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Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. April 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

mit der Eröffnung des Deutschen Romantik-Museums im vergangenen Jahr ist Frankfurt als Stadt der Romantik in den Blickpunkt gerückt. Bereits seit einiger Zeit stellt das Frankfurter Personenlexikon nach und nach die wichtigsten Frankfurter Vertreter der Romantik vor. So sind z. B. schon Beiträge über Bettine von Arnim, geb. Brentano, Friedrich Carl von Savigny, Johann Friedrich Böhmer und auch über Frankfurtbesucher wie Achim von Arnim oder Jacob und Wilhelm Grimm im FP online erschienen. In der diesmaligen Lieferung kommt der Artikel über Clemens Brentano, den großen Frankfurter Dichter neben Goethe, in vollkommen neuer Fassung auf dem aktuellsten Forschungsstand heraus. Als Artikel des Monats, wenige Wochen vor Brentanos 180. Todestag, stellt er die bewegte Frankfurter Biographie des Romantikers in einem detaillierten Überblick dar.

Artikel des Monats April 2022:
„Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit“

Er kam nie zur Ruhe und immer wieder nach Frankfurt: Clemens Brentano. Als Ort der Kindheit und Jugend wie auch der Familie behielt die Stadt am Main für den 1778 in Ehrenbreitstein geborenen Dichter zeitlebens eine besondere Anziehungskraft. Im Haus zum Goldenen Kopf, dem Frankfurter Familien- und Firmensitz, hatte er eine Kaufmannslehre begonnen und nach dem Tod des Vaters 1797 aufgegeben. Auch mehrere Versuche eines Universitätsstudiums brach er ab. Schon früh wollte er eigentlich Schriftsteller werden. Unter dem Pseudonym „Maria“ veröffentlichte er 1801 seinen ersten Roman, „Godwi oder Das steinerne Bildnis der Mutter“, dessen fragmentarisch gebliebene Fortsetzung die berühmte Ballade „Zu Bacharach am Rheine“ enthält, das erste Loreley-Gedicht in der deutschen Literatur.
Noch lange blieben Frankfurt und das Familienhaus ein Dreh- und Angelpunkt im Leben des stetig den Ort wechselnden Dichters. Hier traf er seine Lieblingsschwester Bettine, und von hier aus reiste er mit seinem späteren Schwager Achim von Arnim an den Rhein. Mit dieser Rheinreise 1802 begann die deutsche Rheinromantik, aber auch eine intensive Arbeitsgemeinschaft der „Herzbrüder“ Arnim und Brentano, die schließlich die Liedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ (1805/08) erbrachte. Erst der Skandal um seine Ehe mit Auguste Bußmann, einer Nichte des Frankfurter Bankiers Simon Moritz von Bethmann, ließ Brentano für mehr als anderthalb Jahrzehnte auf Distanz zu seiner Heimatstadt am Main gehen.
Doch anlässlich einer Familienfeier 1823 kehrte der Dichter nach Frankfurt zurück. Damals fand er Anschluss an den Kreis um Marianne von Willemer, den Senator Gerhard Thomas und dessen Frau Rosette, geb. Willemer. Durch Thomas lernte Brentano auch den jungen Historiker Johann Friedrich Böhmer kennen. Böhmer machte sich besonders um das Werk des Dichters verdient, indem er Brentano, der seine Arbeiten niemals als vollendet ansah und daher nur zögerlich zum Druck brachte, immer wieder zur Veröffentlichung seiner Schriften drängte; auch kümmerte er sich um die Überlieferung von Brentanos Gedichten und Märchen in Abschriften. Zwischen 1823 und 1832 kam Brentano immer wieder zu längeren Aufenthalten nach Frankfurt, bevor er sich mehr dem südlichen Bayern zuwandte.
Im September 1841 besuchte Brentano noch einmal seine Heimatstadt. Im Kreis der Freunde bei Marianne von Willemer las er aus seiner Erzählung „Die mehreren Wehmüller und ungarischen Nationalgesichter“, und der befreundete Künstler Edward Steinle, einer der wichtigsten zeitgenössischen Illustratoren von Brentanos Werken, zeichnete dabei das vermutlich letzte Porträt des Dichters. Kein Jahr später, am 28. Juli 1842, starb Clemens Brentano im Hause des Bruders Christian Brentano in Aschaffenburg. Als sein lyrisches Vermächtnis gilt das Gedicht „Was reif in diesen Zeilen steht“ aus der in Frankfurt 1837 erschienenen Spätfassung des Märchens von „Gockel, Hinkel und Gackeleia“, die er Marianne von Willemer widmete, mit den berühmten Schlussversen:
„O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit!“
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Ein weiterer Artikel in dieser Lieferung widmet sich dem bedeutenden Physiologen und Mediziner Albrecht Bethe anlässlich von dessen bevorstehendem 150. Geburtstag am 25. April 2022. Als Professor an der neu gegründeten Frankfurter Universität ab 1915 baute Bethe deren Institut für Animalische Physiologie auf. Zusammen mit dem Frankfurter Gründungsordinarius für Physiologie Gustav Embden gehörte er zu den Mitherausgebern des 18-bändigen „Handbuchs der normalen und pathologischen Physiologie“ (1925-32), das unter der Kurzbezeichnung „Bethe-Embden“ bekannt wurde. Bethe, der in der NS-Zeit aufgrund der jüdischen Herkunft seiner Ehefrau 1937 unter Entzug der Emeritusrechte und erheblicher Kürzung seiner Pension in den Ruhestand versetzt wurde, übernahm nach dem Krieg noch einmal die kommissarische Leitung seines Instituts. Er wurde 1947 zum Ehrenbürger und 1952 zum Ehrensenator der Frankfurter Universität ernannt.

Im vorigen Editorial berichtete ich vom Auftauchen einer Fotografie, die die Fotografin Nini Hess zeigt. Bisher war kein Bild von der älteren der beiden bedeutenden Frankfurter Fotografenschwestern Nini und Carry Hess bekannt. Mit freundlicher Unterstützung des Jüdischen Museums Frankfurt, zu dessen Sammlungen ein Abzug des neu entdeckten Fotos gehört, kann das Frankfurter Personenlexikon das Bild nun als Illustration zum Artikel über Nini Hess zeigen. Es handelt sich übrigens um ein Gruppenbild, auf dem noch mehr Frankfurter Prominenz der 1920er Jahre zu sehen ist – offenbar bei einem privaten Kostümfest, da alle komische Kopfbedeckungen tragen und mit der Bändigung eines kleinen Stofftierzoos beschäftigt sind.

Die aktuelle Lieferung ist aufgrund der anhaltend schwierigen Coronasituation etwas kleiner, aber umso feiner ausgefallen, und ich freue mich, dass ich Ihnen diesmal – trotz allem – wieder wichtige und ganz besondere Neuheiten im Frankfurter Personenlexikon präsentieren kann.

