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Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juni 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die derzeit schier endlose Reihe der Jubiläen und Gedenktage beschert uns auch diesmal wieder den Artikel des Monats. Vor etwas mehr als 75 Jahren, am 26. Mai 1946, gab es erstmals nach dem Ende der NS-Diktatur wieder freie Kommunalwahlen in Frankfurt. Knapp zwei Monate später, am 25. Juli 1946, wählte die neu konstituierte Stadtverordnetenversammlung Walter Kolb zum Oberbürgermeister. Der Artikel erinnert an das legendär gewordene Stadtoberhaupt und sein Wirken für Frankfurt.

Artikel des Monats Juni 2021:
Der populärste Frankfurter

Er war der erste demokratisch gewählte Frankfurter Oberbürgermeister der Nachkriegszeit: Walter Kolb. Am 1. August 1946 wurde der 44-jährige Verwaltungsjurist aus Bonn, der zuletzt Oberstadtdirektor von Düsseldorf gewesen war, im Amt vereidigt – in der Aula der Universität und nicht im kriegszerstörten Römer. An der Spitze des Bürgereinsatzes zur Trümmerbeseitigung schippte sich das neue Stadtoberhaupt im Herbst 1946 durch die Schuttberge auf dem Römerberg und eroberte damit sofort die Herzen der Frankfurterinnen und Frankfurter. Den Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Stadt begann Kolb mit der Paulskirche. Deren Wiederherstellung pünktlich zum 100. Jahrestag der Deutschen Nationalversammlung 1948 lag ihm besonders am Herzen, um damit ein Signal für den demokratischen Neubeginn in Deutschland zu geben. Der symbolischen Geste ließ Kolb den großflächigen Wiederaufbau der Stadt folgen, den er angesichts der drängenden Wohnungsnot massiv vorantrieb.
Nach der Enttäuschung, dass Bonn und nicht Frankfurt 1949 zur Bundeshauptstadt geworden war, setzte Kolb seinen Kurs auf die Profilierung der zentral und verkehrsgünstig gelegenen Mainstadt als weltoffene Wirtschaftsmetropole. Seine Trümpfe im Ärmel waren der Flughafen und die Messe, deren Wieder- und Neuaufbau er stark förderte. Der ebenso tatkräftige wie volkstümliche Oberbürgermeister, der in einer Zeitungsumfrage 1951 zum populärsten Frankfurter gewählt worden war, starb kurz nach seinem zehnten Amtsjubiläum 1956. Bei seinem Trauerzug säumten über 100.000 Menschen die Straßen.
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Mit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Identität der Stadt. Damals wie heute war und ist dieser Wandel umstritten. Doch die von Oberbürgermeister Kolb stets vertretene und verteidigte „Frankfurter Lösung“ zum Wiederaufbau der Innenstadt nach den Richtlinien des modernen Städtebaus der Fünfzigerjahre war seinerzeit wegweisend in der Stadtplanung. Zwei Architekten, die führend an Frankfurts Wiederaufbau in den Fünfziger- und Sechzigerjahren mitarbeiteten, Max Meid und Helmut Romeick, sind übrigens auch mit Artikeln in der aktuellen Lieferung vertreten. Von ihnen stammen etwa Teile der Bebauung in der Berliner Straße (1952) und das Parkhaus Hauptwache (1956), das damals das erste öffentliche Parkhaus der Bundesrepublik war. Dessen Einweihung am 18. September 1956 war einer der letzten offiziellen Termine des Stadtoberhaupts Walter Kolb vor dessen Tod. Der im Amt gestorbene Oberbürgermeister hatte zwar den Wiederaufbau der Stadt entscheidend vorangebracht, doch den engeren Dom-Römer-Bereich noch als Leerstelle hinterlassen. Dessen Bebauung kam erst mit der Eröffnung der Kulturschirn 1986 zu einem (vorläufigen) Abschluss und wurde nach der Entscheidung zum Abriss des Technischen Rathauses 2005 neu diskutiert. An dem freigewordenen Platz entstand von 2014 bis 2018 die neue Altstadt unter Rekonstruktion historischer Häuser, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren.

Seit nunmehr drei Jahren ist die neue Altstadt immer einen kleinen Spaziergang wert, auch in diesen Zeiten, in denen wir unsere Sommervergnügungen zwar schon mit Zuversicht beginnen dürfen, aber doch noch mit Umsicht planen müssen. Machen Sie das Beste daraus und bleiben Sie gesund!

Mit frühsommerlichen Grüßen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juli 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Mai 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

derzeit gibt es außergewöhnlich viele Gedenktage und Jubiläen, die an Ereignisse und Persönlichkeiten aus der Frankfurter Geschichte erinnern. Vor 30 Jahren, am 30. Mai 1991, starb der linkskatholische Kulturkritiker Walter Dirks, den der aktuelle Artikel des Monats aus diesem Anlass vorstellt.

Artikel des Monats Mai 2021:
Frankfurter Hefte

Er begann bei der Rhein-Mainischen Volkszeitung in Frankfurt: Walter Dirks. Nach einem abgebrochenen Studium der Theologie und Philosophie kam der 23-Jährige 1924 zu dem von Friedrich Dessauer gegründeten linkskatholischen Blatt, wo er bald zum Feuilletonchef aufstieg. Neben seiner ausgedehnten journalistischen Arbeit nahm er sein Studium wieder auf, nun in Philosophie und Soziologie an der Universität in Frankfurt, später in Gießen.
Noch einige Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, am 15. März 1933, platzierte Dirks unter dem Titel „Auch ein Jubiläum“ einen Artikel zum 50. Todestag von Karl Marx auf Seite eins der Rhein-Mainischen Volkszeitung. Wegen seiner NS-kritischen Haltung in seinen Veröffentlichungen wurde er im Sommer 1933 für mehrere Wochen inhaftiert. Das Manuskript seiner Dissertation über das Werk „Geschichte und Klassenbewußtsein“ von Georg Lukács soll er zu seinem eigenen Schutz verbrannt haben. Nachdem die Rhein-Mainische Volkszeitung verboten worden war, konnte Dirks 1935 in der Redaktion der Frankfurter Zeitung unterschlupfen. Für die FZ schrieb er hauptsächlich Musikkritiken, bis auch dieses Blatt auf nationalsozialistischen Befehl 1943 eingestellt wurde. Dirks erhielt Schreibverbot.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Dirks für die Gründung einer neuen demokratischen Partei, in der er seine Vorstellungen einer Verbindung von Christentum und Sozialismus verwirklicht sehen wollte, und beteiligte sich in diesem Sinne am Aufbau der CDU in Frankfurt und Hessen. Zur publizistischen Begleitung seiner politischen Ideale und Ziele gründete Walter Dirks zusammen mit Eugen Kogon und Clemens Münster 1946 die Frankfurter Hefte, die er bis 1985 mitherausgab. Durch seine engagierte journalistische Arbeit, auch als Rundfunkkommentator, wurde Dirks bald zu einem zentralen kritischen Intellektuellen in der Frühzeit der Bundesrepublik.
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Die erste Nummer der Frankfurter Hefte erschien im April 1946, also vor 75 Jahren. Heute vor 70 Jahren, am 10. Mai 1951, wurde das nach der Kriegszerstörung rekonstruierte Frankfurter Goethehaus feierlich wiedereröffnet. Der originalgetreue Wiederaufbau von Goethes Geburtshaus war seinerzeit heftig umstritten. Auch Walter Dirks lehnte ihn als Sinnbild der Restauration einer überholten Epoche ab, u. a. in einem Artikel in den Frankfurter Heften mit dem provokanten Titel „Mut zum Abschied“ (1947). Die damaligen Kritiker zweifelten auch am ideellen Wert der durch den Wiederaufbau geschaffenen Kopie. Doch die knapp 500 Besucherinnen und Besucher, die an einem Tag in guten Zeiten ins Goethehaus kommen, betrachten es längst als authentisch.

