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Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Oktober 2024

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

das Leben malt nicht nur in Schwarz und Weiß. Vom strahlend hellen Lichtweiß bis zur abgrundtiefsten Schwärze hat es viele Zwischentöne, manchmal auch diffuse Grauzonen. Und farbig kann es sein, uni oder bunt, mal in Grell oder Pastell. Gerade darum sind Biographien so vielschichtig, immer spannend und nie langweilig, aber oft nicht leicht zu fassen und mitunter nicht eindeutig in das Spektrum einzuordnen. Das zeigt sich auch am aktuellen Artikel des Monats, der eine Frankfurter Künstlerin und bedeutende Vertreterin des expressiven Realismus rechtzeitig zu ihrem 50. Todestag am 5. Dezember neu vorstellt.

Artikel des Monats Oktober 2024:
Expressive Künstlerin aus einer vergessenen Generation

Sie malte lange im Verborgenen und geriet später in Vergessenheit: Maria von Heider-Schweinitz. Nach einer ersten künstlerischen Ausbildung und Anfängen als Malerin in Berlin heiratete die junge adelige Offizierstochter getreu den familiären Konventionen 1915 den Berufsoffizier Karl von Heider und bekam drei Kinder. Am Ende des Ersten Weltkriegs zog sie mit ihrem Mann nach Frankfurt, wo Karl von Heider 1921 eine Position als Kaufmann bei der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron annahm. Erst in den späten 1920er Jahren, als die Kinder wohl schon ins Internat gegeben worden waren, widmete sich Maria von Heider-Schweinitz wieder der Kunst. Sie nahm Unterricht bei dem Bildhauer Richard Scheibe an der städtischen Kunstgewerbeschule und mietete ab Mai 1933 ein Atelier als Bildhauerin am Städel. Plastische Arbeiten von ihr sind jedoch nicht bekannt.
Stattdessen hatte Maria von Heider-Schweinitz bereits 1932 wieder zu malen begonnen, wohl unter dem Eindruck der Bekanntschaft mit dem expressionistischen Maler Karl Schmidt-Rottluff, dem sie zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb. Aus dem Jahr 1934 sind die ersten Ölgemälde von ihr im expressiven Stil überliefert. Damit entschied sich die Malerin zu einem Zeitpunkt für den Expressionismus, als diese Stilrichtung unter dem NS-Regime offiziell in Misskredit geriet. Während einige Künstler aus ihrem Bekanntenkreis – wie Georg Heck, Gerhard Marcks und Ernst Wilhelm Nay – verfemt waren, weil ihre Werke den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ galten, arrangierten sich andere – etwa Josef Hartwig, Richard Scheibe und Toni Stadler – in gewissem Maße mit dem System. Der Ehemann Karl von Heider stieg 1934 zum Direktor der Verkaufsgemeinschaft Chemikalien der IG Farben auf und trat 1937 in die NSDAP ein. In der Familie wurde es offenbar für selbstverständlich gehalten, dass sowohl Karl von Heider als auch seine beiden Söhne und der Schwiegersohn in den Zweiten Weltkrieg zogen und an der Front kämpften. Der Schwiegersohn fiel am zweiten Kriegstag, und beide Söhne erlitten schwere Kriegsverletzungen, deren Folgen sie später erlagen. Die Künstlerin malte in ihrem Atelier im Städel, mindestens bis März 1942, vermutlich bis zur Zerstörung des Hauses bei einem Luftangriff im November 1943.
Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg bemühte sich Maria von Heider-Schweinitz darum, ihr Werk endlich öffentlich zeigen zu können. Bereits im Januar 1946 glückte ihr die erste Teilnahme an einer Ausstellung, und im Juli 1949 hatte sie im Frankfurter Kunstkabinett bei Hanna Bekker vom Rath ihre erste Einzelausstellung. Die Kritiken waren zwar überaus positiv, aber die Avantgarde in den Nachkriegsjahren hielt den malerischen Expressionismus für überholt, weshalb er bei den Galerien nicht sonderlich gefragt war. Das Werk von Maria von Heider-Schweinitz – meist Ölgemälde von sinnlicher Expressivität, darunter viele und besonders eindrucksvolle Frauen- und Selbstporträts – geriet wieder in Vergessenheit und fand zu Lebzeiten der Künstlerin kaum öffentliche Anerkennung. Für sich selbst sei sie nicht ehrgeizig, schrieb Maria von Heider-Schweinitz 1970 an ihren Freund Karl Schmidt-Rottluff, um fortzufahren: „Den Bildern aber wünsche ich Gerechtigkeit, sei es auch nach meinem Tode.“
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An eine vergessene Frankfurter Künstlerin aus früheren Zeiten erinnert der Artikel über Dorothea Chandelle, Tochter und Schülerin des Thurn und Taxis’schen Oberpostamtssekretärs und Pastellmalers Andreas Joseph Chandelle (der seit der Julilieferung in diesem Jahr ebenfalls mit einem Artikel im Frankfurter Personenlexikon vertreten ist). Vater und Tochter werden von der Kunstwissenschaft zu den hervorragendsten Frankfurter Pastellmalern gezählt. Ihr frühestes bekanntes Werk schuf Dorothea 1793 im Alter von neun Jahren. Um die Wende zum 19. Jahrhundert entwickelte die junge Frau eine professionelle künstlerische Tätigkeit, übernahm Aufträge für Porträts und Heiligenbilder. Davon zeugt das „Bildnis einer jungen Frau“ (1801), das aus dem Nachlass von Adolph von Holzhausen 1923 an das Städel Museum gelangte. Die künstlerische Produktion von Dorothea Chandelle erlitt einen Einbruch, als sie als unverheiratete Tochter die Pflege der alten und kranken Eltern übernehmen musste. Nach dem Tod von Vater (1820) und Mutter (1832) war Dorothea Chandelle gesundheitlich so angegriffen, dass sie als Malerin ihren Lebensunterhalt nicht mehr selbst verdienen konnte. Sie erblindete fast völlig und blieb bis zu ihrem Tod 1866 auf die Unterstützung des Hauses Thurn und Taxis angewiesen. Ihr letztes Werk war 1844 ein Porträt des (mit ihr verwandten) Stadtgärtners Sebastian Rinz, das sich aus Familienbesitz seit 1903 im Historischen Museum befindet.

Die Frankfurter Biographie eines der größten alten Meister stellt der Artikel über Matthias Grünewald dar, der mit dieser Lieferung in grundlegend überarbeiteter Neufassung auf dem aktuellsten Stand der Forschung im Frankfurter Personenlexikon erscheint. Kürzlich wurde im FP schon mit der veralteten Auffassung aufgeräumt, dass die Maler Matthias Grünewald und Matthis Grün identisch seien, und Grün bekam seinen eigenen Eintrag. Diesmal steht nun Matthias Grünewald selbst im Mittelpunkt, auch wenn er im echten Leben gar nicht so hieß, sondern Mathis Nithart oder Gothart, und von den Zeitgenossen meist Mathis von Aschaffenburg genannt wurde. Obwohl Grünewalds Bezüge zu Frankfurt vielfältig sind, wird im Stadtgedächtnis nicht an ihn erinnert. Noch nicht einmal eine Straße ist nach ihm benannt. Immerhin hängen als Dauerleihgabe des Historischen Museums im Städel die beiden Standflügel mit den Darstellungen des heiligen Laurentius und des heiligen Cyriakus, die Grünewald um 1509/10 für den berühmten Heller-Altar schuf. Die beiden Werke zeigen eindrücklich, dass meisterliche Arbeiten in Grisailletechnik auch mehr als nur Schwarz-Weiß-Malerei sind.