Beste Grüße – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Mai 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. März 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

ein wichtiger Auftrag des Frankfurter Personenlexikons ist, biographische Lücken in der Frankfurter Stadtgeschichte zu schließen. So arbeitet das FP, nachdem in der Buchausgabe der „Frankfurter Biographie“ von 1994/96 der Anteil von Artikeln über Frauen noch bei nur etwa acht Prozent lag, verstärkt Biographien von Frauen auf. Bei allem wissenschaftlichen Anspruch, dem sich das Projekt stets verpflichtet fühlt, wird es in diesen Tagen doch zum Herzensanliegen, dass in der aktuellen Monatslieferung über zwei Frauen berichtet wird, die für den Frieden in der Welt eintraten. Einer von ihnen gilt der diesmalige Artikel des Monats.

Artikel des Monats März 2022:
Schloß heißt Carno

Sie wurde unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs zur überzeugten Pazifistin: Gertrud Schloß. Die Tochter einer liberalen jüdischen Unternehmerfamilie aus Trier studierte nach dem Abitur 1920 Nationalökonomie, auch für ein Semester in Frankfurt, und promovierte bereits 1923 mit einer Untersuchung über den „Staat in der bolschewistischen Theorie und Praxis“. Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt arbeitete sie als Theater- und Kulturrezensentin sowie später als Redakteurin der SPD-nahen Tageszeitung „Volkswacht“, begründete die Volksbühne in Trier mit und engagierte sich in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit.
Wenige Wochen nach der nationalsozialistischen „Machtübernahme“ 1933 übersiedelte Gertrud Schloß nach Frankfurt am Main, wo sie Schutz in der Anonymität der Großstadt suchte. Kurz zuvor hatte sie den Lyrikband „Begegnungen“ veröffentlicht, der auch Liebesgedichte an Frauen enthielt. In ihren Frankfurter Jahren war Gertrud Schloß als Schriftstellerin sehr produktiv und ziemlich erfolgreich. Unter dem Pseudonym „Alice Carno“ verfasste sie einige Unterhaltungs- und Kriminalromane, die auch als Fortsetzungsromane in Zeitungen erschienen und dadurch ein breites Publikum fanden. Im Juli 1939, wenige Wochen vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, gelang es Gertrud Schloß noch, nach Luxemburg zu emigrieren. Doch nach dem Einmarsch deutscher Truppen im April 1940 wurde sie wegen ihrer jüdischen Herkunft in einem Sammellager interniert, von dort am 16. Oktober 1941 zunächst in das Ghetto Lodz („Litzmannstadt“) deportiert und vermutlich Ende Januar 1942 im Vernichtungslager Chelmno („Kulmhof“) ermordet.
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Biographien von Personen aus der Populärkultur sind ein weiteres Desiderat in der Forschung, nicht nur im Frankfurter Personenlexikon, und so leistet der Artikel über Gertrud Schloß auch auf diesem Gebiet einen wichtigen Beitrag. Für das FP wurde die Frankfurter Biographie von Gertrud Schloß grundlegend neu an den Quellen recherchiert – wobei Autor und Redakteurin eine echte Überraschung erlebten. Bisher hieß es in der Literatur, dass Gertrud Schloß in ihrer Frankfurter Zeit auch unter dem Pseudonym „Mary Eck-Troll“ geschrieben habe. Plötzlich stellten wir fest, dass Mary Eck-Troll nicht nur ein Name, sondern eine eigene Person ist – Näheres dazu können Sie im Artikel nachlesen!
Der Beitrag referiert einerseits den allerneuesten Forschungsstand zu Gertrud Schloß, will aber andererseits auch zu weiteren Arbeiten über sie und ihr Werk anregen. Noch hat niemand z. B. die Unterhaltungsromane von Gertrud Schloß alias Alice Carno im wissenschaftlichen Interesse genauer angeschaut. Die Titel, etwa ihres Erfolgswerks „Rechtsanwalt Dr. Edith Brandt“ von 1936, verraten, dass Frauen oft die Hauptrolle darin spielen. Welches Frauenbild transportiert die Schriftstellerin in ihren Romanen? Ein der NS-Zeit angepasstes oder zwischen den Zeilen doch ein subversives, emanzipatorisches und nicht gender-konformes?

Die zweite Frau, die in diesem Monat neu im Frankfurter Personenlexikon erscheint, ist Elsa Bauer, eine Frankfurter Bankiersgattin, die ihre privilegierte gesellschaftliche Stellung nutzte, um anderen Frauen zu helfen. Anfangs galt ihr Einsatz vor allem ledigen Müttern und deren Kindern, etwa als Mitglied in der Heimkommission für das Heim des Jüdischen Frauenbundes, das Bertha Pappenheim 1907 in Neu-Isenburg eröffnet hatte. Im Laufe der Zeit entwickelte Elsa Bauer ein breites soziales Engagement. In den 1920er Jahren verwendete sie sich als Stadtverordnete der SPD besonders für einen modernen Wohnungsbau in Ernst Mays „Neuem Frankfurt“, der den Anforderungen der berufstätigen Frau gerecht werden sollte. Ebenso wie Gertrud Schloß arbeitete Elsa Bauer aktiv in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit mit. Ihr Mandat in der Stadtverordnetenversammlung legte sie zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 nieder. Bis über ihre Kräfte engagierte sie sich künftig in der Fluchthilfe für Verfolgte des NS-Regimes.

Nicht erst seit heute wird im Frankfurter Personenlexikon Frauengeschichte geschrieben. Genau vor zwei Jahren, als Artikel des Monats März 2020, stellten wir etwa die Fotografinnen Nini und Carry Hess vor. Bei Erscheinen der Artikel waren noch keinerlei Fotos bekannt, die Nini und Carry Hess selbst zeigen. Von Carry Hess konnte (und kann) das Frankfurter Personenlexikon immerhin eine Porträtmedaille abbilden, die im Historischen Museum überliefert ist. Die damals schon geplante Ausstellung des Museums Giersch der Goethe-Universität zu Leben und Werk der Schwestern Hess, die – auch coronabedingt – mehrfach verschoben werden musste, wird nun dieser Tage endlich eröffnet. In der Ausstellung und dem dazu bereits erschienenen Katalog findet sich jetzt ein Foto von Nini Hess. Wir bemühen uns derzeit, dieses bisher einzige Bild von ihr auch zur Abbildung für ihren Artikel im FP zu erhalten. Falls es klappt, werde ich Sie natürlich in einem der kommenden Editorials darüber informieren.

Für heute schließe ich mit dem leider immer noch und immer wieder aktuellen Wunsch der vorgestellten Frauen: Frieden für die Welt.

Beste Grüße – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. April 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Februar 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht gehören Sie auch zu den Menschen, die gerne einmal eine Geschichte aus ihrem Leben erzählen. Kleine und heitere Anekdoten aus Kindheit und Jugend sind und machen beliebt. Doch es braucht schon Mut, über Erlebnisse und Erfahrungen aus der eigenen Vergangenheit zu berichten, die man selbst und auch die Gesellschaft lieber vergessen und verschweigen würden. Von einem Frankfurter, der diese Herausforderung annahm, handelt der diesmalige Artikel des Monats.

