Europäische Bankiersfamilie aus Ffm.
Rothschild, Familie (von).
Seit 1817: von (österr.); seit 1822: Freiherren von (österr.).
Die R. entstammten einem Zweig der Familie Hahn aus der Ffter Judengasse. Isaak Elchanan († 1585) baute um 1567 das Haus zum Roten Schild (Judengasse 69), nach dem sich sein Enkel, der 1634 in das Haus zur Hinterpfann (Judengasse 188) zog, und dessen Nachkommen nannten. Mayer Amschel R. kaufte 1783/85 das Haus zum Grünen Schild (Judengasse 148), das bis 1849 von seiner Witwe Gudula bewohnt wurde und als R.’sches Stammhaus mit dem unter einem Giebel stehenden Nachbarhaus zur Goldenen Arche als einziges Haus beim Abriss der Judengasse erhalten blieb. Es beherbergte die Verwaltung der Freiherrlich Amschel Mayer von R.’schen Stiftung und Museumsräume (1944 zerstört).
Noch im 18. Jahrhundert waren die R. kleine Händler und Wechsler. Mit Mayer Amschel R. und seinen fünf Söhnen stiegen sie zu den führenden Bankiers der europäischen Fürsten und Staaten auf. Die Revolutionskriege, die gesellschaftlichen Umbrüche, die politische Entwicklung und der Wandel der Wirtschaftspolitik ermöglichten den Aufstieg; seine Grundlage waren die große Mobilität der R., die Gründungen von Filialen bzw. Bankhäusern in London, Paris, Wien und Neapel, der familiäre Zusammenhalt und die Zusammenarbeit der Brüder sowie ein effektives Nachrichten- und Informationssystem. Der Gesellschaftsvertrag vom 27.9.1810 zwischen Mayer Amschel R. und drei bzw. vier seiner Söhne bedeutete die Gründung des Ffter Bankhauses M. A. Rothschild & Söhne (ab 1828: M. A. von Rothschild & Söhne). Das 1822 verliehene freiherrliche Wappen zeigt einen von Löwe und Einhorn gehaltenen und bekrönten vierteiligen Schild, dessen Felder der hessische Löwe, der österreichische Adler und zweimal eine Hand mit fünf Pfeilen als Symbol für die Einigkeit der fünf Brüder zieren und in dessen Mitte sich ein roter Schild mit dem Schildbuckel und darunter die Devise „Concordia, Integritas, Industria“ (Eintracht, Redlichkeit, Fleiß) befinden.
Sitz des Ffter Bankhauses war das 1813 bezogene klassizistische Gebäude Fahrgasse Lit. B 1 (später Nr. 146; früher auch: Bornheimer Pforte)/Ecke Judengasse (seit 1885: Börnestraße). Die Bedeutung des Ffter Stammhauses R. trat im Lauf des 19. Jahrhunderts hinter den Häusern in London und Paris zurück, zumal es sich auf Staatsanleihen beschränkte und kaum Industrieaktien handelte, aber auch der Konkurrenz der expandierenden Aktienbanken nicht begegnete. 1901, nach dem Tod von Wilhelm Carl von R., wurde das Ffter Haus liquidiert und von der Berliner Discontogesellschaft übernommen. 1912 wurde das Bankgebäude in der Fahrgasse von der Familie R. der Israelitischen Gemeinde geschenkt; darin befanden sich seit 1921 deren Verwaltung wie auch das Museum jüdischer Altertümer (1944 zerstört). In London und Paris bestehen die Bankhäuser R. noch. 1989 richteten die Londoner und Züricher R.banken in Ffm. eine Repräsentanz ein.
Mitglieder der Ffter Familie R., insbesondere die R.frauen, begründeten annähernd 30 Stiftungen, überwiegend mit mildtätiger Zielsetzung, darunter zahlreiche Kurheime in Ffm., im Taunus und im Schwarzwald. Dazu kamen Zuwendungen und Spenden an Institutionen der Israelitischen Gemeinde und an wissenschaftliche, kulturelle und soziale Einrichtungen der Stadt. Der französische Zweig der Familie mit David und Eric de R. stiftete zusammen mit Klaus Mangold, dem Aufsichtsratschef der R.bank in Ffm., eine Skulptur des israelischen Künstlers Ariel Schlesinger („Untitled“, Skulptur zweier Bäume, 2017/18), die am 18.9.2019 auf dem Vorplatz vor dem neuen Jüdischen Museum in Ffm. enthüllt wurde.
Der größte Teil des Archivs des Ffter Hauses R. wurde auf Geheiß der Familie 1901 vernichtet. Ffter Familienarchiv seit 2004 im Jüdischen Museum Ffm.
Der Aufstieg der Familie R. wurde in mehreren Dramen verarbeitet; am bekanntesten ist Carl Rösslers Lustspiel „Die fünf Ffter” (Uraufführung am 23.12.1911 im Hebbeltheater in Berlin, Ffter Erstaufführung am 23.2.1912 am Neuen Theater). Filme über die Familie R.: Stummfilm (Deutschland, 1922), „The House of Rothschild” (USA, 1934) und der antisemitische Tendenzfilm „Die Rothschilds” (Deutschland, 1940).
In Ffm. erinnern an die R.: R.allee, Luisenstraße, Mathildenstraße, Clementineweg, R.park, R.palais, Günthersburgpark und Grüneburgpark. Louise-von-R.-Schule, eine Realschule (die frühere Weidenbornschule unter Zusammenfassung mit der formal aufgehobenen Bornheimer Realschule), in Bornheim.
Die R. entstammten einem Zweig der Familie Hahn aus der Ffter Judengasse. Isaak Elchanan († 1585) baute um 1567 das Haus zum Roten Schild (Judengasse 69), nach dem sich sein Enkel, der 1634 in das Haus zur Hinterpfann (Judengasse 188) zog, und dessen Nachkommen nannten. Mayer Amschel R. kaufte 1783/85 das Haus zum Grünen Schild (Judengasse 148), das bis 1849 von seiner Witwe Gudula bewohnt wurde und als R.’sches Stammhaus mit dem unter einem Giebel stehenden Nachbarhaus zur Goldenen Arche als einziges Haus beim Abriss der Judengasse erhalten blieb. Es beherbergte die Verwaltung der Freiherrlich Amschel Mayer von R.’schen Stiftung und Museumsräume (1944 zerstört).
Noch im 18. Jahrhundert waren die R. kleine Händler und Wechsler. Mit Mayer Amschel R. und seinen fünf Söhnen stiegen sie zu den führenden Bankiers der europäischen Fürsten und Staaten auf. Die Revolutionskriege, die gesellschaftlichen Umbrüche, die politische Entwicklung und der Wandel der Wirtschaftspolitik ermöglichten den Aufstieg; seine Grundlage waren die große Mobilität der R., die Gründungen von Filialen bzw. Bankhäusern in London, Paris, Wien und Neapel, der familiäre Zusammenhalt und die Zusammenarbeit der Brüder sowie ein effektives Nachrichten- und Informationssystem. Der Gesellschaftsvertrag vom 27.9.1810 zwischen Mayer Amschel R. und drei bzw. vier seiner Söhne bedeutete die Gründung des Ffter Bankhauses M. A. Rothschild & Söhne (ab 1828: M. A. von Rothschild & Söhne). Das 1822 verliehene freiherrliche Wappen zeigt einen von Löwe und Einhorn gehaltenen und bekrönten vierteiligen Schild, dessen Felder der hessische Löwe, der österreichische Adler und zweimal eine Hand mit fünf Pfeilen als Symbol für die Einigkeit der fünf Brüder zieren und in dessen Mitte sich ein roter Schild mit dem Schildbuckel und darunter die Devise „Concordia, Integritas, Industria“ (Eintracht, Redlichkeit, Fleiß) befinden.
Sitz des Ffter Bankhauses war das 1813 bezogene klassizistische Gebäude Fahrgasse Lit. B 1 (später Nr. 146; früher auch: Bornheimer Pforte)/Ecke Judengasse (seit 1885: Börnestraße). Die Bedeutung des Ffter Stammhauses R. trat im Lauf des 19. Jahrhunderts hinter den Häusern in London und Paris zurück, zumal es sich auf Staatsanleihen beschränkte und kaum Industrieaktien handelte, aber auch der Konkurrenz der expandierenden Aktienbanken nicht begegnete. 1901, nach dem Tod von Wilhelm Carl von R., wurde das Ffter Haus liquidiert und von der Berliner Discontogesellschaft übernommen. 1912 wurde das Bankgebäude in der Fahrgasse von der Familie R. der Israelitischen Gemeinde geschenkt; darin befanden sich seit 1921 deren Verwaltung wie auch das Museum jüdischer Altertümer (1944 zerstört). In London und Paris bestehen die Bankhäuser R. noch. 1989 richteten die Londoner und Züricher R.banken in Ffm. eine Repräsentanz ein.
Mitglieder der Ffter Familie R., insbesondere die R.frauen, begründeten annähernd 30 Stiftungen, überwiegend mit mildtätiger Zielsetzung, darunter zahlreiche Kurheime in Ffm., im Taunus und im Schwarzwald. Dazu kamen Zuwendungen und Spenden an Institutionen der Israelitischen Gemeinde und an wissenschaftliche, kulturelle und soziale Einrichtungen der Stadt. Der französische Zweig der Familie mit David und Eric de R. stiftete zusammen mit Klaus Mangold, dem Aufsichtsratschef der R.bank in Ffm., eine Skulptur des israelischen Künstlers Ariel Schlesinger („Untitled“, Skulptur zweier Bäume, 2017/18), die am 18.9.2019 auf dem Vorplatz vor dem neuen Jüdischen Museum in Ffm. enthüllt wurde.
Der größte Teil des Archivs des Ffter Hauses R. wurde auf Geheiß der Familie 1901 vernichtet. Ffter Familienarchiv seit 2004 im Jüdischen Museum Ffm.
Der Aufstieg der Familie R. wurde in mehreren Dramen verarbeitet; am bekanntesten ist Carl Rösslers Lustspiel „Die fünf Ffter” (Uraufführung am 23.12.1911 im Hebbeltheater in Berlin, Ffter Erstaufführung am 23.2.1912 am Neuen Theater). Filme über die Familie R.: Stummfilm (Deutschland, 1922), „The House of Rothschild” (USA, 1934) und der antisemitische Tendenzfilm „Die Rothschilds” (Deutschland, 1940).
In Ffm. erinnern an die R.: R.allee, Luisenstraße, Mathildenstraße, Clementineweg, R.park, R.palais, Günthersburgpark und Grüneburgpark. Louise-von-R.-Schule, eine Realschule (die frühere Weidenbornschule unter Zusammenfassung mit der formal aufgehobenen Bornheimer Realschule), in Bornheim.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 215f., verfasst von: Hans-Otto Schembs.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Lexika:
Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 570-589.
Bibliographie zur Geschichte der Ffter Juden 1781-1945. Hg. v. der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Ffter Juden. Bearb. v. Hans-Otto Schembs mit Verwendung der Vorarbeiten von Ernst Loewy u. Rosel Andernacht. Ffm. 1978.
Literatur:
Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 385-387.
Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.
Corti: Das Haus Rothschild in der Zeit seiner Blüte 1928.
Corti, Egon Caesar Conte: Das Haus Rothschild in der Zeit seiner Blüte 1830-1871. Mit einem Ausblick in die neueste Zeit. Leipzig 1928. (Das Haus Rothschild [2]).
Corti: Der Aufstieg des Hauses Rothschild 1927.
Corti, Egon Caesar Conte: Der Aufstieg des Hauses Rothschild 1770-1830. Leipzig 1927. (Das Haus Rothschild [1]).
Cowles: Die Rothschilds 1974.
Cowles, Virginia: Die Rothschilds 1763-1973. Geschichte einer Familie. Würzburg 1974. (Ploetz-Bildbiografien).
Heuberger (Hg.): Die Rothschilds 1994.
Heuberger, Georg (Hg.): Die Rothschilds. Eine europäische Familie. / Beiträge zur Geschichte einer europäischen Familie. Hg. im Auftr. d. Dezernats für Kultur und Freizeit, Amt für Wissenschaft und Kunst (...). 2 Bde. Sigmaringen 1994.
Morton: Die Rothschilds 1992.
Morton, Frederic: Die Rothschilds. Ein Portrait der Dynastie. Aus dem Amerikanischen von Hans Lamm und Paul Stein. Aktualisiert von Michael Freund. Wien 1992.
Heuberger, Rachel: Rothschild-Literatur. Judaica-Sammlung – Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg. In: Trümpler u. a. (Hg.): Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen d. Goethe-Universität 2014, S. 334f.
Trümpler, Charlotte/Blume, Judith/Hierholzer, Vera/Regazzoni, Lisa (Hg.): Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität. [Katalog zur Jubiläumsausstellung der Goethe-Universität im Museum Giersch, Ffm., 2014/15.] Ostfildern 2014.
Backhaus, Fritz/Thäder, Sonja: Die Familie Rothschild. In: Wenzel/Kößling/Backhaus (Hg.): Jüd. Fft. 2020, S. 216-235.,, S. 48-55.
Wenzel, Mirjam/Kößling, Sabine/Backhaus, Fritz (Hg.): Jüdisches Fft. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Katalog zur Dauerausstellung des Jüdischen Museums Fft. München 2020.
Wilson: Die Rothschild Dynastie 1988.
Wilson, Derek: Die Rothschild Dynastie. Eine Geschichte von Ruhm und Macht. Aus dem Englischen von Gunther Martin. Wien/Darmstadt 1988.
12 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.
Rothschild, Amschel Mayer (von)
Rothschild, Amschel Mayer [seit 1817: von; seit 1822: Freiherr von (österr.)]. Konsul von Bayern. Kommerzienrat. Bankier.
* 12.6.1773 Ffm., † 6.12.1855 Ffm.
Ältester Sohn von Mayer Amschel R. und dessen Frau Gudula, geb. Schnapper. Bruder von Salomon Mayer, Nathan Mayer, Carl Mayer und Jakob (James) Mayer (von) R.
Schon früh vom Vater zu den Geschäften hinzugezogen. Seit 1810 Teilhaber des Ffter Bankhauses M. A. (von) Rothschild & Söhne, dessen Leitung R. nach dem Tod des Vaters 1812 übernahm. Unter Amschel Mayer von R. wurde nach 1815 das Ffter Bankhaus führend bei Emissionen von Staatsanleihen, avancierte zu Hofbankiers deutscher Fürstenhäuser und zum Finanzier des Deutschen Bundestags, wuchs Fft.s Stellung als Kapitalmarkt und Bankenstandort und entwickelte sich die Stadt zum wichtigsten deutschen Börsenplatz. Gemeinsam mit anderen Bankhäusern, darunter Gebr. Bethmann, bildete das Bankhaus R. das Komitee zum Bau der ersten Eisenbahn des Rhein-Main-Gebiets (Taunusbahn, eröffnet 1839).
