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Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Dezember 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

wussten Sie schon, dass eines der beliebtesten deutschen Weihnachtslieder von einem Frankfurter Lehrer geschrieben wurde?
Für den diesmaligen Artikel des Monats haben wir die Biographie des fast vergessenen Dichters von „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ anhand der Quellen rekonstruiert und neu erzählt.

Artikel des Monats Dezember 2023:
Glöckchenklang aus Frankfurt

Er war einst bekannt für seine Kindergedichte: Karl Enslin. Nach schweren Jugendjahren hatte der Frankfurter Kaufmannssohn erst spät seinen Weg gefunden und war Lehrer geworden. Über drei Jahrzehnte lang, bis zu seinem Tod 1875, unterrichtete er an verschiedenen Frankfurter Volksschulen, an denen er meist als Hauptlehrer für eine Mädchenklasse zuständig war.
Nebenbei schrieb Karl Enslin unzählige Gedichte, Lieder, Geschichten, Fabeln und Rätsel für Kinder und Jugendliche. Seine gesammelten Werke gab er ab 1846 in einer ganzen Reihe von Büchern heraus. Die darin enthaltenen Kindergedichte fanden bald weite Verbreitung, nicht zuletzt dank der vielen Vertonungen. Auch veröffentlichte Enslin ein „Frankfurter Sagenbuch“ (1856), das lange den Heimatkundeunterricht an Frankfurter Schulen prägte. Irgendwann sind Enslins Gedichte und Geschichten, oft Vehikel frommer Botschaften, wohl aus der Zeit gefallen, so dass sie in Vergessenheit gerieten. Nur ein kleines, heiter-stimmungsvolles Weihnachtsliedchen, gedichtet um 1850 unter dem Titel „Christkindchens Einlaß“, ertönt alle Jahre wieder neu: „Kling, Glöckchen, klingelingeling“.
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Die weiteren Beiträge der Dezemberlieferung, die dieses Editorial mit und nach dem aktuellen Artikel des Monats vorstellt, kommen aus den Bereichen Pädagogik, Musik, Bildhauerkunst, in denen sie sich treffen oder trennen, zueinander konträr stehen oder sich ineinander fügen.

Mit der Entwicklung der Pädagogik von der Aufklärung zur Romantik beschäftigt sich die Ausstellung „Kindheit im Wandel“, die das Freie Deutsche Hochstift derzeit (noch bis zum 21. Januar 2024) im Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt zeigt. Anlässlich dieser Ausstellung erscheint im Frankfurter Personenlexikon ein grundlegender Artikel über den bedeutenden Erzieher Elias Mieg, der seit 1790 Hauslehrer bei der Familie Willemer in Frankfurt war. Mieg begann schon früh, sich an Pestalozzi und dessen Lehrmethoden zu orientieren, und konnte bald andere Frankfurter Erzieher und Eltern dafür gewinnen. An Pestalozzis Erziehungsinstitut in Yverdon (Iferten) in der Schweiz, an das auch Mieg mit seinem Zögling Brami Willemer 1807 zog, gab es schließlich eine regelrechte „Frankfurter Kolonie“. Insgesamt 16 Frankfurter Familien, etwa die Lejeunes, Holzhausens und de Barys, gaben damals ihre Söhne zur Erziehung in Pestalozzis Institut.

Ein weiterer neuer Artikel in diesem Monat stellt den Rabbiner Isaak Emil Lichtigfeld vor, der 1966 die Schule der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt begründete, zunächst als Grundschule. Seit 1968 trägt die Schule, die heute alle Klassen bis zum Gymnasium umfasst, seinen Namen. Als Frankfurter Gemeinderabbiner und hessischer Landesrabbiner (seit 1954) sowie „gewissermaßen der nicht ernannte Großrabbiner der Bundesrepublik“ (Paul Arnsberg) spielte Lichtigfeld eine wichtige Rolle in der Frankfurter jüdischen Geschichte der Nachkriegszeit, und so erscheint der Artikel über ihn auch rechtzeitig zum 75. Jubiläum der Wiedergründung der Jüdischen Gemeinde Frankfurt in diesem Jahr. In der Ausstellung „Auf Leben. 75 Jahre Jüdische Gemeinde Frankfurt“, die in Kürze (am 20. Dezember 2023) im Ignatz Bubis-Gemeindezentrum eröffnet wird, geht es nicht nur um den Wiederaufbau des jüdischen Bildungswesens, sondern um den Neubeginn des gesamten jüdischen Lebens nach der Shoah in Frankfurt. Die Ausstellung ist bis zum 26. Mai 2024 zu sehen.

In der Reihe der Musikerbiographien, die in Kooperation mit dem Projekt „Musikstadt Frankfurt“ der Frankfurter Bürgerstiftung entsteht, erscheint diesmal ein Artikel über den Dirigenten Wilhelm Steinberg, der seit 1929 Musikalischer Leiter und Erster Kapellmeister am Frankfurter Opernhaus war. Bald nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 entlassen, baute er zunächst das Orchester des Jüdischen Kulturbunds in Frankfurt, dann ab 1936 „Palestine Symphony Orchestra“ in Tel Aviv auf. Nach seiner Emigration in die USA 1938 stieg Steinberg dort zu einem der international renommiertesten Dirigenten seiner Zeit auf.

Eine anderer Musikerartikel ist die Biographie des gebürtigen Frankfurters Philipp Reich, der im Mai 1946 das Amt des evangelischen Stadtkantors in Frankfurt übernahm. Reich, der seine eigene vielversprechende Karriere als Organist infolge einer schweren Kriegsverletzung hatte aufgeben müssen, stieg bald zum Leiter des Amts für Kirchenmusik mit Sitz in Frankfurt und zum ersten Kirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau auf. Außerdem leitete er die von ihm begründete Frankfurter Kirchenmusikschule und die Hessische Kantorei.

Schließlich beschäftigen sich zwei Artikel dieser Lieferung mit Bildhauerbiographien, und zwar von Richard Petraschke und von Max Esser. Zwei gegenübergestellte Eckdaten aus der jeweiligen Geschichte von deren Werken markieren augenfällig den Paradigmenwechsel, den das nationalsozialistische Regime auch in der bildenden Kunst mit sich brachte. Während des Novemberpogroms 1938 wurde das Tonmodell einer Schopenhauer-Büste von Richard Petraschke, das im Atrium des Schopenhauerhauses an der Schönen Aussicht 16 aufgestellt war, von NS-Schlägern zertrümmert. Wenige Wochen später, am 21. Dezember 1938, wurde das originalgroße Gipsmodell des „Handwerkerbrunnens“ von Max Esser in dessen Atelier für die Presse fotografiert. Der Brunnen war als neues Wahrzeichen für Frankfurt geplant, das die nach nationalsozialistischem Willen zur „Stadt des deutschen Handwerks“ umgedeutete Mainmetropole repräsentieren sollte. Diese Zeichen des Umbruchs wurden vor ziemlich genau 85 Jahren gesetzt, wahrhaftig kein großes Jubiläum, das aber nachdenklich stimmt.

Momentan stehen auch wieder ganz andere Jahrestage ins Haus.
Ob nun das kleine klingende Glöckchen aus dem eingangs erwähnten Weihnachtslied oder die mächtige Gloriosa des Doms im Frankfurter Stadtgeläute – traditionell läuten Glocken zum Frieden. Und Frieden, das ist in diesem Jahr wohl der größte Wunsch von allen Menschen auf Erden, ob sie nun Weihnachten feiern oder nicht.
So wünsche ich auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, friedvolle Tage und einen guten Rutsch in das Neue Jahr, in dem wir uns bald wiederlesen mögen.

Beste Wintergrüße – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Januar 2024.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. November 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Geschichte der Sportstadt Frankfurt ist seit den 1990er Jahren zunehmend in den Blick der historischen Wissenschaft, Forschung und Vermittlung gerückt. So waren in der Buchausgabe der „Frankfurter Biographie“ von 1994/96 zwar schon ein paar, aber doch eher wenige Artikel aus dem Bereich des Sports vertreten. Dem seitdem stark gewachsenen stadt- und kulturhistorischen Interesse am Sport begegnet das Frankfurter Personenlexikon, indem es in loser Folge eine Serie mit Biographien von Sportlerinnen und Sportlern aus der Frankfurter Geschichte veröffentlicht. Kürzlich sind etwa Beiträge über den Tauzieher und Leichtathleten Willy Dörr, den Ruderer Achilles Wild und den Fußballer Richard Kreß neu erschienen. Die Sportreihe des FP setzt nun der aktuelle Artikel des Monats fort, der an einen großen Star am Frankfurter Fußballhimmel erinnert.