Artikel des Monats Februar 2022:
Aus der Reihe getanzt

Er war jung und wollte, wie er selbst einmal sagte, einfach nur „sein Leben leben“: Wolfgang Lauinger. Doch unter dem nationalsozialistischen Regime war seine Familie aufgrund der jüdischen Herkunft des Vaters ab 1933 zunehmend Repressionen ausgesetzt. Der Vater, der Journalist Artur Lauinger, verlor im Sommer 1937 seine langjährige Stelle bei der Frankfurter Zeitung und wurde nach dem Novemberpogrom 1938 für fünf Monate im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Als der Vater 1939 nach London emigrieren konnte, musste er den knapp 21-jährigen Sohn zurücklassen. Kurz zuvor war Wolfgang Lauinger für den Kriegsdienst gemustert worden. Nach kaum begonnener Militärzeit, für die er seine Lehre als Feinmechaniker abbrechen musste, wurde er jedoch 1940 entlassen, weil er als „Mischling ersten Grades“ in der Wehrmacht für nicht mehr tragbar galt. Lauinger fand Arbeit in einem Rüstungsbetrieb in Neu-Isenburg und schloss sich in Frankfurt dem „Harlem-Club“ an, einer Gruppe junger Leute, die sich im „Café Goetheplatz“ traf, um gemeinsam Swingmusik zu hören. Sie seien – so Lauinger – „buchstäblich aus der Reihe getanzt“. Ende 1941 wurden er und andere der „Swing Kids“ von der Gestapo verhaftet. Aus nichtigem Anlass wurde Lauinger 1942 zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt, die er im Preungesheimer Gefängnis verbüßte. Er verließ Frankfurt und kam mit viel Glück durch die letzten Jahre des „Dritten Reichs“.
Nach einer kurzen „Schwarzmarktkarriere“ arbeitete Lauinger ab 1947 im Dienst der US-amerikanischen Besatzungsmacht, zuletzt als Hausverwalter in der größtenteils beschlagnahmten Villenkolonie Buchschlag. Im Spätsommer 1950 wurde er unvermittelt verhaftet. Damals diente Otto Blankenstein, ein jugendlicher „Stricher“, der Polizei als Kronzeuge für eine Serie von Ermittlungen und Verhaftungen, in der Hunderte von Männern der (seinerzeit nach Paragraph 175 noch strafbaren) Homosexualität bezichtigt wurden. Blankenstein hatte auch Lauingers Namen genannt. In den „Frankfurter Homosexuellenprozessen“ wurde Lauinger 1951 zwar freigesprochen. Doch ein Leben lang wartete er vergeblich auf eine Rehabilitation und Entschädigung für die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft. Ende 2017 starb Wolfgang Lauinger im Alter von 99 Jahren in seiner Geburtsstadt Frankfurt.
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In seinen letzten Lebensjahrzehnten war es Wolfgang Lauinger ein besonderes Anliegen, mit jungen Menschen über die NS-Zeit zu sprechen, um sich für Demokratie und Toleranz einzusetzen. Er steht damit exemplarisch für zahlreiche Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die seit den 1970er und verstärkt seit den 1980er Jahren auf vielfältige Weise über ihre Erlebnisse in der Zeit des Nationalsozialismus berichteten und immer wieder das Gespräch, vor allem mit Schülerinnen und Schülern, suchten. Das Zeitzeugengespräch wurde zum wichtigen und probaten Mittel in der Geschichtsdidaktik, um auch jüngeren Menschen begreiflich machen zu können, was das Leben unter der NS-Diktatur für jeden Einzelnen bedeutet hatte.
Kürzlich sind zwei prominente Frankfurter Zeitzeugen in hohem Alter gestorben: die Frankfurter Ehrenbürgerin Trude Simonsohn am 6. Januar und der renommierte Jazzmusiker Emil Mangelsdorff am 21. Januar des Jahres. Schmerzlich wurde das Sterben letzter Zeitzeuginnen und Zeitzeugen für die NS-Zeit bewusst, das aus diesem Anlass auch in der Presse vielfach thematisiert und diskutiert wurde. Vielen wurde klar, dass es allmählich gilt, andere wirksame Wege zur Vermittlung der NS-Geschichte zu erschließen.
Vorerst bleibt uns die Aufgabe, an bedeutende Frankfurter Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu erinnern, die sich durch das Erzählen ihrer Lebensgeschichten aus der NS-Zeit gegen das Vergessen eingesetzt haben. Im Frankfurter Personenlexikon sind bereits einige Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit ihren „Überlebensgeschichten“ aus den Jahren von 1933 bis 1945 vertreten, wie z. B. Richard Plant und Friedrich Schafranek. Weitere entsprechende Artikel sollen folgen. Geplant sind etwa Beiträge über zwei bekannte Frankfurter Zeitzeugen der ersten Stunde, Valentin Senger („Kaiserhofstraße 12“, 1978) und Mile Braach („Wenn meine Briefe Dich erreichen könnten“, 1987), die nicht nur in ihren Büchern über ihr Leben in der NS-Zeit erzählten. Langfristig sind selbstverständlich auch Artikel über Trude Simonsohn und Emil Mangelsdorff vorgesehen.

Insgesamt liegt der Schwerpunkt in der aktuellen Artikellieferung auf dem 20. Jahrhundert, das immer wieder Stoff für neue, von der Forschung bisher kaum bearbeitete Biographien im Frankfurter Personenlexikon bietet. So erscheinen diesmal etwa Artikel über die Malerin Mathilde Battenberg, die sich seit ersten Aufträgen 1903 zu einer gefragten Porträtistin der Frankfurter Gesellschaft entwickelte, über den Messedirektor Josef Modlinger, der die Frankfurter Internationalen Messen in dem Jahrzehnt von 1919 bis 1929 wesentlich mitinitiierte und prägte, über den Fotografen Max Göllner, der in den Zwanzigerjahren die Architektur des „Neuen Frankfurt“ und in den Dreißigerjahren die Modelle des städtischen Modeamts aufnahm, sowie über den Fürsorgebeamten Abraham Sauer, der nach dem Zweiten Weltkrieg den VdK Hessen neu begründete.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen
mit besten Grüßen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. März 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Januar 2022

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

hiermit begrüße ich Sie ganz herzlich im Neuen Jahr, für das ich Ihnen alles Gute, viel Glück und besonders Gesundheit wünsche!
Mit genau 2.022 Personeneinträgen startet das Frankfurter Personenlexikon in das Jahr 2022.
Wie gewohnt gibt es auch wieder einen aktuellen Artikel des Monats, der diesmal auf ein gar nicht mehr so fernes Jubiläum vorausschaut: 100 Jahre Radio in und aus Frankfurt am 1. April 2024.