Zwischen 1816 und 1824 unterzeichnete R. Bittschriften der Israelitischen Gemeinde zur Gleichstellung der Ffter Juden. Die Integration in die Gesellschaft gelang nur bruchstückhaft (1821 Fest für Metternich, 1836 Aufnahme in die Casino-Gesellschaft). Hatte sein Vater noch ganz im Sinne der traditionellen jüdischen Wohltätigkeit, der Zedaka, gewirkt, so begründete Amschel Mayer R. die eigentliche Stiftungstätigkeit der Familie, die sich bei ihm im Wesentlichen auf innerjüdische Bereiche richtete (Hospital der Vereinigten Israelitischen Krankenkassen, 1829). Testamentarisch begründete er die Freiherrlich Amschel Mayer von R.’sche Stiftung, die auch das R.’sche Stammhaus Judengasse 148 betreute und restaurieren ließ.
R. erwarb 1816 das Gartenhaus Bockenheimer Landstraße 10, das er durch Friedrich Rumpf zu einem Palais ausbauen ließ (später erweitert, 1938 als jüdischer Besitz an die Stadt übergegangen, bis 1940 von Maximilian von Goldschmidt-R. bewohnt, 1943 zerstört, heute nur Park teilweise erhalten), 1834 das Haus Zeil 34 (92) als Stadthaus (später R.’sches Altersheim, 1944 zerstört), 1837 die Grüneburg (Schlösschen 1845 durch Johann Jakob von Essen erbaut, 1944 zerstört, Park erhalten), ferner Stalburg und Kühhornshof. R. besaß von 1842 bis 1853 ein Palais in Baden-Baden. Grab (von Eduard Schmidt von der Launitz) auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße.
Die 1796 geschlossene Ehe mit Eva Hanau blieb kinderlos. Zur Sicherung der Nachfolge adoptierte R. seinen Neffen Mayer Carl von R., den Sohn von Carl Mayer (von) R., Neapel. Mayer Carl von R. war zusammen mit seinem Bruder Wilhelm Carl von R. seit 1852 Teilhaber und führte nach dem Tod von Amschel Mayer von R. das Ffter Bankhaus.
Schon früh vom Vater zu den Geschäften hinzugezogen. Seit 1810 Teilhaber des Ffter Bankhauses M. A. (von) Rothschild & Söhne, dessen Leitung R. nach dem Tod des Vaters 1812 übernahm. Unter Amschel Mayer von R. wurde nach 1815 das Ffter Bankhaus führend bei Emissionen von Staatsanleihen, avancierte zu Hofbankiers deutscher Fürstenhäuser und zum Finanzier des Deutschen Bundestags, wuchs Fft.s Stellung als Kapitalmarkt und Bankenstandort und entwickelte sich die Stadt zum wichtigsten deutschen Börsenplatz. Gemeinsam mit anderen Bankhäusern, darunter Gebr. Bethmann, bildete das Bankhaus R. das Komitee zum Bau der ersten Eisenbahn des Rhein-Main-Gebiets (Taunusbahn, eröffnet 1839).
Zwischen 1816 und 1824 unterzeichnete R. Bittschriften der Israelitischen Gemeinde zur Gleichstellung der Ffter Juden. Die Integration in die Gesellschaft gelang nur bruchstückhaft (1821 Fest für Metternich, 1836 Aufnahme in die Casino-Gesellschaft). Hatte sein Vater noch ganz im Sinne der traditionellen jüdischen Wohltätigkeit, der Zedaka, gewirkt, so begründete Amschel Mayer R. die eigentliche Stiftungstätigkeit der Familie, die sich bei ihm im Wesentlichen auf innerjüdische Bereiche richtete (Hospital der Vereinigten Israelitischen Krankenkassen, 1829). Testamentarisch begründete er die Freiherrlich Amschel Mayer von R.’sche Stiftung, die auch das R.’sche Stammhaus Judengasse 148 betreute und restaurieren ließ.
R. erwarb 1816 das Gartenhaus Bockenheimer Landstraße 10, das er durch Friedrich Rumpf zu einem Palais ausbauen ließ (später erweitert, 1938 als jüdischer Besitz an die Stadt übergegangen, bis 1940 von Maximilian von Goldschmidt-R. bewohnt, 1943 zerstört, heute nur Park teilweise erhalten), 1834 das Haus Zeil 34 (92) als Stadthaus (später R.’sches Altersheim, 1944 zerstört), 1837 die Grüneburg (Schlösschen 1845 durch Johann Jakob von Essen erbaut, 1944 zerstört, Park erhalten), ferner Stalburg und Kühhornshof. R. besaß von 1842 bis 1853 ein Palais in Baden-Baden. Grab (von Eduard Schmidt von der Launitz) auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße.
Die 1796 geschlossene Ehe mit Eva Hanau blieb kinderlos. Zur Sicherung der Nachfolge adoptierte R. seinen Neffen Mayer Carl von R., den Sohn von Carl Mayer (von) R., Neapel. Mayer Carl von R. war zusammen mit seinem Bruder Wilhelm Carl von R. seit 1852 Teilhaber und führte nach dem Tod von Amschel Mayer von R. das Ffter Bankhaus.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 216f., verfasst von: Hans-Otto Schembs.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Literatur:
Frenz, Alexandra: „Ein solcher Besitz gehört unter die Lieblingswünsche des wohlhabenden Ffters“ – Der Rothschildpark. In: AFGK 74 (2014): Ffter Parkgeschichten, S. 40-48, bes. S. 41-45.
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Mertens, Rüdiger: Die Villa Grüneburg, das sogenannte Grüneburgschlösschen, in Ffm. In: AFGK 74 (2014): Ffter Parkgeschichten, S. 49-56, bes. S. 49.
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Vogt, Barbara: Der Grüneburgpark und der Günthersburgpark – Gartenkunst und Landwirtschaft auf Rothschild’schen Landsitzen in Fft. In: AFGK 74 (2014): Ffter Parkgeschichten, S. 57-64, bes. 57-61.
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Belli-Gontard: Lebens-Erinnerungen 1872, S. 238, 282f.
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Hirsch: Grabrede für Amschel Mayer von Rothschild 1855.
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Schembs: Jüd. Mäzene u. Stifter 2007, S. 116-119.
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Schröder: Das Geheimnis der Bethmännchen 1966, S. 206-211.
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Stein: Predigt bei der Seelenfeier für Amschel Mayer von Rothschild 1855.
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Stoltze, Adolf: Erinnerunge aus meiner Kindheit. In: Stoltze, Adolf: Ges. Werke 5 (Humoresken in Ffter Mundart II, 4. Aufl. 1906), S. 253-260 (Erinnerungen an Amschel Mayer von Rothschild).
GND: 116641584 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, Amschel Mayer (von). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/941.
Stand des Artikels: 29.9.1995
Rothschild, Carl Mayer (von)
Rothschild, Carl [eigentl.: Caloman(n), Kalmann] Mayer [seit 1817: von; 1822: Freiherr von (österr.)]. Generalkonsul von Parma und Beider Sizilien. Kommerzienrat. Finanzrat. Bankier.
* 24.4.1788 Ffm., † 10.3.1855 Neapel.
Sohn von Mayer Amschel R. und dessen Ehefrau Gudula, geb. Schnapper. Bruder von Amschel Mayer, Salomon Mayer, Nathan Mayer und Jakob (James) Mayer (von) R. Zweitjüngster der „fünf Ffter“. Verheiratet (seit 1818) mit Adelheid von R., geb. Herz (auch: Hertz, 1800-1853).
Seit 1810 Teilhaber des Ffter Bankhauses M. A. (von) Rothschild & Söhne. R. war als Kurier zwischen den R.’schen Bankhäusern sowie zwischen Ffm. und dem kurfürstlichen Exilhof in Holstein und in Prag tätig. Er vertrat die Interessen der R. auf dem Kongress in Aachen 1818. 1820 richtete R. eine Niederlassung („C. M. de Rothschild e figli“) des Ffter Bankhauses R. in Neapel ein. Er wurde Finanzier des Papstes und soll beim Papst, dem er ursprünglich nur Kredit gewähren wollte, wenn die Ghettomauern in Rom niedergerissen würden, zumindest eine Linderung der sozialen Notstände in den jüdischen Ghettos von Rom erreicht haben. Carl Mayer und Adelheid von R. führten in Neapel das angesehenste Haus der Stadt (Erwerb einer prunkvollen Villa, 1841), betätigten sich auf wohltätigem und kulturellem Gebiet. Doch R. hielt sich mit seiner Familie auch häufig in seiner Geburtsstadt auf und leitete in späteren Jahren die neapolitanische Niederlassung von Ffm. aus.
R. erwarb 1818 in Ffm. das Haus Neue Mainzer Straße 31/33 (43/47) und 1837 in Bornheim die Günthersburg; R. ließ deren Areal durch Sebastian Rinz zu einem englischen Garten gestalten (1837-39) und dort durch Friedrich Rumpf eine schlossähnliche Villa für seinen Sohn Mayer Carl und dessen Familie errichten (1844/45; Park und Schloss 1890 an die Stadt verkauft, Schloss 1891 abgebrochen, Park seit 1892 öffentlich zugänglich). Sarkophag (von Eduard Schmidt von der Launitz) für R., seine Frau und den früh verstorbenen Sohn Anselm Alexander Carl (1835-1854) auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße.
R.s Söhne lebten nach ihrer Ausbildung in Ffm.; zwei von ihnen, Mayer Carl und Wilhelm Carl, übernahmen nach dem Tod von Amschel Mayer von R. das Ffter Bankhaus. Der Sohn Adolph Carl von R. (1823-1900) führte nach Carl Mayer von R.s Tod die Niederlassung in Neapel weiter, schloss sie aber 1865 nach der Einigung Italiens und siedelte als Privatmann nach Paris über.
Seit 1810 Teilhaber des Ffter Bankhauses M. A. (von) Rothschild & Söhne. R. war als Kurier zwischen den R.’schen Bankhäusern sowie zwischen Ffm. und dem kurfürstlichen Exilhof in Holstein und in Prag tätig. Er vertrat die Interessen der R. auf dem Kongress in Aachen 1818. 1820 richtete R. eine Niederlassung („C. M. de Rothschild e figli“) des Ffter Bankhauses R. in Neapel ein. Er wurde Finanzier des Papstes und soll beim Papst, dem er ursprünglich nur Kredit gewähren wollte, wenn die Ghettomauern in Rom niedergerissen würden, zumindest eine Linderung der sozialen Notstände in den jüdischen Ghettos von Rom erreicht haben. Carl Mayer und Adelheid von R. führten in Neapel das angesehenste Haus der Stadt (Erwerb einer prunkvollen Villa, 1841), betätigten sich auf wohltätigem und kulturellem Gebiet. Doch R. hielt sich mit seiner Familie auch häufig in seiner Geburtsstadt auf und leitete in späteren Jahren die neapolitanische Niederlassung von Ffm. aus.
R. erwarb 1818 in Ffm. das Haus Neue Mainzer Straße 31/33 (43/47) und 1837 in Bornheim die Günthersburg; R. ließ deren Areal durch Sebastian Rinz zu einem englischen Garten gestalten (1837-39) und dort durch Friedrich Rumpf eine schlossähnliche Villa für seinen Sohn Mayer Carl und dessen Familie errichten (1844/45; Park und Schloss 1890 an die Stadt verkauft, Schloss 1891 abgebrochen, Park seit 1892 öffentlich zugänglich). Sarkophag (von Eduard Schmidt von der Launitz) für R., seine Frau und den früh verstorbenen Sohn Anselm Alexander Carl (1835-1854) auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße.
R.s Söhne lebten nach ihrer Ausbildung in Ffm.; zwei von ihnen, Mayer Carl und Wilhelm Carl, übernahmen nach dem Tod von Amschel Mayer von R. das Ffter Bankhaus. Der Sohn Adolph Carl von R. (1823-1900) führte nach Carl Mayer von R.s Tod die Niederlassung in Neapel weiter, schloss sie aber 1865 nach der Einigung Italiens und siedelte als Privatmann nach Paris über.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 218, verfasst von: Hans-Otto Schembs.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Literatur:
Vogt, Barbara: Der Grüneburgpark und der Günthersburgpark – Gartenkunst und Landwirtschaft auf Rothschild’schen Landsitzen in Fft. In: AFGK 74 (2014): Ffter Parkgeschichten, S. 57-64, bes. 61-64.
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Belli-Gontard: Lebens-Erinnerungen 1872, S. 283f.
GND: 116641797 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, Carl Mayer (von). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/946.
Stand des Artikels: 29.9.1995
Rothschild, Gudula
Mutter der „fünf Ffter“.
Rothschild, Gutle, gen. Gudula, geb. Schnapper.
* 23.8.1753 Ffm., † 7.5.1849 Ffm.
Heiratete 1770 Mayer Amschel R., dem sie 20 Kinder gebar, von denen zehn – fünf Töchter und fünf Söhne (Amschel Mayer, Salomon Mayer, Nathan Mayer, Carl Mayer und Jakob Mayer, gen. James) – am Leben blieben.
Bis zu ihrem Tod lebte Gudula R. im Haus zum Grünen Schild, Judengasse 148, dem R.’schen Stammhaus. Sie war der Mittelpunkt der Familie, ließ die Familienfeste bei sich feiern, vermittelte ihren Kindern und deren Familien das Bewusstsein der Herkunft aus der Ffter Judengasse und das Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Porträtgemälde (von Moritz Daniel Oppenheim, 1849; verloren).
Beerdigt im Familiengrab Schnapper auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße.
Der Märchendichter Hans Christian Andersen setzte der Mutter R. im „Bilderbuch ohne Bilder” (Originalausgabe von 1840) ein literarisches Denkmal. Frau Gudula ist die zentrale Figur in der Komödie „Die fünf Ffter” von Carl Rössler (1911).
Bis zu ihrem Tod lebte Gudula R. im Haus zum Grünen Schild, Judengasse 148, dem R.’schen Stammhaus. Sie war der Mittelpunkt der Familie, ließ die Familienfeste bei sich feiern, vermittelte ihren Kindern und deren Familien das Bewusstsein der Herkunft aus der Ffter Judengasse und das Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Porträtgemälde (von Moritz Daniel Oppenheim, 1849; verloren).
Beerdigt im Familiengrab Schnapper auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße.
Der Märchendichter Hans Christian Andersen setzte der Mutter R. im „Bilderbuch ohne Bilder” (Originalausgabe von 1840) ein literarisches Denkmal. Frau Gudula ist die zentrale Figur in der Komödie „Die fünf Ffter” von Carl Rössler (1911).
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 217, verfasst von: Hans-Otto Schembs.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Lexika:
Heinrich Döring in: Neuer Nekr. 27, 2 (1849), S. 1096f., Nr. 329.
Literatur:
Belli-Gontard: Lebens-Erinnerungen 1872, S. 238, 283.
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Bromberger/Mausbach: Frauen u. Fft. 1997, S. 16f.
Quellen:
ISG, S2/4. 502.
GND: 13967134X ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, Gudula. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/942.
Stand des Artikels: 29.9.1995
Rothschild, Hannah Louise von
Rothschild, Hannah Louise Freiin von. Stifterin.
* 9.11.1850 Ffm., † 23.3.1892 Ffm.
Tochter von Mayer Carl und Louise von R., geb. de R. (1820-1894).
