen von ihm in der Frankfurter Rundschau, durch den Kontakt mit dem Fotografen Fritz Christian, dem er zuarbeitete. Seit 1953 angestellter Redaktionsfotograf der FR, hielt Weiner bis zu seiner Pensionierung 1986 das Geschehen und die Menschen in der Mainmetropole fotografisch fest. Seit 1962 fotografierte er auch für das Stadtarchiv, das heutige Institut für Stadtgeschichte, an dem damals mit dem Aufbau einer systematischen Stadtbilddokumentation begonnen wurde.
Bekannt wurde der Fotograf für seine eindrucksvollen Porträts prominenter Frankfurtbesucher wie John F. Kennedy und Alfred Hitchcock. Von Kurt Weiner stammen aber auch so ikonische Frankfurter Fotografien wie das letzte Bild der Nitribitt kurz vor ihrer Ermordung 1957 und die Momentaufnahme von Daniel Cohn-Bendit beim Durchbrechen einer Polizeiabsperrung 1968. In den 1980er Jahren bildete der Fotojournalist Wallmanns „neues Frankfurt“ mit der Alten Oper und dem Museumsufer als zentralen Motiven ab. Kurt Weiner starb 2016 im Alter von 95 Jahren. Seine Frankfurter Ansichten in rund 100.000 Negativen hatte er bereits 1998 an das Institut für Stadtgeschichte abgegeben, wo sie heute einen der wichtigsten Fotobestände für die Nachkriegszeit in Frankfurt darstellen.
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Zugleich mit diesem Artikel erscheint noch ein zweiter Beitrag in der Fotografenserie des Frankfurter Personenlexikons. Der Protagonist Friedrich Weisbrod lebte jedoch fast genau 100 Jahre vor seinem Berufsgenossen Kurt Weiner und begann seine Fotografenkarriere somit in der „Kinderzeit“ der Fotografie in Frankfurt. Erstmals bot Weisbrod seine „photographischen Porträts“ 1849 in einer Anzeige im Frankfurter Intelligenz-Blatt an.
Die im vorigen Monat begonnene Reihe der vergessenen Künstlerinnen, begleitend zur derzeitigen Ausstellung im Jüdischen Museum, wird diesmal mit der Frankfurter Expressionistin Rosy Lilienfeld fortgeschrieben. Fast in Vergessenheit geriet auch die Pianistin und Malerin Maria Proelss, die ein anderer Artikel in diesem Monat vorstellt. In den späten 1920er Jahren war Maria Proelss mit der von ihr gegründeten „Frankfurter Kammermusikgemeinde“ im Musikleben der Stadt präsent. Sie und ihre Lebensgefährtin, die Geigerin Hanni Rocco, verkehrten in Frankfurter Intellektuellenkreisen, und Theodor W. Adorno hat Maria Proelss sogar drei seiner Klavierstücke gewidmet. Ein drittes Frankfurter Frauenporträt des 20. Jahrhunderts bringt der grundlegend überarbeitete und ergänzte Beitrag über Emma Neuhoff-Oppenheimer, die in den Zwanzigerjahren als Spring- und Dressurreiterin äußerst erfolgreich war. Damit erscheint endlich wieder einmal ein Beitrag zur Frankfurter Sportgeschichte, worum wir uns auf vielfachen Wunsch aus Leserkreisen stets gern bemühen.

Wie immer haben die Autorinnen und Autoren aller Artikel nicht die Arbeit wissenschaftlicher Recherche gescheut und oft bisher ungenutzte Quellen für ihre Beiträge erschlossen. So können Sie, liebe Leserinnen und Leser, in unseren Frankfurter Biographien wieder allerhand Neues aus der Geschichte erfahren.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Februar 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Dezember 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Welt zu vergessen – das wünschen sich viele in diesen Zeiten. Von der Welt vergessen zu werden – das will wohl niemand. Erinnerung hat einen hohen Wert. Gerade mit der Arbeit des Historikers ist der Auftrag des Erinnerns eng verbunden. Das gilt in besonderem Maße, wenn es um die Biographien von Menschen geht, deren Leben, Werk und Namen unter dem nationalsozialistischen Terrorregime für immer ausgelöscht werden sollten. Mit jeder einzelnen dieser Millionen Lebensgeschichten, die erforscht und erzählt wird, kehrt das Gedächtnis zurück. Auch die Frankfurter Künstlerin Amalie Seckbach, die in der NS-Zeit wegen ihrer jüdischen Religion verfemt und schließlich im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben gebracht wurde, wäre fast vergessen worden. Der diesmalige Artikel des Monats erinnert an sie.