Artikel des Monats November 2023:
Don Alfredo mit dem Koks

Er war der Kapitän der Meistermannschaft von Eintracht Frankfurt und einer der Helden von Bern: Alfred Pfaff. Im Alter von zehn Jahren hatte der Rödelheimer Bub mit dem Fußballspielen bei der Eintracht begonnen. Als 16-Jähriger gab er 1943 sein Debüt in deren erster Mannschaft. Nach Kriegsdienst und -gefangenschaft kehrte Pfaff auf kurzen Umwegen 1949 zur Eintracht zurück. In den kommenden zwölf Jahren bestritt der herausragende Techniker insgesamt 301 Spiele (mit 103 Toren) für Eintracht Frankfurt in der damals erstklassigen Oberliga Süd. Zudem wurde der Frankfurter von Trainer Sepp Herberger in die bundesdeutsche Nationalmannschaft geholt, zu deren Kader er bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 gehörte. Allerdings kam Pfaff bei diesem Turnier nur einmal zum Einsatz. Normalerweise war seine Spielposition nämlich im Nationalteam schon besetzt – von Fritz Walter.
Legendär wurde Pfaff durch seine größten Erfolge mit Eintracht Frankfurt: den Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1959 und die Teilnahme am Endspiel um den Europapokal der Landesmeister 1960. In dieser Zeit bekam der Frankfurter auch sein Markenzeichen und seinen Spitznamen: Nach dem Sieg der Eintracht über die Glasgow Rangers im Europapokal-Halbfinale überreichte der Direktor der gegnerischen Mannschaft seinen Hut – einen Bowler oder auch „Koks“, wie man in Frankfurt sagte – auf einem silbernen Tablett an Pfaff und ernannte den Spielmacher zu „Don Alfredo“, womit er auf den damaligen Real-Madrid-Star Alfredo di Stéfano anspielte. Im Finale gegen Real Madrid musste sich die Eintracht zwar mit 7 : 3 geschlagen geben, aber das Match ging dennoch als „Jahrhundertspiel“ in die Vereins- und in die Fußballgeschichte ein.
Trotz lukrativer internationaler Wechselangebote blieb Alfred Pfaff der Eintracht bis zum Ende seiner aktiven Fußballerkarriere 1961 treu. Auch nach seinem Abschied trafen sich die Eintrachtler noch gerne bei ihm. Denn im Hauptberuf führte Pfaff eine Gaststätte, seit 1956 im damals neu eröffneten „Parkhaus Hauptwache“ in der Frankfurter Innenstadt. Wenn es das Geschäft im Lokal erforderte, soll der Chef früher sogar manchmal seine Teilnahme an Länderspielen abgesagt haben.
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Eine weitere wichtige Reihe im FP widmet sich in Kooperation mit dem Projekt „Musikstadt Frankfurt“ der Frankfurter Bürgerstiftung den Biographien von Musikerinnen und Musikern. In dem Rahmen erscheint diesmal ein Artikel über den bedeutenden Dirigenten Clemens Krauss, der als Intendant der Oper von 1924 bis 1929 in Frankfurt wirkte und hier den Grundstein für seine spätere internationale Karriere legte, wobei seine Haltung in der Zeit des Nationalsozialismus durchaus kritisch betrachtet wird.

Den Auftrag des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft erfüllen drei Artikel der aktuellen Lieferung. Gustav Embden, Pionier der Biochemie und Stoffwechselforschung, war einer der bedeutendsten Wissenschaftler an der Medizinischen Fakultät der neu gegründeten Frankfurter Universität. Zwischen 1923 und 1933 wurde er insgesamt zwölfmal für den Nobelpreis nominiert. Im April 1933 soll Embden von Anhängern des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds aus dem von ihm geleiteten Institut für vegetative Physiologie geschleppt und mit einem Schild „Ich bin ein Jude“ durch die Stadt getrieben worden sein. Dass es solche Demütigungen waren, die zu seinem baldigen Tod beitrugen, ist nicht erwiesen, aber wahrscheinlich.
Sophie Ennenbach, eine linke Sozialdemokratin, die sich früh für die Rechte der Frauen engagiert hatte und zeitweise für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung saß, verlor sofort nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 ihre Stelle beim städtischen Arbeitsamt. Auch ihre Tochter wurde wegen der „politischen Unzuverlässigkeit“ der Mutter aus städtischen Diensten entlassen. Nach einer Zwischenstation in Chemnitz zogen die beiden Frauen nach Berlin, wo sie sich im Widerstand gegen das NS-Regime engagierten. Über die Tochter Rose Schlösinger, die 1942 von der Gestapo verhaftet und am 5. August 1943 in Plötzensee hingerichtet wurde, erschien in der vorigen Monatslieferung des Frankfurter Personenlexikons ein neuer Artikel.
Ernst E. Hirsch, ein junger Jurist, der gerade in eine glänzende Karriere als Richter am Land- und Amtsgericht sowie als Dozent an der Universität in Frankfurt gestartet war, emigrierte nach dem Berufsverbot durch die Nationalsozialisten 1933 in die Türkei. Dort wurde er zum „Vater des türkischen Handelsrechts“. Pläne, ihn nach 1945 an die Frankfurter Universität zurückzuholen, scheiterten. Als Professor an der Freien Universität Berlin begründete Hirsch das Fach der Rechtssoziologie in der Bundesrepublik mit.

Auch wenn es im FP stets Reihen gibt, die sich zur Geschichte verbinden, und Themen, die uns nicht loslassen, so ist doch jede Biographie einzigartig. Deshalb ist es immer aufs Neue spannend, im Frankfurter Personenlexikon zu lesen, weshalb ich Sie auch heute wieder gern dazu einlade.

Beste Grüße – und bleiben Sie gesund!
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Dezember 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Oktober 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

jede Lebensgeschichte hat ihre Zeit. Wenn die Geschichte neu erzählt wird, zeigt es sich oft, ob sie in die Gegenwart passt oder ob sie, zumindest für den Moment, der Vergangenheit angehört. Zu den Geschichten, die es immer und gerade jetzt zu berichten gilt, gehören die Biographien zweier mutiger Frauen in der aktuellen Lieferung des Frankfurter Personenlexikons. Beide Frauen setzten, jede auf ihre Weise, ihr Leben im Widerstand gegen das nationalsozialistische Terrorregime ein. Eine von beiden war bisher noch gar nicht im Frankfurter Personenlexikon vertreten. Ihr ist daher der diesmalige Artikel des Monats gewidmet.