Einer, der nicht in die üblichen Farbschemata oder, wenn Sie es so lieber wollen, Schubladen des Denkens passte, war der Fabrikant Oskar Schindler. Während des Zweiten Weltkriegs rettete er, obwohl NSDAP-Mitglied, unter dem Einsatz seines Lebens und seines Vermögens etwa 1.200 Juden vor dem Vernichtungslager. Später, ab 1957, lebte Schindler eher zurückgezogen in Frankfurt. Weltberühmt wurde er posthum durch den amerikanischen Spielfilm „Schindlers Liste“, dessen deutsche Erstaufführung in Anwesenheit des Regisseurs Steven Spielberg vor etwas mehr als 30 Jahren – am 1. März 1994 – in Frankfurt stattfand. Heute erinnert in Frankfurt u. a. eine Gedenktafel an seinem letzten Wohnhaus Am Hauptbahnhof 4 an Oskar Schindler. Sein 50. Todestag am gestrigen 9. Oktober mag ein aktueller Anlass sein, um seine aus der Buchausgabe übernommene Frankfurter Biographie im FP wieder zu lesen.

Wenn etwas Schwarz auf Weiß im Frankfurter Personenlexikon steht, hat es den Vorteil, dass es sich um nach bestem Wissen und Gewissen geprüfte Informationen handelt. Deren reflektierte Einordnung auf der breiten Palette in den Farben des Lebens – um in dem Bild vom Anfang zu bleiben – ist trotzdem für Schreibende wie Lesende nicht immer ganz leicht. Wer aber auch im Alltag an die Unendlichkeit der Farben glauben will, hat immerhin zum Trost, selbst im grauesten Grau des Herbstes vielleicht noch neue Facetten entdecken zu können.

Einen reichen Herbst voller schöner Farben wünscht Ihnen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. November 2024.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. September 2024

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Ferien sind vorbei, der Urlaub ist zur Erinnerung geworden, die Kinder gehen wieder zur Schule, die Zeitungen füllen sich mit Nachrichten, die Theater beginnen die Spielzeit – und plötzlich ist der Herbst da. Wie zu jeder Jahreszeit bietet das Frankfurter Personenlexikon auch jetzt wieder einen neuen Artikel des Monats, der diesmal unter dem Vorzeichen eines der berühmtesten Frankfurter Namen steht.

Artikel des Monats September 2024:
Getreu in der Tradition der Familie Rothschild

Er trat die Nachfolge der Familie Rothschild in Frankfurt an: Maximilian von Goldschmidt-Rothschild. Der wohlhabende Bankier, der aus der alteingesessenen und weitverzweigten jüdischen Frankfurter Familie Goldschmidt stammte, hatte in den 1860er Jahren im väterlichen Bankhaus „B. H. Goldschmidt“ begonnen, das er später zusammen mit seinem Bruder leitete.
Als sich Max Goldschmidt, wie er damals noch hieß, und Minka von Rothschild ineinander verliebten, wollte Minkas Vater Wilhelm Carl von Rothschild jedoch einer Heirat zunächst nicht zustimmen, denn Rothschild lebte orthodox jüdisch, während Goldschmidt religiös indifferent erzogen worden war. Um seine Tochter nicht zu verlieren, lenkte Rothschild schließlich ein. Das Paar heiratete 1878 und bekam drei Söhne und zwei Töchter. Die Familie wohnte im Rothschildpalais in der Bockenheimer Landstraße 10. Am Bankhaus Rothschild hatte Goldschmidt allerdings keinen Anteil, da nach Rothschild’schem Brauch die angeheirateten Familienmitglieder vom Geschäft ausgeschlossen waren. Seit der Aufgabe des eigenen Bankhauses um die Mitte der 1890er Jahre widmete sich Goldschmidt als Privatier intensiv seiner Kunstsammlung.
Mit dem Tod des Schwiegervaters Wilhelm Carl von Rothschild als des letzten männlichen Namensträgers in Frankfurt 1901 endete die Geschichte des Bankhauses Rothschild in der Mainstadt. Im Zuge der Nobilitierung 1903/07 nahm daraufhin Goldschmidt den Nachnamen Rothschild zusätzlich an – und damit die Verpflichtung, die Familie seiner (bereits 1903 verstorbenen) Frau in Frankfurt gesellschaftlich zu vertreten. Er pflegte die Tradition des Hauses Rothschild in der Stadt auch, indem er sich etwa in einigen der zahlreichen Familienstiftungen engagierte und, zusammen mit seiner Schwiegermutter Hannah Mathilde von Rothschild, eine Million Mark für die Gründung der Frankfurter Universität spendete.
Unter dem Druck der nationalsozialistischen Herrschaft verkaufte Max von Goldschmidt-Rothschild seine Immobilien und seine bedeutende Kunstsammlung 1937/38 an die Stadt, die im Rothschildpalais in der Bockenheimer Landstraße umgehend eine Dependance des Museums für Kunsthandwerk eröffnete. Der ehemalige Hausherr fristete derweil sein Dasein als Mieter in beengten Verhältnissen im obersten Stockwerk des Palais, bis er im 97. Lebensjahr 1940 starb. Seine Kunstsammlung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg an die Erben restituiert und in alle Winde verstreut. Einzelne Stücke blieben in Frankfurter Museen, z. B. der bronzene Apoll von Belvedere im Liebieghaus. In einem Projekt vor dem Hintergrund der Provenienzforschung hat das Museum Angewandte Kunst inzwischen die Sammlung und deren Schicksal rekonstruiert, so dass eine Ausstellung im vergangenen Jahr einen anschaulichen Gesamteindruck von der herausragenden Leistung von Maximilian von Goldschmidt-Rothschild als Kunstsammler geben konnte.
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Ein weiterer neuer Artikel in diesem Monat befasst sich mit Leben und Werk der Buchbinderin und Typografin Gudrun Zapf-von Hesse, die ihre erste eigene Schrift, die später so genannte „Hesse Antiqua“, 1946/47 für die Bauersche Gießerei in Frankfurt entwickelte. Ihre erfolgreichste Schrift, die „Diotima“, entstanden von 1948 bis 1951 für die Frankfurter „D. Stempel AG“, ist etwa auf den grünen Bleistiften einer bekannten Marke zu sehen. Trotz späterer internationaler Aufträge und Anerkennung wurde Gudrun Zapf-von Hesse in Deutschland kaum als Schriftgestalterin wahrgenommen, zumal ihr Tätigkeitsfeld der Typografie noch lange von Männern dominiert war. Auf die „Schriftgestaltung von Frauen und Queers im 20. und 21 Jahrhundert“ macht derzeit die Ausstellung „Same Bold Stories?“ aufmerksam, die noch bis zum 24. November 2024 im Klingspor-Museum in Offenbach zu sehen ist. Eine der Protagonistinnen in der Ausstellung ist Gudrun Zapf-von Hesse.

Anlässlich zweier aktueller Gedenktage sei noch auf die passenden Artikel im Frankfurter Personenlexikon hingewiesen, auch wenn sie schon länger zu dessen Bestand gehören. Vor 100 Jahren, am 28. September 1924, wurde Siegfried Unseld geboren, der von 1959 bis zu seinem Tod 2002 den Suhrkamp Verlag in Frankfurt leitete. Er gilt als einer der bedeutendsten und prägendsten Verleger in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Frankfurter Bürgerstiftung, die von Unseld mitbegründet wurde, widmet ihm die in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und dem Suhrkamp Verlag entstandene Ausstellung „Siegfried Unseld, der Verleger. Ein Porträt in Briefen“, die am 26. September 2024 im Holzhausenschlösschen eröffnet wird.