Wir wollen auf eine kleine Auswahl weiterer Jubiläen und Gedenktagen in diesen Wochen und Monaten blicken. Heute vor 150 Jahren, am 10. Mai 1871, unterzeichneten Otto von Bismarck und Jules Favre im Hotel „Zum Schwan“ den Frankfurter Frieden, der den Deutsch-Französischen Krieg offiziell beendete. Ebenfalls vor 150 Jahren, aber bereits am 16. März 1871, wurde der von dem Kunstgärtner Heinrich Siesmayer initiierte und geschaffene Palmengarten in Frankfurt eröffnet. Im April vor 500 Jahren, am 14./15. und 27./28. April 1521, hielt sich Martin Luther auf seiner Reise zum und vom Reichstag in Worms in Frankfurt auf. Am 21. Mai vor 550 Jahren wurde der Maler Albrecht Dürer geboren, der ab 1507 den berühmten „Heller-Altar“ für Frankfurt schuf. Im Sommer vor 50 Jahren, am 18. Juni 1971, eröffnete die Volksschauspielerin Liesel Christ das von ihr gegründete Volkstheater Frankfurt. Als erste Premiere wurde die frankfurterische Komödie „Die Entführung oder Der alte Bürger-Capitain“ gespielt. Deren Autor Carl Malss hat mit dem vor 200 Jahren, am 13. August 1821, uraufgeführten Stück die Tradition der Frankfurter Lokalposse begründet. Nicht nur zum Betrachten von Werken der Komischen Kunst – etwa von F. K. Waechter – lädt der Grüngürtel ein, der auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vor 30 Jahren, am 14. November 1991, gegründet wurde.
Die orangefarbenen Links weisen darauf hin, dass Sie zu den hier genannten Gedenktagen und Jubiläen ausführliche Informationen im Frankfurter Personenlexikon finden können. Weitere Artikel anlässlich aktueller Gedenktage, etwa zum absoluten Ende der Ära von Napoleon mit dessen Tod 1821 und zum demokratischen Neubeginn in Frankfurt mit der Wahl von Walter Kolb zum Oberbürgermeister 1946, sind in Vorbereitung.

Grundsätzlich wird Geschichte auch im Frankfurter Personenlexikon aber nicht nur anhand von Gedenktagen geschrieben. Das zeigt in der jetzigen Monatslieferung z. B. der Artikel über die aus Breslau stammende Medizinerin und erste deutsche Neurochirurgin Alice Rosenstein. Sie arbeitete seit 1929 in Frankfurt, an der „Städtischen und Universitäts-Klinik für Gemüts- und Nervenkranke“, die damals gerade einen modernen Neubau von dem Architekten Martin Elsaesser erhielt. Hier wirkte Alice Rosenstein wegweisend auf neurochirurgischem und neuroradiologischem Gebiet, bis sie aufgrund des vom NS-Regime erlassenen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ im April 1933 entlassen wurde. Wenige Monate später emigrierte sie in die USA.

Wie immer kann dieses monatliche Editorial nur ausgewählte Lesetipps geben, wer und was sich im Frankfurter Personenlexikon finden lassen. Das FP enthält inzwischen ein breit gefächertes Spektrum an Frankfurter Biographien aus über 1.200 Jahren Stadtgeschichte, und wir bauen das Angebot für Sie stetig weiter aus.

Mit allerbesten Grüßen und Wünschen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juni 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. April 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

nicht nur in diesen schwierigen Zeiten stellt uns das Leben immer wieder vor die Aufgabe, Gewohntes aufzugeben und neu zu denken. Kreative und manchmal auch radikale Lösungen in solchen Situationen suchen Künstlerinnen und Künstler, und je weiter sie greifen, desto aktueller wird und bleibt ihr Schaffen. Das zeigt sich auch in der Betrachtung von Leben und Werk des Frankfurter Künstlers Peter Roehr, die der diesmalige Artikel des Monats ermöglicht.

Artikel des Monats April 2021:
Meister der minimalistischen Montage

Er stellte den klassischen Kunstbegriff auf den Kopf: Peter Roehr. Der kurz vor seinem 24. Geburtstag 1968 verstorbene Frankfurter Künstler war einer der ersten und konsequentesten Protagonisten der Minimal Art in Deutschland. Er selbst bezeichnete seine Werke als Montagen, in denen er vorgefundene Elemente und Materialien nach dem Prinzip strenger serieller Reihung ordnete: „Ich verändere Material, indem ich es unverändert organisiere“, sagte er einmal. Dadurch wollte er auch seinen Anteil am „Herstellungsprozess“ eines Werkes möglichst gering halten. Sein (damals revolutionäres) Ziel war ein Bild, das nur für sich stehen sollte.
Zugleich ordnete der Peter Roehr sich und seine Kunst in einen größeren Zusammenhang ein. Mit seinem Freund und Förderer Paul Maenz kuratierte er 1967 die wegweisende Ausstellung „Serielle Formationen“ in der Studiogalerie der Frankfurter Universität, die als eine der ersten in Deutschland die Kunst des Minimalismus zeigte, und zwar auf hohem und internationalem Niveau.
Zu Lebzeiten fand der junge Künstler jedoch kaum Anerkennung. Verdient hat Roehr mit seiner Kunst so wenig, dass er sich die Materialien für seine Montagen nicht kaufen konnte, sondern mühsam zusammensuchen musste. Heute genießt seine zeitlose und dadurch aktuell gebliebene Kunst internationalen Rang. Das Museum für Moderne Kunst (MMK) und das Städel Museum in Frankfurt besitzen wesentliche Teile des Œuvres von Peter Roehr. Sein zentrales Werk „Schwarze Tafeln“ von 1966 ist im Städel zu sehen. Im MMK befindet sich das Archiv Peter Roehr, das auch den schriftlichen Nachlass des Künstlers umfasst.
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In dieser Aprillieferung des Frankfurter Personenlexikons wird außerdem mit dem Beitrag über Johann Schäfer die seit einiger Zeit laufende Reihe von Artikeln über frühe Protagonisten der Fotografie in Frankfurt fortgesetzt. In den 1850er Jahren war Schäfer einer der angesehensten Porträtfotografen in der Mainstadt. Zu seinen Stammkunden gehörte auch der Philosoph Arthur Schopenhauer. Als erster Fotograf in Frankfurt nahm Schäfer Stadtansichten auf, etwa vom Mainufer oder der Holzhausen-Öde. Für das Frankfurter Personenlexikon konnten einige neue Details aus seiner Biographie ermittelt werden, u. a. sein Sterbedatum, das bisher unbekannt war.
Neu im Frankfurter Personenlexikon ist auch der kritische Intellektuelle Walter Boehlich, der in den 1950er Jahren ein einflussreicher Literaturkritiker war. Aufgrund von einem Verriss der bei Suhrkamp erschienenen deutschen Übersetzung von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ 1957 wurde er von Peter Suhrkamp in dessen Verlag in Frankfurt geholt. Nach Suhrkamps Tod 1959 zum Cheflektor aufgestiegen, prägte er maßgeblich die „Suhrkamp-Kultur“ mit. 1968 war er am „Aufstand der Lektoren“ bei Suhrkamp beteiligt und stieg in der Folge aus dem Verlag aus. Boehlich wurde zum Mitbegründer des „Verlags der Autoren“ und war ein hervorragender Übersetzer, der mit bedeutenden Auszeichnungen bedacht wurde.
Zwei gebürtige Frankfurter, die andernorts Karriere machten, stellen die Artikel über den Ingenieur-Offizier Felix Stregen von Glauburg und über den Schauspieler Hans Carlé vor. Stregen, der als 15-Jähriger 1797 in die k. k. Ingenieur-Akademie in Wien eingetreten war, war später im Auftrag von Erzherzog Johann von Österreich u. a. an der Planung der Semmeringbahn beteiligt und stieg schließlich (1848) bis zum Feldmarschall-Leutnant und Direktor der Ingenieur-Akademie auf.
Carlé, der aus der jüdischen Familie Grünstein stammte, war seit seinem Debüt in Bad Homburg 1917 ein gut beschäftigter Schauspieler an deutschsprachigen Bühnen, bis er nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 nicht mehr engagiert wurde. Er konnte über Amsterdam nach Palästina emigrieren, während seine Eltern und seine beiden Schwestern von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Hans Carlé, der heute fast vergessen ist, so dass sich bisher noch nicht einmal ein Porträtfoto von ihm entdecken ließ, stand einst zusammen mit Theo Lingen auf der Bühne, wenn auch nicht in Frankfurt.
Lingen, aus zahlreichen Filmen als Komiker populär und dabei oft als Theaterschauspieler unterschätzt, war von 1926 bis 1930 am Neuen Theater in Frankfurt engagiert. Hier begann seine große Karriere: mit der Rolle als Mackie Messer in der Frankfurter Erstaufführung der „Dreigroschenoper“, die ihm den Sprung nach Berlin ermöglichte. Die auch für die städtische Theatergeschichte bedeutende Frankfurter Zeit von Theo Lingen wird in einem für das Frankfurter Personenlexikon grundlegend neu bearbeiteten Artikel dargestellt. Bei der Recherche kam manches Detail wieder zutage, auch erheiternde Nebensächlichkeiten wie etwa die Mitwirkung von Lingen bei den Hausfrauen-Nachmittagen der Frankfurter Gasgesellschaft, bei denen er den Teufel und die Sängerin Marie Wellig-Bertram vom Opernhaus seine Großmutter spielten.