Artikel des Monats Dezember 2022:
Wider das Vergessen in der Kunst

Sie begann erst mit weit über 50 zu modellieren und mit 60 zu malen: Amalie Seckbach. Nach dem Tod ihres Mannes, des Frankfurter Architekten Max Seckbach, ließ sich die vereinsamte Witwe durch den Besuch von Veranstaltungen des 1925 neu eröffneten China-Instituts inspirieren. Fasziniert widmete sie sich der ostasiatischen Kunst und baute eine bedeutende Sammlung chinesischer und japanischer Holzschnitte des 17. und 18. Jahrhunderts auf. Wie von selbst, nur aus sich heraus, fing sie dann an, eigene Kunstwerke zu schaffen. Erste Plastiken zeigte sie ab etwa 1929 auf Ausstellungen. Gefördert von dem Maler James Ensor, den sie auf einer Reise in Belgien kennenlernte, stellte sie bald international aus, in Madrid, Paris, Florenz, Brüssel und Chicago. In Deutschland jedoch galt ihre Kunst ab 1933 als „entartet“. Zu spät entschloss sich Amalie Seckbach zur Emigration, die sich dann nicht mehr verwirklichen ließ. Am 15. September 1942 wurde die Künstlerin von Frankfurt nach Theresienstadt deportiert, wo sie, infolge der Haftbedingungen völlig entkräftet, zwei Jahre später starb. Bis zuletzt, auch unter schwierigsten Bedingungen im Konzentrationslager, hatte sie gemalt und gezeichnet.
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An Amalie Seckbach wird derzeit mit einer Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt gedacht, die erstmals auch das in Theresienstadt entstandene Werk der Künstlerin in vollem Umfang berücksichtigt. Außer Amalie Seckbach stellt die Ausstellung, die unter dem Titel „Zurück ins Licht“ noch bis zum 17. April kommenden Jahres zu sehen ist, drei weitere fast vergessene Frankfurter Künstlerinnen neu vor: Ruth Cahn, Rosy Lilienfeld, Erna Pinner. Auch über sie sind neue Artikel im Frankfurter Personenlexikon in Bearbeitung; über Erna Pinner lässt sich vorab schon einmal der Altartikel aus der Buchausgabe „Frankfurter Biographie“ online im FP finden.

Die aktuelle Lieferung des Frankfurter Personenlexikons befasst sich mit weiteren (fast) vergessenen Persönlichkeiten. Der Labormediziner Wilhelm Eilbott und der Pharmakologe und Physiologe Otto Riesser konnten in der NS-Zeit ihr Leben durch die Emigration aus Deutschland retten. Ihre Karrieren aber wurden aufgrund ihrer jüdischen Herkunft abgebrochen. Nach Eilbott ist immerhin ein Leberfunktionstest („Bergmann-Eilbott-Test“) benannt, den der junge Mediziner im Rahmen seiner Promotionsarbeit 1925 bei dem Internisten Gustav von Bergmann in Frankfurt entwickelte.
Der bereits 1915 verstorbene Lehrer Harald Schütz, der am Frankfurter Gymnasium Mathematik und Physik unterrichtete, wurde in der Wissenschaftsgeschichte lange nur als Studienfreund des berühmten Optikers Ernst Abbe wahrgenommen. Erst jetzt wurde er von der Schopenhauer-Forschung als der jüngste Anhänger des Philosophen zu dessen Lebzeiten entdeckt. Schon mit 16 Jahren schrieb Schütz 1857 einen Schulaufsatz über Schopenhauer, nachdem er dessen Werke gelesen hatte. Allerdings lebte er damals noch in seiner Geburtsstadt Bielefeld, und als er 1862 nach Frankfurt kam, war Schopenhauer schon gestorben. Der ganze Lebenslauf von Harald Schütz, übrigens Vater des einst gefeierten „Sprachgenies“ Ludwig Harald Schütz, findet sich jetzt im Frankfurter Personenlexikon.

Fast philosophisch ist auch der Spruch, den ein sechsjähriges „Buchkind“ aus Leipzig aufgeschrieben hat: „MAN KAn ALes dreHen. AUSer die welt, di dret sich Gans fon ALein“, steht da in flottem Gekrakel auf einer Postkarte, die ich vor vielen Jahren erworben und seitdem über meinem Schreibtisch hängen habe. Das mag fatalistisch klingen, aber ich finde es auch irgendwie tröstlich. Vielleicht darf man sich manchmal auch Urlaub von der Welt nehmen. Dann könnte man doch wenigstens zu Weihnachten einmal die Welt vergessen. Und sich wünschen, dass es bei der unweigerlich notwendigen Rückkehr zur Realität kein böses Erwachen gibt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete Feiertage und einen zuversichtlichen Start in das Neue Jahr, das allerlanden den ersehnten Frieden auf Erden bringen möge!
Ich würde mich freuen, wenn wir uns auch 2023 wieder an dieser Stelle online „treffen“ würden.

Herzlichst
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Januar 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. November 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

es freut mich besonders, dass ich Sie heute anlässlich des Erscheinens der 100. Monatslieferung im Frankfurter Personenlexikon begrüßen darf. Wie immer gibt es natürlich auch zum Jubiläum wieder einen Artikel des Monats, diesmal die bunte Biographie eines Spielwarenhändlers und Mechanikus, der sich in der jungen Freien Stadt Frankfurt für die Bildung und Ausbildung der Bewohner und Bewohnerinnen in den angewandten Naturwissenschaften engagierte.