Artikel des Monats Januar 2022:
Die Stimme des Sports

Er war ein Pionier des Sports im damals brandneuen Medium Rundfunk: Paul Laven. Anlässlich einer Ruderregatta auf dem Main am 28. Juni 1925, während der wohl ersten Außenübertragung des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) in Frankfurt, soll der 22-jährige Journalist spontan zum Mikrofon gegriffen haben, um den Endkampf der Achter zu schildern. Daraus ergab sich seine feste Mitarbeit beim Frankfurter Sender. Bald reihte der junge Reporter für den SWR eine Sensation in der Sportberichterstattung an die nächste. Beliebt wurde er aber auch als Sprecher der werktäglichen Morgengymnastik, die im November 1926 im Frankfurter Rundfunk startete. Als Leiter der aktuellen Abteilung des SWR (ab 1929) zeichnete Laven zudem für eine engagierte Sozialberichterstattung verantwortlich. Insgesamt über 700 Rundfunksendungen lieferte er in der Zeit der Weimarer Republik. Aufgrund seines egozentrischen Karrierestrebens, das ihn zeitweise vor einem Arrangement mit dem Nationalsozialismus nicht hatte zurückschrecken lassen, konnte Paul Laven nach 1945 nicht wieder Fuß beim Rundfunk fassen.
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Doch nun noch einmal zurück zu unserer „magischen“ Artikelzahl, die für einen Augenblick, wie man so schön sagt, „mit dem Jahr geht“. Von 2.022 Einträgen, die Sie derzeit online im Frankfurter Personenlexikon lesen können, sind 695 komplett neu verfasste bzw. grundlegend neu bearbeitete Artikel. Dazu kommen 1.327 Artikel aus der Buchausgabe der „Frankfurter Biographie“, und zwar (fast) alle Beiträge der Buchstaben A und L bis Z. Damit ist der zweite Band der „Frankfurter Biographie“ inzwischen komplett online. Falls Sie dennoch einen einzelnen Artikel einmal nicht finden sollten, dann heißt das, dass er gerade „in Arbeit“ ist – und demnächst in vollständig geprüfter, überarbeiteter, ergänzter und aktualisierter Fassung online im Frankfurter Personenlexikon erscheinen wird.
Grundsätzlich bieten die Onlinefassungen der „Altartikel“ aus der Buchausgabe aber auch schon deutlich mehr, wenn sie noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet sind. Alle „Altartikel“ wurden vor der Veröffentlichung geprüft und enthalten erste Korrekturen, Ergänzungen und Aktualisierungen; außerdem sind sie bereits mit Angaben zu Quellen und Literatur versehen, während in der Buchausgabe ein bibliographischer Anhang zu den Artikeln gänzlich fehlt.
Ich empfehle daher allen Freundinnen und Freunden der „Frankfurter Biographie“, zuerst im Frankfurter Personenlexikon nachzuschlagen, bevor sie zu den beiden orangefarbenen Bänden greifen: Sie werden online besser bedient – und bald auch alle Einträge aus der Buchausgabe im Frankfurter Personenlexikon finden.
Denn selbstverständlich soll die Artikelzahl nicht lange „mit dem Jahr gehen“, sondern es werden schon bald wieder neue Einträge hinzukommen – neuveröffentlichte Altartikel noch im Laufe des Januars und neue Artikel dann mit der nächsten Monatslieferung im Februar.

Einstweilen beste Grüße – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Februar 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Dezember 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

Krise und Aufbruch bestimmten die Zeit vor einem Jahrhundert. Vielleicht fasziniert uns deswegen der momentan in den Medien allgegenwärtige Blick in die 1920er Jahre. Damals zog auch eine Landwirtstochter aus dem Harz nach Frankfurt, wo sie ihr Weg unversehens in eine erfolgreiche Karriere als Fotografin führte. Der Artikel des Monats erzählt ihre Geschichte.

Artikel des Monats Dezember 2021:
Das Gesicht der Werbung

Sie war eine moderne junge Frau im Neuen Frankfurt: Elisabeth Hase. Im Frühjahr 1923 kam die damals 17-Jährige in die Mainstadt, um hier eine Stelle als „Haustochter“ anzunehmen und die Haushaltsführung zu erlernen. Eine Malerin, in deren Haushalt sie arbeitete, entdeckte ihr künstlerisches Talent und regte sie zum Studium an der städtischen Kunstgewerbeschule an. Als Schülerin von Willi Baumeister wurde Hase dort zur Gebrauchsgrafikerin ausgebildet, wobei sie auch erste Erfahrungen in der Fotografie sammelte. Frühe Aufnahmen von ihr waren Architekturfotografien für die Zeitschrift „Das Neue Frankfurt“. Nach Abschluss ihres Studiums 1929 arbeitete sie zwei Jahre lang als Angestellte für den bekannten Fotografen Dr. Paul Wolff in dessen Atelier und Bildagentur, wo sie sich nebenbei das professionelle fotografische Knowhow abschauen konnte.
1932 machte sich Elisabeth Hase mit einem eigenen Atelier am Frankfurter Goetheplatz selbstständig. Sie spezialisierte sich auf die Presse- und insbesondere auf die Werbefotografie. Immer wieder diente sie sich selbst dabei als Modell. So wurde sie bald nicht nur zu einer der gefragtesten Werbefotografinnen, sondern auch zu einem der bekanntesten Werbegesichter in Deutschland.
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Ein anderer Artikel in diesem Monat stellt den Frankfurter Komponisten Anton Urspruch vor, einen Vertreter der Spätromantik, dessen Werk bald nach seinem frühen Tod – zu Unrecht – in Vergessenheit geriet. Ein Konzert zum Frankfurter Stadtjubiläum 1994 gab den Anstoß zur Wiederentdeckung. Seitdem erleben insbesondere die Kammermusik- und Chorwerke sowie die Lieder des Komponisten eine Renaissance im Konzertsaal. Erst kürzlich wurde Urspruchs fünfaktige Choroper „Die heilige Cäcilie“ im westfälischen Hattingen uraufgeführt – ein willkommener Anlass, den Artikel über den Komponisten aus der „Frankfurter Biographie“ zu überarbeiten und neu im Frankfurter Personenlexikon zu präsentieren.
Eine grundlegende Neubearbeitung eines Artikels aus der „Frankfurter Biographie“ stellt auch der Beitrag über Karl Zeiß dar, den Generalintendanten der Städtischen Bühnen von 1917 bis 1920, der für den Aufbruch zur Moderne am Theater – nicht nur in Frankfurt – steht. In seiner kurzen Amtszeit begründete und gestaltete er den „Frankfurter Expressionismus“, der das Frankfurter Schauspielhaus an die Spitze der deutschsprachigen Bühnen brachte.
Passend zu der soeben eröffneten Ausstellung über „Frankfurt und der NS“ im Historischen Museum, deren zeithistorischer Teil unter dem Titel „Eine Stadt macht mit“ steht, erscheinen die Artikel über drei weitere „Vereinsführer“ von Eintracht Frankfurt in der Zeit des Nationalsozialismus, Hans Söhngen, Adolf Metzner und Anton Gentil, die „ihren“ Verein zwischen 1933 und 1945 linientreu leiteten. Metzner war als einer der herausragenden deutschen Kurzstreckenläufer in dieser Zeit auch sportlich für die Eintracht sehr erfolgreich, u. a. als zweifacher Europameister in Turin 1934.

Nun wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass Ihnen die kommenden Feiertage etwas Licht und Wärme in diesem wiederum harten Winter bringen mögen, so dass Sie mit frischem Mut und neuer Energie in das Neue Jahr aufbrechen können.
Ich würde mich freuen, wenn es auch 2022 an dieser Stelle ein „Wiederlesen“ geben könnte.

Beste Grüße – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Januar 2022.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. November 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

als Artikel des Monats im Frankfurter Personenlexikon erscheint diesmal ein Beitrag über eine besonders prominente Persönlichkeit, die in der jüngsten Stadtgeschichte prägend und zugleich polarisierend wirkte.