Artikel des Monats Oktober 2023:
Vertrauen und Mut im Widerstand

Sie war die erste Frau mit einer Pfarrstelle in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: Katharina Staritz. In ihrer Heimatstadt Breslau war die vollausgebildete Theologin ab 1932 mit Sonderaufgaben in der Jugend- und Frauenarbeit sowie in der Krankenhausseelsorge betraut worden. Erst im Alter von 35 Jahren konnte sie 1938 als „Stadtvikarin“ eingesegnet werden, während der Titel „Pfarrer“ mit dem Recht, den Gottesdienst zu halten und darin zu predigen, ihren männlichen Kollegen vorbehalten blieb. Im Auftrag der Bekennenden Kirche leitete Katharina Staritz seit Ende 1938 eine Hilfsstelle für evangelische Christen jüdischer Herkunft. Etwa 100 Menschen verhalf sie damals zur Auswanderung.
Als im September 1941 eine Polizeiverordnung alle Jüdinnen und Juden ab dem sechsten Lebensjahr zum Tragen des „Gelben Sterns“ verpflichtete, erinnerte Katharina Staritz in einem amtlichen Rundbrief die Breslauer Pfarrer an ihre seelsorgliche Verantwortung für die getauften Jüdinnen und Juden. Sie sollten zu diesen Gemeindegliedern stehen und sie nicht vom Gottesdienst ausschließen. Daraufhin wurde S. vom Dienst suspendiert und musste Breslau verlassen. Sie fand zunächst Zuflucht in Marburg, wurde jedoch im März 1942 von der Gestapo verhaftet. Nach einem Monat im Polizeigefängnis in Kassel und zwei Monaten im Arbeitserziehungslager Breitenau kam sie als politische Gefangene in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Ihre Entlassung im Mai 1943 verdankte sie ihrer Schwester Charlotte, die sich bei kirchlichen und staatlichen Behörden mutig und beharrlich für sie eingesetzt hatte.
Im Januar 1945 mit Mutter und Schwester nach Marburg geflüchtet, wurde Katharina Staritz 1949 von Martin Niemöller nach Frankfurt geholt, wo sie als erste ordinierte Theologin in ein Beamtenverhältnis bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) übernommen wurde. Als Stadtvikarin war sie ab 1950 für die evangelische Frauenarbeit in Frankfurt zuständig, und sie bekam endlich das hartnäckig von ihr eingeforderte Recht, den Gottesdienst zu halten, zu predigen und die Sakramente zu verwalten, wobei sie nun auch einen Talar tragen durfte. Der Titel „Pfarrerin“ blieb ihr jedoch bis zu ihrem frühen Tod 1953 verwehrt.
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Dass Katharina Staritz als erste Frau in Frankfurt den evangelischen Gottesdienst halten durfte, verdankte sie vor allem Pfarrer Wilhelm Fresenius, der sie – anders als die anderen männlichen Kollegen – im Amt auf Altar und Kanzel akzeptierte und als Vikarin an der St. Katharinengemeinde aufnahm. Obwohl ihre Amtsnachfolgerin Gerlind Schwöbel seit den 1980er Jahren unermüdlich an Katharina Staritz erinnerte und schließlich deren Biographie veröffentlichte, lehnte die St. Katharinengemeinde damals eine Gedenktafel für Staritz ab, nach langwierigen Diskussionen mit teilweise hanebüchenen Argumenten, wie z. B. dass Katharina Staritz ja gar nicht in der St. Katharinenkirche gepredigt habe, weil das kriegszerstörte Gotteshaus erst nach dem Wiederaufbau ab 1954 zur Verfügung gestanden hätte.
Immerhin blieb die Grabstätte der vor 70 Jahren verstorbenen Theologin auf dem Bockenheimer Friedhof erhalten. Derzeit plant die Kirchengemeinde Bockenheim, das Grab von Katharina Staritz in eine projektierte Gemeinschaftsgrabstätte zu integrieren; in diesem Zuge sollen das Grabmal restauriert und eine Infotafel aufgestellt werden.

Das Gedenken an Rose Schlösinger, die zweite Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime, über die in diesem Monat ein neu bearbeiteter Artikel im Frankfurter Personenlexikon erscheint, wird in Frankfurt traditionell gepflegt. So erinnert an sie seit 1994 eine Gedenktafel an ihrem Geburtshaus Münzenberger Straße 4 im Frankfurter Nordend. Auch im 1996 erschienenen zweiten Band der „Frankfurter Biographie“ war Rose Schlösinger bereits mit einem Artikel vertreten. Rose Schlösinger, Tochter der linken Sozialdemokratin Sophie Ennenbach, musste ihre Heimatstadt Frankfurt in der NS-Zeit notgedrungen verlassen, engagierte sich später in Berlin zusammen mit ihrem Mann Bodo Schlösinger in einer Widerstandsgruppe der „Roten Kapelle“ und wurde vor 80 Jahren, am 5. August 1943, im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Dieser Tage ist eine neue Biographie über Rose und Bodo Schlösinger erschienen, die sich auf umfangreiches und bisher unveröffentlichtes Quellenmaterial aus dem Nachlass Schlösinger-Ennenbach-Sideri (jetzt in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin) stützt, darunter die bewegenden Briefe von Rose Schlösinger aus der Haft. Der Verfasser Gerhard Hochhuth hat auf dieser Quellenbasis auch den neuen, grundlegend überarbeiteten und ergänzten Artikel über Rose Schlösinger für das FP geschrieben. Sein Buch stellt er während des Lesefests „Open Books“ zur Frankfurter Buchmesse am 21. Oktober 2023 im Historischen Museum vor.

Zu den Biographien aus der NS-Zeit in der aktuellen Monatslieferung gehört auch der Beitrag über den Organisten, Musikpädagogen und Komponisten Siegfried Würzburger, der fast 30 Jahre lang als Organist an der Westendsynagoge wirkte, bis zu deren innerer Zerstörung beim Novemberpogrom 1938. Würzburger wurde mit dem ersten Deportationszug aus Frankfurt im Oktober 1941 in das Ghetto Lodz („Litzmannstadt“) verschleppt, wo er wenige Monate später an Hunger und Entkräftung starb. Der gegenüber der Buchfassung wesentlich ergänzte Artikel, der jetzt im Frankfurter Personenlexikon an Siegfried Würzburger erinnert, setzt zugleich die Serie der Musikerartikel fort, die im Rahmen der Kooperation mit dem Projekt „Musikstadt Frankfurt“ der Frankfurter Bürgerstiftung entsteht.

An die in den vorigen Lieferungen erschienenen Künstlerbiographien des 20. Jahrhunderts, etwa über Christian Dell und Richard Martin Werner, die angesichts der affirmativen Haltung der Dargestellten zum Nationalsozialismus kritisch zu lesen sind, knüpft die Neufassung des Artikels über den Maler Rudolf Gudden an. Gudden, der seit den 1880er Jahren sein Atelier in Frankfurt hatte, galt aufgrund seiner freien Auffassung in der Landschaftsmalerei als Wegbereiter der Moderne; zudem war er ein gesuchter Auftragsmaler von Porträts. In zahlreichen Häusern der besseren Frankfurter Gesellschaft hingen seine Bilder. Neuere Recherchen haben ergeben, dass Gudden sich schon früh der nationalsozialistischen „Bewegung“ anschloss und sich im Zuge der nationalsozialistischen „Gleichschaltung“ ab 1933 nicht scheute, seine Kollegen zu denunzieren. Abschließende Forschungen zu seiner Biographie, nicht nur in der NS-Zeit, stehen noch aus.

Als der Lyriker Horst Bingel in seinem Gedicht „Wir suchen Hitler“ 1965 in der FAZ den Umgang der Nachkriegsgesellschaft mit ihrer NS-Vergangenheit kritisierte, löste er einen solchen Sturm der Entrüstung aus, dass die Feuilletonredaktion der Zeitung eine eigene Poststelle zur Bearbeitung der Protestbriefe eingerichtet haben soll. Bingel, der von 1957 bis 1969 Herausgeber der „Streit-Zeit-Schrift“ war, gründete auch das „Frankfurter Forum für Literatur e. V.“ (1965), mit dem er in den Zeiten des Kalten Krieges internationale Autorentreffen zwischen West und Ost organisierte. In den 1960er und 1970er Jahren veranstaltete der Schriftsteller zudem Lesungen in der Straßenbahn, in Werkshallen und auf Baustellen, um breitere Kreise für die Literatur zu gewinnen. Damals war Horst Bingel einer der bekanntesten und einflussreichsten Vertreter der Frankfurter und hessischen Literaturszene. Von 1974 bis 1976 amtierte er sogar als Bundesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller. Mitte der 1980er Jahre zog sich der in Frankfurt lebende Autor ganz zum Schreiben zurück. Es wurde still um ihn. Seine Poesie schien plötzlich aus der Zeit gefallen, und vielleicht ist sie gerade deshalb so aktuell geblieben.
Am 6. Oktober 2023 hätte Horst Bingel seinen 90. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass erscheint jetzt ein Artikel über den 2008 verstorbenen Schriftsteller im Frankfurter Personenlexikon.

Die Zeiten können nachdenklich machen, vielleicht auch beim Lesen der Lebensgeschichten im Frankfurter Personenlexikon. Es wäre zumindest eine Hoffnung, wenn es so wäre.