Artikel des Monats November 2022:
Polytechniker der ersten Stunde

Er machte schon als Gymnasiast physikalische Experimente: Johann Valentin Albert. Nach kaufmännischen Lehr- und Wanderjahren jedoch übernahm der 30-Jährige 1804 die Frankfurter Galanterie- und Spielwarenhandlung seines Vaters. Das Geschäft florierte, und so konnte der umtriebige Mechanikus in der Werkstätte, die er sich hinter dem Laden eingerichtet hatte, seinen vielfältigen naturwissenschaftlichen Interessen nachgehen. Er packte die Probleme praktisch an, verhalf Wissenschaftlern zur technischen Umsetzung der von ihnen erdachten Versuche und Geschäftskunden zur Verbesserung der Produktionsabläufe in ihren Fabriken. Mit seinen Erfindungen, etwa einer Sonnenuhr für die Westentasche oder einer Brille für die Sicht in Nähe und Ferne, wollte er seinen Mitmenschen den Alltag komfortabler gestalten. Insbesondere aber setzte sich Albert dafür ein, dass viele Frankfurter und Frankfurterinnen die Möglichkeit zum Erwerb und damit zur Anwendung naturwissenschaftlichen und technischen Wissens erhielten. So begründete er 1816 die heutige Polytechnische Gesellschaft und 1824 den Physikalischen Verein mit. Dessen Angebot mit Physikalischem Museum, eigener Bibliothek und fortschrittlichem Vortragsprogramm stand von Anfang an ausdrücklich auch „Frauenzimmern“ offen.
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In dieser Lieferung setzen wir außerdem die vor einiger Zeit lose begonnene Reihe über Frankfurter Stadtbibliothekare mit einem grundlegend neu erarbeiteten Artikel über Hermann Traut fort. In seiner Amtszeit von 1893 bis 1930 praktizierte Traut seinen Beruf im damals noch ganz und gar nicht üblichen Selbstverständnis vom modernen Bibliothekar als Wegweiser für die Wissenschaft. Nebenbei engagierte er sich im Vorstand des Frankfurter Vereins für Geographie und Statistik, und nicht zuletzt publizierte er zur Frankfurter Stadtgeschichte. Die von Traut verfasste Schrift zur Baugeschichte des Römers und des Neuen Rathauses, erstmals 1908 erschienen, wurde zum Standardwerk. Seine umfangreiche „Geschichte Frankfurts im Dreißigjährigen Kriege“ blieb unvollendet, ist aber als Manuskript im Institut für Stadtgeschichte überliefert.

In der wichtigen und regelmäßigen Serie der Biographien von LSBTIQ*-Personen aus der Stadtgeschichte erscheinen diesmal gleich zwei neue Beiträge. Der Artikel über den Schriftsteller Ajo Wiese erzählt die Geschichte von dessen unglücklicher Liebe zu dem Opernsänger Franz Naval, die in Frankfurt begann. In dem Eintrag über den britischen „Homosexuellenaktivisten“ George Cecil Ives geht es schwerpunktmäßig um dessen geheimnisumwitterte Geburt 1867 in Frankfurt, wozu sich – exklusiv für das FP – ein paar neue Fakten ermitteln ließen, die nicht nur aus biographischer, sondern auch aus sozialgeschichtlicher Sicht interessant sind.

Zum Jubiläum des Frankfurter Personenlexikons hatte die Redaktion viele weitere Ideen für besondere Artikel. Es wäre schön gewesen, wenn all das, was wir erdacht, mit dieser Lieferung hätte erscheinen können. Doch in den Zeiten der Pandemie ist vieles nicht planbar. Krankheitsbedingt konnte am Monatszehnten vorläufig nur eine unvollständige Lieferung herauskommen, die erst in den folgenden Tagen komplettiert wurde, und einige vorgesehene Beiträge mussten schließlich ganz auf spätere Lieferungen verschoben werden. Manchmal geht es leider nicht so „einszweidrei“, auch wenn die Zeit weiter „im Sauseschritt“ läuft – und vielleicht ahnen die kundigen Leserinnen und Leser nun schon, welcher Artikel auch halbfertig liegenblieb und in einem der kommenden Monate erscheinen soll.

Ich danke Ihnen allen für die Geduld, mit der Sie diesmal auf die aktuelle Artikellieferung gewartet haben, und würde mich freuen, wenn Sie dem Frankfurter Personenlexikon dennoch gewogen blieben und auch im nächsten Monat wieder vorbeischauen würden.

Herzliche Grüße – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Dezember 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Oktober 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

im traditionellen Monat der Frankfurter Buchmesse kommen gleich drei interessante Beiträge über schreibende Frauen im Frankfurter Personenlexikon neu heraus. So ist der Artikel des Monats einer bedeutenden Schriftstellerin und Philosophin zum 150. Geburtstag am 14. Oktober gewidmet.