Manchmal steckt auch bei der Arbeit für das Frankfurter Personenlexikon der Teufel im Detail – meist aber für Sie, unsere verehrten Leserinnen und Leser, unsichtbar. Denn wenn Sie von all den Mühen der biographischen Lexikonarbeit nichts merken, haben wir unser Ziel erreicht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch in diesem Monat wieder eine möglichst mühelose und doch spannende Lektüre im Frankfurter Personenlexikon.

Mit besten Grüßen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Mai 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. März 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

der Frühling lädt auch in diesem Jahr zum Spazierengehen ein. Im Frankfurter Grüngürtel kann man dabei den König der Eichhörnchen (im Stadtwald), den Struwwelpeter (in den Schwanheimer Wiesen) oder das legendäre Grüngürteltier (am Alten Flugplatz in Bonames) treffen. Und im Nordpark in Bonames steht Sondermann. Dessen Schöpfer wird im neuen Artikel des Monats vorgestellt.

Artikel des Monats März 2021:
Bekannt durch Sondermann

Er gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Komischen Kunst in Deutschland: Bernd Pfarr. Mit dem Lexikon seiner Großeltern und dem Comic-Heft „Fix und Foxi“ als Vorbildern brachte sich der Frankfurter Bub das Zeichnen bei. Im Alter von 14 Jahren veröffentlichte er seine erste Cartoonserie im Blättchen seines Pfadfindervereins. Noch während seines Grafikstudiums an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung begann Pfarr 1978, für die Satirezeitschrift „Pardon“ zu zeichnen. Seitdem kamen seine Cartoons und Zeichnungen in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften heraus. Für das Magazin „Titanic“ erfand er Sondermann, einen äußerlich unscheinbaren Buchhalter, in dessen Leben jedoch lauter Ungeheuerlichkeiten geschehen. Sondermann, der bald beliebt und berühmt wurde, erschien in Serie von 1987 bis zum frühen Tod seines Zeichners 2004.
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In der Reihe der „Komischen Kunst im Frankfurter Grüngürtel“ wurde Sondermann 2013 das Denkmal in Bonames gesetzt. Weitere Künstler der Neuen Frankfurter Schule, die mit Werken in dieser Reihe vertreten sind, sind etwa F. K. Waechter (der Schöpfer des Eichhörnchenkönigs und dieses Struwwelpeters) und Robert Gernhardt (der Erfinder des Grüngürteltiers), aber auch F. W. Bernstein, Kurt Halbritter und Chlodwig Poth. Artikel über jene der hier genannten Künstler, die noch nicht im Frankfurter Personenlexikon vertreten sind, sind in Vorbereitung.

Jetzt an der Stelle in diesem Editorial kann es keinen gefälligen Übergang geben, nur einen harten Bruch. Für einige der Personen, denen Artikel in der aktuellen Lieferung gewidmet sind, bedeutete die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 eine Zäsur in ihrem Leben. Im „Dritten Reich“ wurden sie wegen ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit, politischen Einstellung oder sexuellen Orientierung ausgegrenzt und verfolgt.

Die Schauspielerin Mathilde Einzig, langjähriges und beliebtes Mitglied der Städtischen Bühnen, sah als Jüdin angesichts der zügigen „Gleichschaltung“ der Frankfurter Theater 1933 keine Perspektive mehr und kündigte „freiwillig“ ihren Vertrag. Sie wanderte mit ihrer Familie über die Schweiz nach Palästina aus, wo sie und ihr Mann ein kleines Hotelrestaurant und eine Hühnerfarm betrieben. Nach dem Krieg kehrte die Schauspielerin nach Frankfurt zurück, zuerst zu einem Gastspiel 1949 in ihrer bekannten Rolle als Frau Funk in dem Lokalstück „Alt-Frankfurt“. 1957 ließ sie sich wieder in ihrer Geburtsstadt Frankfurt nieder, um hier ihren Lebensabend zu verbringen.
Die Hollerith-Locherin Margot Weyel wurde im Februar 1936 von der Gestapo verhaftet. Kurz zuvor war ihr Freund Carl Tesch, der im politischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war, nach Enttarnung seiner Frankfurter Widerstandsgruppe in die Schweiz geflohen. Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis verlor Margot Weyel ihre Arbeitsstelle bei der IG Farben. Unter einem Vorwand reiste sie im Herbst 1936 in die Schweiz aus, wo sie und Carl Tesch heirateten. Im Frühjahr 1946 kehrte Margot Tesch mit der inzwischen geborenen ersten Tochter nach Frankfurt zurück, wo ihr Mann bereits seit September 1945 lebte und die Erwachsenenbildung durch Neuorganisation des Frankfurter Bunds für Volksbildung wiederaufbaute. Später engagierte sich Margot Tesch hier in der Kommunalpolitik, u. a. als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung (1964-68).
Die Verkäuferin Henny Schermann wurde 1940 unter ungeklärten Umständen festgenommen und im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert. Sie hatte sich geweigert, ihrem Vornamen den Zusatz „Sara“ hinzuzufügen, wie es jüdischen Frauen durch die nationalsozialistische Namensänderungsverordnung von 1938 vorgeschrieben war. Bei einer Untersuchung durch den Arzt Friedrich Mennecke, einem „Gutachter“ für die Selektion von KZ-Häftlingen in der „Aktion 14f13“, erhielt Henny Schermann eine herabsetzende „Diagnose“ aufgrund ihrer Homosexualität. Daraufhin wurde sie, vermutlich zwischen Februar und April 1942, in der Tötungsanstalt Bernburg/Saale mit Giftgas ermordet.
Der Jugendliche Friedrich Schafranek wurde zusammen mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder bei der ersten Massendeportation aus Frankfurt am 19. Oktober 1941 in das Ghetto Lodz verschleppt. Dort starben sein Vater infolge von Misshandlungen durch die Gestapo und sein Bruder nach völliger Entkräftung durch Zwangsarbeit. Nach der Auflösung des Ghettos 1944 wurden die Mutter und der mittlerweile 20-jährige Friedrich nach Auschwitz deportiert, wo sie gleich nach der Ankunft getrennt wurden. Erst später erfuhr der Sohn, dass Olga Schafranek durch den SS-Arzt Josef Mengele sofort der Weg in die Gaskammer gewiesen worden war. Friedrich Schafranek kam in eines der berüchtigten Außenlager des KZ Dachau in Kaufering, die von den Häftlingen als „kalte Krematorien“ bezeichnet wurden. Als einziger aus seiner Familie überlebte er die Shoah. Nachdem er sich schon im Lager vom Judentum abgekehrt hatte, konvertierte Friedrich Schafranek 1946 zum Christentum und wurde evangelisch-lutherischer Pfarrer. Seit den 1990er Jahren besuchte er regelmäßig seine Geburtsstadt Frankfurt, um als Zeitzeuge vor Schulkassen und in Vorträgen über den Nationalsozialismus zu sprechen.
Der Rentner Richard Tesch, der bis 1933 als Expedient für die „Volksstimme“ bei der Union-Druckerei und Verlagsanstalt gearbeitet hatte und nach Einstellung der Zeitung durch die Nationalsozialisten zwangsweise in den Ruhestand versetzt worden war, musste erleben, wie seine Frau Johanna Tesch als ehemalige Reichstagsabgeordnete der SPD am 22. August 1944 durch die Gestapo verhaftet wurde. Bei einer „Sprecherlaubnis“ im Untersuchungsgefängnis Klapperfeld sah sich das Ehepaar am 9. September 1944 zum letzten Mal. Einige Tage später wurde Johanna Tesch in das Konzentrationslager Ravensbrück eingewiesen. Mehrfach versuchte Richard Tesch, seine Frau durch entsprechende Eingaben, schließlich sogar an die „Kanzlei des Führers“, freizubekommen – ohne Erfolg. Johanna Tesch starb im Alter von fast 70 Jahren im März 1945 an Hunger und Entkräftung im KZ Ravensbrück. Erst am 15. Juli 1945 erfuhr Richard Tesch vom Tod seiner Frau. Bis kurz zuvor hatte er noch Briefe an sie geschrieben, die sie bei ihrer Rückkehr lesen sollte, erschütternde Zeitzeugnisse, die in einer kürzlich erschienenen Dokumentation des Briefwechsels von Johanna Tesch nachzulesen sind.