Beste Herbstgrüße – und bleiben Sie gesund!
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. November 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. September 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

können Sie sich noch an das 50-Pfennig-Stück erinnern? Die kleine, silberfarbene Münze, die über 50 Jahre lang – bis zur Einführung des Euro am 1. Januar 2002 – im Umlauf war, war wegen ihres Motivs der „Baumpflanzerin“ sehr beliebt. Lange wurde die knieende Frau mit dem Eichensetzling in den Händen für eine idealtypische Darstellung gehalten, zumal sie nahezu perfekt als Symbol für den Neuanfang in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erschien. Und so war es 1987 eine echte Überraschung, als der Fernsehmoderator Frank Elstner in der Sendung „Menschen“ im ZDF das leibhaftige Vorbild vorstellte: Die Kunsterzieherin Gerda Jo Werner aus Oberursel war ihrem Mann einst Modell für die „Baumpflanzerin“ gewesen. Mit dem Fernsehauftritt begann für sie eine späte Medienkarriere als „die Frau vom 50-Pfennig-Stück“. Doch wer war der Mann hinter ihr?
Der aktuelle Artikel des Monats, der über Leben und Werk des Bildhauers und Münzgestalters Richard Martin Werner berichtet, erweist sich als eine typische Künstlerbiographie mit Brüchen des 20. Jahrhunderts, die aus heutiger Sicht kritisch zu lesen ist.

Artikel des Monats September 2023:
Der Mann vom 50-Pfennig-Stück

Er hielt sein bekanntestes Werk wohl nie in den Händen: Richard Martin Werner. In den 1920er Jahren gehörte der gebürtige Offenbacher zum Schülerkreis des Bildhauers Richard Scheibe an der Frankfurter städtischen Kunstgewerbeschule. Dem Lehrer stand er gelegentlich auch Modell, etwa für die Jünglingsfigur des Friedrich-Ebert-Denkmals an der Paulskirche (1926).
Seit 1930 arbeitete Werner als freier Bildhauer in Frankfurt, Offenbach und später in Oberursel. In der NS-Zeit machte der aufstrebende Künstler, der sich dem „klassischen“ Ideal von „Harmonie und Schönheit in der geschlossenen Form“ verpflichtet fühlte, schnell Karriere. Bei den olympischen Kunstwettbewerben 1936 in Berlin erhielt er für seine steinerne Skulptur „Läuferin am Start“ eine „Ehrenvolle Erwähnung“; eine Version dieses Werks in Bronze wurde von der Stadt Frankfurt angekauft und auf dem Gelände des Waldstadions aufgestellt, wo sie bis heute ihren Platz hat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sich Werner, aus der Kriegsgefangenschaft nach Oberursel zurückgekehrt, an Wettwerben der Bank deutscher Länder zur Gestaltung des bundesdeutschen Münzgelds, das im Zuge der Währungsreform ab 1948 eingeführt werden sollte. Mit seinem Entwurf für das 50-Pfennig-Stück gewann er den ersten Preis. Die neuen Münzen wurden zwar schon ab 1949 geprägt, kamen aber erst am 14. Februar 1950 in den Umlauf, wenige Monate nach dem plötzlichen Tod ihres Schöpfers Richard Martin Werner.
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Einige der Artikel in der vorliegenden Septemberlieferung setzen laufende Reihen im Frankfurter Personenlexikon fort. Im Rahmen der Kooperation mit dem Projekt „Musikstadt Frankfurt“ der Frankfurter Bürgerstiftung erscheint wieder ein Musikerartikel, diesmal über den seinerzeit weltberühmten Dirigenten Otto Dessoff, der als Erster Kapellmeister das neue Frankfurter Opernhaus 1880 eröffnete und in den folgenden Jahren zu musikalischem Glanz führte.
Einer weiteren Persönlichkeit aus dem Umkreis von Wilhelm Merton, dessen 175. Geburtstag in diesem Jahr gedacht wird, widmet sich der grundlegend neu bearbeitete Beitrag über Henry Oswalt. Der Jurist machte sich in enger Zusammenarbeit mit Merton und Adickes darum verdient, dass die Idee zur Gründung einer Frankfurter Universität auch verwirklicht werden konnte; zudem war Oswalt ein bedeutender liberaler Wirtschaftstheoretiker, der in den Debatten der Nationalökonomie seiner Zeit eine wesentliche Rolle spielte.
In unserer Sportreihe erscheinen diesmal gleich zwei Artikel über unvergessene Frankfurter Sportlegenden. Sie handeln von Achilles Wild, der 1882 der erste „Meister von Deutschland“ im Rudern wurde, und von Richard Kreß, der 1959 mit Eintracht Frankfurt die deutsche Fußballmeisterschaft gewann.

Noch hat sich der Sommer, der sich beim Erscheinen des Editorials im vorigen Monat schon in Regen aufzulösen drohte und dann doch wiederkehrte, nicht ganz verabschiedet. Genießen Sie die letzten Sommersonnentage in diesem Jahr – und vergessen Sie darüber nicht das Frankfurter Personenlexikon, das bei jedem Wetter eine wichtige Informationsquelle und eine lohnende Lektüre mit Frankfurter Biographien aus über 1.200 Jahren Stadtgeschichte darstellt.

Beste Grüße und Wünsche
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Oktober 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. August 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Lieferung des Frankfurter Personenlexikons erscheinen einige wichtige Artikel aus der „Frankfurter Biographie“ in vollkommen überarbeiteter und aktualisierter Fassung. An deren chronologisch erster Stelle steht der neueste Artikel des Monats, der uns zurück bis ins 16. Jahrhundert führt, um den einflussreichen und illustren Frankfurter Stadtsyndikus Heinrich Kellner vorzustellen.

Artikel des Monats August 2023:
Gesetzgeber, Geschichtsforscher, Grafikensammler

Er war einer der typischen gelehrten Advokaten und der geschicktesten Diplomaten seiner Zeit: Heinrich Kellner. Der Vater, ein vermögender Handelsherr aus Erfurt, der in das Frankfurter Patriziat eingeheiratet hatte, konnte es sich leisten, seinen jüngsten Sohn (von acht Kindern) zum Studium in die Welt zu schicken. So studierte Heinrich Kellner ab 1554 die Rechtswissenschaften an den Universitäten in Löwen, Leipzig, Orléans, Bourges, Padua und Ferrara bei den berühmtesten Köpfen in Europa, und nebenbei reiste er zur Vervollkommnung seiner Bildung umher, zuletzt durch Italien. Nach seiner Promotion 1563 kehrte der 27-Jährige in seine Geburtsstadt Frankfurt zurück, wo er als Anwalt schnell Karriere machte.
Im Februar 1574 zum Stadtsyndikus ernannt, gehörte Kellner zu den Mitherausgebern der von Johann Fichard verfassten „Frankfurter Reformation“ von 1578 und damit zu den Gesetzgebern der Reichsstadt. Schon bald vertrat er die Stadt auch in diplomatischen Fragen vor dem Kaiser und etwa auf Reichstagen. 1576 erreichte er beim Kaiser in Wien, dass weder ein durch Spekulationsgeschäfte in Misskredit geratener Großkaufmann noch ein kaiserlicher Günstling das begehrte Frankfurter Stadtschultheißenamt erhielt; stattdessen setzte er die Ernennung seines älteren Bruders Johann Kellner zum Stadtschultheißen durch. Später (1585) arbeitete Heinrich Kellner eine Registratur für den städtischen Schriftverkehr aus, so dass er zu den Gründervätern des Stadtarchivs (des heutigen Instituts für Stadtgeschichte) gezählt werden kann.
Neben seinem Beruf verfolgte Kellner breit gefächerte Interessen, erforschte die Geschichte seiner Familie und veröffentlichte 1574 zwei Bücher über Venedig, dessen Verfassung er, der Frankfurter Stadtstaatsbürger, für vorbildlich ansah. Auch sammelte er eifrig Bücher und Grafiken. Zwei der „Klebebände“, in denen er seine Bilder zusammentrug, sind in der jetzigen Frankfurter Universitätsbibliothek überliefert. Dort findet sich außerdem eine ganze Reihe von Büchern aus Kellners ehemaliger Bibliothek. Manchmal hat Kellner selbst etwas hineingeschrieben oder an den Rand gekritzelt. In dem Band „Quadrupedes vivipares“ (Lebendgebärende Vierfüßer) der „Historiae animalium“ (Tierkunde) von Conrad Gessner aus dem Jahr 1551 etwa korrigierte er in einer Randnotiz die Angaben zum Elefanten. Immerhin hatte Kellner einen solchen Vierfüßer anlässlich des Reichstags in Speyer 1570 mit eigenen Augen gesehen.
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Weitere grundlegende Neufassungen von Beiträgen aus der „Frankfurter Biographie“ sind die Artikel über den Bakteriologen Max Neisser, den ersten Direktor des 1909 gegründeten Hygienischen Instituts in Frankfurt, sowie über den Komponisten Joachim Raff und den Dirigenten Ludwig Rottenberg, die zugleich die Musikerreihe im Frankfurter Personenlexikon fortschreiben. Der Artikel über Joachim Raff, Gründungsdirektor der 1878 eröffneten Musikschule „Dr. Hoch’s Konservatorium“, entstand wieder in Kooperation mit dem Projekt „Musikstadt Frankfurt“ der Frankfurter Bürgerstiftung und dessen Leiterin Ulrike Kienzle, die als Verfasserin des Beitrags eng mit der Joachim-Raff-Gesellschaft in Lachen am Zürichsee zusammenarbeitete, um den aktuellsten Forschungsstand bieten zu können. Über Ludwig Rottenberg, der als Erster Kapellmeister für mehr als drei Jahrzehnte ab 1893 das hohe künstlerische Niveau des Frankfurter Opernhauses bestimmte und u. a. vier Opern von Franz Schreker bei ihrer Uraufführung in Frankfurt dirigierte, hat Susanne Schaal-Gotthardt für das FP geschrieben, die Direktorin des Hindemith Instituts in Frankfurt, die bei der Recherche für den Artikel auf wichtige Bestände dieses Instituts – wie den Nachlass Rottenbergs – zurückgreifen konnte. Denn nicht zuletzt war Ludwig Rottenberg der Schwiegervater von Paul Hindemith.