Artikel des Monats Oktober 2022:
Für Frauen, Frieden, Freiheit

Sie verbrachte wichtige Jahre in Frankfurt, bis sie von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben wurde: Margarete Susman. Mitten im Ersten Weltkrieg zog die 43-jährige Schriftstellerin mit Mann und Sohn in die Mainstadt. Weiterhin, wie schon seit 1907, schrieb sie regelmäßig für das Feuilleton der Frankfurter Zeitung. Mit dem Ende der Monarchie, das sie in Frankfurt erlebte, entfaltete Susman eine rege Publikations- und Vortragstätigkeit, um den demokratischen Neuanfang in Deutschland mitzugestalten. „Frauen, Frieden, Freiheit“ lautete der programmatische Titel eines ihrer zahlreichen Vorträge, die sie 1918/19 in Frankfurt hielt. Zu Beginn der 1920er Jahre, als die Familie eigentlich am Hochrhein wohnte, gehörte die studierte Philosophin zum Kreis um das von Franz Rosenzweig gegründete Jüdische Lehrhaus in Frankfurt.
Seit ihrer Scheidung 1928 lebte Margarete Susman wieder dauerhaft in der Mainstadt. Hier entstanden u. a. ihr Buch über „Die Frauen der Romantik“ (1929) und erste Rundfunkbeiträge, etwa über Goethes Schwester Cornelia (1932). Aufgrund ihrer Bekanntschaft mit Bertha Pappenheim engagierte sie sich nun auch im Jüdischen Frauenbund. Ende 1933 flüchtete Susman in die Schweiz, wo sie die NS-Zeit überlebte. Sie kehrte nie wieder nach Frankfurt und nach Deutschland zurück. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb sie „Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes“ (1946), eine frühe Auseinandersetzung mit der Shoah und deren Bedeutung für die Zukunft des Judentums. Auf Bitte des Leo Baeck Instituts verfasste die Schriftstellerin schließlich ihre Erinnerungen, die unter dem Titel „Ich habe viele Leben gelebt“ 1964 erschienen und breite Beachtung fanden.
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Ein anderer neuer Artikel stellt Sophie Brentano vor, die ältere Lieblingsschwester des Dichters Clemens Brentano, die aufgrund ihres frühen Todes fast in Vergessenheit geraten ist. Eine Frankfurter Geschichte aus dem Leben von Astrid Lindgren erzählt der Beitrag über die beliebte schwedische Kinderbuchautorin, die am 22. Oktober 1978 in der Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegennahm und aus diesem Anlass eine mutige Rede hielt.
Außerdem setzen wir unsere Fotografenserie mit einem Artikel über den Mechanikus Johann Wilhelm Albert fort, der einmal Schopenhauer fotografierte. Und wieder, nach Hans Hollein im vorigen Monat, ist einer der renommierten Architekten vertreten, die das Museumsufer bauten: Oswald Mathias Ungers errichtete das 1984 eröffnete Deutsche Architekturmuseum (DAM) in der Villa am Schaumainkai. Das berühmte weiße Haus, das kurz nach seiner Vollendung bereits unter Denkmalschutz gestellt wurde, wird derzeit saniert.

Ich würde mich freuen, wenn Sie auch diesmal wieder und nicht nur zur Buchmessezeit etwas Lesenswertes im Frankfurter Personenlexikon finden.

Schöne Herbstgrüße – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. November 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. September 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

ab dem Ende der 1970er Jahre entstand in Frankfurt das Museumsufer. Für den Bau der Museen am und nahe dem Main wurden renommierte Architekten gewonnen. Einen Stararchitekten, der bereits in ersten Studien zur Entwicklung des Museumsufers mitgearbeitet hatte und schließlich 1985 den Auftrag für einen wichtigen Museumsbau in Frankfurt erhielt, stellt der diesmalige Artikel des Monats vor.

Artikel des Monats September 2022:
Tortenstück erster Sahne

Er baute das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt: Hans Hollein. Unter 98 Teilnehmern setzte sich der Wiener Architekt im internationalen Wettbewerb um das Frankfurter Museumsgebäude 1982/83 durch. Im Auftrag der Stadt schuf er einen wegweisenden Bau, der heute als eines der wichtigsten Zeugnisse der Postmoderne in Deutschland gilt. Die besondere Form des Gebäudes entwickelte Hollein aus dem vorgegebenen dreieckigen Grundstück in beengter Innenstadtlage. Er ließ ein „Tortenstück“ mit einer hellen Putzfassade über rotem Sandsteinsockel erstehen – ein Haus, das, eigentlich für die Kunst bestimmt, sich selbst als Kunstwerk präsentiert. Nach vierjähriger Bauzeit wurde das Museum für Moderne Kunst 1991 eröffnet.
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Um die Zeit, als er die Konkurrenz um das Museum für Moderne Kunst gewann, nahm Hans Hollein übrigens auch an einem städtebaulichen Wettbewerb teil, den die Stadt Frankfurt zur Neugestaltung des Paulsplatzes ausgeschrieben hatte. Seit dem Wiederaufbau der Paulskirche 1948 wurde für die Gestaltung dieses geschichtsträchtigen Platzes keine überzeugende Lösung gefunden. Holleins Wettbewerbsmodell von 1983 schlug zur Neuen Kräme hin eine Arkadenwand mit Denkmalcharakter vor, die als Symbol für die „Einheit und Zerrissenheit“ Deutschlands stehen sollte – ein nicht realisierter Entwurf, dessen Aussage sich 1989/90 durch die Realität überholt hat. Die Frage einer angemessenen Gestaltung des Paulsplatzes dagegen ist aktuell geblieben und wird derzeit wieder diskutiert, auch wenn es zur 175-Jahr-Feier der Eröffnung der Deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche im Mai 2023 wohl noch keine sichtbare Lösung geben wird.
Derweil arbeiten wir hier in der Redaktion fortgesetzt daran, dass zum Paulskirchen-Jubiläum in den kommenden beiden Jahren weitere Artikel über Protagonistinnen und Protagonisten von 1848/49 im Frankfurter Personenlexikon erscheinen werden.