Angesichts solcher abgebrochenen Frankfurter Biographien aus der NS-Zeit erschreckt die Kontinuität vieler Lebensläufe nationalsozialistischer Verantwortungs- und Handlungsträger bis weit in die Nachkriegszeit. Auch davon zeugt der Artikel über Otto Blankenstein, der aber vor allem für ein weitgehend vergessenes Kapitel aus der bundesdeutschen Geschichte der frühen Nachkriegsjahre steht: die Frankfurter Homosexuellenprozesse von 1950/51. Erst seit wenigen Jahren ist das der Aufarbeitung harrende Thema in den Blick der Geschichtsforschung gerückt, und demnächst soll ein Dokumentarfilm über die Frankfurter Homosexuellenprozesse in die Kinos kommen. Im Frankfurter Personenlexikon fasst der Artikel von Raimund Wolfert den aktuellen Forschungsstand zusammen, ausgehend von dem „Strichjungen“ Otto Blankenstein, der damals als Kronzeuge bei der Verfolgungswelle und Prozessserie gegen homosexuelle Männer diente.

Nicht immer kann das Reisen durch die Zeiten ein Spaziergang sein. Aber es ist notwendig, dass wir die Mühen auf uns nehmen.
Principiis obsta.

Mit besten Frühlingsgrüßen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. April 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Februar 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die neue Artikellieferung des Frankfurter Personenlexikons spannt einen weiten Bogen über die Jahrhunderte: vom Stadtschultheißen Konrad von Sachsenhausen, der von 1263 bis 1268 Frankfurts Stadtoberhaupt war, bis zu der Künstlerin Charlotte Posenenske, die in den 1960ern – also ziemlich genau 700 Jahre später – mit ihren Werken auf dem Gebiet der Minimal Art in Deutschland hervortrat. Mit dem diesmaligen Artikel des Monats springen wir ins 19. Jahrhundert. Er gilt einer der vielen Frauen, die sich in der politischen Bewegung der 1830er Jahre für Deutschlands Einheit in Freiheit engagierten, etwa am Frankfurter Wachensturm von 1833 beteiligt waren – und von der Geschichtsschreibung lange vergessen wurden.

Artikel des Monats Februar 2021:
Revolutionärin im Vormärz

Sie riskierte und verlor ihr Leben für ihr politisches Ideal der Demokratie in Deutschland: Annette Stoltze. Die Frankfurter Gastwirtstochter war musisch begabt, sportlich und hatte ihren eigenen Kopf. So setzte sie ihre schulische Ausbildung an einem Institut für höhere Töchter in Mannheim durch. Nach ihrer Rückkehr kam sie im väterlichen Gasthof „Zum Rebstock“ in der Frankfurter Altstadt in Kontakt mit demokratisch-republikanischen Kreisen. Bereits nach dem „Mautkrawall“ an der Mainkur 1830 engagierte sich die damals 17-Jährige für die politischen Häftlinge. Bald schloss sie sich den Revolutionären an, die den Frankfurter Wachensturm vom 3. April 1833 planten – mit dem Ziel, den Deutschen Bund zugunsten eines einigen und freien deutschen Staats zu stürzen.
Nach dem Scheitern des Unternehmens kümmerte sich die junge Frau um die inhaftierten Wachenstürmer, die sie mit Essen, Nachrichten und Ausbruchswerkzeugen im Gefängnis versorgte, einmal etwa mit einem Kirschkuchen, in den 13 Uhrfedersägen eingebacken waren. Dieser Kuchen war für den Heidelberger Studenten Heinrich Eimer bestimmt, zu dem Annette Stoltze ein besonders enges Verhältnis entwickelte, ohne ihn jemals gesehen zu haben. An drei (erfolglosen) Versuchen, Eimer aus dem Gefängnis zu befreien, war sie beteiligt. Bei der dritten Befreiungsaktion fiel sie den Strafverfolgungsbehörden auf, wurde vor Gericht gestellt und zu vier Wochen Arrest verurteilt. Wahrscheinlich an den Folgen der Kerkerhaft im Rententurm, die ihre Gesundheit geschwächt hatte, starb Annette Stoltze nach längerer Krankheit 1840 im Alter von 27 Jahren.
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Annette war übrigens prägendes Vorbild für ihren „kleinen“ Bruder Friedrich Stoltze, der – wie er einmal bekannte – ohne sie kein Dichter geworden wäre. Aus der Familie des in Frankfurt ebenso verehrten wie unterschätzten Schriftstellers werden zwei weitere Frauen in Artikeln dieser Lieferung vorgestellt, Lyda und Laura Stoltze, die sich um das Andenken und den Nachlass ihres Vaters Friedrich Stoltze verdient gemacht haben.
Auf dem Weg durch die Jahrhunderte in der aktuellen Lieferung begegnen außerdem etwa:
Johann Hartmann Beyer, der seit 1589 Stadtarzt in Frankfurt war, die lange berühmten „Frankfurter Pillen“ erfand, in seinem Testament den Grundstock für die Stadtbibliothek (die heutige Universitätsbibliothek) legte und die älteste der heute bestehenden Frankfurter Stiftungen gründete;
Christian Julius Wilhelm Mosche, der seit 1795 am Frankfurter städtischen Gymnasium unterrichtete, als Konrektor dort ab 1804 eine umfassende Schulreform im Sinne eines philanthropischen Bildungskonzepts ausarbeitete, dem Gymnasium eine duale Ausrichtung als höhere Bürger- und Gelehrtenschule geben wollte und in diesem Zuge etwa den naturkundlichen Unterricht einführte, bevor Humboldt mit seiner preußischen Bildungsreform überhaupt erst auf den Plan trat;
Herbert Heckmann, der mit seiner Dissertation über das barocke Trauerspiel 1957 furios in eine Universitätskarriere als Germanist startete, sich nach dem Erfolg seines Erstlingsromans „Benjamin und seine Väter“ (1962) verstärkt dem literarischen Schreiben zuwandte, in seiner ausgedehnten Herausgebertätigkeit immer wieder auch Dialekt und Literatur seiner Geburtsstadt Frankfurt würdigte und als Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung von 1984 bis 1996 seinen Einfluss geltend machte, etwa gegen die Rechtschreibreform.

Mit diesen Beispielen aus der prall gefüllten Februarlieferung will ich es bewenden lassen, auch wenn – wie immer – alle Beiträge das Lesen lohnen. Insofern lade ich Sie auch diesmal wieder gern zum Entdecken von Frankfurter Biographien auf unseren Seiten ein.

Mit besten Grüßen und Wünschen aus dem klirrend februarkalten Frankfurt
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. März 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Januar 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

hoffentlich haben Sie das neue Jahr gut und gesund begonnen. Ich wünsche Ihnen allen viel Glück und Erfolg, Mut, Zuversicht und insbesondere Gesundheit für 2021!
Mit dem Jahreswechsel ist ein bemerkenswertes Jubiläum wieder ein Stückchen näher gerückt: Bald, am 1. September 2025, wird es 100 Jahre her sein, dass Ernst May die Stelle als Stadtbaurat antrat und „Das Neue Frankfurt“ startete. Schon seit einiger Zeit stehen die Protagonistinnen und Protagonisten des visionären Stadtplanungsprogramms, das alle Lebensbereiche erfasste, auch im Blickpunkt des Frankfurter Personenlexikons. May selbst, aber etwa auch Martin Elsaesser, Hans Leistikow,
Leberecht Migge, Margarete Schütte-Lihotzky, Martin Weber, Fritz Wichert und viele andere sind mit einem Eintrag im FP vertreten. Der diesmalige Artikel des Monats stellt einen prominenten Architekten vor, dessen Wirken in Frankfurt in den 1920er Jahren jedoch fast vergessen ist.