Schon zu Jahresbeginn konnte der Hessische Rundfunk (HR) seinen 75. Geburtstag feiern: Am 28. Januar 1949 wurde dem Intendanten Eberhard Beckmann feierlich die Sendelizenz übergeben, womit der Sender endgültig von der amerikanischen Besatzungsmacht in deutsche Verantwortung überging. Zu den beliebtesten Sendungen der frühen Radiojahre beim HR gehörten die „Öffentlichen Bunten Nachmittage“. Bei einem dieser „Bunten Nachmittage“ vor 75 Jahren stellte sich eine hessische Familie dem Publikum vor: „Die Familie Hesselbach“, die schnell sehr beliebt wurde und heute Kultstatus genießt. Die erste Folge der Hörfunkserie mit den „Hesselbachs“ wurde am 17. September 1949 gesendet. Es sprachen der Autor Wolf Schmidt als Babba, die Frankfurter Schauspielerinnen Anny Hannewald als Mamma und Lia Wöhr als Tochter Anneliese sowie der junge Schauspieler Joost-Jürgen Siedhoff als Sohn Willi. Wenn man dem Kalender von Lia Wöhr glauben darf, wurde die Folge etwa 14 Tage vor der Sendung live aufgezeichnet, so dass der eigentliche Geburtstag der „Hesselbachs“ bereits am 31. August oder spätestens am 3. September gewesen wäre…
Der Vollständigkeit halber sei noch angemerkt, dass Lia Wöhr ab der zweiten Folge zur Mamma Hesselbach aufstieg, während die Rolle der Tochter von der Schauspielerin Sofie Engelke übernommen wurde. Liesel Christ kam als „neue“ Mamma erst in der ab 1960 laufenden Fernsehserie „Die Firma Hesselbach“ ins Spiel. Von den Helden der „Hesselbachs“ fehlt im FP übrigens noch Joost Siedhoff, „der Willi“, der erst vor zwei Jahren im Alter von 96 Jahren starb. Ein Artikel über ihn ist geplant.

Nach diesem bunten Mix von Hinweisen auf Artikel zu ernsten wie auch zu unterhaltsamen Themen schließt das septemberliche Editorial
mit den besten Grüßen und Wünschen
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Oktober 2024.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. August 2024

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

lesen Sie jetzt im Sommer, zur besten Ferienzeit, auch gerne einmal einen Krimi?
Dann finden Sie in der aktuellen Artikellieferung des Frankfurter Personenlexikons sicher die passende Lektüre. Neu sind in diesem Monat einige spannende Lebensgeschichten, auch wenn darin Mord und Totschlag höchstens indirekt vorkommen, etwa in den Bildern, Büchern und Filmen, mit denen sich die dargestellten Personen befasst haben. Echten detektivischen Spürsinn der Autorin erforderte die Rekonstruktion einer Frankfurter Künstlerbiographie aus dem beginnenden 16. Jahrhundert, die wir Ihnen diesmal als Artikel des Monats präsentieren.

Artikel des Monats August 2024:
Ein Kunstkrimi aus der frühen Neuzeit

Er ist nicht Matthias Grünewald: Mathis Grün. Beide Künstler wohnten in den 1520er Jahren in Frankfurt. Mathis Grün aus Eisenach besaß von 1512 bis 1527 ein Haus in der Kannengießergasse und war zu dieser Zeit vor allem als Bildhauer gesucht. Die Namensähnlichkeit und einige biographische Parallelen hatten einst die Kunstwissenschaft dazu verführt, die Identitäten von Grün und Grünewald zu vermischen und gar zu verschmelzen. Zu diesem Irrtum trug bei, dass keine Werke von Grün bekannt waren, auch wenn dessen Lebensgeschichte in archivalischen Quellen relativ gut dokumentiert ist. Dass Mathis Grün jetzt als eigenständige Künstlerpersönlichkeit vor uns erscheint, liegt auch daran, dass ihm in jüngster Zeit zwei überlieferte Werke mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zugeordnet werden konnten. Eines davon ist das „Allerheiligenretabel“, das ursprünglich für die St. Leonhardskirche entstand. Goethe hat es 1814 im Dominikanerkloster gesehen und beschrieben. Heute werden die verbliebenen Flügel im Depot des Historischen Museums verwahrt.
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Der gebürtige Sachsenhäuser Gerhard Thomas, der 1816 in den Frankfurter Senat gewählt wurde und 1838 während seiner dritten Amtszeit als Älterer Bürgermeister starb, war ein wichtiger Mann im Stadtstaat des freien Frankfurts. Seine städtische Karriere hatte der Jurist noch zu großherzoglicher Zeit im Archiv begonnen. Zusammen mit seinen ebenso historisch interessierten Jugendfreunden Georg Kloß und Benedict Römer-Büchner suchte Thomas seit den frühen 1810er Jahren in und um Frankfurt nach mittelalterlichen Handschriften und alten Drucken. Zu den wertvollen Objekten, die die drei Freunde entdeckten und retteten, gehört die „Schwanritter“-Handschrift, die sich heute im Besitz der Frankfurter Universitätsbibliothek befindet. Im Zuge der Erforschung der Handschriftenfunde nahm Thomas 1812 brieflichen Kontakt zu Jacob und Wilhelm Grimm auf, womit seine lebenslange Freundschaft mit den Brüdern begann. Aber nicht nur die Grimms waren zu Gast bei Thomas in Frankfurt. Die freitäglichen Salonabende, zu denen der Senator und seine Frau Rosette, eine geborene Willemer, ab den 1820er Jahren einluden, wurden zum Mittelpunkt eines Frankfurter Romantikerkreises, in dem dezidiert literarische, historische und germanistische Interessen gepflegt wurden. Die Rolle, die Thomas als Protagonist und „Netzwerker“ in der Frühgermanistik spielte, ist bisher weitgehend unerforscht. Die grundlegende Neufassung des Artikels über Gerhard Thomas im Frankfurter Personenlexikon macht einen ersten Schritt in diese Richtung.

Einen echten Hitchcock gab es öfter in Frankfurt. Der weltberühmte Filmregisseur kam zwischen 1959 und 1972 mindestens neunmal in die Stadt. Er machte hier Werbung für seine neuesten Filme, traf sich zu Arbeitsbesprechungen mit seinem Filmdesigner Hein Heckroth, stellte sich in zwei Fernsehsendungen des Hessischen Rundfunks vor oder war auch einmal mit Gattin Alma ganz privat da. Am liebsten wohnte „Hitch“ dann im Hotel „Intercontinental“ in einem Appartement mit Mainblick. Als er „sein“ Zimmer 300 bei einem Besuch 1966 einmal nicht bekam, soll er den Direktionsassistenten des Hotels angefaucht haben: „Sie werden meine nächste Filmleiche sein.“ Der junge Mann sei tatsächlich ein bisschen blass um die Nase geworden, berichtete die Journalistin Jutta W. Thomasius, die Zeugin der Szene war. Der Meister habe den Mann dann doch beruhigt, indem er ihm ins Ohr flüsterte, dass sein nächster Film zwar im Hotelmilieu spiele, die Rolle der Leiche aber schon besetzt sei. Anlässlich des 125. Geburtstags von Alfred Hitchcock am 13. August 2024 erinnert ein Artikel im FP an die Besuche des Starregisseurs in Frankfurt.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mit diesen und anderen Artikeln eine spannende und doch entspannende Sommerlektüre im Frankfurter Personenlexikon finden würden.

Herzliche Grüße und beste Wünsche aus dem sonnigen Frankfurt
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. September 2024.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juli 2024

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

mit besonderem Vergnügen heiße ich Sie heute an dieser Stelle willkommen, denn die aktuelle Artikellieferung ist sozusagen eine Jubiläumsausgabe. Vor genau zehn Jahren ging das Frankfurter Personenlexikon mit den ersten Artikeln online. Seitdem ist allmonatlich eine neue Lieferung von Frankfurter Biographien im FP erschienen. (Nur ein einziges Mal in diesem ganzen Jahrzehnt musste eine Lieferung ausfallen, was jedoch höherer Gewalt geschuldet war.) Zu jeder der insgesamt 120 Lieferungen seit Juli 2014 gehörte der Artikel des Monats, eine bei Ihnen beliebte Rubrik hier im Editorial zu den Neuerscheinungen, die natürlich auch und gerade diesmal nicht fehlen darf.