Ich lade Sie daher herzlich ein, in diesem und auch in den folgenden Monaten wieder im FP online „reinzuschauen“. Es gibt immer etwas Neues.

Beste Grüße und Wünsche – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Oktober 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. August 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

wenn das Fernsehen früher Sommerpause machte und fast nur Wiederholungen brachte, sendete es aber meist doch einen brandneuen Krimi, der von den Zuschauerinnen und Zuschauern mit Spannung erwartet wurde. An diesen alten Brauch erinnerte sich das Frankfurter Personenlexikon: Es stellt mitten in diesem heißen August eine Krimiheldin aus dem Fernsehen vor. Oder vielmehr deren Darstellerin Hannelore Elsner. Dass die Elsner viel mehr war als die Frankfurter Kommissarin in der beliebten Fernsehserie, zeigt der diesmalige Artikel des Monats, der kurz nach dem 80. Geburtstag der vor drei Jahren verstorbenen Schauspielerin erscheint.

Artikel des Monats August 2022:
Frankfurter Fernsehkommissarin

Sie wurde als Hauptdarstellerin in einer in Frankfurt spielenden Krimiserie populär: Hannelore Elsner. Die Schauspielerin, deren Karriere mit typischen Mädchenrollen in Filmchen der Sechzigerjahre begonnen hatte, lebte mit Mann und Sohn seit 1990 in Frankfurt. Inzwischen hatte sie sich vom rein äußerlichen Rollenklischee der dunklen Schönheit zu emanzipieren begonnen. Dem Frankfurter Publikum stellte sich Hannelore Elsner zunächst ziemlich unspektakulär als Erzählerin in den musikalischen Märchen für Kinder an der Oper vor. Als ihr die Rolle der alleinerziehenden Kriminalkommissarin in einer Fernsehserie angeboten wurde, verlangte sie, dass der Drehort von München oder Berlin an ihren Wohnsitz Frankfurt verlegt wurde. Auch gab sie selbst sich den Rollennamen „Lea Sommer“. Von 1994 bis 2006 lief „Die Kommissarin“ in 66 Folgen in der ARD. Derweil überraschte die Elsner 1996 als „Eine tot-normale Frau“ in dem experimentellen Monodrama von Jan Fabre auf der Bühne des Frankfurter Theaters am Turm. Mit der Rückkehr auf die Kinoleinwand in Filmen wie „Die Unberührbare“ (2000) und „Mein letzter Film“ (2002), der nach einem Drehbuch des Frankfurter Schriftstellers Bodo Kirchhoff entstand, gelang ihr endgültig der Durchbruch als Charakterdarstellerin. Bis kurz vor ihrem Tod 2019 stand Hannelore Elsner vor der Kamera. Ihre letzte abgeschlossene Fernseharbeit war ein Frankfurter „Tatort“, in dem sie eine pensionierte Kommissarin spielte.
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Viele von Ihnen haben sich einen Artikel über Hannelore Elsner schon bald nach deren Tod gewünscht. Zu den Aufnahmekriterien des Frankfurter Personenlexikons gehört aus gutem Grund, dass nur verstorbene Personen mit einem Artikel bedacht werden. In der lexikographischen Praxis hat sich erwiesen, dass manche und vor allem besonders prominente Lebensläufe sich erst aus einer gewissen – auch zeitlichen – Distanz in einem biographischen Artikel mit historischem Anspruch gültig darstellen lassen. Andere wissenschaftliche Biographieprojekte befolgen daher die Regel, dass darin ein Lexikonartikel über eine Person frühestens drei Jahre nach deren Tod erscheinen darf. Ganz so strikt geht das Frankfurter Personenlexikon nicht vor. Doch die Erfahrung hat gelehrt, dass zumindest das „Trauerjahr“ auch im lexikographischen Bereich seinen Sinn hat und eingehalten werden sollte, damit ein Beitrag zum wissenschaftlich fundierten Lexikonartikel und nicht zum Nachruf gerät.
Dennoch ist es verständlich, dass viele von Ihnen gerne Artikel über jüngst verstorbene Frankfurter und Frankfurterinnen wie z. B. Klaus Gallwitz oder Trude Simonsohn oder Emil Mangelsdorff oder Hanne Kulessa im Frankfurter Personenlexikon lesen würden. Alle Genannten sind als Neuvorschläge in die Datenbank des FP aufgenommen und werden nach angemessener Zeit mit einem Artikel im Frankfurter Personenlexikon vertreten sein.

Zu den Neuerscheinungen gehören außer der Schauspielerin diesmal – in chronologischer Folge nach dem Geburtsjahr – ein Mailänder Kaufmann und Mäzen aus Frankfurt, eine bemerkenswerte Frankfurterin der Goethezeit, ein Bibliothekar mit Hang zu Francofurtensien und ein bedeutender Architekt des „Neuen Frankfurt“.