Artikel des Monats Januar 2021:
Bauen für Frauen

Er gehört zu den bedeutendsten Architekten der Nachkriegsmoderne in der Bundesrepublik: Bernhard Hermkes. Sein Name wird in einem Atemzug genannt mit Hans Scharoun, Egon Eiermann und Rudolf Schwarz. Mit seinen Bauten prägte er etwa das Gesicht der Stadt Hamburg in der Nachkriegszeit. Weniger bekannt ist aber, dass der gebürtige Hunsrücker seine Karriere in Frankfurt begann. Von den Ideen des Neuen Bauens fasziniert, fand der 23-Jährige 1926 am Frankfurter Hochbauamt unter Ernst May seine erste Anstellung. Schon bald machte Hermkes sich mit einem eigenen Büro in der Mainstadt selbstständig. Seine wichtigsten Bauten der Frankfurter Zeit wurden eine Wohnsiedlung an der Adickesallee und ein „Ledigenheim“ am Dornbusch, beide konzipiert und errichtet für alleinstehende berufstätige Frauen – damals ein äußerst fortschrittliches soziales Experiment, das Wege zur Gleichberechtigung wies.
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Weitere Beiträge über Persönlichkeiten des „Neuen Frankfurt“ sind in Vorbereitung des nahenden Jubiläums geplant. Natürlich finden aber immer Biographien aus allen Bereichen von Frankfurts Geschichte und Kultur im FP ihre Berücksichtigung. Weitere wichtige Neuzugänge in der aktuellen Lieferung sind etwa (in chronologischer Folge nach dem Geburtsjahr): Jacob Seib, Ferry Ahrlé und Andreas Meyer-Hanno.
Der gelernte Lithograf Jacob Seib war einer der Pioniere der Fotografie in Frankfurt. Bereits seit 1844 bot er die Anfertigung von Daguerreotypien, also Lichtbildern auf versilberten Kupferplatten, an. Schon früh spezialisierte er sich auf die Porträtfotografie und lichtete die Spitzen der Stadtgesellschaft ebenso wie Abgeordnete der Nationalversammlung von 1848/49 ab. Sein Atelier hatte er seit 1850 in der Hochstraße, in einem eigens erbauten Glaspavillon, der ihm stets beste Lichtverhältnisse garantierte. Sein berühmtester Kunde war wohl Arthur Schopenhauer. Ein Porträt, das Seib von dem Philosophen aufnahm, ist auch im Frankfurter Personenlexikon zu sehen: als Illustration zu dem Artikel über Schopenhauer.
Der Künstler Ferry Ahrlé, gebürtiger Frankfurter, lebte seit Mitte der 1950er Jahre wieder in seiner Geburtsstadt, wo er sich zunächst vor allem der Gestaltung von Filmplakaten widmete. Mit seinen vielfältigen Arbeiten, von Werbeplakaten über Pressezeichnungen und Buchillustrationen bis zu Kalenderblättern, war er seit den späten Sechzigerjahren überall in der Stadt präsent und bekannt. Auch er wurde für seine Porträts geschätzt, die er – ganz klassisch – mit dem Zeichenstift oder auch in Öl anfertigte. Besonders populär wurde er mit Fernsehreihen wie „Sehr ähnlich, wer soll’s denn sein?“, in der er sich mit seinem prominenten Gegenüber unterhielt, während er es porträtierte. Auch seine Frankfurter Ansichten waren und sind sehr beliebt. Seit kurzem sind die Wände in der U-Bahnstation Konstablerwache mit Zeichnungen von Ferry Ahrlé vom Frankfurter U-Bahnbau in den 1970er und 1980er Jahren gestaltet.
Der promovierte Musikwissenschaftler Andreas Meyer-Hanno ließ sich nach seiner Karriere als Opernregisseur 1975 in Frankfurt nieder, wo er als Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst unterrichtete. Daneben engagierte er sich weiterhin in der Schwulenbewegung und gründete 1977 die Theatertruppe „Die Maintöchter“ mit. Außerdem errichtete er u. a. die „Hannchen-Mehrzweck-Stiftung für homosexuelle Selbsthilfe“, die zum Ziel hat, „das soziokulturelle Leben im Bereich der geschlechtlichen Vielfalt in der Bundesrepublik Deutschland auf eine stabile Grundlage zu stellen und ihm eine dauerhafte Perspektive zu sichern“. Auf die Initiative von Andreas Meyer-Hanno geht der „Frankfurter Engel“ zurück, das erste Mahnmal in Deutschland für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus. Es steht seit 1994 auf einem Platz an der Schäfergasse, der inzwischen nach Klaus Mann benannt ist.

Zu guter Letzt sei noch auf den Bildhauer Benno Elkan hingewiesen, der zwar schon mit einem Eintrag in der Buchausgabe der „Frankfurter Biographie“ vertreten war, nun aber einen grundlegend neu bearbeiteten, aktualisierten und ergänzten Artikel im Frankfurter Personenlexikon bekommen hat. Benno Elkan, der seit 1918 ständig in Frankfurt lebte, war eine der prägenden Persönlichkeiten in der städtischen Künstlergesellschaft der Zwanzigerjahre, weswegen Hans Reimann ihn einmal den „Frankfurter Michelangelo“ nannte. Von ihm stammt das Denkmal „Den Opfern“ in der Gallusanlage, das zum Zeichen der Trauer um alle Toten des Ersten Weltkriegs 1920 dort aufgestellt wurde. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste Elkan in der NS-Zeit die Stadt verlassen. Er emigrierte nach England, wo in fast zehnjähriger Arbeit sein Hauptwerk entstand, eine monumentale Menora mit Reliefs aus der Geschichte Israels (1956), die ihren Platz vor der Knesset in Jerusalem hat.

Obwohl ich mich nun schon so lange mit Frankfurter Biographien befasse, bin ich selbst immer wieder überrascht von der Vielfalt der Lebensläufe, die sich im Frankfurter Personenlexikon darbieten. Oft entdecke ich eine Lebensgeschichte (neu), die mich interessiert und beschäftigt.
Ich würde mich freuen, wenn auch Sie hier die eine oder andere Biographie finden könnten, die Sie anspricht.

Eine gute und erfüllende Lektüre im Frankfurter Personenlexikon wünscht Ihnen
herzlichst
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Februar 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Dezember 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

in den Nachrichten ist seit Monaten kaum Positives zu hören und zu lesen. Umso erfreulicher, dass es wenigstens vom Frankfurter Personenlexikon zum Jahresabschluss gute Neuigkeiten zu vermelden gibt. Zuerst kommt einmal der diesmalige Artikel des Monats. Denn ich weiß ja, dass viele von Ihnen immer schon gespannt darauf warten.

Artikel des Monats Dezember 2020:
Himmelhoch und weltweit

Er wurde in Frankfurt berühmt für ein Haus, das er nicht bauen durfte: Helmut W. Joos. Der aus dem Schwarzwald stammende Architekt gründete im Alter von 28 Jahren 1963 sein eigenes Büro in Frankfurt. Eines seiner ersten größeren Projekte, das Rhein-Main-Center im Westend, war bei der Fertigstellung 1969 das zweithöchste Haus in der Stadt. Künftig baute Joos etwa für den Flughafen und die Messe. Aus seinem Büro, der 1980 gegründeten und seitdem weltweit expandierenden Architektengemeinschaft „JSK“ (Joos, Schulze, Krüger-Heyden), kommen die „Frankfurter Welle“ hinter der Alten Oper und der Wolkenkratzer „Skyper“ an der Taunusanlage. Der Monumentalbau „The Squaire“, der wie auf Stelzen über dem Fernbahnhof des Flughafens steht, war bei der Eröffnung 2011 das größte Bürogebäude Deutschlands. Insgesamt über 200 Bauvorhaben realisierte Joos mit seinem Unternehmen im Lauf der Jahrzehnte allein in Frankfurt. Sein Herzensprojekt blieb jedoch unverwirklicht: das geplante Hochhaus „Campanile“ am Hauptbahnhof, das mit 250 Metern Höhe damals die europäische Spitze erreicht hätte. Der Bau scheiterte Ende der 1980er Jahre – nicht zuletzt am Widerstand einer Anwohnerin.
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Überhaupt ist die Artikellieferung in diesem Monat wieder hervorragend besetzt. Der ranghöchste Einwohner von Frankfurt im 18. Jahrhundert war Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen, der als regierender Herzog hier residierte. Seine Hofhaltung in der freien Reichsstadt sorgte für Gesprächsstoff, aber auch für Konflikte, etwa wegen einer angeblich überhöhten Schneiderrechnung. Warum der Herzog von Meiningen in die Mainstadt kam und weshalb er bis zu seinem Tod 1763 hier blieb, ist in dem neuen Artikel im Frankfurter Personenlexikon nachzulesen.
Von besonderer Bedeutung sind außerdem der frühe Fotograf Fritz Vogel, der in den 1840er Jahren zusammen mit seiner Frau Julie ein angesehenes Atelier für Porträtfotografie in Frankfurt führte, und die Mikrobiologin Emmy Klieneberger-Nobel, die sich 1930 als erste Frau an der Frankfurter Universität habilitierte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Klieneberger-Nobel aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1933 von der Universität entlassen. Sie konnte ihre Forschungen in England fortsetzen, wo sie wegweisende Entdeckungen zu den Mykoplasmen machte, einer Form von zellwandlosen Bakterien, die später als Krankheitserreger erkannt wurden.
Weitere Artikel erzählen die Biographien von Stoltzes Verleger Heinrich Keller, eine Erfolgsstory aus dem Verlags- und Buchhandel des 19. Jahrhunderts, und von Paul Hindemiths Bruder Rudolf, die tragische Lebensgeschichte eines musikalisch Hochbegabten. Um sich von dem „großen“ Bruder abzugrenzen, versuchte Rudolf Hindemith schon früh, sich eine andere Identität zu geben. Zuletzt nannte er sich konsequent Hans Lofer, und nun müssen wir im Frankfurter Personenlexikon doch wieder daran erinnern, wer hinter diesem Namen stand. Interessant für die Stadtgeschichte im Nationalsozialismus, der sich derzeit ein umfassendes Forschungs- und Ausstellungsprojekt widmet, ist der Artikel über den NS-Kulturfunktionär Friedrich von Holzhausen, womit ein erster Blick auf die Rolle des alteingesessenen Patriziats im nationalsozialistischen Stadtregiment geworfen wird.
In der Reihe zur Geschichte des Clementine Kinderhospitals erscheint diesmal ein Beitrag über den Arzt Alexander Glöckler, der sich am Dr. Christ’schen Kinderhospital, einem Vorgänger des heutigen Clementine Kinderhospitals, als umsichtiger Krankenhausleiter, ausgezeichneter Chirurg und fortschrittlicher Therapeut erwies, als die Diphtherie seit Ende der 1880er Jahre auch in Frankfurt zur Epidemie wurde. Dieser Artikel bildet damit einen optimistischen Abschluss unserer Serie für das Clementine Kinderhospital zum Jubiläumsjahr, das wir eher als „Coronajahr“ wahrgenommen haben.