R., die zeitlebens unverheiratet blieb, errichtete 1887 mit der von ihrem Vater Mayer Carl von R. angelegten Büchersammlung als Grundstock eine Bibliothek nach dem Vorbild der angelsächsischen kommunalen „Free libraries”, die Freiherrlich Carl von R.’sche Öffentliche Bibliothek, die 1928 in die Stadtbibliothek (die heutige UB Ffm.) integriert wurde. 1890 gründete R., ebenfalls zum Andenken an ihren Vater, die Heilanstalt Carolinum zur unentgeltlichen Behandlung von Bedürftigen ohne Unterschied der Konfession, die sich später ausschließlich der Zahnbehandlung widmete und 1910 als selbstständige Stiftung dem Städtischen Krankenhaus, 1912/14 der Universität angeschlossen wurde.
Marmorbüste (von Gustav Herold, nach 1894), ursprünglich für die Freiherrlich Carl von R.’sche Öffentliche Bibliothek, heute im JMF sowie in Nachbildung im aus dem Carolinum hervorgegangenen Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.
R., die zeitlebens unverheiratet blieb, errichtete 1887 mit der von ihrem Vater Mayer Carl von R. angelegten Büchersammlung als Grundstock eine Bibliothek nach dem Vorbild der angelsächsischen kommunalen „Free libraries”, die Freiherrlich Carl von R.’sche Öffentliche Bibliothek, die 1928 in die Stadtbibliothek (die heutige UB Ffm.) integriert wurde. 1890 gründete R., ebenfalls zum Andenken an ihren Vater, die Heilanstalt Carolinum zur unentgeltlichen Behandlung von Bedürftigen ohne Unterschied der Konfession, die sich später ausschließlich der Zahnbehandlung widmete und 1910 als selbstständige Stiftung dem Städtischen Krankenhaus, 1912/14 der Universität angeschlossen wurde.
Marmorbüste (von Gustav Herold, nach 1894), ursprünglich für die Freiherrlich Carl von R.’sche Öffentliche Bibliothek, heute im JMF sowie in Nachbildung im aus dem Carolinum hervorgegangenen Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 217, verfasst von: Hans-Otto Schembs.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Lexika:
Zur Geschichte der Freiherr Mayer Carl von Rothschild’schen Stiftung Carolinum: Schiebler, S. 149-151.
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Zur Geschichte der Freiherrlich Carl von Rothschild’schen Öffentlichen Bibliothek: Schiebler, S. 66f.
Literatur:
Schembs, Hans-Otto: „Eine echte Wohlthäterin der Armen“ – Hannah-Louise von Rothschild und ihre Stiftungen. In: AFGK 77 (2017): Ffter Frauengeschichte(n), S. 134-147.
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Zur Geschichte der Freiherr Mayer Carl von Rothschild’schen Stiftung Carolinum: Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. I, S. 767f.; Bd. II, S. 271, 292f.
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Zur Geschichte der Freiherrlich Carl von Rothschild’schen Öffentlichen Bibliothek: Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. II, S. 64-66.
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Krohn, Helga: Wohltäterin und Stifterin. Hannah Louise von Rothschild (1850-1892). In: Hering (Hg.): Jüd. Wohlfahrt 2007, S. 397-405.
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Heuberger (Hg.): Die Rothschilds 1994, Bd. 1 (Katalog), S. 192-194.
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Hundert Jahre starke Frauen a. d. Goethe-Univ. 2014, S. 86f.
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Kasper/Schubert: Nach Frauen benannt 2013, S. 86 (unter falscher Zuordnung der Benennung von Luisenstraße und -platz an Hannah Louise von Rothschild).
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Rothschild’sche Bibliothek 1988, S. 11-26 (Hans-Otto Schembs: Hannah-Louise von Rothschild), S. 27-67 (Jochen Stollberg: Von der Gründung der Bibliothek bis zur Auflösung der Stiftung).
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Schembs: Jüd. Mäzene u. Stifter 2007, S. 119-121.
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Lenarz, Michael: Das Rothschild-Palais. Ein jüdischer Ort im 19. und 20. Jahrhundert. In: Wenzel/Kößling/Backhaus (Hg.): Jüd. Fft. 2020, S. 48-55.
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Windecker: Carolinum 1990.
Internet:
Ffter Frauenzimmer, 10.8.2021.
GND: 11664172X ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, Hannah Louise von. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/943.
Stand des Artikels: 29.9.1995
Rothschild, Hannah Mathilde von
Rothschild, Hannah Mathilde Freifrau von, geb. Freiin von Rothschild. Stifterin.
* 5.3.1832 Ffm., † 8.3.1924 Ffm.
Die zweitälteste Tochter von Anselm Salomon von R. (1803-1874; aus der Wiener Linie) und dessen Ehefrau Charlotte, geb. de R. (1807-1859; aus der Londoner Linie), heiratete 1849 Wilhelm Carl von R. (aus dem Ffter Zweig).
R. war musikalisch begabt, schuf mehrere Liedkompositionen und besaß eine bedeutende Sammlung von Antiquitäten. Zahlreiche Persönlichkeiten, vor allem Künstler, waren im Grüneburgschlösschen oder am Sommersitz in Königstein ihre Gäste.
Förderte wissenschaftliche, kulturelle und karitative Institutionen, darunter in Ffm. die Universität und das Kunstgewerbemuseum, im Taunus die Lungenheilstätte Ruppertshain. Begründete zahlreiche Stiftungen: 1870 gemeinsam mit ihrem Mann die Georgine Sara von R.’sche Stiftung (Hospital) im Andenken an ihre früh verstorbene Tochter Georgine Sara (1851-1869), 1877 die Freiherrlich Anselm Salomon von R.’sche Stiftung zur Förderung des Kunstgewerbes, 1878 den Freifrau Charlotte von R.’schen Fond zur Linderung der Not, nach dem Tod ihres Mannes das R.’sche Altersheim im R.’schen Haus Zeil 34 (92), das 1929 durch eine Spende ihrer Tochter Adelheid von R., verh. de R. (Paris; 1853-1935) vor den Inflationsfolgen gerettet wurde und bis 1941 bestand, ferner das Mathilde von R.’sche Kinderhospital in Ffm. sowie Frauenheime in Bad Nauheim und Baden-Baden.
Mathildenstraße und Mathildenplatz in Oberrad.
R. war musikalisch begabt, schuf mehrere Liedkompositionen und besaß eine bedeutende Sammlung von Antiquitäten. Zahlreiche Persönlichkeiten, vor allem Künstler, waren im Grüneburgschlösschen oder am Sommersitz in Königstein ihre Gäste.
Förderte wissenschaftliche, kulturelle und karitative Institutionen, darunter in Ffm. die Universität und das Kunstgewerbemuseum, im Taunus die Lungenheilstätte Ruppertshain. Begründete zahlreiche Stiftungen: 1870 gemeinsam mit ihrem Mann die Georgine Sara von R.’sche Stiftung (Hospital) im Andenken an ihre früh verstorbene Tochter Georgine Sara (1851-1869), 1877 die Freiherrlich Anselm Salomon von R.’sche Stiftung zur Förderung des Kunstgewerbes, 1878 den Freifrau Charlotte von R.’schen Fond zur Linderung der Not, nach dem Tod ihres Mannes das R.’sche Altersheim im R.’schen Haus Zeil 34 (92), das 1929 durch eine Spende ihrer Tochter Adelheid von R., verh. de R. (Paris; 1853-1935) vor den Inflationsfolgen gerettet wurde und bis 1941 bestand, ferner das Mathilde von R.’sche Kinderhospital in Ffm. sowie Frauenheime in Bad Nauheim und Baden-Baden.
Mathildenstraße und Mathildenplatz in Oberrad.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 217f., verfasst von: Hans-Otto Schembs.
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Literatur:
Börchers: 101 Frauenorte 2016, S. 146f.
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Emrich: Bildnisse Ffter Demokraten 1956, S. 42f. (m. Abb. auf S. 87).
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Kasper/Schubert: Nach Frauen benannt 2013, S. 100.
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Schembs: Jüd. Mäzene u. Stifter 2007, S. 121-124.
GND: 116641711 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, Hannah Mathilde von. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/944.
Stand des Artikels: 29.9.1995
Rothschild, James (von)
Rothschild, Jakob Mayer, gen. James, [seit 1817: von; 1822 Freiherr von (österr.)]. Konsul von Österreich. Bankier.
* 15.5.1792 Ffm., † 15.11.1868 Paris.
Jüngster der fünf Söhne von Mayer Amschel R. und dessen Frau Gudula, geb. Schnapper. Bruder von Amschel Mayer, Salomon Mayer, Nathan Mayer und Carl Mayer (von) R. Verheiratet (seit 1824) mit Betty (1805-1886), der Tochter seines Bruders Salomon Mayer (von) R. (Wien).
R. war zuerst Agent seines Bruders Nathan (von) R. (London) in Paris, wo er sich 1814 niederließ. 1817 gründete er in Paris die Bank „de Rothschild Frères“ in der Rue Laffitte 21. Stand in engen Beziehungen zu den Regierungen Frankreichs, mit Ausnahme Napoleons III. Nach der Revolution von 1830 gelangte R. auf den Höhepunkt seiner Macht und seines Einflusses. Finanzier bedeutender wirtschaftlicher Unternehmen (Nordbahn, Quecksilberbergwerke in Spanien).
Förderer der Künste; so gehörten Schriftsteller und Journalisten zu den Gästen seines Hauses.
Nach R.s Tod übernahm sein Sohn Mayer Alphonse de R. (1827-1905) das Bankhaus, das noch heute besteht.
R. war zuerst Agent seines Bruders Nathan (von) R. (London) in Paris, wo er sich 1814 niederließ. 1817 gründete er in Paris die Bank „de Rothschild Frères“ in der Rue Laffitte 21. Stand in engen Beziehungen zu den Regierungen Frankreichs, mit Ausnahme Napoleons III. Nach der Revolution von 1830 gelangte R. auf den Höhepunkt seiner Macht und seines Einflusses. Finanzier bedeutender wirtschaftlicher Unternehmen (Nordbahn, Quecksilberbergwerke in Spanien).
Förderer der Künste; so gehörten Schriftsteller und Journalisten zu den Gästen seines Hauses.
Nach R.s Tod übernahm sein Sohn Mayer Alphonse de R. (1827-1905) das Bankhaus, das noch heute besteht.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 218, verfasst von: Hans-Otto Schembs.
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Literatur:
Geiger: Gedenkrede für James von Rothschild 1868.
GND: 116641762 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, James (von). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/945.
Stand des Artikels: 29.9.1995
Rothschild, Louise von
Louise von Rothschild
Fotografie (im Besitz der UB Ffm.).
© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Sammlung Judaica Frankfurt, URN: urn:nbn:de:hebis:30:1-300216).
Rothschild, Louise (auch: Louisa) Freifrau von, geb. Freiin de Rothschild. Stifterin.
* 6.7.1820 London-Stamford Hill, † 12.12.1894 Ffm.
Tochter des aus Ffm. stammenden Londoner Bankiers Nathan Mayer (de) R. und seiner Ehefrau Hannah, geb. Barent Cohen (1783-1850). Jüngstes von sieben Kindern aus der 1806 geschlossenen Ehe der Eltern. Enkelin von Mayer Amschel R. und seiner Ehefrau Gudula, geb. Schnapper.
Zur Hochzeit ihres ältesten Bruders Lionel Nathan de R. (1808-1879) mit ihrer Cousine Charlotte von R. (1819-1884) begleitete Louise 1836 ihre Mutter nach Ffm. Eine solche Hochzeitsfeier diente in der Familie R. auch der weiteren Heiratsvermittlung. Im Hause R. wurden die Ehen traditionell von der Familie gestiftet, wobei Verbindungen naher Verwandter durchaus üblich waren. Die damals knapp 16-jährige Louise wurde in Ffm. von zwei Kavalieren umworben, von denen ihr gleichaltriger Cousin Mayer Carl von R., der Bruder der Braut, auch Louises Mutter für sich gewann: „Mayer Carl ist annehmbarer & gesprächiger, als ich erwartet habe, und wohl in der Lage, Eindruck auf das Herz einer jungen Dame zu machen“, berichtete Hannah de R. erfreut nach London. (Zit. nach Ferguson: Die Geschichte der Rothschilds 2002, Bd. I, S. 229.) Während eines Frankreichaufenthalts im Sommer 1839 wurde die Verlobung von Louise und Mayer Carl endgültig besiegelt, und am 6.4.1842 heiratete das Paar in der Synagoge Duke’s Place in London.
Bald darauf trat Mayer Carl von R. in das Ffter Bankhaus „Mayer Amschel Rothschild & Söhne“ ein. Im Januar 1843, kurz nach Geburt der ersten Tochter, beantragte er beim Senat der Freien Stadt Ffm. die Zulassung zum israelitischen Bürgereid als Bankier und zugleich die Genehmigung seiner bereits vollzogenen Ehe mit Louise. Der Senat gab dem Gesuch statt, wenn der Antragsteller auch 150 Gulden wegen versäumter Anzeige der Ehe und 100 Gulden für die wegen des nahen Verwandtschaftsgrads erforderliche Dispensation zahlen musste. Fortan lebten Mayer Carl und Louise von R. ständig in Ffm. Die junge Frau, von ihrer Mutter zur „Englishwoman in heart and soul“ erzogen, soll sich hier jedoch ziemlich fremd gefühlt haben. Wenigstens wohnte Louises älteste Schwester Charlotte (1807-1859), Ehefrau von Anselm Salomon von R. (aus der Wiener Linie, 1803-1874), ebenfalls meist in Ffm., wo sie ein glänzendes Haus in der Grüneburg führte; ihre Soireen, u. a. mit Konzerten von Mendelssohn Bartholdy und Schumann, waren kulturelle Höhepunkte. Vor allem in ihren ersten Ehejahren fand Louise die Ffter Gesellschaft dennoch „very dull“ (also fade und stumpfsinnig; vgl. Cohen: Lady de Rothschild and her Daughters 1937, S. 39). Trotzdem erfüllte sie stets ihre gesellschaftlichen und wohltätigen Verpflichtungen in der neuen Heimatstadt.
Die junge Familie wohnte im Haus Untermainkai 10 bzw. später 15, das Mayer Carl von R. zunächst angemietet hatte, 1846 erwarb und 1849/50 nach Entwürfen von Friedrich Rumpf umgestalten ließ („Rothschildpalais“, seit 1988 Sitz des Jüdischen Museums). Als Sommersitz diente die Villa Günthersburg in Bornheim, die Carl Mayer von R. bald nach ihrem Bau (Architekt: Friedrich Rumpf, 1844/45; abgerissen 1891) seinem Sohn Mayer Carl von R. als „Vorausvermächtnis“ zur Verfügung gestellt hatte und schließlich vererbte. Für das zur Günthersburg gehörende Landgut ließ Mayer Carl von R. später einen neuen Ökonomiehof, den nach seiner Frau benannten „Luisenhof“, errichten (Architekt: Heinrich Burnitz, 1864-66; verkauft an die Stadt Ffm. 1889, seitdem städtischer Fuhrpark und heute Sitz der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH). Bei der Anlage seiner erlesenen Kunst- und umfangreichen Büchersammlungen zur repräsentativen Ausstattung der Wohnhäuser wurde Mayer Carl von R. von seiner Frau beratend unterstützt.