Eine gute und gesunde, spannende und entspannende Sommerzeit
wünscht Ihnen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. September 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juli 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

dieser Sommer meint es gut mit dem Frankfurter Personenlexikon und liefert vielfältige Themen für neue Beiträge. Der diesmalige Artikel des Monats befasst sich mit einem der prominentesten Architekten der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik, dessen Werke in Frankfurt durch das aktuelle Baugeschehen wieder in den Blick gerückt sind.

Artikel des Monats Juli 2022:
Ikonen für Frankfurt

Er schuf ikonische Bauten der bundesdeutschen Nachkriegsarchitektur für Frankfurt: Egon Eiermann. Seit 1947 Professor für Architektur in Karlsruhe, hatte er sich mit vorbildlichen Industrie- und Verwaltungsbauten einen Namen gemacht. Die von ihm errichtete Matthäuskirche in Pforzheim (1951-53) gilt als einer der wichtigsten Kirchenneubauten der Nachkriegsmoderne, und 1956 gewann er den Wettbewerb für den Wiederaufbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin (1959-63). Ein internationales Zeichen für eine neue, frische und elegante deutsche Architektur der Nachkriegszeit setzten er und Sep Ruf (1908-1982) mit dem Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel 1958. Unbestritten war Egon Eiermann einer der prominentesten bundesdeutschen Architekten, als er – ebenfalls 1958 – vom Versandhauskonzern Neckermann mit dem Bau einer neuen Firmenzentrale in Frankfurt beauftragt wurde. Im September 1960 wurde die Neckermann-Zentrale an der Hanauer Landstraße eröffnet.
Rund ein Jahrzehnt später entstand in Frankfurt ein weiteres bedeutendes Werk des berühmten Architekten, das Olivetti-Haus in der Bürostadt Niederrad (1968-72), das erst nach dem Tod seines Schöpfers vollendet wurde. Während ein dritter Frankfurter Bau von Egon Eiermann, das Hochtief-Haus in der Bockenheimer Landstraße (1966-68), trotz heftiger Diskussionen 2004 abgerissen wurde, steht bei den Gebäudekomplexen der ehemaligen Neckermann-Firmenzentrale und des früheren Olivetti-Hauses gerade eine denkmalgerechte Sanierung und Revitalisierung an.
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Auch diesmal gibt es wieder einige Jubiläen und Gedenktage, die willkommener Anlass für neue Artikel im Frankfurter Personenlexikon sind. Im nächsten Jahr, am 18. Mai 2023, wird das 175. Jubiläum der Eröffnung der Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche gefeiert. Im Ausblick darauf erscheint in der aktuellen Lieferung ein Artikel über einen der wichtigsten Paulskirchenabgeordneten in vollständig neuer Bearbeitung: der Beitrag über Heinrich von Gagern, den ersten Präsidenten der Nationalversammlung. Einige andere Artikel über Personen aus dem Paulskirchenparlament und dessen Umfeld sind bereits im Frankfurter Personenlexikon zu finden, etwa über den zweiten Präsidenten Eduard Simson, den prominenten Abgeordneten Jacob Grimm, den Reichverweser Erzherzog Johann von Österreich, den Reichsministerpräsidenten Anton von Schmerling und die Revolutionärin Henriette Zobel, und weitere werden folgen.

Gerade rechtzeitig vor dem 150. Geburtstag am 17. Juli 2022 erinnert ein Artikel an den Psychiater Julius Raecke, der zeitweise an der Frankfurter „Anstalt für Irre und Epileptische“ unter Emil Sioli arbeitete, bei Gründung der Frankfurter Universität 1914 ein Extraordinariat erhielt und in den 1920er Jahren die städtische „Fürsorgestelle für Gemüts- und Nervenkranke“ leitete. Zwei weitere neue Artikel befassen sich mit Leitern von Universitätsinstituten in den 1920er Jahren. Der Beitrag über den Anatomen Hans Bluntschli, von 1919 bis 1933 Direktor der Dr. Senckenbergischen Anatomie, gibt nebenbei auch einen Einblick in die Situation von Forschung und Lehre in den Zeiten der Hyperinflation vor ziemlich genau 100 Jahren. Und der Artikel über Richard Wilhelm weist wieder auf ein interessantes Jubiläum voraus, das in gut drei Jahren bevorsteht: Wilhelm gründete im November 1925 das China-Institut an der Universität Frankfurt. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass die Fotografenserie im Frankfurter Personenlexikon diesmal mit dem Artikel über Kurt Röhrig fortgesetzt wird, dessen Fotos zu den wichtigsten Bildquellen für die 1950er und 1960er Jahre in Frankfurt zählen. Röhrig wurde am 24. Juli vor 110 Jahren in Frankfurt geboren, zwar ein nicht ganz so „runder“ Anlass, aber dennoch ein guter Grund, einen Beitrag über ihn zu bringen.