Artikel des Monats Juli 2024:
Frankfurter Künstler im Widerstand

Er verarbeitete das Grauen der NS-Herrschaft und des Krieges in seinen Bildern: Arthur Fauser. Nachdem er schon auf der Oberrealschule in Reutlingen von seinem Kunstlehrer gefördert worden war, konnte der gebürtige Badener aus finanziellen Gründen keine Kunsthochschule besuchen und wurde als Autodidakt zum Künstler. Gerade hatte der 22-Jährige erste Erfolge aufzuweisen, als ihn im Juli 1933 ein Ausstellungsverbot der NS-Behörden traf. Schon seit einiger Zeit arbeitete Fauser im politischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime, weswegen er im Mai 1937 nach Berlin übersiedeln und eine unverdächtige Anstellung annehmen musste. In Berlin lernte er die Schauspielerin Maria Razum kennen, der er im Mai 1939 nach Frankfurt folgte. Während seiner Genesung von einer Verletzung im Kriegsdienst heirateten die beiden zum Jahresende 1941 in Frankfurt. Den gemeinsamen Sohn Jörg, geboren im Juli 1944, lernte der Vater erst kennen, als er im September 1945 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte.
Ab 1947 arbeitete Arthur Fauser als freischaffender Maler und Grafiker in Frankfurt, während seine Frau Maria Fauser bis zu ihrer Pensionierung 1981 als Sprecherin beim Hörfunk des Hessischen Rundfunks tätig war. Schon bald fand Arthur Fauser breite Beachtung mit seinem Schaffen. Ab 1951 stellte er seine Werke regelmäßig bei Hanna Bekker vom Rath aus. Zusammen mit Georg Heck, Ernst Weil u. a. gründete er 1953 die Frankfurter Sezession. Immer wieder dokumentierte und reflektierte Fauser in seinen Werken das Erleben von Nationalsozialismus und Krieg, das ihn nie losließ. Es entstanden aber auch Landschaften, Stillleben und vor allem zahlreiche Selbst- und Familienporträts. Nach dem tragischen Tod des Sohnes Jörg Fauser 1987 brach Arthur Fauser zusammen. Seine Werke spiegelten nun die Trauer und den Schmerz um den Sohn wider. Eine Retrospektive seines Schaffens im Karmeliterkloster (1988) und die Fertigstellung seines – eigentlich vom Sohn begonnenen – Werkkatalogs (1989) konnte der Künstler noch erleben. Nach langer Krankheit starb Arthur Fauser mit 79 Jahren 1990 in Frankfurt.
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Die Artikel über Arthur und Maria Fauser stehen als Frankfurter Biographien für sich, erscheinen aber auch im Vorfeld zum 80. Geburtstag des Sohnes Jörg Fauser am 16. Juli, eines Schriftstellers, der heute als eine Ikone der Popliteratur gilt. Ein Artikel über Jörg Fauser ist schon vor einiger Zeit im Frankfurter Personenlexikon erschienen. Mit den neuen Beiträgen über seine Eltern wird auch ein differenzierter Blick auf den Familienhintergrund des zu Lebzeiten unterschätzten Autors möglich.

Mit seinem Vater kommt dank dieser aktuellen Lieferung auch Philipp (von) Fabricius, der „Zappel-Philipp“ vom vorigen Monat, im Frankfurter Personenlexikon wieder zusammen. Philipps Vater Friedrich Wilhelm Fabricius war nicht nur, wie schon letztes Mal berichtet, ein Kollege von Heinrich Hoffmann („Struwwelpeter-Hoffmann“), mit dem er 1834 zu den sechs Gründern der Frankfurter Armenklinik gehörte. Er war ab 1845 auch der erste akademisch ausgebildete Chirurg am Hospital zum heiligen Geist. Seine Vorgänger als Hospitalchirurgen waren alle noch keine studierten Mediziner gewesen, sondern hatten ihre Ausbildung bei einem Handwerksmeister in der Zunft der Barbiere absolviert.

Zudem treffen sich der Mediziner, der Künstler und die Rundfunksprecherin in dieser Lieferung mit einem Pastellmaler, einer Opernsängerin und einem kulturell interessierten Justizrat. Wenn Sie möchten, können Sie lesend deren Gesellschaft suchen.
Wir, die Herausgeber, die Chefredakteurin sowie alle Autorinnen und Autoren, freuen uns über Ihr Interesse und möchten Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle einmal ganz herzlich für Ihre Treue danken!
Die große Resonanz, die das Frankfurter Personenlexikon bei Ihnen findet, ist uns eine wichtige Motivation für die weitere Arbeit.

Seit den Anfängen vor zehn Jahren hat sich das Frankfurter Personenlexikon zu einem umfangreichen Nachschlagewerk entwickelt. Aus den 30 Artikeln der ersten Lieferung sind inzwischen über 3.000 Einträge geworden, die im FP online verfügbar sind. Dennoch geht es weiter, nicht nur Monat für Monat mit neuen Artikellieferungen. Im Hintergrund arbeitet die Redaktion stets am Ausbau des Projekts. So sind in der Datenbank über 3.500 Neuvorschläge gesammelt, die momentan systematisch geprüft werden. Dahinter verbergen sich viele Frankfurter Biographien, die es in der Zukunft im FP zu erzählen gilt, und somit dürfen wir alle gespannt in das neue, das elfte Jahr des Frankfurter Personenlexikons gehen.

Voller Dank und Freude am heutigen Jubiläumstag grüßt
ganz herzlich
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. August 2024.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Juni 2024

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

heute knüpfe ich an das Editorial vom März des Jahres an, in dem es um Frankfurter Traditionsunternehmen ging. Weitbekannte Markenprodukte aus Frankfurt waren einst etwa Adler Automobile, Creme Mouson und Feist Sekt. Aus der Dynastie der Sektkellerei stammt eine schillernde Persönlichkeit, die im diesmaligen Artikel des Monats vorgestellt wird.

Artikel des Monats Juni 2024:
Vom Frankfurter Westend nach Rottach am Tegernsee

Sie war die letzte Lebensgefährtin und Haupterbin des Schriftstellers Ludwig Thoma: Maidi von Liebermann. Die Frankfurterin, geboren 1884 als Marie Feist-Belmont, war die einzige Tochter des (aus einer jüdischen Familie stammenden) Weinhändlers und Sektfabrikanten Carl Feist-Belmont und seiner (aus einem Altfrankfurter Bürgerhaus kommenden) Ehefrau Auguste, geb. Graubner. Maidi wuchs mit einem älteren Bruder in wohlhabenden Verhältnissen im Frankfurter Westend auf und erhielt eine gute Schulausbildung. Eigentlich wollte sie gerne Opernsängerin werden, was ihr jedoch nicht erlaubt wurde.
Auf zwei Bällen in Nürnberg traf die 19-Jährige 1904 den 37 Jahre alten Schriftsteller Ludwig Thoma, der damals für die satirische Wochenzeitschrift „Simplicissimus“ in München schrieb. Die Begegnung blieb folgenlos. Im Januar 1910 heiratete Maidi Feist-Belmont den jüdischen Unternehmer Willy Liebermann von Wahlendorf aus Berlin. Einige Jahre später, im August 1918, sahen sich Maidi von Liebermann und Ludwig Thoma bei einem Wohltätigkeitskonzert in Rottach wieder. Thoma verliebte sich heftig in sie, und sie wurden ein Paar. Maidi konnte sich dennoch nicht entschließen, ganz zu Thoma nach Rottach zu ziehen, nicht nur, um ihre Scheidung abzuwarten. Thomas Antisemitismus störte sie. Sie ging daher nach Stuttgart, wo sie eine Gesangsausbildung begann, und unternahm Konzertreisen. Thoma schrieb ihr fast täglich und besuchte sie häufig. Als er 1921 starb, vermachte er ihr als seiner erhofften Ehefrau sein Haus in Rottach und seine Verlagsrechte. Daraufhin brach Maidi von Liebermann ihr eigenes Leben ab und übersiedelte nach Rottach, um das Erbe zu verwalten.
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Auch in anderen Neuerscheinungen in diesem Monat spielen traditionsreiche Frankfurter Handelshäuser ihre Rolle. So begann der später bis zum Geheimen Regierungsrat im preußischen Kultusministerium aufgestiegene Gerd Eilers seine Karriere 1813 in Frankfurt als Hauslehrer bei der Familie von Friedrich Schmidt, der damals Teilhaber eines der ersten Frankfurter Teehandelshäuser („Thee-Schmidt“) war. Aus der Familie Hessenberg, die seit 1768 das bis heute bekannte Juweliergeschäft in Frankfurt führte, kamen die Mathematiker Gerhard und Karl Hessenberg.