Besonders intensiv widmete sich Louise von R. aber der Erziehung ihrer sieben Töchter: Adèle (eigentl.: Adele) Hannah Charlotte, gen. Addy (seit 1862 verh. de R., 1843-1922), Emma Louise, gen. Emmy (seit 1867 verh. de R., 1844-1935), Clementine Henrietta, gen. Clemmy (1845-1865), Laura Thérèse, gen. Thesie (seit 1871 verh. de R., 1847-1931), Hannah Louise (1850-1892), Margaretha (später: Marguerite) Alexandrine, gen. Margy (seit 1878 verh. de Gramont, 1855-1905) und Bertha Clara (später: Berthe Claire, seit 1882 verh. Berthier de Wagram, 1862-1903). Die Kinder wuchsen zweisprachig und weltoffen auf. Trotz angemessener („standesgemäßer“) Erziehung war ihre Ausbildung von liberaler Aufgeschlossenheit bestimmt. So durften die Mädchen ihren vielfältigen Interessen und eigenen Vorlieben über das damals übliche Maß hinaus nachgehen. Louise selbst, „ausgestattet mit vielseitigem Wissen und reichen Geistesschätzen“ (Rudolph Plaut), war eine begabte Malerin und Zeichnerin, die etwa Bildnisse ihrer Familie anfertigte (u. a. ein Aquarell der Tochter Clementine, 1853), sowie eine talentierte und ausgebildete Sängerin, die sogar von ihrem Lehrer Rossini, dem Freund ihres Onkels James von R., besonders gerühmt worden sein soll.
Aufgrund ihrer hohen ethischen Ideale war die Mutter den Töchtern das wichtigste Vorbild. Ihre bemerkenswerten Sabbatansprachen an ihre Kinder veröffentlichte sie in einem Büchlein „Thoughts suggested by Bible Texts. Addressed to my children“ (1857; dt. „Gedanken einer Mutter über biblische Texte. In Reden an ihre Kinder“, übersetzt und hg. v. Leopold Stein, 1861). Darin formulierte sie die im jüdischen Glauben wurzelnde Verpflichtung zur Wohltätigkeit, die sich aus ihrem eigenen Reichtum ergebe – und die sie (im Unterschied zum orthodoxen Zweig ihrer Familie) immer allen Bedürftigen „ohne Unterschied der Religion, des Standes und der Ortsangehörigkeit“ erwies.
Als die Tochter Clementine im Alter von 20 Jahren 1865 starb, stiftete R. zum Andenken das Clementine-Mädchen-Spital, das als Kinderkrankenhaus bis heute besteht. Für den Klinikbau nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen stellte die Stifterin ein 10.000 Quadratmeter großes Areal auf dem Röderberg in Bornheim sowie ein Grundkapital von 800.000 Goldmark zur Verfügung. Mit großem persönlichem Interesse begleitete sie die Planung und Einrichtung des Hospitals. In dem 1875 eröffneten Krankenhaus in der Bornheimer Landwehr 110 (spätere Hausnummer ab Adressbuch 1925: 60; kriegszerstört 1943) wurden satzungsgemäß kranke Mädchen im Alter von fünf bis 15 Jahren kostenlos aufgenommen und medizinisch behandelt. R. stellte nicht nur beachtliche finanzielle Mittel zur weiteren Unterhaltung der Klinik bereit, sondern besuchte auch selbst die kleinen Patientinnen, um ihnen „jede nur mögliche Hilfe und Erleichterung zu Teil werden zu lassen“ (Rudolph Plaut).
Auch darüber hinaus entfaltete R. eine rege Wohltätigkeit in und für Ffm. Sie war langjährige Präsidentin des Israelitischen Frauenvereins, dem sie u. a. eine Schenkung in Höhe von 3.000 Gulden zum Erwerb eines Grundstücks zukommen ließ (1853), und zeitweise Vorsitzende der „Freifrau Adelheid Carl von Rothschild’schen Stipendien-Stiftung für israelitische Schülerinnen“, die ihr Schwiegervater Carl Mayer von R. zum Andenken an seine verstorbene Frau 1854 gründete. Sie richtete in der Hafenstraße ein privates Lazarett mit 30 Betten für verwundete Soldaten des Deutsch-Französischen Kriegs ein (1870), das sie und ihre Töchter täglich besuchten. Dank einer Spende von R. konnte 1888 der Mädchenhort der Jüdischen Frauenvereinigung, die erste Einrichtung dieser Art in Ffm., eröffnet werden. Im Gedenken an ihren 1886 verstorbenen Mann sicherte R. – nach dem unerwarteten Tod ihrer Tochter Hannah Louise 1892 – deren Stiftungen der „Freiherrlich Carl von Rothschild’schen Öffentlichen Bibliothek“ und der Heilanstalt „Carolinum“ rechtlich und finanziell ab, wobei sie von ihrer ältesten Tochter Adèle de R. unterstützt wurde. Außerdem legte Louise von R. durch eine Schenkung von 100.000 Mark (1892) den finanziellen Grundstein für den Bau des ersten Hallenschwimmbads in Ffm. Die Baronin, die in diesem Fall erst nach ihrem Tod öffentlich als Stifterin genannt werden wollte, erlebte die Vollendung des Städtischen Schwimmbads (1896) nicht mehr.
Die jüdische Schriftstellerin Fanny Neuda (1819-1894) widmete Louise von R. „in tiefster Ehrfurcht“ das von ihr verfasste Gebetbuch „Stunden der Andacht“ („Ein Gebet- und Erbauungsbuch für Israels Frauen und Jungfrauen zur öffentlichen und häuslichen Andacht, sowie für alle Verhältnisse des weiblichen Lebens“, 1855), das bis in die Weimarer Zeit bei deutschen Jüdinnen sehr verbreitet war. Für ihre Verdienste um die Kranken- und Verwundetenpflege im Deutsch-Französischen Krieg wurde R. von Kaiserin Augusta mit dem Louisenorden (1874) ausgezeichnet.
Grabstätte innerhalb des Familiengrabs auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße in Ffm. (Block 4, Nr. 399).
Das Clementine-Mädchen-Spital wandelten R.s fünf hinterbliebene Töchter gemäß dem letzten Willen ihrer Mutter vom 23.5.1887 zur Stiftung um (mit kaiserlicher Genehmigung vom 1.2.1896). Bis 1921 unterstützten Adèle, Emma und Thérèse de R. das Clementinenkrankenhaus mit großzügigen Spenden. Die Inflation entwertete jedoch das gesamte Stiftungskapital, weshalb das Krankenhaus 1928, nun als „Clementine-Kinderhospital“, zur Verwaltung an den Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz übertragen werden musste. Nach Wiederbelebung der in der NS-Zeit aufgelösten Stiftung (1948) und Neubau des Krankenhauses auf dem (gepachteten) Grundstück der Dr. Christ’schen Stiftung im Ostend (1954) vereinigte sich die Stiftung Clementine-Kinderhospital 1974 mit der Dr. Christ’schen Stiftung zur „Clementine Kinderhospital – Dr. Christ’schen Stiftung“, die den Betrieb des Kinderkrankenhauses übernahm. Die Porträtmedaillons von Louise und Clementine von R. mit der Stiftungstafel aus dem ursprünglichen, im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäude des Clementine-Mädchen-Spitals (1875) befinden sich heute im Clementine Kinderhospital. Auch im Städtischen Hallenschwimmbad, dem alten „Stadtbad Mitte“ (1896; abgerissen 1957, an dessen Stelle seit 1958 das Verwaltungsgebäude der AOK am heutigen Börneplatz), erinnerte einst eine Gedenktafel an dessen Stifterin Louise von R.
Seit 1877 Luisenstraße und -platz in Bornheim und östlichem Nordend. Seit 2008 Louise-von-R.-Schule, eine Realschule (die frühere Weidenbornschule unter Zusammenfassung mit der formal aufgehobenen Bornheimer Realschule), in Bornheim. Der Clementineweg im Ostend ist nach R.s früh verstorbener Tochter Clementine von R. benannt, zu deren Erinnerung auch das heutige Clementine Kinderhospital gestiftet wurde.
Zur Hochzeit ihres ältesten Bruders Lionel Nathan de R. (1808-1879) mit ihrer Cousine Charlotte von R. (1819-1884) begleitete Louise 1836 ihre Mutter nach Ffm. Eine solche Hochzeitsfeier diente in der Familie R. auch der weiteren Heiratsvermittlung. Im Hause R. wurden die Ehen traditionell von der Familie gestiftet, wobei Verbindungen naher Verwandter durchaus üblich waren. Die damals knapp 16-jährige Louise wurde in Ffm. von zwei Kavalieren umworben, von denen ihr gleichaltriger Cousin Mayer Carl von R., der Bruder der Braut, auch Louises Mutter für sich gewann: „Mayer Carl ist annehmbarer & gesprächiger, als ich erwartet habe, und wohl in der Lage, Eindruck auf das Herz einer jungen Dame zu machen“, berichtete Hannah de R. erfreut nach London. (Zit. nach Ferguson: Die Geschichte der Rothschilds 2002, Bd. I, S. 229.) Während eines Frankreichaufenthalts im Sommer 1839 wurde die Verlobung von Louise und Mayer Carl endgültig besiegelt, und am 6.4.1842 heiratete das Paar in der Synagoge Duke’s Place in London.
Bald darauf trat Mayer Carl von R. in das Ffter Bankhaus „Mayer Amschel Rothschild & Söhne“ ein. Im Januar 1843, kurz nach Geburt der ersten Tochter, beantragte er beim Senat der Freien Stadt Ffm. die Zulassung zum israelitischen Bürgereid als Bankier und zugleich die Genehmigung seiner bereits vollzogenen Ehe mit Louise. Der Senat gab dem Gesuch statt, wenn der Antragsteller auch 150 Gulden wegen versäumter Anzeige der Ehe und 100 Gulden für die wegen des nahen Verwandtschaftsgrads erforderliche Dispensation zahlen musste. Fortan lebten Mayer Carl und Louise von R. ständig in Ffm. Die junge Frau, von ihrer Mutter zur „Englishwoman in heart and soul“ erzogen, soll sich hier jedoch ziemlich fremd gefühlt haben. Wenigstens wohnte Louises älteste Schwester Charlotte (1807-1859), Ehefrau von Anselm Salomon von R. (aus der Wiener Linie, 1803-1874), ebenfalls meist in Ffm., wo sie ein glänzendes Haus in der Grüneburg führte; ihre Soireen, u. a. mit Konzerten von Mendelssohn Bartholdy und Schumann, waren kulturelle Höhepunkte. Vor allem in ihren ersten Ehejahren fand Louise die Ffter Gesellschaft dennoch „very dull“ (also fade und stumpfsinnig; vgl. Cohen: Lady de Rothschild and her Daughters 1937, S. 39). Trotzdem erfüllte sie stets ihre gesellschaftlichen und wohltätigen Verpflichtungen in der neuen Heimatstadt.
Die junge Familie wohnte im Haus Untermainkai 10 bzw. später 15, das Mayer Carl von R. zunächst angemietet hatte, 1846 erwarb und 1849/50 nach Entwürfen von Friedrich Rumpf umgestalten ließ („Rothschildpalais“, seit 1988 Sitz des Jüdischen Museums). Als Sommersitz diente die Villa Günthersburg in Bornheim, die Carl Mayer von R. bald nach ihrem Bau (Architekt: Friedrich Rumpf, 1844/45; abgerissen 1891) seinem Sohn Mayer Carl von R. als „Vorausvermächtnis“ zur Verfügung gestellt hatte und schließlich vererbte. Für das zur Günthersburg gehörende Landgut ließ Mayer Carl von R. später einen neuen Ökonomiehof, den nach seiner Frau benannten „Luisenhof“, errichten (Architekt: Heinrich Burnitz, 1864-66; verkauft an die Stadt Ffm. 1889, seitdem städtischer Fuhrpark und heute Sitz der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH). Bei der Anlage seiner erlesenen Kunst- und umfangreichen Büchersammlungen zur repräsentativen Ausstattung der Wohnhäuser wurde Mayer Carl von R. von seiner Frau beratend unterstützt.
Besonders intensiv widmete sich Louise von R. aber der Erziehung ihrer sieben Töchter: Adèle (eigentl.: Adele) Hannah Charlotte, gen. Addy (seit 1862 verh. de R., 1843-1922), Emma Louise, gen. Emmy (seit 1867 verh. de R., 1844-1935), Clementine Henrietta, gen. Clemmy (1845-1865), Laura Thérèse, gen. Thesie (seit 1871 verh. de R., 1847-1931), Hannah Louise (1850-1892), Margaretha (später: Marguerite) Alexandrine, gen. Margy (seit 1878 verh. de Gramont, 1855-1905) und Bertha Clara (später: Berthe Claire, seit 1882 verh. Berthier de Wagram, 1862-1903). Die Kinder wuchsen zweisprachig und weltoffen auf. Trotz angemessener („standesgemäßer“) Erziehung war ihre Ausbildung von liberaler Aufgeschlossenheit bestimmt. So durften die Mädchen ihren vielfältigen Interessen und eigenen Vorlieben über das damals übliche Maß hinaus nachgehen. Louise selbst, „ausgestattet mit vielseitigem Wissen und reichen Geistesschätzen“ (Rudolph Plaut), war eine begabte Malerin und Zeichnerin, die etwa Bildnisse ihrer Familie anfertigte (u. a. ein Aquarell der Tochter Clementine, 1853), sowie eine talentierte und ausgebildete Sängerin, die sogar von ihrem Lehrer Rossini, dem Freund ihres Onkels James von R., besonders gerühmt worden sein soll.
Aufgrund ihrer hohen ethischen Ideale war die Mutter den Töchtern das wichtigste Vorbild. Ihre bemerkenswerten Sabbatansprachen an ihre Kinder veröffentlichte sie in einem Büchlein „Thoughts suggested by Bible Texts. Addressed to my children“ (1857; dt. „Gedanken einer Mutter über biblische Texte. In Reden an ihre Kinder“, übersetzt und hg. v. Leopold Stein, 1861). Darin formulierte sie die im jüdischen Glauben wurzelnde Verpflichtung zur Wohltätigkeit, die sich aus ihrem eigenen Reichtum ergebe – und die sie (im Unterschied zum orthodoxen Zweig ihrer Familie) immer allen Bedürftigen „ohne Unterschied der Religion, des Standes und der Ortsangehörigkeit“ erwies.
Als die Tochter Clementine im Alter von 20 Jahren 1865 starb, stiftete R. zum Andenken das Clementine-Mädchen-Spital, das als Kinderkrankenhaus bis heute besteht. Für den Klinikbau nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen stellte die Stifterin ein 10.000 Quadratmeter großes Areal auf dem Röderberg in Bornheim sowie ein Grundkapital von 800.000 Goldmark zur Verfügung. Mit großem persönlichem Interesse begleitete sie die Planung und Einrichtung des Hospitals. In dem 1875 eröffneten Krankenhaus in der Bornheimer Landwehr 110 (spätere Hausnummer ab Adressbuch 1925: 60; kriegszerstört 1943) wurden satzungsgemäß kranke Mädchen im Alter von fünf bis 15 Jahren kostenlos aufgenommen und medizinisch behandelt. R. stellte nicht nur beachtliche finanzielle Mittel zur weiteren Unterhaltung der Klinik bereit, sondern besuchte auch selbst die kleinen Patientinnen, um ihnen „jede nur mögliche Hilfe und Erleichterung zu Teil werden zu lassen“ (Rudolph Plaut).