Zu den echten Neuzugängen des Monats August im Frankfurter Personenlexikon zählt u. a. der Silberschmied und Produktdesigner Christian Dell, der als Leuchtengestalter im Neuen Frankfurt bekannt wurde und heute auch als Pionier auf dem Gebiet des Kunststoffdesigns gewürdigt wird. Ebenfalls neu im FP ist der abstrakte Künstler Ernst Weil, ein gebürtiger Frankfurter, dem das Museum Giersch der Goethe-Universität derzeit – noch bis zum 27. August – die umfassende Retrospektive „Spontan und konstruktiv“ widmet.

Dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ihre Sommerpause auch bei anhaltendem Regenwetter mit dem Frankfurter Personenlexikon kreativ gestalten können, dafür haben die Autorinnen und Autoren im vergangenen Monat mit besonderem Einsatz gesorgt. Allen Artikelschreibenden sei an dieser Stelle einmal ganz herzlich für ihr Engagement zugunsten des Projekts gedankt.

Beste Sommergrüße
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. September 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juli 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

war Lohengrin ein Frankfurter? Zu seiner Herkunft können und dürfen ihn ja nicht befragen. Aber als ich ein Kind war, stellte ich mir gern vor, dass die Figuren in „ihrem“ Buch wohnten und in besonders magischen Momenten lebendig den Seiten entsteigen könnten. Die spätmittelalterliche Handschrift, aus der Lohengrins Vorbild, der Schwanritter, stammt, befindet sich im Besitz der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt. Der Retter und Stifter dieses einzigartigen Buchs war ein Frankfurter Arzt, der vor rund 200 Jahren das Entstehen des Fachs Germanistik im heutigen Sinne förderte. Seine Lebensgeschichte ist im diesmaligen Artikel des Monats zu lesen.

Artikel des Monats Juli 2023:
Retter des Schwanritters

Er begann schon als Kind mit dem Büchersammeln: Georg Kloß. Bereits während seines Medizinstudiums trug der Frankfurter Arztsohn systematisch medizinische Dissertationen zusammen, einen umfassenden Bestand, den er 1820 an die Universität Bonn verkaufte. Inzwischen hatte Kloß, seit 1810 niedergelassener Arzt in seiner Geburtsstadt, ein neues Sammelgebiet für sich entdeckt: mittelalterliche Handschriften und frühe Drucke. Zusammen mit seinen Freunden, dem Juristen Gerhard Thomas und dem Lokalhistoriker Benedict Römer-Büchner, suchte er in und um Frankfurt nach interessanten Stücken. So entdeckten und retteten die drei 1812 die „Schwanritter“-Handschrift, eine spätmittelalterliche Sammelhandschrift, in der die mittelhochdeutsche Verserzählung „Der Schwanritter“ von Konrad von Würzburg unikal überliefert ist.
Als um den nunmehrigen Senator und späteren Bürgermeister Thomas ein geisteswissenschaftliches Gelehrtennetzwerk entstand, in dem sich u. a. Johann Friedrich Böhmer, Jacob und Wilhelm Grimm sowie einige weitere Frühgermanisten austauschten, gehörte auch Kloß zu diesem Kreis. Seit Beginn der 1820er Jahre verlieh er Handschriften aus seiner Sammlung an Fachvertreter der entstehenden Germanistik, um die Edition und Erforschung alter deutschsprachiger Texte zu fördern. Die „Schwanritter“-Handschrift etwa schickte er damals an Wilhelm Grimm zur editionsphilologischen Bearbeitung. Später, im Jahr 1841, schenkte Kloß das wertvolle Stück in einem Konvolut von insgesamt 23 Handschriften und Drucken an die Frankfurter Stadtbibliothek, die jetzige Universitätsbibliothek, wo es sich bis heute erhalten hat.
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Um ein ganz besonderes Manuskript, das erst vor zehn Jahren wiederentdeckt wurde, geht es in dem Artikel über den Komponisten Max Bruch. Der hochbegabte junge Musiker gewann 1852 das Stipendium der Frankfurter Mozart-Stiftung. Bruch wurde berühmt – das Streichquartett, mit dem er das Frankfurter Stipendium gewonnen hatte, geriet in Vergessenheit. Es wurde von der Musikwissenschaftlerin Ulrike Kienzle 2013 in Bruchs Bewerbungsunterlagen im Archiv der Mozart-Stiftung wiederentdeckt und mit Förderung der Frankfurter Bürgerstiftung im folgenden Jahr uraufgeführt und publiziert. Der in dieser Lieferung neu erscheinende Artikel über Max Bruch, verfasst von Ulrike Kienzle, setzt die Reihe von Musikerbiographien im Frankfurter Personenlexikon fort, jetzt in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Musikstadt Frankfurt“ der Frankfurter Bürgerstiftung.

In der aktuellen Serie, die zum 175. Jubiläum der Deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche erscheint, kommt diesmal der Artikel über Robert von Mohl in grundlegend neuer Fassung heraus. Der württembergische Staatsrechtler spielte 1848/49 als Abgeordneter des Paulskirchenparlaments, etwa im Verfassungsausschuss, und als Reichsjustizminister der Provisorischen Zentralgewalt eine wichtige Rolle. Mit dem Ziel eines deutschen Nationalstaats vor Augen machte Mohl, eigentlich eher einer „großdeutschen“ Lösung unter Einbeziehung von Österreich zuneigend, weitgehende realpolitische Zugeständnisse. Er stimmte letztlich der von Gagern favorisierten kleindeutschen Lösung zu und wählte den preußischen König als Erbkaiser mit. Und er votierte für das allgemeine Wahlrecht, obwohl er es zeitlebens ablehnte.
Noch steckte die Demokratie in den Kinderschuhen. Nach dem (an sich sehr fortschrittlichen) Reichswahlgesetz vom 12. April 1849 blieben Frauen weiterhin vom aktiven und passiven Wahlrecht ausgeschlossen. Eine Frau, die dennoch „die Politik nicht lassen“ konnte, war die Frankfurterin Clotilde Koch-Gontard. Sie etablierte einen Salon in ihrem Hause, der als wichtiger Treffpunkt dem politischen Austausch in der Zeit des Frankfurter Parlaments 1848/49 diente. Der völlig neu bearbeitete Artikel über Clotilde Koch-Gontard ist in der Biographienserie zu 1848/49 bereits in der Junilieferung im Frankfurter Personenlexikon erschienen.