Die Familie Hessenberg ist zudem verbunden mit dem Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann, dessen Tochter Lina im Jahr 1866 den Juristen Carl Hessenberg heiratete. Einen besonderen Bezug zu Hoffmann und dessen weltberühmtem Bilderbuch „Der Struwwelpeter“ hat wiederum Philipp (von) Fabricius, ein anderer Protagonist eines neuen Artikels aus der aktuellen Lieferung: Fabricius war das Urbild für den „Zappel-Philipp“ in der Geschichte, die erstmals in der zweiten Auflage vom „Struwwelpeter“ 1846 enthalten war. Autor Hoffmann benannte die Figuren in seinem Buch, das ursprünglich für seine eigenen Kinder gedacht war, nach deren Spielkameraden und -kameradinnen wie den etwa gleichaltrigen Kindern aus seinem Kollegenkreis. So wurde der kleine Philipp, Sohn des Arztes Friedrich Wilhelm Fabricius, zum „Zappel-Philipp“, und Paulinchen in der „gar traurigen Geschichte mit dem Feuerzeug” bekam ihren Namen von Pauline Schmidt. Deren Vater, der Arzt Adolph Schmidt (später Schmidt-Heyder), war übrigens einer der beiden Schüler gewesen, die früher von Gerd Eilers im Hause des Kaufmanns Schmidt unterrichtet wurden.

Die Verbindungen und Vernetzungen unter den Personen, die sich aufgrund der Artikel im Frankfurter Personenlexikon ergeben, sind immer wieder erstaunlich. Oft steht man aber auch ungläubig oder gar fassungslos vor den Brüchen und Widersprüchen in manchen Biographien. Wie ging z. B. Maidi von Liebermann (die Dame aus dem Artikel des Monats) mit dem Dilemma um, sich als Tochter eines ursprünglich jüdischen Vaters in einer Beziehung mit einem dezidiert antisemitisch gesinnten Schriftsteller zu befinden?
Nicht ohne kritische Vorbehalte lassen sich heute die Lebensgeschichten Alva und Gunnar Myrdal lesen. Die Beiträge über das schwedische Friedensforscherpaar erscheinen in der Artikelreihe über die Trägerinnen und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Frankfurter Personenlexikon. Jene hohe Auszeichnung erhielten Alva und Gunnar Myrdal 1970 in der Frankfurter Paulskirche, worauf sich die beiden Artikel im FP schwerpunktmäßig konzentrieren.
Gemäß seinem lexikographischen Auftrag muss das Frankfurter Personenlexikon hier wie grundsätzlich die Fakten dokumentieren. Viele Fragen bleiben in diesem Rahmen offen – was nicht heißt, dass sie nicht gestellt werden sollen. Im Gegenteil: Das Frankfurter Personenlexikon kann und will in solchen Fällen zur Diskussion anregen, wofür es eine wissenschaftlich fundierte Grundlage und damit einen wichtigen Beitrag liefert.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass es für den Artikel über Philipp (von) Fabricius, das Urbild des „Zappel-Philipps“, einen aktuellen Anlass gibt. Kürzlich hat der Magistrat beschlossen, das Grab von Philipp (von) Fabricius auf dem Frankfurter Hauptfriedhof als Ehrengrabstätte einzustufen. Auch das Grab von Pauline Schmidt, der Namensgeberin von Paulinchen aus dem „Struwwelpeter“, wird – schon seit 1963 – von der Stadt gepflegt. (Die „echte“ Pauline starb zwar früh, aber nicht bei einer selbst verursachten Brandkatastrophe.) Und natürlich hat auch Heinrich Hoffmann eine Ehrengrabstätte auf dem Frankfurter Hauptfriedhof, und das nicht nur, weil er die Figuren des „Zappel-Philipps“ und des Paulinchens erfunden hat. Eine Begründung anhand seiner Biographie würde hier zu weit führen – und lässt sich in dem Artikel über Heinrich Hoffmann im Frankfurter Personenlexikon trefflich nachlesen.

Eine gute Sommerlektüre, gerne im Frankfurter Personenlexikon, wünscht allen Leserinnen und Lesern
herzlichst
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juli 2024.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Mai 2024

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

im Zyklus des Gedenkens ist 2024 wieder ein „Goethejahr“. Vor 275 Jahren wurde Johann Wolfgang Goethe in Frankfurt am Main geboren, und vor 250 Jahren veröffentlichte der aufstrebende Autor aus dem Großen Hirschgraben seinen Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“, der ihn mit einem Schlag berühmt machte. Goethe ist längst mit einem Artikel im Frankfurter Personenlexikon vertreten, und auch sein Vater Johann Caspar Goethe wurde schon vor einiger Zeit mit einem Eintrag im FP bedacht. Das aktuelle Gedenkjahr ist nun willkommener Anlass, um endlich eine Lücke zu füllen: Der Artikel des Monats widmet sich Catharina Elisabeth Goethe, einer außergewöhnlichen Frau, die lange nur als die Mutter von Frankfurts größtem Sohn angesehen wurde.

Artikel des Monats Mai 2024:
Catharina Elisabeth Textor – Rätin Goethe – Frau Aja

Sie war schon zu Lebzeiten eine Legende und wurde in Frankfurt als Sehenswürdigkeit besucht: Catharina Elisabeth Goethe. Nach einer eher einfachen Schulausbildung wurde die 17-jährige Stadtschultheißentochter Catharina Elisabeth Textor 1748 mit dem um 21 Jahre älteren Kaiserlichen Rat Johann Caspar Goethe verheiratet. Am 28. August 1749 brachte die Rätin ihr erstes Kind zur Welt, den Sohn Johann Wolfgang, dem nach etwa 15 Monaten die Tochter Cornelia folgte. Bei der Kindererziehung kam der jungen Mutter ihre „Lust zu fabulieren“ zugute, die ihr später der Sohn aus der Erinnerung bescheinigte. Als Hausfrau hatte die Rätin einen großen Haushalt zu organisieren, was ihr oft eher lästig war. Lieber hätte sie gelesen, geklöppelt, Klavier oder Schach gespielt und wäre ins Theater gegangen. Allerdings war sie eine großartige Gastgeberin, die – wie sie selbst einmal sagte – die Gabe hatte, dass „keine Menschenseele missvergnügt von [ihr] weggegangen“ sei. Ihre Gastfreundschaft für die Sturm-und-Drang-Freunde des Sohnes soll der Rätin den Namen der „Frau Aja“ eingetragen haben, was eine der vielen gut erfundenen Geschichten um ihre Person sein dürfte. Jedenfalls schmückte sie sich nur zu gern mit diesem „Titel“. Nach dem Wegzug des Sohnes nach Weimar 1775, der Heirat und dem frühen Tod der Tochter 1773/77 und der Erkrankung ihres Mannes bis zu dessen Tod 1782 lernte Catharina Elisabeth Goethe, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten.
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In der überlieferten Lebensgeschichte von Catharina Elisabeth Goethe sind Fakten und Fiktion oft perfekt vermischt, was es der Lexikographie in diesem Fall nicht ganz leicht macht. Schon früh, noch zu ihren Lebzeiten, wurde Frau Aja zum Inbegriff der Mutter und Hausfrau stilisiert und dadurch auch reduziert. Dazu trug nicht zuletzt ihr Sohn Johann Wolfgang Goethe mit Figuren in seinen Werken bei, wie der Elisabeth in „Götz von Berlichingen“ (1771/73) und der Mutter in „Hermann und Dorothea“ (1798), die als Abbilder der „richtigen“ Mutter des Autors gesehen wurden. Kurz nach dem Tod der Mutter 1808 begann Goethe, sein ideales Bild von ihr zu schaffen – in seiner ab 1811 erschienenen Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“. Am Mythos der „Dichtermutter“ schrieb auch Bettine Brentano, später verheiratete von Arnim, kräftig mit, die die Informationen aus ihren Gesprächen mit Catharina Elisabeth Goethe einerseits zunächst mit Goethe für dessen Autobiographie teilte, andererseits später selbst in ihrem Briefroman „Goethe’s Briefwechsel mit einem Kinde“ (1835) verwertete. Beide, Goethe wie Bettine, erschufen aus Wahrheit und Dichtung eine Idealfigur, hinter der Catharina Elisabeth Goethe als historische Persönlichkeit zurücktrat.
Inzwischen hat die Goetheforschung der neueren Zeit mit einigen Erfindungen zum Leben der „Dichtermutter“ aufgeräumt. Daran muss sich natürlich auch der Artikel über Catharina Elisabeth Goethe im Frankfurter Personenlexikon halten – selbst wenn es manchmal schwerfällt. Wer würde nicht gerne daran glauben, dass Frau Aja die Grüne Soße erfunden hätte? Aber auch das stimmt leider nicht.
Niemals enttäuscht wird jedoch, wer sich darauf einlässt, in den Briefen von Catharina Elisabeth Goethe zu lesen. Mehr als 400 Briefe aus der Zeit von 1774 bis kurz vor ihrem Tod 1808 sind von ihr überliefert. Und sie sind nicht nur eine authentische biographische Quelle. Ihre Lektüre ist immer wieder aufs Neue ein Glück und ein Gewinn und auch ein Spracherlebnis.