Auch darüber hinaus entfaltete R. eine rege Wohltätigkeit in und für Ffm. Sie war langjährige Präsidentin des Israelitischen Frauenvereins, dem sie u. a. eine Schenkung in Höhe von 3.000 Gulden zum Erwerb eines Grundstücks zukommen ließ (1853), und zeitweise Vorsitzende der „Freifrau Adelheid Carl von Rothschild’schen Stipendien-Stiftung für israelitische Schülerinnen“, die ihr Schwiegervater Carl Mayer von R. zum Andenken an seine verstorbene Frau 1854 gründete. Sie richtete in der Hafenstraße ein privates Lazarett mit 30 Betten für verwundete Soldaten des Deutsch-Französischen Kriegs ein (1870), das sie und ihre Töchter täglich besuchten. Dank einer Spende von R. konnte 1888 der Mädchenhort der Jüdischen Frauenvereinigung, die erste Einrichtung dieser Art in Ffm., eröffnet werden. Im Gedenken an ihren 1886 verstorbenen Mann sicherte R. – nach dem unerwarteten Tod ihrer Tochter Hannah Louise 1892 – deren Stiftungen der „Freiherrlich Carl von Rothschild’schen Öffentlichen Bibliothek“ und der Heilanstalt „Carolinum“ rechtlich und finanziell ab, wobei sie von ihrer ältesten Tochter Adèle de R. unterstützt wurde. Außerdem legte Louise von R. durch eine Schenkung von 100.000 Mark (1892) den finanziellen Grundstein für den Bau des ersten Hallenschwimmbads in Ffm. Die Baronin, die in diesem Fall erst nach ihrem Tod öffentlich als Stifterin genannt werden wollte, erlebte die Vollendung des Städtischen Schwimmbads (1896) nicht mehr.
Die jüdische Schriftstellerin Fanny Neuda (1819-1894) widmete Louise von R. „in tiefster Ehrfurcht“ das von ihr verfasste Gebetbuch „Stunden der Andacht“ („Ein Gebet- und Erbauungsbuch für Israels Frauen und Jungfrauen zur öffentlichen und häuslichen Andacht, sowie für alle Verhältnisse des weiblichen Lebens“, 1855), das bis in die Weimarer Zeit bei deutschen Jüdinnen sehr verbreitet war. Für ihre Verdienste um die Kranken- und Verwundetenpflege im Deutsch-Französischen Krieg wurde R. von Kaiserin Augusta mit dem Louisenorden (1874) ausgezeichnet.
Grabstätte innerhalb des Familiengrabs auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße in Ffm. (Block 4, Nr. 399).
Das Clementine-Mädchen-Spital wandelten R.s fünf hinterbliebene Töchter gemäß dem letzten Willen ihrer Mutter vom 23.5.1887 zur Stiftung um (mit kaiserlicher Genehmigung vom 1.2.1896). Bis 1921 unterstützten Adèle, Emma und Thérèse de R. das Clementinenkrankenhaus mit großzügigen Spenden. Die Inflation entwertete jedoch das gesamte Stiftungskapital, weshalb das Krankenhaus 1928, nun als „Clementine-Kinderhospital“, zur Verwaltung an den Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz übertragen werden musste. Nach Wiederbelebung der in der NS-Zeit aufgelösten Stiftung (1948) und Neubau des Krankenhauses auf dem (gepachteten) Grundstück der Dr. Christ’schen Stiftung im Ostend (1954) vereinigte sich die Stiftung Clementine-Kinderhospital 1974 mit der Dr. Christ’schen Stiftung zur „Clementine Kinderhospital – Dr. Christ’schen Stiftung“, die den Betrieb des Kinderkrankenhauses übernahm. Die Porträtmedaillons von Louise und Clementine von R. mit der Stiftungstafel aus dem ursprünglichen, im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäude des Clementine-Mädchen-Spitals (1875) befinden sich heute im Clementine Kinderhospital. Auch im Städtischen Hallenschwimmbad, dem alten „Stadtbad Mitte“ (1896; abgerissen 1957, an dessen Stelle seit 1958 das Verwaltungsgebäude der AOK am heutigen Börneplatz), erinnerte einst eine Gedenktafel an dessen Stifterin Louise von R.
Seit 1877 Luisenstraße und -platz in Bornheim und östlichem Nordend. Seit 2008 Louise-von-R.-Schule, eine Realschule (die frühere Weidenbornschule unter Zusammenfassung mit der formal aufgehobenen Bornheimer Realschule), in Bornheim. Der Clementineweg im Ostend ist nach R.s früh verstorbener Tochter Clementine von R. benannt, zu deren Erinnerung auch das heutige Clementine Kinderhospital gestiftet wurde.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Lexika:
Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 582f.
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Müller/Schembs: Stiftungen 2006, S. 104.
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Richel, S. 483.
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Zur Geschichte der „Freifrau Adelheid Carl von Rothschild’schen Stipendien-Stiftung für israelitische Schülerinnen“: Schiebler, S. 40.
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Zur Geschichte des Clementine-Kinderhospitals: Schiebler, S. 159f.
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Wahlig: Straßennamen, S. 35, 102.
Literatur:
Zur Geschichte des Clementine-Kinderhospitals: Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. II, S. 115-117, 271.
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Clementine von Rothschild 2011.
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Cohen: Lady de Rothschild and her Daughters 1937, S. 39f., 76, 90, 127, 140, 143, 247, 337.
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Dörken: Berühmte Ffter Frauen 2008, S. 82-84.
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Ferguson: Die Geschichte der Rothschilds 2002, Bd. I, S. 229, 354f., 400-402; Bd. II, S. 297, 302.
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Heuberger (Hg.): Die Rothschilds 1994, Bd. 2 (Essays), S. 217-220, 223.
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Schembs, Hans-Otto: „Kranken zur Pflege, der Gemeinde zum Frommen, der Vaterstadt zur Zierde“. Die wohltätigen Stiftungen der Rothschilds in Ffm. In: Heuberger (Hg.): Die Rothschilds 1994, Bd. 1 (Katalog), S. 181-183, 192-194.
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Hock: Luisenhof 2006, S. 16-37, bes. S. 29-32.
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Kasper/Schubert: Nach Frauen benannt 2013, S. 33 (Clementineweg).
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Plaut: Gedächtnis-Rede, gehalten an der Bahre der verewigten Freifrau Carl von Rothschild 1894.
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Rothschild, Louise de: Extracts from her Notebooks 1912.
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Schembs, Hans-Otto: Hannah-Louise von Rothschild. In: Rothschild’sche Bibliothek 1988, S. 11-26.
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Schembs: Jüd. Mäzene u. Stifter 2007, S. 124-126.
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Glanville, Philippa: Mayer Carl von Rothschild: collector or patriot? In: The Magazine Antiques 2005, Oktoberheft, S. 36-43 (online verfügbar auf den Seiten von „The Rothschild Archive“ unter: https://www. rothschildarchive. org/materials/ar2004mayercarl. pdf, abgerufen am 1. 2. 2019).
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Über die Tochter Clementine von Rothschild (1845-1865) und ihr Briefbuch „Die Grundsätze der Liebe und Gerechtigkeit im Judenthum“: Herr, Laura: „Hat uns nicht ein Gott geschaffen?“ – Ein Aufruf zu religiöser Toleranz. Judaica-Sammlung – UB JCS. In: Trümpler u. a. (Hg.): Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen d. Goethe-Universität 2014, S. 332f.
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Lenarz, Michael: Das Rothschild-Palais. Ein jüdischer Ort im 19. und 20. Jahrhundert. In: Wenzel/Kößling/Backhaus (Hg.): Jüd. Fft. 2020, S. 48-55.
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Wilson: Die Rothschild Dynastie 1988, S. 153-157 u. 183.
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Zwilling: Baden unter Palmen 2015, S. 48-51.
Quellen:
FGA, 16. 12. 1894 u. 18. 12. 1894.
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ISG, Nachlassakten 1859/335 (Rothschild, Louise von, geb. von Rothschild/Israelitischer Frauenverein: Insinuation einer Schenkung, 1853).
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ISG, S3/5. 245 (Schwimmbad: Stadtbad Mitte, 1896-1957).
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ISG, Senatssuppl. 80/33, Bl. 12a-i.
Internet:
Jüd. Pflegegeschichte, 2.10.2024.
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Wikipedia, 10.12.2018.
GND: 116641843 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Rothschild, Louise von. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/3910.
Stand des Artikels: 19.11.2020
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 12.2018
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Dezember 2018.
Rothschild, Mayer Amschel
Rothschild, Mayer Amschel. Bankier.
* 23.2.1743 (oder 1744) Ffm., † 19.9.1812 Ffm.
Als Sohn von Amschel Moses R. und Schönche, geb. Lechnich, im Haus zur Hinterpfann in der Ffter Judengasse geboren. Verheiratet (seit 1770) mit Gudula R., geb. Schnapper. Von 20 Kindern erlebten zehn – fünf Söhne (Amschel Mayer, Salomon Mayer, Nathan Mayer, Carl Mayer und Jakob Mayer, gen. James) und fünf Töchter – das Erwachsenenalter.
R. besuchte auf väterlichen Wunsch die Jeschiwa in Fürth. Nach dem Tod des Vaters (1755) und der Mutter (1756) infolge einer Pockenepidemie absolvierte er eine Lehre im Bankhaus Oppenheim in Hannover. Kehrte um 1763 nach Ffm. zurück, machte sich selbstständig mit Handel von Münzen und Antiquitäten, von englischen Tuchen und anderen Waren, schließlich auch von Wechseln und Staatsanleihen. Entscheidend für den Aufstieg wurden die Heereslieferungen an die kaiserliche Armee (seit 1792), was zur Ernennung zum kaiserlichen Hoffaktor führte, und vor allem die Verbindung zum Erbprinzen Wilhelm von Hessen, zunächst Regenten der Grafschaft Hanau, später (seit 1785) Landgrafen, seit 1803 Kurfürsten von Hessen. R. avancierte 1769 zum Hessen-Hanauischen Hoffaktor, 1803 zum Oberhofagenten. In Kassel wurde eine erste Niederlassung der Firma R. eingerichtet. Mayer Amschel R. verwaltete während der französischen Besatzungszeit das Vermögen des im Exil lebenden Kurfürsten, legte den Gewinn in Obligationen und Anleihen an und bewahrte einige Kisten mit Akten für den Kurfürsten auf, was zur Legende von der Rettung des gesamten kurfürstlichen Schatzes durch R. führte. Schließlich wurde R., in Konkurrenz zu den Bankhäusern Gebr. Bethmann und Rüppell & Harnier, Bankier des Kurfürsten, wobei die Vermittlung durch Kabinettskassendirektor und Kriegsrat Carl Friedrich Buderus (1759-1819) ausschlaggebend war, der 1809 stiller Teilhaber von R. wurde. Mayer Amschel R. wurde auch Hoffaktor des Johanniterordens und der Fürsten von Thurn und Taxis.
Mit Gesellschaftsvertrag von 1810 nahm R. die Söhne (außer Nathan in London) als Teilhaber auf, die bereits vorher für ihn tätig waren, die beiden älteren seit 1796 als Partner. Seit 1796 hatte die Firma ihre Geschäftsräume in der Schnurgasse, also außerhalb der Judengasse; dazu Warenlager im Trierischen Hof. 1809 erwarb R. im nördlichen, 1796 abgebrannten Teil der Judengasse einen Bauplatz, auf dem das spätere Bankhaus (Fahrgasse 146) entstand.
Beteiligt an den Verhandlungen zur Gleichstellung der Ffter Juden und am Aufbringen der Ablösesumme im Jahr 1811. 1812 wurde R., wie auch Simon Moritz von Bethmann, in das Wahlkollegium des Großherzogtums Ffm. berufen.
Von Mayer Amschel R. ist keine zeitgenössische Darstellung bekannt, da er als frommer Jude sich wahrscheinlich nicht porträtieren ließ.
Beerdigt auf dem Jüdischen Friedhof Battonnstraße. Der Grabstein entging der Zerstörung durch die Nationalsozialisten, wurde nach 1945 wiederentdeckt und steht heute im Ehrenhain des Jüdischen Friedhofs.
R. besuchte auf väterlichen Wunsch die Jeschiwa in Fürth. Nach dem Tod des Vaters (1755) und der Mutter (1756) infolge einer Pockenepidemie absolvierte er eine Lehre im Bankhaus Oppenheim in Hannover. Kehrte um 1763 nach Ffm. zurück, machte sich selbstständig mit Handel von Münzen und Antiquitäten, von englischen Tuchen und anderen Waren, schließlich auch von Wechseln und Staatsanleihen. Entscheidend für den Aufstieg wurden die Heereslieferungen an die kaiserliche Armee (seit 1792), was zur Ernennung zum kaiserlichen Hoffaktor führte, und vor allem die Verbindung zum Erbprinzen Wilhelm von Hessen, zunächst Regenten der Grafschaft Hanau, später (seit 1785) Landgrafen, seit 1803 Kurfürsten von Hessen. R. avancierte 1769 zum Hessen-Hanauischen Hoffaktor, 1803 zum Oberhofagenten. In Kassel wurde eine erste Niederlassung der Firma R. eingerichtet. Mayer Amschel R. verwaltete während der französischen Besatzungszeit das Vermögen des im Exil lebenden Kurfürsten, legte den Gewinn in Obligationen und Anleihen an und bewahrte einige Kisten mit Akten für den Kurfürsten auf, was zur Legende von der Rettung des gesamten kurfürstlichen Schatzes durch R. führte. Schließlich wurde R., in Konkurrenz zu den Bankhäusern Gebr. Bethmann und Rüppell & Harnier, Bankier des Kurfürsten, wobei die Vermittlung durch Kabinettskassendirektor und Kriegsrat Carl Friedrich Buderus (1759-1819) ausschlaggebend war, der 1809 stiller Teilhaber von R. wurde. Mayer Amschel R. wurde auch Hoffaktor des Johanniterordens und der Fürsten von Thurn und Taxis.
Mit Gesellschaftsvertrag von 1810 nahm R. die Söhne (außer Nathan in London) als Teilhaber auf, die bereits vorher für ihn tätig waren, die beiden älteren seit 1796 als Partner. Seit 1796 hatte die Firma ihre Geschäftsräume in der Schnurgasse, also außerhalb der Judengasse; dazu Warenlager im Trierischen Hof. 1809 erwarb R. im nördlichen, 1796 abgebrannten Teil der Judengasse einen Bauplatz, auf dem das spätere Bankhaus (Fahrgasse 146) entstand.
Beteiligt an den Verhandlungen zur Gleichstellung der Ffter Juden und am Aufbringen der Ablösesumme im Jahr 1811. 1812 wurde R., wie auch Simon Moritz von Bethmann, in das Wahlkollegium des Großherzogtums Ffm. berufen.