Außer den neuen Artikeln gibt es, wie bereits ankündigt, weitere Neuheiten im Frankfurter Personenlexikon, die Ihnen künftig noch mehr Möglichkeiten und Komfort in der Nutzung bieten. In der linken Menüspalte auf der Start- und allen folgenden Seiten des FP finden Sie von jeher die Links zu allgemeinen Informationen. Alle über diese Spalte erreichbaren Texte wurden aktualisiert und ergänzt. Auch gibt es, wie aufmerksame Leserinnen und Leser bereits gemerkt haben, neue Menüpunkte, die etwa zu einem ausführlichen Text zur Projektgeschichte führen. Ein anderer neuer Service ist die Gesamtliste aller Autorinnen und Autoren. Jeder Name in der alphabetisch geordneten Liste ist ein Link, der zur entsprechenden Autorenseite führt, wo eine Kurzbiographie der Autorin bzw. des Autors zu finden ist und eine Linkliste der von ihr bzw. ihm veröffentlichten Artikel im FP aufgerufen werden kann.
Ganz besonders freue ich mich, Ihnen die neue Suchfunktion vorstellen zu können, die die frühere, eher eingeschränkt funktionierende Suche (die z. B. auf zehn relativ willkürliche Treffer begrenzt war) kürzlich abgelöst hat. Außer der bekannten und bewährten Personensuche steht jetzt eine effektive komplexe Suche zur Verfügung, die über das Feld mit der Lupe oben links angeklickt werden kann. Hier können Sie gezielt nach Namen und Begriffen suchen. Angezeigt werden sämtliche Treffer in allen Personen- und Familienartikeln sowie in den monatlichen Editorials. Dadurch sind die Inhalte des Frankfurter Personenlexikons noch besser erschlossen. Zusammen mit der ausgedehnten Verlinkung, die auch die Vernetzung der Personen in der historischen Stadtgesellschaft aufzeigt, ist die Möglichkeit der komplexen Suche ein wichtiger Schritt beim Aufbau des Frankfurter Personenlexikons als eines prosopografischen Nachschlagewerks, das systematisch Biographien zur Stadtgeschichte sammelt, erforscht und auswertet.

Wenn der Weihnachtsbaum eine Person wäre, hätte er übrigens das Zeug dazu, ins Frankfurter Personenlexikon aufgenommen zu werden. Dessen erste literarische Erwähnung soll nämlich von dem größten Frankfurter stammen: Goethe ließ die Titelfigur seines Briefromans „Die Leiden des jungen Werthers“ 1774 „von den Zeiten“ schwärmen, „da einen (...) die Erscheinung eines aufgeputzten Baumes mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln in paradiesische Entzückung setzte“.
Für die kommenden Feiertage wünsche ich Ihnen die Gabe, sich wie ein Kind an dem geschmückten Tannenbaum erfreuen zu können. Machen Sie es sich daheim schön. Genießen Sie das kleine Glück. Zünden Sie die Lichter am Christbaum oder auch eine Kerze am Fenster als Zeichen der Hoffnung an.

Mit diesem langen Editorial endet im Frankfurter Personenlexikon ein Jahr, das für das Projekt trotz der schwierigen Zeiten sehr erfolgreich war. Jeden Monat wird das FP von durchschnittlich 5.500 Leserinnen und Lesern besucht, die insgesamt etwa 35-40.000 Seiten aufrufen. Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle einmal herzlich für Ihr Interesse und Ihre Treue danken!

Unterdessen laufen im Hintergrund die Arbeiten im Frankfurter Personenlexikon weiter – auch für ein Wiederlesen im kommenden Jahr. Ich würde mich freuen, Sie dann wieder hier an dieser Stelle begrüßen zu dürfen.

Einstweilen allerbeste Grüße und Wünsche – bleiben Sie gesund und behütet!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Januar 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. November 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

der November erscheint vielen in diesem Jahr besonders trist. Manchmal hilft es, nicht immer nur aufzuzählen, was nicht geht, sondern sich auch einmal zu vergegenwärtigen, was gut klappt. Das Frankfurter Personenlexikon gehört glücklicherweise zu den Projekten, die trotz dieser schwierigen Zeiten weiterlaufen, und so kommt auch im November wieder eine neue Monatslieferung mit einem aktuellen Artikel des Monats heraus.

Artikel des Monats November 2020:
Die Frau im Funk

Sie sprach aus Frankfurt für Frauen in Hessen und der Welt: Gabriele Strecker. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die 41-jährige Ärztin von der amerikanischen Militärregierung als Leiterin des Frauenfunks bei „Radio Frankfurt“ verpflichtet. Am 1. Mai 1946 brachte sie unter dem Titel „Ausgewähltes für Geist und Herz“ ihre erste Sendung heraus. Auch nach dem Übergang zum Hessischen Rundfunk 1949 leitete Gabriele Strecker weiterhin (bis 1962) den Frauenfunk, der damals die geringste Sendezeit – mit einer Stunde pro Woche – hatte, aber die meiste Hörerpost bekam. Die Redakteurin selbst bezeichnete ihre Arbeit beim Rundfunk einmal als eine „seltsame Mischung von Redaktionsarbeit und (...) Seelensprechstunde“.
Bereits 1946 hatte Gabriele Strecker als einzige deutsche Vertreterin an einem Internationalen Frauenkongress in den USA teilgenommen. Künftig wirkte sie als Funktionärin in überparteilichen und überkonfessionellen Frauenverbänden und damit als Netzwerkerin auf nationaler und internationaler Ebene. Seit 1948 Mitglied der CDU, engagierte sie sich in der frühen Nachkriegszeit für den Aufbau der Frauengremien ihrer Partei, und von 1954 bis 1962 gehörte sie dem Hessischen Landtag an. Nicht immer waren ihre politischen Positionen und Äußerungen unumstritten. Ihre große Bewunderung für die Vereinigten Staaten und ihr Antikommunismus etwa stießen nicht nur bei linken, sondern auch bei konservativen Pazifistinnen auf Widerspruch.
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In diesem Monat erscheinen außerdem drei wichtige Artikel über Personen, die bereits in der Buchausgabe der „Frankfurter Biographie“ enthalten waren, in grundlegend neu bearbeiteter und aktualisierter Fassung im Frankfurter Personenlexikon, nämlich die Beiträge über Erzherzog Johann von Österreich, den Reichsverweser von 1848/49, über Carl Friedrich Mylius, den bedeutendsten Architekturfotografen Frankfurts in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und über Hans Leistikow, den grafischen Gestalter des „Neuen Frankfurt“ in den 1920er Jahren.
Ganz neu sind die Artikel über den Archäologen und Kunsthistoriker Guido Kaschnitz von Weinberg, der sonst meist im Schatten seiner berühmten Frau, der Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz, steht, und über den kaufmännischen Angestellten Heinz Meininger, der heute trotz seiner prominenten Rolle in der Frankfurter Homosexuellenbewegung der Nachkriegszeit fast vergessen ist.
In der Serie zum 175. Jubiläum des Clementine Kinderhospitals in diesem Jahr wenden wir uns diesmal der jüngeren der beiden Einrichtungen zu, aus denen das heutige Kinderkrankenhaus hervorgegangen ist: dem 1875 eröffneten Clementine-Mädchen-Spital. Dessen Gründerin Louise von Rothschild ist schon seit einiger Zeit mit einem Artikel im Frankfurter Personenlexikon präsent. Seit 1930 wurde das Krankenhaus, mittlerweile zum Clementine-Kinderhospital erweitert, von Professor Paul Grosser geleitet. Ihm ist diesmal der Artikel in unserer kleinen Serie gewidmet. Grosser, Vater des 1925 in Frankfurt geborenen französischen Publizisten und Friedenspreisträgers Alfred Grosser, wurde aufgrund seiner jüdischen Religionszugehörigkeit im Sommer 1933 vom Krankenhausträger entlassen. Er emigrierte mit seiner Familie nach Frankreich, wo er ein Kindersanatorium aufbauen wollte, jedoch schon im Februar 1934 plötzlich infolge eines Herzinfarktes starb.