Auch einige Biographien aus dem spannenden 20. Jahrhundert, die bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, immer besonders gefragt sind, finden sich in dieser Julilieferung des FP: über den Mediziner Eugen Albrecht, Mitgestalter des Neubaus der Senckenbergischen Pathologie, über den Architekten Ernst Hiller, Bewohner des Schopenhauerhauses am Main, über den Missionar J. W. Ernst Sommer, Bischof der Methodistenkirche in Deutschland, über den Journalisten Willo Uhl, Frankfurter Freund des Dichters Joachim Ringelnatz, und über den Arzt Hans Giese, Gründer des Instituts für Sexualforschung.

Die Fülle des Lebens lässt sich bei allen Artikeln aus den Bildschirmzeilen herauslesen – auch wenn wir mittlerweile der kindlichen Illusion beraubt sein mögen, dass der Schwanritter leibhaftig zwischen zwei Buchdeckeln in der Frankfurter Universitätsbibliothek wohne.

Beste Sommergrüße
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. August 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juni 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

mit einem Artikel des Monats über einen Filmstar aus Frankfurt eröffnet das Frankfurter Personenlexikon die Sommersaison. Vor 120 Jahren wurde Camilla Horn in Bockenheim geboren. Wie die junge Frankfurterin zu Beginn der 1920er Jahre nach Berlin aufbrach und unversehens in eine internationale Filmkarriere startete, ist in dem neuen Beitrag im FP nachzulesen.

Artikel des Monats Juni 2023:
Vom Frankfurter Mädchen zur Femme fatale

Sie wurde als Gretchen zum Filmstar: Camilla Horn. Die gebürtige Frankfurterin absolvierte zunächst eine Schneiderlehre und ging dann, noch keine 20 Jahre alt, über Erfurt nach Berlin, um dort in ihrem Beruf zu arbeiten. Sie entwarf insbesondere Herren-Pyjamas; daneben nahm sie Tanzunterricht und verdiente sich als Komparsin beim Film etwas dazu. Eher zufällig wurde sie dabei von dem Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau für sein Stummfilmdrama „Faust – Eine deutsche Volkssage“ (1926) entdeckt. Darin brillierte sie – ohne jegliche Schauspielausbildung – als Gretchen. Bereits im folgenden Jahr gelang Camilla Horn der Sprung nach Hollywood. Mit der Einführung des Tonfilms jedoch entschloss sie sich 1930 zur Rückkehr nach Deutschland. Künftig drehte sie aber auch in London, Paris, Budapest und Marokko. Ihr Rollenbild wandelte sich in jenen Jahren vom unschuldigen Mädchen zur Femme fatale.
Nachdem sie in einem Konflikt mit dem NS-Staat 1935/36 von Reichspropagandaminister Goebbels rehabilitiert worden war, stellte Camilla Horn ihr schauspielerisches Wirken in den Dienst des nationalsozialistischen Regimes, etwa in Propagandafilmen wie „Panzerkreuzer Sebastopol“ (später „Weiße Sklaven“, 1936). Seit ihrem Bühnendebüt in Berlin 1939 baute sie sich zugleich eine Theaterkarriere auf, an die sie nach dem Zweiten Weltkrieg anknüpfte. In den frühen Nachkriegsjahren lebte sie eine Zeitlang wieder in ihrer Geburtsstadt Frankfurt. Von hier aus ging sie auf Gastspielreisen mit Bunten Abenden, die oft von Peter Frankenfeld moderiert wurden.
Ihre erfolgreiche Filmlaufbahn konnte Camilla Horn, die ihren Lebensmittelpunkt seit Beginn der 1950er Jahre in Oberbayern hatte, allerdings nicht fortsetzen. Zu einem letzten Kinoerfolg wurde 1988 der Film „Schloß Königswald“, in dem sie an der Seite von drei weiteren früheren Ufa-Stars – Carola Höhn, Marianne Hoppe und Marika Rökk – spielte. Camilla Horn starb 1996 in ihrer Wahlheimat Oberbayern. Momentan ist eine Übergabe ihres Nachlasses aus Privatbesitz an das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum in Frankfurt angedacht.
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Die im vorigen Monat begonnene Serie mit Artikeln über Personen aus dem Umfeld von Wilhelm Merton, die die entsprechende Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt begleitet, wird diesmal mit einem Beitrag über den Sozialwissenschaftler und -fürsorger Siegfried Kraus fortgesetzt, einen wichtigen, obwohl heute fast vergessenen Mitarbeiter der von Merton begründeten „Centrale für private Fürsorge“, in der Kraus ab 1907 zunächst im Bereich Kinderschutz tätig war. Sofort mit Beginn des Ersten Weltkriegs wandte sich Kraus der Kriegsfürsorge zu. Insbesondere baute er das städtische Fürsorgeamt für Kriegshinterbliebene auf, das er seit dessen Einrichtung 1916 leitete, in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau Meta Kraus-Fessel, die in einem eigenen Artikel in diesem Monat vorgestellt wird.

Mit besonderer Freude kündige ich auch diesmal wieder einen neuen Sportartikel an. Er stellt den Frankfurter Leichtathleten, Tauzieher und Golfsportler Willy Dörr vor, der mit der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen die Goldmedaille im Tauziehen gewann. Damit hat das FP erneut einen wichtigen Neuzugang zur Frankfurter Sportgeschichte zu verzeichnen, und weitere Beiträge auf diesem Gebiet, das auch im Frankfurter Personenlexikon nicht länger vernachlässigt werden soll, sind in Planung.

Die neuen Artikel im Frankfurter Personenlexikon bieten somit wieder eine interessante Lektüre, und wenn Sie alle Neuheiten ausgelesen haben sollten, sind Sie natürlich herzlich eingeladen, auch Artikel aus dem inzwischen recht ansehnlichen Bestand des FP wiederzuentdecken. Dafür böte sich diesmal z. B. der Artikel über Peter Kurzeck an. Der bedeutende Schriftsteller, der lange in Frankfurt wohnte und arbeitete, hätte am Erscheinungstag der Junilieferung seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Sommerliche Grüße und allerbeste Wünsche
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juli 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Mai 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

in diesem Mai stehen wichtige Gedenktage an. Den Reigen eröffnet der 175. Geburtstag des Frankfurter Weltbürgers, Metallmagnaten und Universitätsgründers Wilhelm Merton – ein guter und willkommener Anlass, um den Artikel über Merton im Frankfurter Personenlexikon in neuer und ergänzter Fassung herauszubringen.

Artikel des Monats Mai 2023:
Wegweisender Wirtschafts- und Sozialunternehmer

Er organisierte sein soziales Engagement wie sein Wirtschaftsunternehmen: Wilhelm Merton. Der aus einer jüdischen Familie englischer Herkunft stammende Kaufmann war zunächst in die väterliche Frankfurter Metallhandlung „Philipp A. Cohen“ eingestiegen, die er 1881 zur „Metallgesellschaft AG“ umgründete. Innerhalb weniger Jahre entwickelte er die neue Firma zu einem Weltkonzern, der sich mit Metallhandel, Bergbau, Erzverhüttung, Metallraffination, Bau industrieller Anlagen sowie Entwicklung und Vertrieb technischer Neuerungen auf diesen Gebieten befasste. Zugleich stellte sich der erfolgreiche Unternehmer schon früh der gesellschaftlichen Verantwortung. An die Spitze seiner sozialreformerischen Initiativen setzte er ab 1890 das „Institut für Gemeinwohl“, das ein ausgedehntes Netzwerk sozialer Hilfs- und Forschungseinrichtungen in Frankfurt und darüber hinaus organisierte und finanzierte. Mit dem Institut für Gemeinwohl förderte Merton auch maßgeblich die Gründung der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften, die im Herbst 1901 in Frankfurt den Lehrbetrieb aufnahm. Aus der Akademie ging schließlich die Frankfurter Universität hervor, entstanden in enger Zusammenarbeit von Oberbürgermeister Adickes und Wilhelm Merton. Dank Merton, der die Universitätsgründung mit eigenen Mitteln in Millionenhöhe unterstützte, bekam die 1914 eröffnete Frankfurter Alma Mater erstmals in Deutschland eine Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät.
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Am 14. Mai, genau am 175. Geburtstag von Wilhelm Merton, wird die Ausstellung „Metall & Gesellschaft. #WilhelmMerton“ im Jüdischen Museum Frankfurt eröffnet. Begleitend zur Ausstellung, die bis zum 7. Januar nächsten Jahres zu sehen sein wird, wird das Frankfurter Personenlexikon in den kommenden Monaten einige Artikel über Personen aus dem Umfeld von Wilhelm Merton präsentieren. Den Anfang macht in dieser Lieferung ein Beitrag über Adolf Merton, der als einziger der vier Söhne von Wilhelm Merton keinen Bezug zu Metallhandel und -industrie hatte. Der studierte Kunsthistoriker und Philosoph fiel im Alter von 27 Jahren im Ersten Weltkrieg. Zu seinem Gedenken gründeten die Eltern Wilhelm und Emma Merton 1916 eine Stiftung, die den ersten Lehrstuhl für Pädagogik an der Frankfurter Universität finanzierte.