Von Mayer Amschel R. ist keine zeitgenössische Darstellung bekannt, da er als frommer Jude sich wahrscheinlich nicht porträtieren ließ.
Beerdigt auf dem Jüdischen Friedhof Battonnstraße. Der Grabstein entging der Zerstörung durch die Nationalsozialisten, wurde nach 1945 wiederentdeckt und steht heute im Ehrenhain des Jüdischen Friedhofs.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 218f., verfasst von: Hans-Otto Schembs.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Literatur:
Backhaus: Mayer Amschel Rothschild 2012.
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Berghoeffer: Meyer Amschel Rothschild 1922.
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Cohen: Meyer Amschel Rothschild 1813.
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Bethmann, Johann Philipp Freiherr von: „Er kannte keine größere Wonne als Wohlthun“. Mayer Amschel Rothschild. In: Sarkowicz (Hg.): Die großen Ffter 1994, S. 58-68; vgl. auch S. 280.
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Wolters: Wer wo lebte 2009, Neuaufl. 2012, S. 130-132.
GND: 11879132X ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, Mayer Amschel. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/947.
Stand des Artikels: 29.9.1995
Rothschild, Mayer Carl von
Mayer Carl von Rothschild
Fotografie von Otto van Bosch (im Besitz der UB Ffm.).
© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Sammlung Judaica Frankfurt, URN: urn:nbn:de:hebis:30:1-302679).
Rothschild, Mayer Carl, auch gen. Charles, von. Kurfürstlich Hessischer Geheimer Finanzrat. K. u. k. Österreichischer Generalkonsul. Königlich Bayerischer Generalkonsul. Konsul des Herzogs von Parma. Königlich Preußischer und Herzoglich Nassauischer Hofbankier. Bankier. Politiker.
* 5.8.1820 Ffm., † 16.10.1886 Ffm.
Zweites Kind und ältester Sohn von Carl Mayer (von) R. und dessen Ehefrau Adelheid, geb. Her(t)z (1800-1853). Vier Geschwister: Charlotte (später verh. de R., 1819-1884), Adolph Carl (1823-1900), Wilhelm Carl (1828-1901) und Anselm Alexander Carl (1835-1854). Enkel von Mayer Amschel R. und dessen Ehefrau Gudula, geb. Schnapper. Verheiratet (seit 1842) mit Louise von R., geb. de R. (1820-1894), einer Tochter seines Onkels Nathan Mayer (de) R. in London. Sieben Töchter.
Der Vater Carl Mayer von R. richtete 1820, im Geburtsjahr des Sohnes Mayer Carl, eine Filiale des Bankhauses R. in Neapel ein. Die Familie hielt sich jedoch häufig und in späteren Jahren fast ausschließlich in Ffm. auf, von wo aus der Vater die Niederlassung in Neapel führte.
Seit 1834 genoss R. eine Ausbildung an verschiedenen R.banken in Europa, wohl in Ffm., Neapel (1839/40) und London, unterbrochen durch ein Studium der Jurisprudenz in Göttingen, u. a. bei Dahlmann und Grimm (1837/38), und in Berlin, u. a. bei Ranke und Savigny (1838/39). 1843 trat er in das von seinem Onkel Amschel Mayer von R. geführte Ffter Stammhaus der Bank ein. Da Amschel Mayer von R.s Ehe kinderlos geblieben war, adoptierte dieser zur Sicherung der Ffter Nachfolge nach einigen innerfamiliären Rivalitäten 1850 den Neffen Mayer Carl, der sich – nach Worten seiner Schwester Charlotte in ihrem Tagebuch von 1848 – als „ein Mann von Welt und ein Weltbürger (...) mit durchaus nicht unbeträchtlichen Talenten“ empfahl, zumal er dank „seines einnehmenden Wesens, seiner lebhaften Persönlichkeit und seiner geistreichen Konversation“ bereits eine „beliebte Erscheinung“ in Ffm. gewesen sei (zit. nach Ferguson: Die Geschichte der Rothschilds 2002, Bd. II, S. 21). Bald (1852) wurde R. als Teilhaber des Ffter Hauses „Mayer Amschel R. & Söhne“ eingesetzt. Nach dem Tod des Onkels am 6.12.1855 übernahm Mayer Carl von R., zusammen mit seinem jüngeren Bruder Wilhelm Carl von R., die Leitung des Bankhauses in Ffm.
Schon früh förderte R., von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen heftig umworben, den Verkauf preußischer Staatspapiere in Süddeutschland. Bereits 1853 wurde er daher, nicht zuletzt dank Bismarck, zum preußischen Hofbankier ernannt, womit er über das konkurrierende Bankhaus Gebr. Bethmann triumphierte. Die neue Rolle führte jedoch auch zu Konflikten mit seiner Familie in England und Frankreich, die den zunehmend militanten Kurs der preußischen Politik nicht billigte. Nach der Besetzung der Stadt Ffm. durch Preußen 1866 gehörte R. zur Ffter Delegation in Berlin, die dort (ab Ende Juli 1866) bessere Bedingungen für die Annexion aushandeln sollte, vor allem geringere Kontributionszahlungen, was letztlich – auch durch dreimalige persönliche Fürsprache R.s bei Bismarck (am 1., 6. und 7.8.1866) – gelang.
Von 1867 bis Ende 1870 war R. Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Ffm., wobei er aber so selten in den Sitzungen anwesend gewesen sein soll, dass er einmal sogar ein ganzes Jahr lang nicht im Römer gesehen wurde. Vielmehr konzentrierte er sich in seinem politischen Engagement auf die nationale Ebene. Als fraktionsloser Konservativer, der den Freikonservativen zuneigte, gehörte R. im Frühjahr 1867 dem konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes an. Anschließend saß er, wiederum als Vertreter des Wahlkreises Wiesbaden 6 (Ffm.), im ersten ordentlichen Reichstag des Norddeutschen Bundes (1867-71). Mitglied des Zollparlaments (1868-70). Mitglied der Deputation bei der Kaiserproklamation in Versailles am 18.1.1871. Bei den ersten gesamtdeutschen Reichstagswahlen 1871 trat R. als Kandidat der Konservativen für den Wahlkreis Ffm. an, unterlag aber seinem demokratischen Gegenkandidaten Leopold Sonnemann und zog sich danach weitgehend aus der Politik zurück. Bereits im November 1867 war R. – als erster Jude – zum lebenslänglichen Mitglied im Preußischen Herrenhaus berufen worden, dem er von 1868 bis zu seinem Tod 1886 angehörte. R. war sehr stolz auf die kaiserliche Gunst, die er und auch seine Frau Louise (u. a. durch die Einrichtung eines privaten Lazaretts für verwundete Soldaten des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71) sich erworben hatten. Er war häufiger Gast bei Hofe in Berlin sowie an der kaiserlichen Tafel in Wiesbaden und Bad Ems. 1875 waren Prinz Carl von Preußen (1801-1883) und seine Frau, Prinzessin Marie (1808-1877), bei R. in der Villa Günthersburg zu Besuch.
Mitgründer der Ffter Bank (1854), deren Verwaltungsrat er zunächst als Vizepräsident, seit 1855 als Präsident angehörte. Mitglied der Handelskammer (1857-72). Mitglied im 1866 gegründeten Verein zur Pflege und Unterstützung im Felde erkrankter und verwundeter Krieger. Mitglied des Dombauvereins, der sich seit 1867 für den Wiederaufbau des niedergebrannten Ffter Doms einsetzte. Mitglied im Zentralausschuss der Deutschen Reichsbank. Mitbegründer (um 1883/84) des Vereins zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen für Handel und Gewerbe. Mitglied im Vorstand der Ffter Lebensversicherungsgesellschaft. Mitglied im Verwaltungs- und Aufsichtsrat weiterer Banken und Unternehmen.
Träger zahlreicher Orden, u. a. des Kommandeurkreuzes des St. Ludwigsordens (verliehen durch die Herzogin-Regentin von Parma, 1859) sowie des griechischen Erlöser-Ordens und des spanischen Ordens Isabellas der Katholischen. Den preußischen Roten Adlerorden III. Klasse (1853) und II. Klasse (1857) erhielt R. in der für Nichtchristen geschaffenen ovalen Form statt dem üblichen Kreuz, was er eher als Zurücksetzung denn als Auszeichnung empfand; deshalb soll er das Tragen dieses Ordens möglichst vermieden und sich höchstens mit dem Ordensband im Knopfloch gezeigt haben.
Als die Freie Stadt Ffm. 1857 einen „Vereinstaler“ mit dem Brustbild der Francofurtia herausgab, munkelte man in überseeischen Finanzkreisen, das Frauenbildnis auf der Talermünze sei ein Porträt der Geliebten von R. Deshalb wurde das Silberstück in Amerika auch „Rothschild Love Dollar“ genannt. Die Anekdote veranschaulicht zumindest den Ruf, den der Ffter R. in der amerikanischen Banken- und Börsenwelt genoss: Man traute ihm zu, in seiner Vaterstadt so viel Einfluss zu haben, dass er sich sogar ein Bild seiner Geliebten auf städtisches Münzsilber prägen lassen konnte. Tatsächlich dürfte sich R. mehr für große Geschäfte interessiert haben als für kleine Münzen (und schon gar nicht für deren Design).
Als Wohnhaus für sich und seine Familie hatte R. 1846 das zuvor nur angemietete Haus Untermainkai 10 bzw. später 15 (Architekt: Johann Friedrich Christian Hess, 1821) erworben, das er nach Entwürfen von Friedrich Rumpf 1849/50 umbauen ließ („Rothschildpalais“, seit 1988 Sitz des Jüdischen Museums). Von seinem Vater erhielt er die Günthersburg mit dem durch Friedrich Rumpf 1844/45 errichteten Schlösschen zum Sommersitz; als Ökonomiehof für die dazu gehörigen Ländereien ließ er durch Heinrich Burnitz 1864-66 den (nach R.s Frau benannten) Luisenhof an der Weidenbornstraße erbauen (heute Sitz der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH). Zum ausgedehnten Grundbesitz von R. in und bei Ffm. gehörten auch der ebenfalls vom Vater ererbte Bertramshof (der frühere Kühhornshof; heute auf dem Gelände des Hessischen Rundfunks am Dornbusch) und die „Dicke Oede“ (zwischen Bornheimer Landstraße, Heidestraße und Friedberger Landstraße), ein über 100.000 Quadratmeter großes (und heute überbautes) Gelände, das er etwa als Festplatz für das erste allgemeine Deutsche Schützenfest 1862 und das V. Allgemeine Deutsche Turnfest 1880 an die Stadt verpachtete.
In den ausgehenden 1870er Jahren überließ R. aus gesundheitlichen Gründen die Bankgeschäfte mehr und mehr seinem Bruder, der somit noch zu R.s Lebzeiten die Leitung des Ffter Hauses weitgehend übernahm. Unterstützt von seiner Frau Louise, widmete sich R. künftig intensiv seiner großen Bibliothek (mit ca. 3.000 Bänden) und seiner bedeutenden Sammlung kunstgewerblicher Antiquitäten (mit ca. 5.000 Stücken), einem sagenhaften Schatz von Weltrang und Millionenwert, der sogar mit dem Grünen Gewölbe in Dresden verglichen wurde. Unter den zahlreichen Stücken aus Silber und Gold war der „Merkel’sche Tafelaufsatz“ von Wenzel Jamnitzer (1549; heute im Rijksmuseum Amsterdam) besonders berühmt. Dieses Prachtwerk deutscher Silberschmiedekunst der Renaissance hatte R. 1880 für den spektakulären Preis von angeblich 800.000 Mark (32.000 Pfund) erworben: Es war damit zu diesem Zeitpunkt das teuerste Kunstwerk, das je verkauft worden war.
Während die Ffter Angehörigen der Familie R., darunter R.s Bruder Wilhelm Carl und dessen Frau Hannah Mathilde von R., eine streng orthodoxe Glaubensauffassung vertraten, lebte Mayer Carl von R. eine liberalere Form des Judentums. So verpflichteten er und seine Frau Louise den Rabbiner Leopold Stein, einen der markantesten Vertreter des deutschen Reformjudentums, gegen dessen Anstellung in Ffm. die Familie unter Amschel Mayer von R. einst (1843) massiv protestiert hatte, als Hauslehrer für ihre Töchter. Ganz im Sinne der R.’schen Familienpolitik heirateten drei der Töchter innerhalb der Familie: Adèle (eigentl.: Adele) Hannah Charlotte, gen. Addy (1843-1922), verheiratet seit 1862 mit Salomon James de R. (1835-1864) in Paris; Emma Louise, gen. Emmy (1844-1935), verheiratet seit 1867 mit Nathaniel Mayer, gen. Natty, de R. (1840-1915), dem ersten Lord R., in England; Laura Thérèse, gen. Thesie (1847-1931), verheiratet seit 1871 mit Nathan James Edouard de R. (1844-1881) in London und Paris. Die beiden jüngsten Töchter, Margaretha (später: Marguerite) Alexandrine, gen. Margy (seit 1878 verh. de Gramont, 1855-1905), und Bertha Clara (später: Berthe Claire, seit 1882 verh. Berthier de Wagram, 1862-1903), heirateten jedoch christliche Adelige und konvertierten zum Katholizismus, weshalb der Vater – so will es die Legende – sie vom Erbe ausgeschlossen habe; tatsächlich wurde nur Marguerite, die sich einer bereits verabredeten innerfamiliären Heirat widersetzt hatte, vom Vater enterbt.
R. wurde in einem Grab innerhalb der Familiengrabstätte auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße in Ffm. bestattet (Block 4, Nr. 400). Auf seinem Grabstein (1888) stehen die Worte aus den Sprüchen Salomo (24,3): „Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten.“ Da R. keinen männlichen Erben hatte, übernahm nach seinem Tod 1886 sein Bruder Wilhelm Carl von R. allein die Leitung des Ffter Bankhauses; nach dessen Tod 1901 erlosch die Ffter Firma. Das hinterlassene Vermögen von Mayer Carl von R., im angeblichen Wert von 800 Millionen Mark, ging in großen Teilen an die fünf lebenden und erbberechtigten Töchter, während die Witwe Louise von R. eine Rente erhielt; die von R. eigentlich ausgeschlossene Tochter Marguerite wurde von Mutter und Schwestern mit einem großzügigen finanziellen Anteil aus dem Erbe bedacht. Außerdem vergab Louise von R. zahlreiche Legate aus dem Nachlass ihres Mannes, u. a. an jüdische Wohltätigkeitsvereine. Die älteste Tochter Adèle de R. erbte die Besitzungen in Bornheim, die sie bald veräußerte, zuerst den Luisenhof, der noch zu Lebzeiten der Namensgeberin an die Stadt Ffm. ging (1889; seitdem Sitz des städtischen Fuhrparks mit Müllabfuhr und Straßenreinigung). Die Villa Günthersburg wurde von der Familie aufgegeben (unter Verteilung des dortigen Bestands der Kunstsammlung an die fünf erbberechtigten Töchter, 1886) und, gemäß R.s letztem Willen, 1891 abgebrochen, bevor der dazu gehörige „Günthersburgpark“ nach dem Verkauf an die Stadt Ffm. zum Volkspark wurde (1892; dort noch die spätestens 1855 errichtete Orangerie erhalten). Die unverheiratete Tochter Hannah Louise von R. (1850-1892) hatte u. a. den Bertramshof aus dem Erbe des Vaters erhalten, wo sie 1888/89 ein neues landwirtschaftliches Mustergut (die „Rothschild’sche Meierei“) errichten ließ; das Gut blieb nach Hannah Louises Tod bis zum Verkauf um 1911/14 im Besitz der Familie von R.