Und so erlauben Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass ich mich in diesem Monat mit einer Schlussformel aus den Briefen der Frau Aja in der ihr eigenen Orthografie von Ihnen verabschiede.
Nun Leben Sie wohl und vergnügt!
Dieses wünscht von gantzem Hertzen
Ihre
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juni 2024.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. April 2024

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

sicher kennen Sie das alte Sprichwort von den Äpfeln und den Birnen, aber manchmal drängt sich ein Vergleich geradezu auf, auch wenn er aus streng geschichtswissenschaftlicher Sicht problematisch sein mag. Im Blickpunkt der aktuellen Artikellieferung stehen zwei Kaiser, die beide Frankfurt nie liebten und auch von Frankfurt nicht unbedingt geliebt wurden. Unter beiden Herrschern verlor die Stadt ihre Selbstständigkeit, zum ersten Mal 1806 unter Napoleon I. – vorübergehend bis 1813/15, dann erneut 1866 unter Wilhelm I. – diesmal für immer. (Der historischen Genauigkeit halber sei hier am Rande angemerkt, dass Wilhelm zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Kaiser, sondern „nur“ preußischer König war.)
Während im Falle von Napoleon unstrittig ist, dass er – frei nach dem bekannten Filmtitel von Curt Goetz – an allem schuld sei, wurde Wilhelm lange lediglich als Kaiser „unter“ Bismarck angesehen. Erst die jüngere Geschichtswissenschaft räumt mit diesem Mythos auf, indem sie den zuvor weitgehend ungenutzten Nachlass des Kaisers als zentrale Quelle auswertet, und zeigt Wilhelm I. auf dieser Grundlage als handelnde Person in der Politik und als wesentlichen Gestalter des deutschen Staats im 19. Jahrhundert. Diese Rolle wird auch im neuen Artikel des Monats klar, der Wilhelm I. in seiner Bedeutung für die Stadt Frankfurt am Main vorstellt.

Artikel des Monats April 2024:
Feindbild und Kaiserkult

Er fand in der Freien Stadt Frankfurt sein Feindbild: Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere preußische König und Deutsche Kaiser Wilhelm I. Der „Kartätschenprinz“, von dem es hieß, er habe in der Märzrevolution 1848 mit Artillerie auf die Berliner Stadtbevölkerung schießen lassen wollen, beobachtete den Verlauf der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 sehr genau. Und er kam zu dem Schluss, dass die nationale Bewegung genutzt werden müsste, um zu einer kleindeutschen und monarchischen Lösung der „Deutschen Frage“ unter preußischer Führung zu gelangen. Mit der Absicht, die Chancen für eine solche Lösung zu sondieren, reiste Wilhelm in den Jahren 1848 bis 1850 mehrfach nach Frankfurt. Bei diesen Besuchen formte sich in der Wahrnehmung des späteren Königs und Kaisers ein dezidiert negatives Bild der Freien Stadt als preußenfeindliches Intrigantenzentrum, dessen Regierung, Presse und Bewohner allein im österreichischen Großmachtinteresse handeln würden. Als der preußische Thronfolger in der Nacht vom 12. auf den 13. Februar 1850 in seiner Frankfurter Wohnung im Schlaf von einem Feuer überrascht wurde, dem er nur knapp entkam, kursierten schnell (unbestätigte) Gerüchte von einem gezielten Brandanschlag.
Auch im Nachmärz blieb Wilhelm, der seit 1858 als Prinzregent und schließlich seit 1861 als König von Preußen herrschte, die Stadt Frankfurt als Sitz der Bundesversammlung verhasst, und er geißelte das vermeintlich österreichhörige „Frankfurter Systême“. Die Einladung des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. zum Frankfurter Fürstentag 1863, der über eine Reform des Deutschen Bundes beraten sollte, lehnte er selbstverständlich ab.
Drei Jahre später, im Sommer 1866 verantwortete Wilhelm die preußische Okkupation der bis dahin selbstständigen Stadt Frankfurt. Die folgende Annexion, die die stolze Bürgerstadt zur preußischen Provinzstadt degradierte, muss dem König eine Genugtuung gewesen sein. Als in der Nacht vor dem geplanten Besuch des Monarchen in Frankfurt im August 1867 der Dom brannte, sahen viele Bürger und Bürgerinnen darin ein böses Omen. Dementsprechend fiel die Begrüßung des Königs in der Stadt eher verhalten aus.
Letztlich stellte die preußische Annexion jedoch die Weichen für Frankfurts Entwicklung zur modernen Großstadt. Bald nach der Reichsgründung 1871 wurden eine Straße und ein Platz in der expandierenden Innenstadt nach Wilhelm I. benannt, die Kaiserstraße (1873) und der Kaiserplatz (1876) auf der entstehenden Verkehrsachse zwischen Hauptwache und dem projektierten Hauptbahnhof. Bei seinen gelegentlichen Besuchen in der Stadt, wofür der Kaiser eine eigens reservierte Wohnung im Palais Schweitzer auf der Zeil bezog, wurde ihm nun gebührend zugejubelt. Als Wilhelm I. im Alter von fast 91 Jahren 1888 starb, fanden auch in Frankfurt offizielle Trauergottesdienste in den Kirchen und der Hauptsynagoge statt. Die Stadt erinnerte an den „Heldenkaiser“, indem sie eine Eiche im Nizza am Main für ihn pflanzte (1888), eine Mainbrücke nach ihm benannte (1891) und gleich drei Denkmäler für ihn setzte (im Römer 1892, im Innenhof des Hauptpostamts 1895 und am Opernplatz 1896) – bis der Kult um den ersten Deutschen Kaiser bald nachzulassen begann.
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Andere Neuerscheinungen in diesem Monat werfen Schlaglichter auf die Wissenschafts- und insbesondere auf die Medizingeschichte der Stadt. Die Studentin Rose Hölscher porträtierte ihre Dozenten an der Medizinischen Fakultät der Frankfurter Universität in 39 Scherenschnitten und machte daraus ein kleines Buch, das sie beim Abschluss ihres Medizinstudiums 1921 ihren Lehrern und Kommilitonen zur Erinnerung übergab. Heute ist ihr Werk als kultur-, medizin- und stadthistorisch bedeutendes und außergewöhnliches Dokument anzusehen.
Der Chemiker Hugo Bauer, gebürtiger Frankfurter, arbeitete am Georg-Speyer-Haus unter Paul Ehrlich an der Entwicklung der Salvarsanpräparate zur Bekämpfung der Syphilis mit. In der NS-Zeit wurde der langjährige Leiter der Chemischen Abteilung am Georg-Speyer-Haus aufgrund seiner jüdischen Herkunft zwangspensioniert. Bauer emigrierte 1936 in die USA, wo er erfolgreich u. a. in der Entwicklung von Medikamenten gegen Lepra tätig war.