Artikel des Monats November 2021:
Der Brückenbauer

Er verstand sich als „deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“: Ignatz Bubis. Trotz seiner Verfolgung und des Verlusts seiner Familie in der NS-Zeit sah der gebürtige Breslauer seine Heimat in Deutschland. Seit 1956 lebte er als Immobilienkaufmann in Frankfurt. Ab Ende der 1960er Jahre war er in den Konflikt um das Westend involviert, in dessen Verlauf er von der Hausbesetzerszene massiv als „Spekulant“ attackiert wurde. Kompromisslos kämpfte Bubis gegen den Antisemitismus, etwa gegen die geplante Uraufführung von Fassbinders Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ 1985 in Frankfurt. Als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde (seit 1978) strebte er jedoch auch nach Vermittlung, wie sie ihm in der Auseinandersetzung um die Bebauung des Börneplatzes 1987 gelang. Besonders im Amt als Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland (seit 1992) suchte der überzeugte Demokrat den Dialog. Seine Vision war ein normales Zusammenleben aller Menschen, gleich welcher Religion und Nationalität, in Deutschland. In diesem Sinne trat er auch für Einwanderer und Flüchtlinge ein. Ignatz Bubis starb 72-jährig 1999. Im Jahr nach seinem Tod wurden das von ihm mitinitiierte Jüdische Gemeindezentrum und eine Mainbrücke in Frankfurt nach ihm benannt.
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Weitere neue Artikel in diesem Monat informieren etwa über die Familie Städel, eine im 17. Jahrhundert aus Straßburg nach Frankfurt gekommene „Dynastie“ von Spezerei- und Materialwarenhändlern, aus der auch der Stifter des Städelschen Kunstinstituts stammte, und über den Neurologen Kurt Goldstein, Leiter eines im Ersten Weltkrieg aus einem Lazarett hervorgegangenen Hirnverletztenheims und später auch des Neurologischen Instituts in Frankfurt, der die moderne klinische Neuropsychologie mitbegründete.

Beste Grüße und Wünsche – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Dezember 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Oktober 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

vor 100 Jahren, im Oktober 1921, wurde das Schopenhauer-Archiv in Frankfurt eröffnet. Heute beim Archivzentrum der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg angesiedelt, bewahrt es die wohl bedeutendste Sammlung zu Leben und Werk des Philosophen Arthur Schopenhauer, der fast 30 Jahre seines Lebens in Frankfurt verbrachte. Der diesmalige Artikel des Monats stellt den fast vergessenen Schöpfer der international renommierten Sammlungs- und Forschungsstätte vor.

Artikel des Monats Oktober 2021:
Schopenhauers Archivar

Er baute das Schopenhauer-Archiv in Frankfurt auf: Carl Gebhardt. Nach dem Studium in Heidelberg und Berlin ließ sich der Sohn eines Frankfurter Schuhmachermeisters aus der Alten Gasse 1905 als Privatgelehrter und Kunstkritiker in seiner Heimatstadt nieder. Als Spinozaforscher erwarb er sich einen internationalen Ruf. Daneben entfaltete er eine ausgedehnte publizistische und volksbildnerische Tätigkeit. Seit 1920 geschäftsführender Vorstand des Rhein-Mainischen Verbands für Volksbildung, begründete er noch im selben Jahr dessen Verbandsbühne als „Frankfurter Künstlertheater für Rhein und Main“ wieder. Bei der Zusammenlegung der Schopenhauer-Sammlungen der Frankfurter Stadtbibliothek und der Schopenhauer-Gesellschaft zum Schopenhauer-Archiv in Frankfurt 1921 wurde Gebhardt, selbst Gründungsmitglied der Gesellschaft, zum Archivar gewählt. Bis zu seinem frühen Tod 1934 ordnete und mehrte er systematisch die Bestände – etwa um Autographen, Porträts und Bücher, aber auch um das legendäre Sofa des Philosophen.
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Gebhardts Nachfolger als Leiter des Schopenhauer-Archivs und zugleich Präsident der Schopenhauer-Gesellschaft wurde 1936 Arthur Hübscher. In seiner langen Amtszeit (bis 1982) sorgte er dafür, dass Frankfurt das Image als „Schopenhauerstadt“ genoss und pflegte. Das trug Hübscher in der Nachkriegszeit vielfältige Anerkennung und auch einen Artikel in der „Frankfurter Biographie“ ein. Inzwischen ist Hübscher jedoch aufgrund neuerer Forschungen deutlich kritischer zu sehen. Seit 1937 Mitglied der NSDAP, veranlasste er bei der Schopenhauer-Gesellschaft unverzüglich das Ausscheiden der jüdischen Mitglieder aus dem Vorstand, was er nach dem Zweiten Weltkrieg stets verschwieg. In seinem Spruchkammerverfahren wusste er seine Haltung in der NS-Zeit so zu stilisieren, dass man ihm sogar eine widerständige Einstellung attestierte. Im Frankfurter Personenlexikon ist jetzt ein grundlegend neu bearbeiteter Artikel über Arthur Hübscher zu lesen, der auch die Schattenseiten seiner Persönlichkeit nicht ausspart.
Auch Carl Gebhardt, seinem Amtsvorgänger als Archivar bei der Schopenhauer-Gesellschaft, hat Hübscher übel mitgespielt. Seine posthume Schmähung von Gebhardts wissenschaftlicher Leistung dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass der eigentliche Schöpfer des Schopenhauer-Archivs fast in Vergessenheit geriet, was durchaus in Hübschers nicht ganz uneigennütziger Absicht gelegen haben dürfte. Im Jubiläumsjahr besinnen sich nun Schopenhauer-Gesellschaft und -Archiv wieder auf ihren Gründungsarchivar Carl Gebhardt, dem sie einen Aufsatz in ihrem Jahrbuch und eine digitale Ausstellung widmen.

Eine weitere Artikelneuheit in diesem Monat befasst sich mit Henriette Zobel, der Revolutionärin mit dem Regenschirm aus dem Paulskirchenjahr 1848, deren ganze Geschichte sich ab sofort im Frankfurter Personenlexikon nachlesen lässt.
Mit einem grundlegend überarbeiteten und einem ganz neuen Artikel präsentieren sich die beiden Mediziner Georg Kratzenstein und Rudolf Schild. Kratzenstein gründete 1898 das wahrscheinlich erste Röntgen-Laboratorium eines niedergelassenen Arztes in Frankfurt. Es wurde später von Schild zusammen mit dem Kollegen Bernhard Bär übernommen. Kratzenstein und Schild gehörten damit zu den Pionieren auf dem Gebiet der Röntgendiagnostik und -therapie in Frankfurt.

Ich würde mich freuen, wenn auch Sie in diesem Monat wieder den einen oder anderen Artikel im Frankfurter Personenlexikon finden könnten, der Sie anspricht und interessiert.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen
mit den allerbesten Herbstgrüßen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. November 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. September 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Nachwelt flicht der Mimin keine Kränze. Doch in der Theatergeschichtsschreibung findet die Schauspielerin ihren Platz. An einen Frankfurter Bühnenstar der 1920er Jahre erinnert der neue Artikel des Monats im Frankfurter Personenlexikon.