Zum Gedenken an den Vater stiftete Hannah Louise von R. die „Freiherrlich Carl von Rothschild’sche Öffentliche Bibliothek“ (mit der väterlichen Büchersammlung als Grundstock, 1887; seit 1928 Abteilung der Stadtbibliothek, der heutigen „Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg“) und die Heilanstalt „Carolinum“ (1890; seit 1910/12 Zahnklinik der späteren Universität), für deren Erhalt nach dem frühen Tod der Stifterin (1892) deren Mutter Louise und Schwester Adèle sorgten. Die Kunstsammlung, zumindest den in Ffm. verbliebenen Teil, machte die Witwe Louise von R., unterstützt von ihrer Tochter Hannah Louise, der Öffentlichkeit zugänglich, indem sie ein Privatmuseum mit drei Sälen in dem Palais am Untermainkai einrichtete; zentral im „Gelben Saal“ war dort auch der berühmte „Merkel’sche Tafelaufsatz“ ausgestellt (vgl. den von Ferdinand Luthmer verfassten Führer durch die Sammlung, 1890). Der bedeutende Bestand chinesischer Vasen, der, ursprünglich in der Villa Günthersburg, in den Besitz von Hannah Louise von R. übergegangen war, wurde zunächst (1887) als Leihgabe beim Mitteldeutschen Kunstgewerbe-Verein und später, zumindest zeitweise, in der zu Jahresbeginn 1888 eröffneten R.bibliothek in der Bethmannstraße 1 gezeigt. Einige Stücke aus der Kunstsammlung schenkte Louise von R. der Stadt Ffm., u. a. zwei Pokale der Goldschmiedezunft, eine Bernsteinkanne und einen früher einer jüdischen Beerdigungsbruderschaft gehörenden Silberpokal (alle in einer Schenkung von 1887). Nach dem Tod der Witwe wurde die übrige Kunstsammlung 1895 unter der Familie aufgeteilt und damit endgültig aufgelöst.
In das Stadthaus am Untermainkai zog nach Louises von R.s Tod die Freiherrlich Carl von Rothschild’sche Öffentliche Bibliothek ein. Seit 1988 ist in dem als „Rothschildpalais“ bekannten Gebäude das Jüdische Museum beheimatet. Anlässlich der Ausstellung „Die Rothschilds. Eine europäische Familie“ 1994/95 wurden dort drei historische Räume eingerichtet, die einen Eindruck vom Lebensstil von Mayer Carl von R. und seiner Familie vermitteln (wegen Sanierung des Museums voraussichtlich bis Spätsommer 2019 geschlossen).
Der Vater Carl Mayer von R. richtete 1820, im Geburtsjahr des Sohnes Mayer Carl, eine Filiale des Bankhauses R. in Neapel ein. Die Familie hielt sich jedoch häufig und in späteren Jahren fast ausschließlich in Ffm. auf, von wo aus der Vater die Niederlassung in Neapel führte.
Seit 1834 genoss R. eine Ausbildung an verschiedenen R.banken in Europa, wohl in Ffm., Neapel (1839/40) und London, unterbrochen durch ein Studium der Jurisprudenz in Göttingen, u. a. bei Dahlmann und Grimm (1837/38), und in Berlin, u. a. bei Ranke und Savigny (1838/39). 1843 trat er in das von seinem Onkel Amschel Mayer von R. geführte Ffter Stammhaus der Bank ein. Da Amschel Mayer von R.s Ehe kinderlos geblieben war, adoptierte dieser zur Sicherung der Ffter Nachfolge nach einigen innerfamiliären Rivalitäten 1850 den Neffen Mayer Carl, der sich – nach Worten seiner Schwester Charlotte in ihrem Tagebuch von 1848 – als „ein Mann von Welt und ein Weltbürger (...) mit durchaus nicht unbeträchtlichen Talenten“ empfahl, zumal er dank „seines einnehmenden Wesens, seiner lebhaften Persönlichkeit und seiner geistreichen Konversation“ bereits eine „beliebte Erscheinung“ in Ffm. gewesen sei (zit. nach Ferguson: Die Geschichte der Rothschilds 2002, Bd. II, S. 21). Bald (1852) wurde R. als Teilhaber des Ffter Hauses „Mayer Amschel R. & Söhne“ eingesetzt. Nach dem Tod des Onkels am 6.12.1855 übernahm Mayer Carl von R., zusammen mit seinem jüngeren Bruder Wilhelm Carl von R., die Leitung des Bankhauses in Ffm.
Schon früh förderte R., von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen heftig umworben, den Verkauf preußischer Staatspapiere in Süddeutschland. Bereits 1853 wurde er daher, nicht zuletzt dank Bismarck, zum preußischen Hofbankier ernannt, womit er über das konkurrierende Bankhaus Gebr. Bethmann triumphierte. Die neue Rolle führte jedoch auch zu Konflikten mit seiner Familie in England und Frankreich, die den zunehmend militanten Kurs der preußischen Politik nicht billigte. Nach der Besetzung der Stadt Ffm. durch Preußen 1866 gehörte R. zur Ffter Delegation in Berlin, die dort (ab Ende Juli 1866) bessere Bedingungen für die Annexion aushandeln sollte, vor allem geringere Kontributionszahlungen, was letztlich – auch durch dreimalige persönliche Fürsprache R.s bei Bismarck (am 1., 6. und 7.8.1866) – gelang.
Von 1867 bis Ende 1870 war R. Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Ffm., wobei er aber so selten in den Sitzungen anwesend gewesen sein soll, dass er einmal sogar ein ganzes Jahr lang nicht im Römer gesehen wurde. Vielmehr konzentrierte er sich in seinem politischen Engagement auf die nationale Ebene. Als fraktionsloser Konservativer, der den Freikonservativen zuneigte, gehörte R. im Frühjahr 1867 dem konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes an. Anschließend saß er, wiederum als Vertreter des Wahlkreises Wiesbaden 6 (Ffm.), im ersten ordentlichen Reichstag des Norddeutschen Bundes (1867-71). Mitglied des Zollparlaments (1868-70). Mitglied der Deputation bei der Kaiserproklamation in Versailles am 18.1.1871. Bei den ersten gesamtdeutschen Reichstagswahlen 1871 trat R. als Kandidat der Konservativen für den Wahlkreis Ffm. an, unterlag aber seinem demokratischen Gegenkandidaten Leopold Sonnemann und zog sich danach weitgehend aus der Politik zurück. Bereits im November 1867 war R. – als erster Jude – zum lebenslänglichen Mitglied im Preußischen Herrenhaus berufen worden, dem er von 1868 bis zu seinem Tod 1886 angehörte. R. war sehr stolz auf die kaiserliche Gunst, die er und auch seine Frau Louise (u. a. durch die Einrichtung eines privaten Lazaretts für verwundete Soldaten des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71) sich erworben hatten. Er war häufiger Gast bei Hofe in Berlin sowie an der kaiserlichen Tafel in Wiesbaden und Bad Ems. 1875 waren Prinz Carl von Preußen (1801-1883) und seine Frau, Prinzessin Marie (1808-1877), bei R. in der Villa Günthersburg zu Besuch.
Mitgründer der Ffter Bank (1854), deren Verwaltungsrat er zunächst als Vizepräsident, seit 1855 als Präsident angehörte. Mitglied der Handelskammer (1857-72). Mitglied im 1866 gegründeten Verein zur Pflege und Unterstützung im Felde erkrankter und verwundeter Krieger. Mitglied des Dombauvereins, der sich seit 1867 für den Wiederaufbau des niedergebrannten Ffter Doms einsetzte. Mitglied im Zentralausschuss der Deutschen Reichsbank. Mitbegründer (um 1883/84) des Vereins zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen für Handel und Gewerbe. Mitglied im Vorstand der Ffter Lebensversicherungsgesellschaft. Mitglied im Verwaltungs- und Aufsichtsrat weiterer Banken und Unternehmen.
Träger zahlreicher Orden, u. a. des Kommandeurkreuzes des St. Ludwigsordens (verliehen durch die Herzogin-Regentin von Parma, 1859) sowie des griechischen Erlöser-Ordens und des spanischen Ordens Isabellas der Katholischen. Den preußischen Roten Adlerorden III. Klasse (1853) und II. Klasse (1857) erhielt R. in der für Nichtchristen geschaffenen ovalen Form statt dem üblichen Kreuz, was er eher als Zurücksetzung denn als Auszeichnung empfand; deshalb soll er das Tragen dieses Ordens möglichst vermieden und sich höchstens mit dem Ordensband im Knopfloch gezeigt haben.
Als die Freie Stadt Ffm. 1857 einen „Vereinstaler“ mit dem Brustbild der Francofurtia herausgab, munkelte man in überseeischen Finanzkreisen, das Frauenbildnis auf der Talermünze sei ein Porträt der Geliebten von R. Deshalb wurde das Silberstück in Amerika auch „Rothschild Love Dollar“ genannt. Die Anekdote veranschaulicht zumindest den Ruf, den der Ffter R. in der amerikanischen Banken- und Börsenwelt genoss: Man traute ihm zu, in seiner Vaterstadt so viel Einfluss zu haben, dass er sich sogar ein Bild seiner Geliebten auf städtisches Münzsilber prägen lassen konnte. Tatsächlich dürfte sich R. mehr für große Geschäfte interessiert haben als für kleine Münzen (und schon gar nicht für deren Design).
Als Wohnhaus für sich und seine Familie hatte R. 1846 das zuvor nur angemietete Haus Untermainkai 10 bzw. später 15 (Architekt: Johann Friedrich Christian Hess, 1821) erworben, das er nach Entwürfen von Friedrich Rumpf 1849/50 umbauen ließ („Rothschildpalais“, seit 1988 Sitz des Jüdischen Museums). Von seinem Vater erhielt er die Günthersburg mit dem durch Friedrich Rumpf 1844/45 errichteten Schlösschen zum Sommersitz; als Ökonomiehof für die dazu gehörigen Ländereien ließ er durch Heinrich Burnitz 1864-66 den (nach R.s Frau benannten) Luisenhof an der Weidenbornstraße erbauen (heute Sitz der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH). Zum ausgedehnten Grundbesitz von R. in und bei Ffm. gehörten auch der ebenfalls vom Vater ererbte Bertramshof (der frühere Kühhornshof; heute auf dem Gelände des Hessischen Rundfunks am Dornbusch) und die „Dicke Oede“ (zwischen Bornheimer Landstraße, Heidestraße und Friedberger Landstraße), ein über 100.000 Quadratmeter großes (und heute überbautes) Gelände, das er etwa als Festplatz für das erste allgemeine Deutsche Schützenfest 1862 und das V. Allgemeine Deutsche Turnfest 1880 an die Stadt verpachtete.
In den ausgehenden 1870er Jahren überließ R. aus gesundheitlichen Gründen die Bankgeschäfte mehr und mehr seinem Bruder, der somit noch zu R.s Lebzeiten die Leitung des Ffter Hauses weitgehend übernahm. Unterstützt von seiner Frau Louise, widmete sich R. künftig intensiv seiner großen Bibliothek (mit ca. 3.000 Bänden) und seiner bedeutenden Sammlung kunstgewerblicher Antiquitäten (mit ca. 5.000 Stücken), einem sagenhaften Schatz von Weltrang und Millionenwert, der sogar mit dem Grünen Gewölbe in Dresden verglichen wurde. Unter den zahlreichen Stücken aus Silber und Gold war der „Merkel’sche Tafelaufsatz“ von Wenzel Jamnitzer (1549; heute im Rijksmuseum Amsterdam) besonders berühmt. Dieses Prachtwerk deutscher Silberschmiedekunst der Renaissance hatte R. 1880 für den spektakulären Preis von angeblich 800.000 Mark (32.000 Pfund) erworben: Es war damit zu diesem Zeitpunkt das teuerste Kunstwerk, das je verkauft worden war.
Während die Ffter Angehörigen der Familie R., darunter R.s Bruder Wilhelm Carl und dessen Frau Hannah Mathilde von R., eine streng orthodoxe Glaubensauffassung vertraten, lebte Mayer Carl von R. eine liberalere Form des Judentums. So verpflichteten er und seine Frau Louise den Rabbiner Leopold Stein, einen der markantesten Vertreter des deutschen Reformjudentums, gegen dessen Anstellung in Ffm. die Familie unter Amschel Mayer von R. einst (1843) massiv protestiert hatte, als Hauslehrer für ihre Töchter. Ganz im Sinne der R.’schen Familienpolitik heirateten drei der Töchter innerhalb der Familie: Adèle (eigentl.: Adele) Hannah Charlotte, gen. Addy (1843-1922), verheiratet seit 1862 mit Salomon James de R. (1835-1864) in Paris; Emma Louise, gen. Emmy (1844-1935), verheiratet seit 1867 mit Nathaniel Mayer, gen. Natty, de R. (1840-1915), dem ersten Lord R., in England; Laura Thérèse, gen. Thesie (1847-1931), verheiratet seit 1871 mit Nathan James Edouard de R. (1844-1881) in London und Paris. Die beiden jüngsten Töchter, Margaretha (später: Marguerite) Alexandrine, gen. Margy (seit 1878 verh. de Gramont, 1855-1905), und Bertha Clara (später: Berthe Claire, seit 1882 verh. Berthier de Wagram, 1862-1903), heirateten jedoch christliche Adelige und konvertierten zum Katholizismus, weshalb der Vater – so will es die Legende – sie vom Erbe ausgeschlossen habe; tatsächlich wurde nur Marguerite, die sich einer bereits verabredeten innerfamiliären Heirat widersetzt hatte, vom Vater enterbt.