Beim Blick auf Kaiser und Bauer vernetzen sich wieder große Geschichte und biographische Geschichten im Frankfurter Personenlexikon. Manchmal sind es winzige Details, die uns plötzlich das historische Weltgeschehen begreifen lassen. In solchen Momenten des Verstehens möchte die Chronistin fast daran glauben, dass sich aus der Geschichte doch etwas lernen ließe. Es wäre schön, wenn es so wäre, und auch wenn das keine Historikerin zugeben mag, so sind es vielleicht diese Momente, für die sie forscht und schreibt und auf die sie bei ihrem Gegenüber hofft.

Mit bestem Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Treue grüßt Sie, liebe Leserinnen und Leser,
herzlichst
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Mai 2024.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. März 2024

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

mit erfreulichen Neuigkeiten startet das Frankfurter Personenlexikon in den Frühling. Zunächst darf ich Ihnen die außergewöhnliche Frau vorstellen, von der der diesmalige Artikel des Monats handelt. Sie nannte sich Melusine Huss, und, nebenbei bemerkt, sie war damit wohl jemals die einzige Buchhändlerin, die unter Pseudonym arbeitete.

Artikel des Monats März 2024:
Gemütsheller Fixstern im Frankfurter Intellektuellenkosmos

Sie verstand unter ihrem Beruf mehr als nur das Verkaufen von Büchern: Melusine Huss. Als ausgebildete Buchhändlerin kam die gebürtige Fränkin 1951 nach Frankfurt, wo sie in der Buchhandlung Naacher in Bockenheim zu arbeiten begann. Bald leitete sie die „Bockenheimer Bücherwarte“ in direkter Nähe zum damaligen Campus der Universität. Schon dort gehörte die intellektuelle Prominenz – von Adorno bis Reich-Ranicki – zu ihrem Kundenkreis.
Als der neue Eigentümer der „Bockenheimer Bücherwarte“ ihr kündigte, erstritt sich Melusine Huss eine Abfindung, mit deren Hilfe sie 1983 ihre eigene Buchhandlung eröffnen konnte. Die „Huss’sche Universitätsbuchhandlung“ in der Kiesstraße 41 wurde zum Treffpunkt für die Frankfurter Intellektuellenszene, auch nach Geschäftsschluss, wenn „man“ im Hinterzimmer zum Gespräch bei Baguette, Käse und Rotwein zusammenkam. Auch die Feste von Melusine Huss in ihrer Bockenheimer Wohnung zur Buchmessenzeit waren legendär. Immer prägte die Gastgeberin die Atmosphäre mit ihrer „einzigartigen“ Ausstrahlung, ihrer „freundlichen Zuneigung“, „Gemütshelligkeit“ und „aus dem Herzen kommenden Humanität“, wie es der Kunsttheoretiker Bazon Brock, ihr langjähriger Lebensgefährte, einmal formulierte.
Melusine Huss starb 1989, und die von ihr gegründete Buchhandlung wurde 1997 geschlossen. Doch als das „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“ von 50 Persönlichkeiten der Branche 1999 den „Jahrhundertbuchhändler“ wählen ließ, belegte Melusine Huss den zweiten Platz in der Beliebtheitsskala.
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Auch in weiteren Neuerscheinungen der Märzlieferung stehen besondere Unternehmerpersönlichkeiten, die einst Frankfurter Traditionsgeschäften ihr Gesicht gaben, im Mittelpunkt: die Floristin und Gärtnerin Marianne Beuchert, die in den 1950er Jahren in ein bereits seit 1873 bestehendes Blumengeschäft am Rathenauplatz einheiratete und es fortführte, und die beiden Brüder Robert und Louis Koch, die das von dem älteren Bruder 1879 gegründete und lange in der Kaiserstraße ansässige Juweliergeschäft „Robert Koch“ berühmt machten, zahlreiche Patente als Hoflieferanten erhielten und bald als die Könige der deutschen Juweliere galten. Beide Firmen, „Juwelier Robert Koch“ und „Blumen Beuchert“, sind heute ebenso Geschichte wie die „Huss’sche Universitätsbuchhandlung“.

Eine wichtige Neuigkeit aus der Redaktion ist, dass kürzlich die Veröffentlichung der Artikel aus der Buchausgabe der „Frankfurter Biographie“ online im Frankfurter Personenlexikon abgeschlossen wurde. Es sind nun also alle Personeneinträge aus der „Frankfurter Biographie“ im FP verfügbar. Aus technischen Gründen sind lediglich einzelne „Altartikel“, die gerade in Bearbeitung für das FP sind, eine Zeitlang nicht erreichbar – bis sie in Neufassung online erscheinen.
Die Artikel der Buchausgabe präsentieren sich übrigens in einer redaktionell revidierten Onlinefassung im Frankfurter Personenlexikon, auch wenn sie noch nicht abschließend für die Neuedition überarbeitet sind. Es lohnt sich daher, in der Onlineausgabe und nicht in den beiden alten Bänden nachzuschlagen. Denn schon jetzt bieten die Onlinefassungen der „Altartikel“ im FP deutlich mehr. So enthalten sie erste Korrekturen, Ergänzungen und Aktualisierungen gegenüber der Druckversion. Außerdem wurden sie bereits mit Angaben zu Quellen und Literatur versehen.
Insgesamt sind jetzt über 3.000 Einträge zu Frankfurter Persönlichkeiten im Frankfurter Personenlexikon online zu finden.

Aufgrund der Vielzahl und der Vielfalt der Artikel lässt sich im Frankfurter Personenlexikon immer etwas Neues entdecken, wozu ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch in diesem Monat wieder herzlichst einladen möchte.

Mit freundlichen Frühlingsgrüßen
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. April 2024.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Februar 2024

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

sicherlich werden sich viele von Ihnen an die diesmalige Person des Monats erinnern. Bei den Kommunalwahlen im März 2001, bei der die Wählenden in Hessen erstmals kumulieren und panaschieren durften, erhielt die über die Parteigrenzen hinweg beliebte Frankfurter Politikerin die meisten Stimmen aller Kandidatinnen und Kandidaten in der Mainstadt. Der Artikel des Monats widmet sich Alexandra Prinzessin von Hannover, deren Leben und Wirken für die Stadt Frankfurt er in einem ersten Überblick zusammenfasst.

Artikel des Monats Februar 2024:
Die Prinzessin für Frankfurt

Für sie waren Kultur und Soziales eng verbunden: Alexandra Prinzessin von Hannover. Schon ihr Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften unterbrach die gebürtige Prinzessin zu Ysenburg und Büdingen, um sich zur Schwesternhelferin ausbilden zu lassen. Nach ihrer Heirat mit dem Juristen Welf Heinrich Prinz von Hannover 1960 zog die damals knapp 23-Jährige in ihre Geburtsstadt Frankfurt, nach Niederrad, wo sie sich sozial zu engagieren begann. Seit 1972 Mitglied der CDU, gehörte Alexandra Prinzessin von Hannover von 1977 bis 1987 dem Ortsbeirat 5 (Sachsenhausen, Oberrad, Niederrad) und von 1980 bis 2011 der Stadtverordnetenversammlung an. Als langjährige Vorsitzende des Kulturausschusses (1997-2011) prägte sie die städtische Kulturpolitik wesentlich mit. Dank ihrer Ausstrahlung brachte „die Prinzessin“ einen besonderen Glanz in den Römer, was nicht nur an ihrer hochadeligen Herkunft lag. Neben und nach ihrer politischen Tätigkeit setzte sich Alexandra Prinzessin von Hannover für vielfältige soziale und kulturelle Zwecke ein. So war sie Mitbegründerin des Hospizes Sankt Katharina und eine der Organisatorinnen des „PfennigBazars“, aber auch Initiatorin des Frühlingsballs im Gesellschaftshaus des Palmengartens.
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Auch eine wichtige Neuerscheinung in diesem Monat ist der Artikel über die Frankfurterin Erica Ludolph, die vor etwas mehr als einem Jahr im Alter von 101 Jahren gestorben ist. Als junge Frau engagierte sie sich im Rettungswiderstand gegen das NS-Regime. So verhalf sie der Mutter ihrer Schulfreundin zur Flucht vor der Deportation. In dem Artikel im Frankfurter Personenlexikon sind erstmals die Fakten zur Biographie von Erica Ludolph auf dem aktuellen Forschungsstand zusammengestellt. Zugleich erinnert die Dreikönigsgemeinde in Sachsenhausen an die mutige Frau, u. a. mit einer Vortragsveranstaltung am 20. Februar 2024.