Artikel des Monats September 2021:
Die Frankfurter Garbo

Sie hatte in Frankfurt ihre Glanzzeit: Kundry Siewert. Die gebürtige Berlinerin, deren Mutter aus der Mainstadt stammte, verbrachte ihre Kindheit in Frankfurt und ihre Jugend in Königsberg. Dort kam sie über ihren Stiefvater, einen Opernsänger, zur Bühne. Nach einer Zwischenstation in Leipzig wurde die noch nicht 20-Jährige 1924 von Richard Weichert an das Frankfurter Schauspielhaus verpflichtet. Sie debütierte hier als Julia, wechselte jedoch bald ins Fach der munteren Liebhaberin und jugendlichen Salondame. Als „kapriziöses Talent“ wirkte sie künftig vor allem in Komödien, Schwänken und Singspielen mit, und auch in Mundartrollen der Frankfurter Lokalpossen, etwa als Lorchen in Stoltzes „Alt-Frankfurt“, eroberte sie die Herzen des Publikums.
Stadtbekannt war die junge Diva spätestens, seit sie bei der Probe zu der Wohltätigkeitsgala „Zirkus Wanebach“ 1927 in den Löwenkäfig gestiegen sein und vor den Augen von elf Berberlöwen mit einem ehrwürdigen Stadtrechtsrat Black Bottom getanzt haben soll. Nicht nur auf der Bühne setzte Kundry Siewert Akzente. Ein Rollenporträt zeigt sie ganz im Stil des damals aufstrebenden Hollywoodstars Greta Garbo: mit blondem Bubikopf und schickem Glockenhut – als modisches Vorbild für die Frankfurter und die übrige Damenwelt. Das von den Schwestern Nini und Carry Hess aufgenommene Foto erschien im November 1927 ganzseitig in dem Berliner Monatsmagazin „Uhu“. Auch im neuen Medium Radio, im Programm des Frankfurter Senders, war die Schauspielerin damals oft zu hören. Nach zehn Jahren im Ensemble der Städtischen Bühnen verabschiedete sich Kundry Siewert im Sommer 1934 fast unbemerkt von der Frankfurter Bühne. Sie folgte ihrem Mann, dem Autor und vormaligen Frankfurter Rundfunkmitarbeiter Franz Wallner-Basté, nach Berlin, wo sie jedoch nicht an ihre Frankfurter Erfolge anknüpfen konnte.
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Wieder gibt es noch viele weitere interessante Neuheiten in diesem Monat. So setzen wir nach längerer Pause die Reihe der Frankfurter Kapellmeister des 17. Jahrhunderts fort, mit einem Artikel über den Kantor Lorenz Erhard, der von dem städtischen Musikdirektor Johann Andreas Herbst 1624 u. a. zur Leitung der Kirchenmusik an St. Katharinen nach Frankfurt berufen wurde.
Ein musikalisches Paar, das im ausgehenden 19. Jahrhundert in Frankfurt lebte und arbeitete, waren Marie Fillunger und Eugenie Schumann. Die Sängerin und die Pianistin wohnten eine Zeitlang zusammen im Hause von Eugenies Mutter, der berühmten Pianistin und Klavierpädagogin Clara Schumann, in der Myliusstraße 32 im Westend. Nach Auseinandersetzungen mit Eugenies Schwester verließ Marie Fillunger 1889 die Stadt und ging nach London, wohin Eugenie Schumann ihr drei Jahre später folgte, um für immer mit ihr zusammenzubleiben.
In der Reihe bedeutender Frankfurter Fotografen erscheint diesmal ein Artikel über Gottfried Vömel, einen Amateurfotografen, der über 40 Jahre lang, etwa von 1900 bis zum Zweiten Weltkrieg, das Stadtbild systematisch dokumentierte. Aber auch viele städtische Ereignisse – von der Internationalen Luftschiffahrt-Ausstellung 1909 bis zur Eröffnung der Römerbergfestspiele 1932 – hielt er im Bild fest. Sein umfangreiches Plattenarchiv befindet sich seit 1975 im Besitz des Stadtarchivs, des heutigen Instituts für Stadtgeschichte.
In den vergangenen Jahren haben viele Spitzensportvereine begonnen, ihre Geschichte in der NS-Zeit aufzuarbeiten, so auch die Sportgemeinde Eintracht, seit 1928 der größte Fußballverein der Stadt. Kürzlich erschien eine Untersuchung des Fritz Bauer Instituts über die Laufbahn von vier Funktionären der Eintracht im Nationalsozialismus. Maximilian Aigner, der Verfasser dieser Studie, stellt zwei der Biographien nun auch im Frankfurter Personenlexikon vor: Egon Graf von Beroldingen verantwortete als Erster Vorsitzender von Eintracht Frankfurt 1933 die schnelle „Selbstgleichschaltung“ des Vereins unter Anpassung an das nationalsozialistische System, und Rudolf Gramlich, erfolgreicher Fußballspieler der Eintracht, begann mit dem Eintritt in die SS 1937 und dem Abschluss seiner aktiven Zeit 1938 eine Karriere als Sportfunktionär bei dem Verein. Infolge der kritischen Auseinandersetzung mit seiner Laufbahn in der genannten Studie erkannte Eintracht Frankfurt im Januar 2020 Rudolf Gramlich posthum den Titel des Ehrenpräsidenten ab.
Eine Frankfurter Biographie der jüngsten Vergangenheit erzählt der Artikel über den Kurator Christoph Vitali, der als Geschäftsführer der Kulturgesellschaft Frankfurt in den 1980er Jahren u. a. das Theater am Turm (TAT), die Kunsthalle Schirn und das Kulturzentrum Mousonturm leitete. Als Gründungsdirektor der 1986 eröffneten Kunsthalle Schirn gelang es ihm innerhalb kürzester Zeit, das neue Ausstellungshaus für moderne Kunst mit einem hervorragenden Programm zu etablieren und international zu positionieren.

Schließlich sei noch ein Hinweis auf einen wichtigen unter den vielen Gedenktagen in diesem Jahr erlaubt. Am 16. September 2021 wäre der Literaturkritiker, Verlagslektor und Übersetzer Walter Boehlich 100 Jahre alt geworden. Der Artikel über ihn, einen der bedeutendsten kritischen Intellektuellen der Bundesrepublik seit den Fünfzigerjahren, ist bereits vor einigen Monaten und somit rechtzeitig zu dem jetzigen Jubiläum im Frankfurter Personenlexikon erschienen.

Dem Auftrag, nicht nur aus aktuellem Anlass geprüfte und fundierte Informationen zur Verfügung zu stellen, ist das Frankfurter Personenlexikon verpflichtet. Alle Artikel über Frankfurter Biographien, die Sie hier finden, sind auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeitet – was nicht heißt, dass sie „trocken“ und langweilig daherkommen. Die Beiträge lassen sich gut und oft sogar unterhaltsam lesen, und es würde mich freuen, wenn Sie auch in diesem Monat wieder eine spannende und gewinnbringende Zeit mit der Lektüre im Frankfurter Personenlexikon verbringen könnten.

Einen guten Start in den Herbst wünscht
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Oktober 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. August 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

auch in diesem Jahr macht das Frankfurter Personenlexikon keine Sommerpause. Wie immer können Sie beim Lesen im FP – frei nach dem Wort von Jean Paul – „wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne“. Der diesmalige Artikel des Monats lädt zu einer Reise in die Frühzeit der Fotografie in Frankfurt ein.