Außerdem laden immer zahlreiche aktuelle Anlässe und Gelegenheiten zum Nachschlagen in bestehenden Beiträgen des Frankfurter Personenlexikons ein. Stellvertretend seien hier zwei bedeutende Frankfurter Frauen erwähnt, denen schon seit einiger Zeit Artikel im Frankfurter Personenlexikon und nun Ausstellungen in Frankfurt gewidmet sind. Zu ihrem 100. Geburtstag am 12. Juli 2022 wird die Bildhauerin Christa von Schnitzler mit der Ausstellung „Mit Köpfen und Körpern“ des Instituts für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster geehrt. Wenige Tage später, am 20. Juli 2022, eröffnet das Städel Museum eine umfassende Retrospektive mit 75 Gemälden und Zeichnungen der Künstlerin Ottilie W. Roederstein. „Roederstein“, so heißt es in der Vorankündigung des Museums zur Ausstellung, „war als freischaffende Porträtmalerin eine feste Größe im männlich dominierten Kunstbetrieb und setzte sich selbstbewusst über die vorherrschenden gesellschaftlichen Normen hinweg.“ Sie lebte seit 1891 in einer Beziehung mit der Ärztin Elisabeth Winterhalter in Frankfurt. Winterhalter, die sich ihr Studium und ihren Beruf hart hatte erkämpfen müssen, als Frauen in Deutschland noch gar nicht an den Universitäten zugelassen waren und im deutschsprachigen Raum nur in der Schweiz studieren konnten, engagierte sich für die Frauenbildung und gehörte 1901 zu den Gründerinnen von Frankfurts erstem Mädchengymnasium.

Wie dieses lange Editorial mit den zahlreichen und dennoch längst nicht allumfassenden aktuellen Hinweisen zu historischen Themen zeigt, scheint es die sprichwörtlichen „sauren Gurken“ in diesem Sommer nicht zu geben. Zu den verschiedensten Gelegenheiten sind Sie jedoch mit dem Frankfurter Personenlexikon auch in den kommenden Wochen gut informiert.

Beste Wünsche für eine schöne Sommerzeit – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. August 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juni 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

der „Frankfurter Schrank“ ist Ihnen sicher ein Begriff. Die ersten dieser repräsentativen barocken Möbelstücke entstanden um 1650 in Frankfurter Schreinerwerkstätten. Besonders bekannt wurden die Sonderformen der Wellen- und der Nasenschränke, von denen gern erzählt wird, dass sie umso kunstfertiger und wertvoller seien, je tiefer die Wellen gehen. Aber wussten Sie auch, dass einer der bedeutendsten deutschen Möbelschreiner des Klassizismus aus Frankfurt kam? Der diesmalige Artikel des Monats stellt den Meister seines Handwerks vor.

Artikel des Monats Juni 2022:
Frankfurter Schreinerkunst vom Feinsten

Er fertigte wahrhaft fürstliche Möbel: Johann Valentin Raab. Als sein Meisterstück zur Aufnahme in die Schreinerzunft machte der gebürtige Frankfurter 1806/07 einen edlen Schreibschrank, der schon deutliche Anklänge an die neueste Mode des Empire nach französischen Vorbildern zeigte. Bald erhielt der frischgebackene Meister einen ersten wichtigen Auftrag: Für die „Toskanazimmer“ im Würzburger Schloss schuf er einen Großteil des eleganten Mobiliars im Empire-Stil – vom Ofenschirm bis zur luxuriösen „Schwanengarnitur“ im Boudoir der künftigen Großherzogin.
Rasch wurde Raab dafür bekannt, dass er seine Arbeiten nicht nur nach modernen Entwürfen, sondern auch in vorzüglicher Ausführung anzufertigen verstand. Selbstverständlich ließ auch die bessere Frankfurter Stadtgesellschaft bei ihrem „Starschreiner“ arbeiten. Raab lieferte etwa Möbel für die Familien von Bethmann und Rothschild ebenso wie für die Fürsten von Thurn und Taxis zur Neuausstattung von deren Frankfurter Palais. Aus dem Palais Thurn und Taxis, in dem ab 1816 die Bundesversammlung tagte, stammt auch ein Satz von vier Stühlen, Staatsmöbel des Hauses Österreich, die einst Raab herstellte und die heute im Historischen Museum zu sehen sind.
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Fast wie die Fürsten lebte früher in Frankfurt die Familie von Barckhaus oder auch Barckhausen, die um 1650, kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, aus Westfalen an den Main gekommen war. Über ein Jahrhundert lang gehörten die Barckhaus zu den wohlhabendsten und einflussreichsten Bürgern der Stadt. Anfangs wohnten und arbeiteten sie im Haus zur Goldenen Waage, dem prächtigsten Haus in der Altstadt, wo sie ein Tuchhandels- und Wechselgeschäft betrieben. Um 1700 zog Heinrich von Barckhaus d. Ä. in sein neues Palais auf der Zeil, das eines echten Kaisers würdig war: Karl VII. und seine Gemahlin nutzten es von 1742 bis 1744 als Residenz.
Ein anderer, jüngerer Heinrich von Barckhaus wurde 1745 zum Wirklichen Reichshofrat ernannt und war damit einer von zwei Frankfurtern, die je diesen hohen kaiserlichen Titel trugen, auch wenn er das Amt in Wien nie ausgeübt hat. (Der Vorname Heinrich hatte Tradition in der Familie, weshalb die gleichnamigen Familienangehörigen in der Literatur manchmal verwechselt werden.) Der Reichshofrat Heinrich von Barckhaus und seine Ehefrau Catharina Elisabetha sammelten Kunst nach fürstlichem Vorbild. 1749/52 stifteten sie der Stadtbibliothek den Grundstock für das städtische Münzkabinett und ihren Kunstkammerschrank für ein erstes Frankfurter Museum, woraus sich später das Historische Museum entwickelte.

