Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
sicher kennen Sie das alte Sprichwort von den Äpfeln und den Birnen, aber manchmal drängt sich ein Vergleich geradezu auf, auch wenn er aus streng geschichtswissenschaftlicher Sicht problematisch sein mag. Im Blickpunkt der aktuellen Artikellieferung stehen zwei Kaiser, die beide Frankfurt nie liebten und auch von Frankfurt nicht unbedingt geliebt wurden. Unter beiden Herrschern verlor die Stadt ihre Selbstständigkeit, zum ersten Mal 1806 unter Napoleon I. – vorübergehend bis 1813/15, dann erneut 1866 unter Wilhelm I. – diesmal für immer. (Der historischen Genauigkeit halber sei hier am Rande angemerkt, dass Wilhelm zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Kaiser, sondern „nur“ preußischer König war.)
Während im Falle von Napoleon unstrittig ist, dass er – frei nach dem bekannten Filmtitel von Curt Goetz – an allem schuld sei, wurde Wilhelm lange lediglich als Kaiser „unter“ Bismarck angesehen. Erst die jüngere Geschichtswissenschaft räumt mit diesem Mythos auf, indem sie den zuvor weitgehend ungenutzten Nachlass des Kaisers als zentrale Quelle auswertet, und zeigt Wilhelm I. auf dieser Grundlage als handelnde Person in der Politik und als wesentlichen Gestalter des deutschen Staats im 19. Jahrhundert. Diese Rolle wird auch im neuen Artikel des Monats klar, der Wilhelm I. in seiner Bedeutung für die Stadt Frankfurt am Main vorstellt.