Artikel des Monats August 2021:
Pionier der Papierfotografie

Er eröffnete eines der ersten Fotoateliers in Frankfurt: Sigismund Gerothwohl. Der am Städel ausgebildete Maler hatte die damals noch brandneue Technik der Fotografie von einem durchreisenden Wanderfotografen gelernt, dessen Geschäftslokal und Apparate er übernahm. In einer Anzeige im Frankfurter Intelligenz-Blatt vom 3. Januar 1843 bot Gerothwohl erstmals seine Künste als Porträtfotograf an. Vor ihm hatte nur einer gewagt, ein Atelier als hauptberuflicher Fotograf in der Stadt zu gründen. Der Konkurrent gab bald auf. Gerothwohl dagegen hielt Schritt mit der rasanten technischen Weiterentwicklung der Fotografie. Bereits im Januar 1845 führte er das Verfahren der Papierfotografie in Frankfurt ein. Gegenüber der bisher üblichen Daguerreotypie, bei der Unikate auf versilberten Kupferplatten entstanden, die nicht vervielfältigt werden konnten, hatte das Papierverfahren den Vorteil, dass von einer Aufnahme mehrere Abzüge hergestellt werden konnten. Im April 1845 zeigte Gerothwohl einige Probebilder seiner Papierfotografien („Kalotypien“) im Städelschen Kunstinstitut. Es war dies die erste Fotoausstellung einem Kunstmuseum in Deutschland und wahrscheinlich sogar in der Welt.
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In die Reihe der Fotografen im Frankfurter Personenlexikon passt auch der Artikel über Konrad Helbig, der sich seit den 1950er Jahren einen Namen als Reisefotograf machte und erst posthum als herausragender Aktfotograf entdeckt wurde. Obzwar Gerothwohl und Helbig etwas mehr als ein Jahrhundert trennt, gleichen sich ihre Biographien in der Rastlosigkeit, die die beiden Fotografen schließlich von Frankfurt aus durch Europa und die Welt ziehen ließ.

Beim Springen über die Jahrhunderte landen wir am 2. Januar 1748, als die Brüder Johann Philipp und Simon Moritz Bethmann ihr Bankhaus in Frankfurt gründeten, das sich bald an führender Stelle am hiesigen Handels- und Finanzplatz etablierte und europaweit agierte. Simon Moritz Bethmann, den jüngeren und unbekannteren der beiden Brüder (der nicht mit seinem berühmten gleichnamigen Neffen und Patensohn zu verwechseln ist), stellt ein neuer Artikel im Frankfurter Personenlexikon vor. Der Bankier unterstützte als heimlicher Wohltäter u. a. den Bau des Senckenbergischen Bürgerhospitals, der nach Senckenbergs Tod 1772 ins Stocken geraten war – und ohne Bethmann vielleicht sogar ganz steckengeblieben wäre.

Bethmanns Nichte Susanna Elisabeth Bethmann-Hollweg engagierte sich später, u. a. im Vorstand des Frankfurter Frauenvereins, für die Verbesserung der sozialen Verhältnisse in den Frankfurter Dörfern und gründete 1828 eine Kleinkinderschule für drei- bis siebenjährige Mädchen in Oberrad. Sie ist eine von sechs starken Frankfurterinnen, die mit einem neuen Artikel in dieser Lieferung vertreten sind. Auch die anderen fünf Frauen möchte ich Ihnen in chronologischer Reihenfolge nach Geburtsjahren kurz vorstellen.
Die gebürtige Münchnerin Elisabeth H. Winterhalter eröffnete 1891 als eine der ersten Ärztinnen ihre Praxis in Frankfurt. Da Frauen damals in Deutschland noch nicht die Universität beziehen durften, hatte sie nur in der Schweiz studieren können. Weil ihre Abschlüsse in Deutschland jedoch nicht anerkannt wurden, musste sie lange – trotz hervorragender ärztlicher Leistungen – gegen den Ruf als „Kurpfuscherin“ kämpfen. Im Alter von 47 Jahren holte sie 1904 ihr deutsches Staatsexamen in Heidelberg nach, als eine der beiden ersten Medizinerinnen nach der Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium in Baden. Auch aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen engagierte sich Winterhalter besonders für Frauenbildung und -studium. So gehörte sie zu den Initiatorinnen von Frankfurts erstem Mädchengymnasium, das im April 1901 seine (privaten) „Kurse“ begann.
Winterhalters Lebenspartnerin war die aus der Schweiz kommende Malerin Ottilie W. Roederstein, die ihre künstlerische Ausbildung ebenfalls gegen allerhand Widerstände hatte durchsetzen müssen. In Frankfurt, wo die beiden Frauen ab 1891 ihr gemeinsames Leben aufbauten, etablierte sich Roederstein schnell mit ihrem Atelier. Sie wurde zur gesuchten Porträtistin der Frankfurter Stadtgesellschaft. Im Laufe ihres Lebens soll sie etwa 800 Porträts gemalt haben, davon rund 80 Selbstbildnisse. Auch als Lehrerin war die Künstlerin beliebt. Zu ihren Schülerinnen zählten etwa Lina von Schauroth, Mathilde Battenberg und Hanna Bekker vom Rath.
Die aus einer alteingesessenen jüdischen Familie stammende Hedwig Kracauer, geb. Oppenheimer, leitete mit ihrem Mann, dem Lehrer und Historiker Isidor Kracauer, über 30 Jahre lang – von 1885 bis 1917 – die „Julius und Amalie Flersheim’sche Stiftung“, ein Kinderheim zur Erziehung jüdischer Knaben aus bedürftigen Familien, Waisen und Halbwaisen. Nach dem Tod ihres Mannes schloss Hedwig Kracauer dessen grundlegendes Werk zur „Geschichte der Juden in Frankfurt“ ab und brachte es zum Druck. Gelegentlich veröffentlichte sie auch eigene historische Artikel, u. a. in der Frankfurter Zeitung, zu deren wichtigen Mitarbeitern ihr Neffe Siegfried Kracauer gehörte.
Auch die hochbegabte Literaturwissenschaftlerin Hanna Hellmann, obwohl rund 20 Jahre jünger als Winterhalter und Roederstein, hatte noch mit der Bildungsbenachteiligung von Frauen beim Universitätsstudium zu kämpfen. In ihrer in Zürich eingereichten Dissertation beschäftigte sie sich als erste mit Kleists bis dahin wenig beachtetem Text „Über das Marionettentheater“ (1908), womit sie große Resonanz fand. Bald nach ihrer Promotion zog sie nach Frankfurt, wo sie das Leben einer modernen, unverheirateten Intellektuellen führte.
Die Frankfurterin Madlen Lorei startete ganz ohne Studium im Alter von 17 Jahren 1936 in eine Karriere als Schriftstellerin in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie in ihre Geburtsstadt zurück, wo sie als Journalistin bei der im Frühjahr 1946 gegründeten Frankfurter Neuen Presse zu arbeiten begann; später schrieb sie auch für die Frankfurter Nachtausgabe. Ihr Metier fand sie als Polizei- und Gerichtsreporterin, damals eigentlich eine Männerdomäne, in der sie sich couragiert behauptete – auch aufgrund ihrer exzellenten Recherchen. In drei Fällen soll sie schon vor der Polizei gewusst haben, wer der Mörder war. Zusammen mit Richard Kirn veröffentlichte Lorei außerdem die bekannten Bücher „Frankfurt und die drei wilden Jahre“ (1962) und „Frankfurt und die Goldenen Zwanziger Jahre“ (1966).