In jenen Tagen, als Wilhelm Merton geboren wurde, blickte die deutsche Öffentlichkeit nach Frankfurt, wo ein großes Ereignis stattfinden sollte: Am 18. Mai 1848 wurde die Deutsche Nationalversammlung in der Paulskirche eröffnet. Als das erste freigewählte und gesamtdeutsche Parlament schuf die Versammlung in nur einjähriger Arbeit eine demokratische Verfassung für einen deutschen Nationalstaat in Einheit und Freiheit. Seitdem steht die Paulskirche wie kein anderer Ort symbolisch für die Tradition der Demokratie in Deutschland. Der 175. Jahrestag des Zusammentretens der Nationalversammlung in der Paulskirche wird mit einem großen Bürgerfest vom 18. bis 21. Mai gefeiert. Schon jetzt bietet das Frankfurter Personenlexikon eine ganze Reihe von Artikeln über Personen, die eine Rolle bei den Ereignissen von 1848/49 in Frankfurt spielten. Wichtige Protagonisten des Paulskirchenparlaments – mit dem ersten Präsidenten Heinrich von Gagern an der Spitze – sind im FP ebenso vertreten wie Repräsentanten der provisorischen Regierung, z. B. Erzherzog Johann von Österreich. Natürlich dürfen auch die Revolutionärinnen und Revolutionäre nicht fehlen, wofür etwa Henriette Zobel steht, deren Lebensgeschichte seinerzeit für das FP grundlegend an den Quellen erforscht wurde.
Für die nächsten Monate plant das Frankfurter Personenlexikon zudem eine Reihe von neuen Artikeln, die Personen aus der Geschichte der Paulskirche, aus der Zeit von 1848/49 oder mit Bezug zu deren späterer Rezeption vorstellen. Gerade den Beiträgen zur Rezeptionsgeschichte kann in der aktuellen Diskussion um die Neugestaltung der Paulskirche als „Demokratieort“ ein wichtiger Stellenwert zukommen. So ist im Artikel über Oberbürgermeister Walter Kolb nachzulesen, wie dieser mit dem Wiederaufbau der kriegszerstörten Paulskirche zur Hundertjahrfeier der Nationalversammlung 1948 ein wichtiges Zeichen für den demokratischen Neubeginn in Deutschland setzte. Die Wiedererrichtung der Paulskirche als „das Haus aller Deutschen“ (so Kolb) verantwortete damals eine Architektengemeinschaft, die „Planungsgemeinschaft Paulskirche“, zu der u. a. Rudolf Schwarz und Johannes Krahn gehörten. Dem Architekten Johannes Krahn, der federführender Projektleiter beim Wiederaufbau der Paulskirche war, ist ein grundlegend neu bearbeiteter Artikel in dieser Mailieferung gewidmet, der erste in unserer neuen Paulskirchenreihe.

Auch ansonsten ist in der diesmaligen Artikellieferung allerhand los. Bei der Lektüre können Sie den Komponisten und Diplomaten Agostino Steffani kennenlernen, der 1728 auf der Durchreise in Frankfurt starb und fast 300 Jahre später von der beliebten Krimiautorin Donna Leon zur Romanfigur gemacht wurde. Vielleicht erwischen Sie auch den populären Humoristen Wilhelm Busch, der ab 1867/68 immer wieder nach Frankfurt kam und doch nicht bleiben konnte, aber ein umfangreiches Konvolut seiner Werke in der Stadt ließ. Oder Sie treffen die Feministin Johanna Elberskirchen, die sich um 1900 in der Schweiz für die Rechte einer Frau in einem Scheidungsprozess einsetzte, daraufhin angezeigt wurde und nach Frankfurt floh, wo sie Unterstützung bei der kurz zuvor gegründeten Rechtsschutzstelle für Frauen fand. Auch dem Geiger Licco Amar können Sie begegnen, der mit dem nach ihm benannten Streichquartett die Neue Musik der 1920er Jahre förderte und zahlreiche Werke von Paul Hindemith uraufführte, bis er nach dem nationalsozialistischen Machtantritt in die Türkei emigrieren musste. Schließlich könnten Sie sich noch mit Muhammad Ali an dessen WM-Kampf im Boxen am 10. September 1966 im Frankfurter Waldstadion erinnern, als Ali seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen den Herausforderer Karl Mildenberger erfolgreich verteidigte.

Sie sehen: Mit dem Frankfurter Personenlexikon kann die Zeit bis zum Juni nicht lang werden. Dann kommen wieder neue Artikel heraus.

Einstweilen beste Grüße und Wünsche – und bleiben Sie gesund!
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juni 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. April 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

geht es Ihnen auch so? Die Tage sind so gut gefüllt, dass die Zeit eilt. Gerade hat doch das Jahr erst angefangen, denke ich, und dabei starten wir mit der diesmaligen Artikellieferung des Frankfurter Personenlexikons schon ins zweite Quartal. Der aktuelle Artikel des Monats widmet sich einem bedeutenden Vertreter der Frankfurter Literaturszene jüngster Zeit, dem Büchnerpreisträger Wilhelm Genazino. Der Beitrag erscheint im Nachklang zu Genazinos 80. Geburtstag im Januar und im Vorausblick auf dessen fünften Todestag im Dezember des Jahres.

Artikel des Monats April 2023:
Frankfurter Flaneur

Er gilt als Erfinder des bundesdeutschen Angestellten-Romans: Wilhelm Genazino. Nach dem Abbruch des Gymnasiums war der gebürtige Mannheimer bald zur Zeitung gekommen. Als Redakteur arbeitete er seit 1969 bei dem Frankfurter Satiremagazin „Pardon“. Ab Anfang der 1970er Jahre dann lebte er als freier Journalist und Autor in Frankfurt. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm mit der ab 1977 erschienenen „Abschaffel“-Trilogie, die das Leben eines mittleren Angestellten in einer Spedition schildert. Erst mit fast 40 Jahren holte Genazino 1982 das Abitur nach. Anschließend studierte er Germanistik, Philosophie und Soziologie an der Frankfurter Universität. Später, zu Jahresbeginn 2006, hielt Genazino dort die Frankfurter Poetikvorlesung.
Inzwischen war der Schriftsteller mit hohen Auszeichnungen wie dem Georg-Büchner-Preis (2004) bedacht worden. Schon 1996/97 hatte er als Stadtschreiber von Bergen amtiert. Auch sonst prägte und förderte er die Frankfurter Literaturszene, nicht zuletzt durch seine Lesungen zur Vorstellung seines jeweils neuesten Buchs, etwa in der Romanfabrik und im Literaturhaus. In der Stadt war Genazino eher im Vorübergehen präsent. Auf seinen stetigen Streifzügen durch die Frankfurter Straßen fand er seine Stoffe, sammelte er Eindrücke, fing er Stimmungen ein, entging ihm kein Detail – bis hin zu dem in diesem Zusammenhang vielzitierten achtlos weggeworfenen Kronkorken, hinter dem er eine Geschichte entdecken oder erfinden konnte.
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An den vorigen Artikel des Monats knüpft eine weitere wichtige Neuerscheinung in dieser Lieferung an. Anna Beyer, die Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime, die im März vorgestellt wurde, arbeitete in einer Frankfurter Widerstandsgruppe des Internationalen Sozialistischen Kampfbunds (ISK) mit Ludwig Gehm zusammen, dessen Biographie diesmal neu herauskommt. Als überzeugter Antifaschist war Gehm an zahlreichen Aktionen im Frankfurter Widerstand ab 1933 beteiligt. Sein spektakulärster und zugleich gefährlichster Einsatz war eine Störaktion bei den Feierlichkeiten zur Eröffnung des ersten Streckenabschnitts der Reichsautobahn durch Hitler 1935. Gehm arbeitete auch in dem von Anna Beyer geführten vegetarischen Restaurant im Steinweg mit, das eigentlich der Finanzierung des Widerstands und als Anlaufstelle für den ISK diente. In dem Restaurant wurde der 31-Jährige Ende 1936 verhaftet. In der folgenden Gestapohaft blieb er in 77 Verhören, davon nur zwei ohne Prügel, standhaft und verriet keinen seiner Mitstreitenden. Nach Haft im Zuchthaus Fuhlsbüttel und im Konzentrationslager Buchenwald wurde Gehm 1943 zum Kriegseinsatz im Strafbataillon 999 eingezogen. In Griechenland lief er im September 1944 zur Griechischen Volksbefreiungsarmee über, in der er fortan auf der Seite der Partisanen gegen die deutschen Besatzer kämpfte. Aus englischer Kriegsgefangenschaft in Ägypten kehrte Gehm Anfang 1947 nach Frankfurt zurück. Er begann sofort, am Aufbau der Demokratie in Deutschland mitzuarbeiten, und organisierte als Jugendsekretär der SPD in Frankfurt deren Jugendarbeit neu. Lange konnte er nicht über seine Zeit im Konzentrationslager sprechen. Erst für einen 1982 gedrehten Fernsehfilm berichtete er von der Haft im KZ und den dort erlittenen Misshandlungen. Seitdem engagierte sich Gehm als Zeitzeuge in mehr als 300 Veranstaltungen, besonders mit Jugendlichen, für die Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen.