Dank besonderer Förderung der Frankfurter Bürgerstiftung läuft seit 1. Juli des Jahres ein „Projekt im Projekt“ beim Frankfurter Personenlexikon, dessen Erfolge Sie im wahrsten Sinne des Wortes mit eigenen Augen sehen können. In den vergangenen vier Monaten haben wir die Bebilderung der Artikel im Frankfurter Personenlexikon systematisch vorangetrieben. Es sind über 150 Bilder hinzugekommen, so dass jetzt über 500 der insgesamt 580 Artikel im Frankfurter Personenlexikon illustriert sind.
Die Abbildungen stammen zu einem sehr großen Teil aus dem Institut für Stadtgeschichte; weitere wichtige Bildgeber und Kooperationspartner sind die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, das Historische Museum, das Universitätsarchiv und das Freie Deutsche Hochstift, alle in Frankfurt am Main. Auch aus dem Besitz unserer Förderer, der Stiftung Niederländische Gemeinde Augsburger Confession und der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung, stammen einige Bilder. Mehr als 200 Abbildungen wurden, teilweise in aufwendigen Einzelrecherchen, aus Beständen verschiedener Archive, Bibliotheken und Institutionen sowie aus Privatbesitz gewonnen. Eine ganze Reihe dieser Bilder ist nicht aus Frankfurt in das Personenlexikon gekommen, sondern etwa aus Berlin, Hamburg, Leipzig, München, Wien, Basel, Zürich, New York, Toronto, Mexiko und Jerusalem.
Einige der Porträtierten präsentieren sich jetzt im Frankfurter Personenlexikon auf stolzen oder selten gezeigten Gemälden, etwa Hamman von Holzhausen auf dem bekannten Bildnis von Conrad Faber von Creuznach (1529) aus dem Städel Museum, Emma Mumm von Schwarzenstein auf einem Porträt von Franz von Lenbach (1890er Jahre) aus dem Münchner Lenbachhaus oder August Leopolder auf dem außergewöhnlichen Bild von Christian Schad (1960) aus dem Besitz der Museen der Stadt Aschaffenburg. Viele Artikel über Personen aus frühen Jahrhunderten ließen sich mit Kupferstichporträts aus bedeutenden Sammlungen illustrieren, etwa aus der „Porträtsammlung Holzhausen“ in der Frankfurter Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, aus der u. a. das Bildnis von Zacharias Conrad von Uffenbach (nach 1734) kommt.
Unter den Porträtfotografien sind einige Aufnahmen prominenter Fotografinnen und Fotografen hervorzuheben. So stammen von Nini & Carry Hess u. a. eine Fotografie von Paul Hindemith, von Isolde Ohlbaum u. a. das Bild von Wolfdietrich Schnurre und von Barbara Klemm u. a. das Porträt von Marcel Reich-Ranicki. Ein besonders schönes und fotohistorisch interessantes Stück fand sich überraschend in einem Familiennachlass im Institut für Stadtgeschichte: Das Foto zeigt den Kaufmann Carl Stiebel, aufgenommen während seiner Zeit in Hongkong zwischen 1882 und 1887 von Lai Afong, der heute als der bedeutendste chinesische Fotograf des 19. Jahrhunderts gilt.
In nur wenigen Fällen mussten wir die Bildsuche (vorläufig) erfolglos einstellen. Während wir ursprünglich vermuteten, dass sich vor allem Artikel zu Personen aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit nur schwer illustrieren lassen würden, haben wir im Laufe der Bildrecherchen erstaunt festgestellt, dass sich gerade von manchen Persönlichkeiten aus dem 20. Jahrhundert keinerlei Bilder ermitteln lassen. In diesen Fällen haben wir allerdings noch nicht so ganz aufgegeben und hoffen, dass sich irgendwann doch ein Porträt finden wird, etwa von der Fotografin Nini Hess oder von den Architekten H. F. W. Kramer (nicht zu verwechseln mit Ferdinand Kramer!) und Alfred Schild.

Herzlich lade ich Sie zum Blättern im Frankfurter Personenlexikon online ein, um zu sehen, wie viel anschaulicher es gerade in den vergangenen Monaten geworden ist. Ich selbst habe große Freude an der Bebilderung der Artikel und würde mich freuen, wenn auch Sie Gefallen daran finden könnten.

Beste Grüße und Wünsche – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Dezember 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Oktober 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

der Artikel dieses Monats blickt auf einen besonderen Gedenktag voraus: Er erscheint zum 125. Geburtstag von Paul Hindemith am 16. November.

Artikel des Monats Oktober 2020:
Der Komponist im Kuhhirtenturm

Er war gebürtiger Hanauer und ein großer Frankfurter: Paul Hindemith. Ab seinem zehnten Lebensjahr in Frankfurt aufgewachsen, begann der später weltberühmte Komponist der Moderne hier seinen Weg. Nach Abschluss der Volksschule und Studium an Dr. Hoch’s Konservatorium fing er 1913 als Geiger am Neuen Theater an und wurde bald Konzertmeister im Orchester des Opernhauses. Am Hoch’schen Konservatorium machte er 1919 mit ersten Konzerten eigener Werke auf sich aufmerksam. Am 26. März 1922 wurden seine drei Operneinakter „Mörder, Hoffnung der Frauen“, „Das Nusch-Nuschi“ und „Sancta Susanna“, letzterer als Uraufführung, erfolgreich am Frankfurter Opernhaus herausgebracht, was dem Komponisten überregionale Aufmerksamkeit eintrug. Im Oktober 1923 bezog Hindemith sein Künstlerdomizil im mittelalterlichen Kuhhirtenturm in Sachsenhausen. Der Turm blieb für ihn ein wichtiger Rückzugsort, auch während seiner Berliner Jahre ab 1927 und vor allem in der NS-Zeit, als Hindemith zunehmend Repressionen ausgesetzt war. Aus dem Exil, seit 1940 in den USA, kehrte er zwar nicht dauerhaft nach Frankfurt zurück, kam aber immer wieder zu Besuchen, Treffen mit Freunden und auch zur ärztlichen Behandlung. Im Frankfurter Marienkrankenhaus ist Paul Hindemith am 28. Dezember 1963 gestorben.
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Im Kuhhirtenturm ist seit 2011 ein „Hindemith Kabinett“ eingerichtet, das eine kleine und feine Ausstellung zu Leben und Werk des Komponisten an authentischer Stätte bietet. Dort ist allerhand zu erfahren, was in unserem Artikel aufgrund der erforderlichen Knappheit des Lexikons unter Konzentration auf die wesentlichen Punkte der Frankfurter Biographie leider keinen Platz finden konnte. Paul Hindemith war etwa auch ein talentierter Zeichner, der auf alles malte, was ihm in die Hände fiel: Notenmanuskripte, alte Briefumschläge, Kalenderblätter, Servietten und sogar Tischdecken. Die Löwenfigur, die auf seinen Zeichnungen immer wieder zu sehen ist, steht für seine Frau Gertrud, die im Sternzeichen Löwe geboren wurde (und übrigens eine Enkelin des legendären Frankfurter Oberbürgermeisters Franz Adickes war). Hindemith liebte zudem das Spiel mit der Modelleisenbahn, die er durch drei Zimmer seiner Berliner Wohnung fahren ließ. Er ging gern wandern, etwa im Schwarzwald, in Schlesien und der Eifel. Und er sprach zeit seines Lebens, auch nach all den Jahren im amerikanischen Exil und in der neuen Schweizer Heimat, mit hessischem Akzent.
Die Exponate im „Hindemith Kabinett“, darunter Hindemiths Viola d’amore, stammen aus dem Hindemith Institut Frankfurt, das den Nachlass des Komponisten aufbewahrt. Die Direktorin des Instituts, Susanne Schaal-Gotthardt, hat den Artikel über Paul Hindemith im Frankfurter Personenlexikon anhand authentischer Quellen und aufgrund neuester Forschungsergebnisse verfasst.