Nicht immer also konnten alle Frankfurter in ihrem Bürgerstolz dem fürstlichen Lebensstil widerstehen. Manchmal fuhren sie eben doch gerne vierspännig aus, wie die Redensart aus dem 19. Jahrhundert treffend meint.

Die Reisezeit hat begonnen, und wenn Sie auch wohl kaum mit der Kutsche losfahren werden, so wünsche ich Ihnen doch einen guten Weg. Vielleicht kehren Sie zwischendurch immer wieder einmal im Frankfurter Personenlexikon ein, in dem Sie bequem durch die Zeiten – in der diesmaligen Lieferung vom 17. bis ins 21. Jahrhundert – wandern können. Das würde mich freuen.

Beste Grüße und Wünsche
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juli 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Mai 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

zu Beginn des Jahres wurden drei Straßen und ein Platz im Frankfurter Gallusviertel benannt. Dort, auf dem früheren Industriegelände von „Telefonbau und Normalzeit“, entsteht gerade das Wohnquartier „Westville“. Es soll voraussichtlich Mitte 2025 fertig sein. Schon jetzt heißt eine der neuen Straßen, die durch die Siedlung führen werden, „Meta-Gadesmann-Straße“. Wer Meta Gadesmann war und warum die nach ihr benannte Straße genau am richtigen Platz ist, lässt sich im aktuellen Artikel des Monats nachlesen.

Artikel des Monats Mai 2022:
Mutige Frau an der Konzernspitze

Sie galt in den späten 1920er Jahren als einzige Frau in Deutschland, die an der Spitze eines großen Industriekonzerns stand: Meta Gadesmann. Ihre Karriere hatte die gelernte Buchhalterin beim Kaufmännischen Verband für weibliche Angestellte begonnen, in dem sie sich, bald in leitender Funktion, für die Gleichstellung und Anerkennung von Frauen in kaufmännischen Berufen engagierte. Im Rahmen ihrer Verbandsarbeit wechselte die 32-Jährige im Dezember 1913 von Düsseldorf nach Frankfurt. Hier nahm sie im Kriegsjahr 1916 eine Stelle in der Verwaltung bei der „Deutschen Privat-Telefon-Gesellschaft H. Fuld & Co.“ an. In dem von dem Unternehmer Harry Fuld gegründeten und stetig ausgebauten Konzern stieg Meta Gadesmann schnell in die Geschäftsführung auf. Von einigen der entstehenden Tochtergesellschaften übernahm sie die kaufmännische Leitung. Aufgrund ihrer Position als Direktionsmitglied in einem Großkonzern dürfte sie um 1925 zu den Spitzenverdienerinnen in Frankfurt gezählt haben. Als Fuld 1932 starb, gehörte Gadesmann als dessen langjährige enge Mitarbeiterin zu den Testamentsvollstreckenden, die die Zukunft des Konzerns gestalten sollten.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde das Unternehmen, ab 1935 unter dem Namen „Telefonbau und Normalzeit“, „arisiert“. Währenddessen transferierten Meta Gadesmann und andere Aufsichtsratsmitglieder heimlich Gewinne an den Devisenstellen und dem Finanzamt vorbei in die Schweiz, von wo aus die Gelder geflohenen jüdischen Mitaktionären und Vorstandsmitgliedern in den ausländischen Tochtergesellschaften zugutekamen. Nach der Aufdeckung des illegalen Geldtransfers durch die NS-Behörden wurde Meta Gadesmann 1937 verhaftet und schließlich 1940 wegen Devisenvergehens verurteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg widmete sie sich dem Wiederaufbau des Unternehmens „Telefonbau und Normalzeit“ in Frankfurt.
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Wieder einmal liegt in dieser Mailieferung der Schwerpunkt auf Frankfurter Biographien aus dem spannenden 20. Jahrhundert. Die Artikel über den Mediziner Karl Altmann, die Kauffrau Meta Gadesmann, den Kunsthistoriker Hans Rose und den Paläobotaniker Richard Kräusel können auch exemplarisch als vier verschiedene Lebensläufe in der NS-Zeit und deren Folge gelesen werden.

Momentan lädt allerdings die strahlende Maisonne eher dazu ein, hinaus in die Welt zu gehen. Ich würde mich freuen, wenn Sie dem Frankfurter Personenlexikon dennoch gewogen blieben und nach Ihrer Rückkehr wieder einmal online vorbeischauen würden.

Beste Grüße und Wünsche
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juni 2022.

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Förderer: Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Stiftung Niederländische Gemeinde Augsburger Confession

Kooperationspartner: Frankfurter Historische Kommission
Projektleitung: Sabine Hock
Herausgeber: Clemens Greve, Sabine Hock
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