Mit den Artikeln der aktuellen Monatslieferung und den derzeit knapp 2.600 weiteren verfügbaren Einträgen im Frankfurter Personenlexikon lässt sich die Zeit in diesem wirklich wechselhaften April vertreiben. Im Mai, das sei schon verraten, stehen wieder wichtige Gedenktage an, die auch von neuen Beiträgen im FP begleitet werden.

Einstweilen beste Grüße und Wünsche – und bleiben Sie gesund!
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Mai 2023.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. März 2023

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

vor 90 Jahren, am 12. März 1933, gab es in Frankfurt eine Kommunalwahl. Wenige Wochen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten in Deutschland konnten die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger noch einmal, zum letzten Mal für lange Jahre, eine Stadtverordnetenversammlung wählen. Die NSDAP erhielt damals eine Mehrheit von 47,9 % der Stimmen. Am Tag nach der Wahl wurde die Hakenkreuzflagge auf dem Römer gehisst. Das nationalsozialistische System etablierte sich auch in Frankfurt. Eine von vielen, die künftig im Untergrund gegen den Nationalsozialismus und sein menschenverachtendes Regime arbeiteten, war die Frankfurterin Anna Beyer, der der diesmalige Artikel des Monats gilt.

Artikel des Monats März 2023:
Die Frau mit dem Koffer

Sie war eine der wenigen bekannten Frauen im Frankfurter Widerstandsnetzwerk gegen den Nationalsozialismus: Anna Beyer. Schon bei Beginn ihrer kaufmännischen Lehre im Inflationsjahr 1923 hatte sich die 14-Jährige aus sozialdemokratischem Elternhaus der Gewerkschaft angeschlossen. Von der Sozialistischen Arbeiterjugend wechselte sie später zum Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK), der sich bereits seit 1931 auf die Untergrundarbeit gegen einen möglichen nationalsozialistischen Staat vorbereitete.
Seit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 kämpfte Anna Beyer mutig und unter dem Einsatz ihres Lebens gegen das NS-Regime. Sie verteilte etwa an der Hauptwache Flugblätter des ISK und ging nachts mit einem präparierten Koffer durch die Frankfurter Straßen und über den Eisernen Steg. Überall, wo sie den Koffer kurz abstellte, hinterließ er den Abdruck einer Parole wie „Weg mit Hitler“, der, weil mit einer speziellen Entwicklerflüssigkeit gestempelt, aber erst im Sonnenlicht am nächsten Tag sichtbar wurde und nur schwer zu entfernen war. Seit 1935 führte Anna Beyer eine vegetarische Gaststätte im Steinweg, die der Finanzierung des Widerstands und als Anlaufstelle für den ISK diente. Als die Gaststätte ins Visier der Gestapo geriet, floh Anna Beyer über Belgien nach Frankreich, von wo aus sie ihren Kampf gegen das NS-Terrorregime fortsetzte, ebenso wie im späteren Exil in England und der Schweiz.
Kurz nach Kriegsende kehrte Anna Beyer in ihre Geburtsstadt Frankfurt zurück. Hier half sie, die SPD wieder zu gründen, und als Vertreterin ihrer Partei wurde sie im September 1945 in den Frankfurter Bürgerrat berufen. Im Mai 1946 wurde sie in die erste Frankfurter Stadtverordnetenversammlung der Nachkriegszeit gewählt, der sie bis 1948 angehörte. Beruflich war sie seit 1946 als Referentin für die hessische Landesregierung tätig, zunächst in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden. Zuletzt Referentin für Frauen-, Mütter-, Kinder- und Jugendarbeitsschutz im Hessischen Sozialministerium, ging sie 1974 als Regierungsdirektorin in den Ruhestand. Bis ins hohe Alter engagierte sie sich für Frauenrechte, in der Erwachsenenbildung und im Verein für Frankfurter Arbeitergeschichte. Ihre 1991 erschienene Autobiographie, die sich spannend wie ein Spionageroman liest, trägt als Titel das Motto von Anna Beyer: „Politik ist mein Leben“.
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Von zwei Wissenschaftlerkarrieren, die in Deutschland unter dem Druck des Regimes in der NS-Zeit abgebrochen wurden, berichten die Artikel über den Malakologen Fritz Haas und über den Astrophysiker Wolfgang Gleissberg. Der gebürtige Frankfurter Fritz Haas wurde als langjähriger Kustos der Abteilung für wirbellose Tiere am Senckenbergmuseum 1936 entlassen, weil er jüdischer Religion war. Der international renommierte Weichtierforscher konnte 1938 an das Field Museum in Chicago gehen, wo er die malakologische Abteilung und deren Fachbibliothek aufbaute. Sein 1969 erschienenes Hauptwerk, eine umfangreiche Monographie über die „Superfamilia Unionacea“, die Familie großer Süßwassermuscheln, basierte auch auf Forschungen aus seiner Frankfurter Zeit.
Der Breslauer Wolfgang Gleissberg, der nach seiner Promotion im Fach Mathematik 1930 weiterhin an der Sternwarte der Universität in seiner Heimatstadt tätig war, wurde aufgrund des „Berufsbeamtengesetzes“ 1933 entlassen und emigrierte in die Türkei, um an der Schaffung des modernen türkischen Hochschulwesens unter Atatürk mitzuarbeiten. So baute er das Institut für Astonomie und dessen Sternwarte an der Universität Istanbul mit auf und verfasste ein Lehrbuch für Astronomie in türkischer Sprache. Ende der 1950er Jahre entschloss sich Gleissberg zur Rückkehr nach Deutschland. Seit 1958 lehrte er als Honorarprofessor an der Frankfurter Universität, und von 1960 bis zu seiner Emeritierung 1977 leitete er deren Astronomisches Institut. Es ist ihm wesentlich zu verdanken, dass die Astrophysik nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Fuß an der Frankfurter Hochschule fassen konnte.

Unabhängig vom historischen Gedenken und vom aktuellen Geschehen steht immer im März der Frühlingsbeginn an, und egal, ob Sie den Frühling nun nach meteorologischer, kalendarischer oder phänologischer Sicht anfangen möchten, wünsche ich Ihnen einen guten und sonnigen Start, der den trüben Winter bald vergessen lassen möge.

Mit schönen Frankfurter Frühlingsgrüßen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. April 2023.

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Förderer: Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Stiftung Niederländische Gemeinde Augsburger Confession

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Herausgeber: Clemens Greve, Sabine Hock
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Gestaltung: Anja Müller-Ries

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