Ein weiterer prominenter Artikel in diesem Monat ist dem Dirigenten Michael Gielen gewidmet, der als Operndirektor die nach ihm benannte zehnjährige Ära im Frankfurter Musiktheater von 1977 bis 1987 prägte. Unter seiner Leitung stieg die Frankfurter Oper zu einem der bedeutendsten Opernhäuser Europas auf.
Vorgestellt wird außerdem der vielseitig gebildete Jurist und Schriftsteller Karl Heinrich Ulrichs, der von 1859 bis 1863 in Frankfurt lebte und erstmals eine moderne Theorie der „Homosexualität“ vorlegte – bevor dieses Wort 1869 überhaupt geprägt wurde. Ulrichs sprach vielmehr von einem „dritten Geschlecht“ und bezeichnete einen Mann, der Männer liebt, als „Uranier“ oder später als „Urning“. Wegen seiner Homosexualität wurde Ulrichs 1864 aus dem Freien Deutschen Hochstift ausgeschlossen. Erst 2015, fast genau 120 Jahre nach seinem Tod, widerfuhr ihm Gerechtigkeit durch eine Ausstellung des Hochstifts und die Benennung eines Platzes in der Nähe des Goethehauses.
Die Serie zum 175. Jubiläum des Clementine Kinderhospitals in diesem Jahr wird fortgesetzt mit einem Beitrag über Carl Stiebel, der in der Nachfolge seines Großvaters Salomon Friedrich Stiebel und seines Vaters Fritz Stiebel seit 1902 der Administration des Dr. Christ’schen Kinderhospitals und Entbindungshauses angehörte. Anders als seine beiden direkten Vorgänger aus der Familie war der dritte (und letzte) Stiebel kein Arzt, sondern ein welterfahrener Kaufmann – und damit genau der Richtige, um die Dr. Christ’sche Stiftung durch die Krisenzeiten im und nach dem Ersten Weltkrieg zu führen, als die Einnahmen aus Spenden und Zinsen sanken, die Betriebskosten aber stiegen. Ohne seinen Einsatz hätte das Dr. Christ’sche Kinderhospital die Hyperinflation 1923 nicht überstanden.

An dieser Stelle hätte ich, wie in vorangegangenen Jahren, Ihnen gerne einen goldenen Oktober gewünscht. Angesichts der derzeitigen Lage fällt mir das schwer. Aber warum eigentlich nicht?
Nutzen Sie die schönen Herbsttage! Sammeln Sie noch ein paar Farben und Sonnenstrahlen für den Winter. Wie Frederick, die kluge Maus, die Sie sicher aus dem Bilderbuch kennen, wenn Sie Kinder oder auch schon Enkelkinder haben.

Beste Grüße und Wünsche – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. November 2020.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. September 2020

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

manchmal können vermeintlich kleine Beiträge wichtig werden – wie etwa der aktuelle Artikel des Monats.

Artikel des Monats September 2020:
Nie wieder

Er wurde von den Nationalsozialisten brutal ausgewiesen: Abraham Heschel. Von Martin Buber war der 30-jährige Rabbiner und Religionsphilosoph erst 1937 nach Frankfurt geholt worden, um hier am Freien Jüdischen Lehrhaus verantwortlich mitzuarbeiten. In einer Zeit, in der sich viele gute Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die ihrer Religion kaum noch Bedeutung zugemessen hatten, durch das nationalsozialistische Terrorregime plötzlich mit ihrem Judentum konfrontiert sahen, kam dieser Bildungseinrichtung ein völlig veränderter Stellenwert zu.
Nach nur knapp 20 Monaten am Lehrhaus und in Frankfurt wurde Heschel am 28. Oktober 1938 in seiner Wohnung von der Gestapo verhaftet und am nächsten Morgen zusammen mit Hunderten anderen polnischen Juden nach Polen deportiert. Auf Umwegen konnte er in die USA emigrieren. Auch nach dem Krieg ist er nie wieder nach Deutschland oder Polen zurückgekehrt. „Jeder Stein, jeder Baum“, so sagte er einmal, hätte ihn dort „an Verachtung, Hass, Mord, an umgebrachte Kinder, an lebendig verbrannte Mütter, an erstickte Menschen“ erinnert. In den USA engagierte sich Abraham Heschel an der Seite von Martin Luther King gegen den Rassismus.
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Als vierter Teil der Serie von Artikeln zum 175. Jubiläum des Clementine Kinderhospitals in diesem Jahr erscheint ein Beitrag über den Arzt Fritz Stiebel, den Sohn des Hofrats Salomon Friedrich Stiebel, den wir im vorigen Monat ausführlich vorgestellt haben. Fritz Stiebel übernahm von seinem Vater 1853 die Leitung des Dr. Christ’schen Kinderhospitals und der damit verbundenen Entbindungsanstalt. Nach dem Tod des alten Stiebel 1868 wechselte er in die Stiftungsadministration des Krankenhauses, als deren Vorsitzender er schon bald geeignete Maßnahmen zur Eindämmung und Bekämpfung einer Epidemie verantworten musste. Ab 1875 stiegen die Aufnahmezahlen von kleinen Patientinnen und Patienten mit Diphtherie stark an. Das Kinderhospital reagierte mit dem Bau einer Isolierstation (1879) und schließlich eines eigenen Isolierhauses (1888), was sich während einer Epidemie von Diphtherie, zeitweise zugleich mit Scharlach, ab 1890 bewährte. Relativ früh, ab dem 1. Oktober 1894, setzte das Dr. Christ’sche Kinderkrankenhaus das von Behring entwickelte Heilserum gegen Diphtherie ein, wodurch die Sterblichkeit bei den Erkrankten deutlich gesenkt werden konnte – von über 35 auf etwa zehn Prozent.

Auch in den anderen Artikeln dieser Lieferung scheint es manchmal so, als würde man in der Geschichte über die Gegenwart und für die Zukunft lesen. Ein Beitrag befasst sich mit dem Arzt Harald Bagge, dem letzten Stadtphysikus der Freien Stadt Frankfurt (und damit einem Zeitgenossen Stiebels). Eher zufällig ergeben hat sich in diesem Monat eine kleine Reihe von drei Artikeln über bildende Künstler der Nachkriegszeit: Ilse Hannes (* 1916), Robert Freund (* 1929) und Renate Sautermeister (* 1937), die die Kunstszene in Frankfurt nach 1945 auf ihre jeweils spezifische Art prägten. Mit dem fast vergessenen Dichter Heinz Brenner, der ab 1957 in Frankfurt lebte und bei der katholischen Telefonseelsorge arbeitete, beschäftigt sich ein Artikel, der eine erste umfassende Informationssammlung zu Leben und Werk von Brenner darstellt. Vielleicht kann diese Publikation im Frankfurter Personenlexikon den Anstoß zu weiteren Forschungen geben, wie in anderen Fällen gelegentlich schon geschehen.

In jedem Fall, ob Sie sich mit der Zeit kritisch auseinandersetzen oder von der Gegenwart einmal ablenken lassen wollen, ist das Frankfurter Personenlexikon eine gute Wahl.

Beste Grüße und Wünsche – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Oktober 2020.

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Ein Projekt der Frankfurter Bürgerstiftung

Förderer: Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Stiftung Niederländische Gemeinde Augsburger Confession

Kooperationspartner: Frankfurter Historische Kommission
Projektleitung: Sabine Hock
Herausgeber: Clemens Greve, Sabine Hock
Datenbankprogrammierung: Andreas Bombel
Gestaltung: Anja Müller-Ries

Bildnachweis für die Kopfleiste (v. l. n. r.): Hamman von Holzhausen (Hans Happ nach Conrad Faber von Creuznach/UB Ffm.), Arthur Schopenhauer (ISG), Friedrich Stoltze (ISG), Johann Wolfgang Goethe (Johann Heinrich Lips/FDH-FGM), Max Beckmann (ISG), Bertha Pappenheim (ISG), Eduard Rüppell (Pompeo Marchesi/Archiv der SGN als Dauerleihgabe im HMF/Foto: Sven Tränkner), Paul Ehrlich (ISG), Christian Egenolff (Johann Friedrich Schmidt nach dem Monogrammisten „M“/ISG), Karl der Große (Andreas Artur Hoferick nach Karl Eduard Wendelstadt/Foto: Wolfgang Faust), Franz Adickes (ISG), Liesel Christ (hr-Archiv/Foto: Kurt Bethke), Ernst May (ISG), Georg Philipp Telemann (Valentin Daniel Preisler nach Ludwig Michael Schneider/ISG).

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