In der Fotografenreihe des Frankfurter Personenlexikons erscheint diesmal ein Artikel über einen Engländer, der mit einer Aufnahme frühe Frankfurter Fotografiegeschichte schrieb. Bei einem Besuch in der Stadt im Herbst 1846 fotografierte William Henry Fox Talbot den Blick aus dem Fenster seines Hotels, des „Russischen Hofs“ auf der Zeil, zu Katharinenkirche und Hauptwache. Das Bild ist die älteste erhaltene fotografische Stadtansicht von Frankfurt. Das Original befindet sich seit 2023 im Besitz des Instituts für Stadtgeschichte.

Zudem werden der Theaterdirektor Johann Hoffmann, der erstmals eine Oper von Richard Wagner auf die Frankfurter Bühne brachte, und der Mediziner Richard Koch, der die Medizingeschichte an der Frankfurter Universität begründete, sowie der Maler und Grafiker Walter Clemens Schmidt, der als Gestalter von Exlibris bekannt wurde, in neuen Artikeln vorgestellt.

In diesen Tagen, in denen ich das Editorial hier schreibe, darf jede und jeder nicht nur in Frankfurt einmal Prinzessin sein. Die Fastnacht ist ein demokratisches Vergnügen, weshalb schon Friedrich Stoltze 1856 zu den Gründern des 1. Frankfurter Karneval-Vereins „Die Bittern“ gehörte. Dass die Fastnacht gern die Obrigkeit aufs Korn nimmt, dürfte dem politischen Satiriker Stoltze gefallen haben. Dem nationalsozialistischen Terrorregime dagegen passte das freie Narrenwort ganz und gar nicht. Zur Kampagne 1933/34, also jetzt vor 90 Jahren, ließ es die deutschen Karnevalsvereine wissen, dass die Büttenreden an die Ziele der nationalsozialistischen Politik anzupassen seien und jegliche Kritik an öffentlichen Zuständen verboten sei. Wer sich nicht daran hielt, geriet in Gefahr – wie zum Beispiel ein Frankfurter Büttenredner, der nach seinem Vortrag als Götz von Berlichingen mit aus heutiger Sicht eher harmlosen Witzchen über die Partei 1938 von der Gestapo verhaftet und verhört wurde. Dass es so weit kommt, kann selbst der ärgste Karnevalsmuffel nicht wollen.
Und so erlauben Sie mir, mich heute mit dem Narrenruf von Ihnen zu verabschieden – auch wenn Sie dieses Editorial vielleicht erst lesen, wenn die Fastnacht für dieses Jahr vorbei ist. Sie möge immer wiederkehren.

Helau!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. März 2024.

Von Andreas Bombel , 15. April 2025

Neuerscheinungen vom 10. Januar 2024

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

hiermit wünsche ich Ihnen noch alles Gute, viel Glück und Gesundheit für 2024!
Ich würde mich freuen, wenn Sie das Frankfurter Personenlexikon wieder auf dem Weg durch das Jahr begleiten dürfte.
Der aktuelle Artikel des Monats stellt die im kommenden Mai vor 110 Jahren in Frankfurt geborene Lyrikerin Emma Kann vor. Deren Todestag jährt sich am 19. Januar 2024 zum 15. Mal.

Artikel des Monats Januar 2024:
Heimatlos

Sie verarbeitete den Verlust der Heimat nach ihrer Flucht 1933 in Gedichten, die sie erst spät veröffentlichte: Emma Kann. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs die Tochter aus bürgerlicher jüdischer Familie bei ihrer alleinerziehenden Mutter im Frankfurter Westend auf und besuchte die Viktoriaschule. Bald nach dem Abitur floh die 19-Jährige im Herbst 1933 nach England. Schon als Kind hatte Emma Kann kleine Gedichte geschrieben. Nun verfasste sie ihr erstes gültiges Gedicht, „Heimatlos“, worin sie ihren Weggang aus Deutschland thematisierte. Seitdem verarbeitete sie ihre Fremdheits- und Emigrationserfahrungen in einer Vielzahl von lyrischen Werken.
Nach der Odyssee eines Emigrantinnenlebens, das sie u. a. nach England, Belgien, Frankreich, Kuba und schließlich in die USA geführt hatte, kehrte Emma Kann 1981 dauerhaft nach Deutschland zurück und ließ sich in Konstanz nieder, wo ihre Nichte lebte. Erst jetzt begann sie, ihre Gedichte auch zu veröffentlichen. Mittlerweile dichtete die erblindete Autorin mit Hilfe eines Kassettenrekorders. Ihren Nachlass überließ Emma Kann, die 2014 im hohen Alter von fast 95 Jahren starb, dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt. Das Deutsche Exilarchiv machte seitdem in Ausstellungen wiederholt auf Emma Kann und ihr noch wenig bekanntes Werk aufmerksam. Erst kürzlich sind zudem die Autobiographie und Neuauflagen zweier Gedichtbände von Emma Kann erschienen.
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Weitere Neuzugänge im Januar sind die Artikel über den Pharmakologen Alexander Ellinger, der 1914 der erste Dekan der Medizinischen Fakultät an der neu eröffneten Frankfurter Universität war, und über die Galeristin Hanna Lambrette, die sich für die Gleichberechtigung alleinerziehender Mütter und Väter und gegen die Diskriminierung der Kinder aus Einelternfamilien engagierte, u. a. als Gründerin der Frankfurter Ortsgruppe des Verbands alleinstehender Mütter (des heutigen Verbands alleinerziehender Mütter und Väter) im Jahr 1971.

In der „Paulskirchenreihe“ des Frankfurter Personenlexikons zum 175. Jubiläum der Revolution und der Deutschen Nationalversammlung von 1848/49 erscheint diesmal ein grundlegend neu bearbeiteter Artikel über den Literaturhistoriker Georg Gottfried Gervinus, der nicht nur als Abgeordneter des Paulskirchenparlaments biographische Bezüge zu Frankfurt hatte.

Viele neue historische Begegnungen im Frankfurter Personenlexikon sind schon wieder in Vorbereitung. Sie dürfen gespannt sein. Inzwischen lässt sich auch im mittlerweile umfangreichen Artikelbestand des FP immer etwas entdecken.

Beste Grüße aus dem klirrend kalten Frankfurt – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Februar 2024.

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Ein Projekt der Frankfurter Bürgerstiftung

Förderer: Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Stiftung Niederländische Gemeinde Augsburger Confession

Kooperationspartner: Frankfurter Historische Kommission
Projektleitung: Sabine Hock
Herausgeber: Clemens Greve, Sabine Hock
Datenbankprogrammierung: Andreas Bombel
Gestaltung: Anja Müller-Ries

Bildnachweis für die Kopfleiste (v. l. n. r.): Hamman von Holzhausen (Hans Happ nach Conrad Faber von Creuznach/UB Ffm.), Arthur Schopenhauer (ISG), Friedrich Stoltze (ISG), Johann Wolfgang Goethe (Johann Heinrich Lips/FDH-FGM), Max Beckmann (ISG), Bertha Pappenheim (ISG), Eduard Rüppell (Pompeo Marchesi/Archiv der SGN als Dauerleihgabe im HMF/Foto: Sven Tränkner), Paul Ehrlich (ISG), Christian Egenolff (Johann Friedrich Schmidt nach dem Monogrammisten „M“/ISG), Karl der Große (Andreas Artur Hoferick nach Karl Eduard Wendelstadt/Foto: Wolfgang Faust), Franz Adickes (ISG), Liesel Christ (hr-Archiv/Foto: Kurt Bethke), Ernst May (ISG), Georg Philipp Telemann (Valentin Daniel Preisler nach Ludwig Michael Schneider/ISG).

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