Nicht zuletzt sieht es das Frankfurter Personenlexikon als eine Verpflichtung an, an die Frankfurterinnen und Frankfurter zu erinnern, die in der NS-Zeit aus rassischen, politischen, weltanschaulichen oder anderen Gründen diskriminiert und verfolgt wurden. Durch die Aufnahme mit einem Artikel in das Frankfurter Personenlexikon wird ihnen ihr gebührender Platz in der historischen Stadtgesellschaft wiedergegeben. In dieser Lieferung berichten drei Artikel über Personen, die von den Nationalsozialisten 1942/43 deportiert und in Konzentrationslagern ermordet wurden: die Literaturwissenschaftlerin Hanna Hellmann und die Publizistin Hedwig Kracauer, die bereits oben vorgestellt wurden, und den Pädagogen Otto Driesen, der von 1921 bis 1937 das Philanthropin in Frankfurt leitete.
Zu den Verfolgten des nationalsozialistischen Terrorregimes gehörte auch der Richter Franz Calvelli-Adorno, der die NS-Zeit, zuletzt auf ständiger Flucht vor der Gestapo, überlebte und nach dem Zweiten Weltkrieg zum Senatspräsidenten am Oberlandesgericht in Frankfurt aufstieg. In diesem Amt prägte er die Rechtsprechung zur Wiedergutmachung in Rückerstattungs- und Entschädigungsverfahren; so war maßgeblich dafür verantwortlich, dass Sinti und Roma als rassisch Verfolgte anerkannt wurden. Franz Calvelli-Adorno war übrigens ein Cousin des berühmten Philosophen Theodor W. Adorno.

Beim Blick in die Vergangenheit zeigen sich manchmal erst das Glück und der Wert der Freiheit, die wir genießen.

Beste Sommergrüße
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. September 2021.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juli 2021

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Reihe der Gedenktage reißt in diesem merkwürdigen Sommer nicht ab. Vor 100 Jahren wurde Arthur Schoenflies zum Rektor der damals noch jungen Frankfurter Universität gewählt. Er war reichsweit nicht nur der erste Mathematiker, sondern auch der erste Jude in dieser Position. Der Artikel des Monats erinnert an den bedeutenden Wissenschaftler und Mitbegründer der Universität.

Artikel des Monats Juli 2021:
Kristalline und universitäre Strukturen

Er baute die Naturwissenschaftliche Fakultät der neuen Frankfurter Universität auf: Arthur Schoenflies. Als der 58-jährige Mathematiker 1911 als Professor an die Akademie der Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt kam, hatte er schon einen Namen. Er hatte die nach ihm benannte „Schoenflies-Symbolik“ entwickelt, die zur Beschreibung von Kristallstrukturen jahrzehntelang international verwendet wurde und in der physikalischen Spektroskopie noch in Gebrauch ist. Beim Übergang der Frankfurter Akademie zur Universität übernahm Schoenflies die Aufgabe, eine selbstständige Naturwissenschaftliche Fakultät – die erste an einer deutschen Universität überhaupt – einzurichten. Auf den Lehrstuhl für Theoretische Physik etwa holte er Max von Laue, der im Eröffnungsjahr der Frankfurter Universität 1914 den Nobelpreis erhielt. Seine eigene Karriere schloss Schoenflies mit dem Rektorat ab, das er 1921/22 an der Frankfurter Universität innehatte. Aus Altersgründen als Ordinarius emeritiert, ging er mit Ablauf des Wintersemesters 1922 endgültig in den Ruhestand. Als sein Großneffe sich in Frankfurt habilitieren wollte, nahm er ihn als Gast auf: Im Sommersemester 1923 wohnte Walter Benjamin im Haus Schoenflies im Frankfurter Dichterviertel.
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Ein anderer „Jubiläumsartikel“ erscheint zum 100. Geburtstag der Schauspielerin, Sängerin und Kunstpfeiferin Ilse Werner am 11. Juli 2021. Zu ihren Frankfurter Jugendjahren wurden für den Beitrag grundlegende Quellen ausfindig gemacht und ausgewertet, u. a. die Heiratsurkunde der Eltern aus dem Standesregister von Offenbach und die Einträge zu ihrem Vater in den Frankfurter Adressbüchern, die inzwischen online einsehbar sind, aber vor allem auch die Schülerinnenakte von Ilse Still (so der bürgerliche Name von Ilse Werner) im Archiv der Frankfurter Schillerschule. Zum Idol der jungen Ilse wurde, wie sie selbst in ihren Memoiren schreibt, der Schauspieler Joachim Gottschalk, den sie 1934 als Melchtal in „Wilhelm Tell“ im Frankfurter Schauspielhaus erlebte.
Ob Ilse Werner irgendwann einmal auch Lea Manti auf der Bühne sah, ließ sich leider nicht belegen. Über Lea Manti, die schon lange vor Ilses Frankfurter Schulzeit zu einem Weltstar des Varietés aufgestiegen und zwischen 1916 und 1926 häufig auch in Frankfurt aufgetreten war, ist im vergangenen Monat ein Artikel im Frankfurter Personenlexikon erschienen. Sie war Kunstpfeiferin, und ihre Karriere ging allmählich zu Ende, als Ilse Werner im selben Metier begann. Während von Lea Manti keine Ton- und Filmaufnahmen bekannt sind, kann man Ilse Werner noch pfeifen hören, etwa in ihrem frühen Erfolgsfilm „Wir machen Musik“ von 1942. Darin tritt die pfeifende Ilse Werner im Frack auf – wie einst Lea Manti, die in dieser Bühnengarderobe etwa auf den Fotos zu ihrem Artikel im FP zu bewundern ist.

Auch das Frankfurter Personenlexikon feiert in diesem Monat ein kleines Jubiläum: Vor sieben Jahren erschien die erste Lieferung online, damals mit 30 Artikeln. Heute sind 650 Artikel, die neu für das FP verfasst wurden, sowie fast 950 weitere Beiträge, die in vorläufig aktualisierter und ergänzter Fassung aus dem Bestand der Buchausgabe „Frankfurter Biographie“ übernommen wurden, veröffentlicht. Damit bietet das Frankfurter Personenlexikon seinen Leserinnen und Lesern inzwischen fundierte Informationen zu rund 1.600 Frankfurter Biographien im Internet.

So gehen wir motiviert ins nächste Jahr dieses lohnenden Projekts, um Ihnen weiterhin Monat für Monat online Neues aus der Frankfurter Geschichte zu präsentieren.

Mit den besten Wünschen für den Sommer
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. August 2021.

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Ein Projekt der Frankfurter Bürgerstiftung

Förderer: Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Stiftung Niederländische Gemeinde Augsburger Confession

Kooperationspartner: Frankfurter Historische Kommission
Projektleitung: Sabine Hock
Herausgeber: Clemens Greve, Sabine Hock
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Gestaltung: Anja Müller-Ries

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