R. wurde in einem Grab innerhalb der Familiengrabstätte auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße in Ffm. bestattet (Block 4, Nr. 400). Auf seinem Grabstein (1888) stehen die Worte aus den Sprüchen Salomo (24,3): „Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten.“ Da R. keinen männlichen Erben hatte, übernahm nach seinem Tod 1886 sein Bruder Wilhelm Carl von R. allein die Leitung des Ffter Bankhauses; nach dessen Tod 1901 erlosch die Ffter Firma. Das hinterlassene Vermögen von Mayer Carl von R., im angeblichen Wert von 800 Millionen Mark, ging in großen Teilen an die fünf lebenden und erbberechtigten Töchter, während die Witwe Louise von R. eine Rente erhielt; die von R. eigentlich ausgeschlossene Tochter Marguerite wurde von Mutter und Schwestern mit einem großzügigen finanziellen Anteil aus dem Erbe bedacht. Außerdem vergab Louise von R. zahlreiche Legate aus dem Nachlass ihres Mannes, u. a. an jüdische Wohltätigkeitsvereine. Die älteste Tochter Adèle de R. erbte die Besitzungen in Bornheim, die sie bald veräußerte, zuerst den Luisenhof, der noch zu Lebzeiten der Namensgeberin an die Stadt Ffm. ging (1889; seitdem Sitz des städtischen Fuhrparks mit Müllabfuhr und Straßenreinigung). Die Villa Günthersburg wurde von der Familie aufgegeben (unter Verteilung des dortigen Bestands der Kunstsammlung an die fünf erbberechtigten Töchter, 1886) und, gemäß R.s letztem Willen, 1891 abgebrochen, bevor der dazu gehörige „Günthersburgpark“ nach dem Verkauf an die Stadt Ffm. zum Volkspark wurde (1892; dort noch die spätestens 1855 errichtete Orangerie erhalten). Die unverheiratete Tochter Hannah Louise von R. (1850-1892) hatte u. a. den Bertramshof aus dem Erbe des Vaters erhalten, wo sie 1888/89 ein neues landwirtschaftliches Mustergut (die „Rothschild’sche Meierei“) errichten ließ; das Gut blieb nach Hannah Louises Tod bis zum Verkauf um 1911/14 im Besitz der Familie von R.
Zum Gedenken an den Vater stiftete Hannah Louise von R. die „Freiherrlich Carl von Rothschild’sche Öffentliche Bibliothek“ (mit der väterlichen Büchersammlung als Grundstock, 1887; seit 1928 Abteilung der Stadtbibliothek, der heutigen „Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg“) und die Heilanstalt „Carolinum“ (1890; seit 1910/12 Zahnklinik der späteren Universität), für deren Erhalt nach dem frühen Tod der Stifterin (1892) deren Mutter Louise und Schwester Adèle sorgten. Die Kunstsammlung, zumindest den in Ffm. verbliebenen Teil, machte die Witwe Louise von R., unterstützt von ihrer Tochter Hannah Louise, der Öffentlichkeit zugänglich, indem sie ein Privatmuseum mit drei Sälen in dem Palais am Untermainkai einrichtete; zentral im „Gelben Saal“ war dort auch der berühmte „Merkel’sche Tafelaufsatz“ ausgestellt (vgl. den von Ferdinand Luthmer verfassten Führer durch die Sammlung, 1890). Der bedeutende Bestand chinesischer Vasen, der, ursprünglich in der Villa Günthersburg, in den Besitz von Hannah Louise von R. übergegangen war, wurde zunächst (1887) als Leihgabe beim Mitteldeutschen Kunstgewerbe-Verein und später, zumindest zeitweise, in der zu Jahresbeginn 1888 eröffneten R.bibliothek in der Bethmannstraße 1 gezeigt. Einige Stücke aus der Kunstsammlung schenkte Louise von R. der Stadt Ffm., u. a. zwei Pokale der Goldschmiedezunft, eine Bernsteinkanne und einen früher einer jüdischen Beerdigungsbruderschaft gehörenden Silberpokal (alle in einer Schenkung von 1887). Nach dem Tod der Witwe wurde die übrige Kunstsammlung 1895 unter der Familie aufgeteilt und damit endgültig aufgelöst.
In das Stadthaus am Untermainkai zog nach Louises von R.s Tod die Freiherrlich Carl von Rothschild’sche Öffentliche Bibliothek ein. Seit 1988 ist in dem als „Rothschildpalais“ bekannten Gebäude das Jüdische Museum beheimatet. Anlässlich der Ausstellung „Die Rothschilds. Eine europäische Familie“ 1994/95 wurden dort drei historische Räume eingerichtet, die einen Eindruck vom Lebensstil von Mayer Carl von R. und seiner Familie vermitteln (wegen Sanierung des Museums voraussichtlich bis Spätsommer 2019 geschlossen).
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 219f., verfasst von: Hans-Otto Schembs.
Lexika:
Wilhelm Stricker in: ADB 29 (1889), S. 374f.
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Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 585f.
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Kosch: Staatshdb., Bd. 2, S. 1050.
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Richel, S. 484.
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Zur Geschichte der Freiherr Mayer Carl von Rothschild’schen Stiftung Carolinum: Schiebler, S. 149-151.
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Zur Geschichte der Freiherrlich Carl von Rothschild’schen Öffentlichen Bibliothek: Schiebler, S. 66f.
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Schrotzenberger, S. 207.
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Schwarz: MdR 1965, S. 442.
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Wininger 5 (1931), S. 275f.
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Wurzbach: Biogr. Lex. d. Kaiserthums Oesterreich 27 (1874), S. 135f.
Literatur:
Vogt, Barbara: Der Grüneburgpark und der Günthersburgpark – Gartenkunst und Landwirtschaft auf Rothschild’schen Landsitzen in Fft. In: AFGK 74 (2014): Ffter Parkgeschichten, S. 57-64, bes. 61-64.
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Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. I, S. 697-699, 707-710, 714, 736f.; Bd. III, S. 538.
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Zu Mayer Carl von Rothschilds politischer Laufbahn ab 1866: Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 387-389.
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Clementine von Rothschild 2011.
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Corti: Das Haus Rothschild in der Zeit seiner Blüte 1928, S. 355, 365-368, 458f.
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Ferguson: Die Geschichte der Rothschilds 2002, Bd. I, S. 400-402, 410; Bd. II, S. 21, 68, 191f., 269, 281, 302.
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Gesch. d. Handelskammer 1908, S. 662, 668, 786, 1069; vgl. auch S. 311, 321, 325, 480, 618, 809, 850, 857.
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Heuberger (Hg.): Die Rothschilds 1994, Bd. 2 (Essays), S. 217-220, 223.
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Schembs, Hans-Otto: „Kranken zur Pflege, der Gemeinde zum Frommen, der Vaterstadt zur Zierde“. Die wohltätigen Stiftungen der Rothschilds in Ffm. In: Heuberger (Hg.): Die Rothschilds 1994, Bd. 1 (Katalog), S. 179-181; vgl. auch S. 3-10.
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Hoffmann: Die großen Ffter 2012, S. 67-70.
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Horovitz: Rede, gehalten zur Einweihung des Denkmals am Grabe des seligen Freiherrn M. Carl von Rothschild 1888.
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Feibel, Moritz: Erinnerungen aus den Glanzzeiten des Ffter Bankierstandes. In: Jb. d. Ffter Bürgerschaft 1926, S. 134f.
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Leweke: Ffter 1988, S. 189-192.
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Luthmer: Beschreibung der Freiherrlich Karl von Rothschild’schen Sammlung chinesischer Porzellane 1887.
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Luthmer: Der Schatz d. Freiherrn Karl von Rothschild 1883/85.
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Luthmer: Führer durch die Freiherrlich K. von Rothschild’sche Kunstsammlung 1890.
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Maly: Stvv. I 1992, S. 20-24, 26/28, 30, 67, 396 Anm. 29, 463f.
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Morton: Die Rothschilds 1992, S. 161f., 213-215.
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Schembs, Hans-Otto: Hannah-Louise von Rothschild. In: Rothschild’sche Bibliothek 1988, S. 11-26.
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Glanville, Philippa: Mayer Carl von Rothschild: collector or patriot? In: The Magazine Antiques 2005, Oktoberheft, S. 36-43 (online verfügbar auf den Seiten von „The Rothschild Archive“ unter: https://www. rothschildarchive. org/materials/ar2004mayercarl. pdf, abgerufen am 1. 2. 2019).
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Verzeichniss d. Bestandes der Freiherrlich Carl von Rothschild’schen Sammlung auf der Günthersburg 1886.
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Verzeichniss d. Freiherrlich Carl von Rothschild’schen Sammlung 1895.
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Lenarz, Michael: Das Rothschild-Palais. Ein jüdischer Ort im 19. und 20. Jahrhundert. In: Wenzel/Kößling/Backhaus (Hg.): Jüd. Fft. 2020, S. 48-55.
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Wilson: Die Rothschild Dynastie 1988, 2. Aufl. 1989, S. 241f., 353, 382f.
Quellen:
Häußler, Bernd: Wie es der Preußenkönig Friedrich Wilhelm mit seinem Hofbankier verdarb. Geldgeber, Politiker und Kunstsammler: Freiherr Mayer Carl von Rothschild starb vor hundert Jahren. In: FAZ, 15. 10. 1986, S. 36.
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Nachrufe in: FZ, Nr. 289, 16. 10. 1886, Abendblatt, Beilage, S. 1.
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ISG, Nachlassakten 1855/304 (Rothschild, Carl Mayer von, und Ehefrau Adelheid, geb. Herz).
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ISG, S2/311.
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ISG, Senatssuppl. 80/33, Bl. 12a-i.
Internet:
Grabstätten berühmter Persönlichkeiten, 30.1.2019.
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Wikipedia, 30.1.2019.
GND: 116641789 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto/Hock, Sabine: Rothschild, Mayer Carl von. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/948.
Stand des Artikels: 17.2.2019
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 01.2019
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Januar 2019.
Rothschild, Nathan Mayer (von)
Rothschild, Nathan Mayer [seit 1822: Freiherr von (österr.)]. Generalkonsul von Österreich. Bankier.
* 16.9.1777 Ffm., † 28.7.1836 Ffm.
Verheiratet (seit 1806) mit Hannah (von) R., geb. Barent Cohen (1783-1850).
Verließ 1799 als erster der fünf Söhne von Mayer Amschel R. und dessen Ehefrau Gudula, geb. Schnapper, die Stadt Ffm. Nach einigen Monaten Aufenthalt in London betrieb R. einen Tuchhandel in Manchester, ging 1803 nach London zurück und wandte sich dem Bankgeschäft zu. R. richtete 1810 „NM Rothschild & Sons Limited“ im Zentrum des Londoner Bankenviertels ein, in der New Court St. Swinthin’s Lane, noch heute Sitz der Londoner R.bank. Geschickt vermehrte er die Überschüsse des von seinem Vater in Deutschland verwalteten Vermögens des Kurfürsten von Hessen. Der Legende nach soll er durch einen abenteuerlichen Ritt als erster die Nachricht vom Sieg bei Waterloo 1815 nach England gebracht haben.
R. starb bei einem Besuch in Ffm. anlässlich der Hochzeit seines Sohnes Lionel. Lionel Nathan de R. (1808-1879) wurde 1858 nach mehreren Anläufen Mitglied des Unterhauses; dessen Sohn Nathaniel Mayer de R. (1840-1915) wurde 1885 zum Lord ernannt. Nathan Mayers Tochter Louise de R. (1820-1894) heiratete 1842 Mayer Carl von R. (Ffm.).
Verließ 1799 als erster der fünf Söhne von Mayer Amschel R. und dessen Ehefrau Gudula, geb. Schnapper, die Stadt Ffm. Nach einigen Monaten Aufenthalt in London betrieb R. einen Tuchhandel in Manchester, ging 1803 nach London zurück und wandte sich dem Bankgeschäft zu. R. richtete 1810 „NM Rothschild & Sons Limited“ im Zentrum des Londoner Bankenviertels ein, in der New Court St. Swinthin’s Lane, noch heute Sitz der Londoner R.bank. Geschickt vermehrte er die Überschüsse des von seinem Vater in Deutschland verwalteten Vermögens des Kurfürsten von Hessen. Der Legende nach soll er durch einen abenteuerlichen Ritt als erster die Nachricht vom Sieg bei Waterloo 1815 nach England gebracht haben.
R. starb bei einem Besuch in Ffm. anlässlich der Hochzeit seines Sohnes Lionel. Lionel Nathan de R. (1808-1879) wurde 1858 nach mehreren Anläufen Mitglied des Unterhauses; dessen Sohn Nathaniel Mayer de R. (1840-1915) wurde 1885 zum Lord ernannt. Nathan Mayers Tochter Louise de R. (1820-1894) heiratete 1842 Mayer Carl von R. (Ffm.).
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 220, verfasst von: Hans-Otto Schembs.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Literatur:
Treskow: Nathan Meyer Rothschild 1837.
GND: 117596841 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, Nathan Mayer (von). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/949.
Stand des Artikels: 29.9.1995
Rothschild, Salomon Mayer (von)
Rothschild, Salomon Mayer [seit 1817: von; 1822: Freiherr von (österr.)]. Bankier.
* 9.9.1774 Ffm., † 27.7.1855 Paris.
Sohn von Mayer Amschel R. und dessen Frau Gudula, geb. Schnapper. Bruder von Amschel Mayer, Nathan Mayer, Carl Mayer und Jakob (James) Mayer (von) R. Verheiratet (seit 1800) mit Caroline (von) R., geb. Stern (1782-1854). Die Tochter Betty (von) R. (1805-1886) heiratete 1824 Salomons Bruder James de R.
Seit 1810 Teilhaber des Ffter Bankhauses M. A. (von) Rothschild & Söhne. R. übernahm zunächst die Verbindung zu Wien, die angesichts der umfangreichen Geschäfte mit Österreich notwendig wurde, und gründete 1816 das Bankhaus „S. M. von Rothschild“ in Wien. Sein diplomatisches Verhandlungsgeschick trug entscheidend zum Aufstieg der R. bei. R. wurde Bankier des Hofes und des österreichischen Hochadels, engagierte sich im Eisenbahnbau (Kaiser-Ferdinand-Nordbahn) und in der Industrie (1843 Erwerb des Stahlwerks Witkowitz bei Mährisch-Ostrau). Als auswärtiger Jude konnte R. in Wien kein Bürger werden und weder Haus noch Grundstück erwerben. Erst mit der Ernennung zum Ehrenbürger (als erster von Wien) 1843 kaufte er das sukzessive als Bankensitz zuvor angemietete Hotel „Römischer Kaiser“. Volle Integration gelang erst seinem Enkel. Als Repräsentant des Metternich’schen Systems musste R. 1848 Wien verlassen und ließ sich in Paris nieder.
Salomon Mayer (von) R. besaß in Ffm. den Neuhof nebst umfangreichen Ländereien.
Sein Sohn Anselm Salomon von R. (1803-1874), der für das Ffter Bankhaus der Familie tätig war, 1826 in Ffm. geheiratet, das Haus Neue Mainzer Straße 45 (49) erworben hatte und Generalkonsul von Österreich war, übernahm 1848 das Wiener Bankhaus, das bis zum Einmarsch Hitlers in Österreich 1938 bestand.
Seit 1810 Teilhaber des Ffter Bankhauses M. A. (von) Rothschild & Söhne. R. übernahm zunächst die Verbindung zu Wien, die angesichts der umfangreichen Geschäfte mit Österreich notwendig wurde, und gründete 1816 das Bankhaus „S. M. von Rothschild“ in Wien. Sein diplomatisches Verhandlungsgeschick trug entscheidend zum Aufstieg der R. bei. R. wurde Bankier des Hofes und des österreichischen Hochadels, engagierte sich im Eisenbahnbau (Kaiser-Ferdinand-Nordbahn) und in der Industrie (1843 Erwerb des Stahlwerks Witkowitz bei Mährisch-Ostrau). Als auswärtiger Jude konnte R. in Wien kein Bürger werden und weder Haus noch Grundstück erwerben. Erst mit der Ernennung zum Ehrenbürger (als erster von Wien) 1843 kaufte er das sukzessive als Bankensitz zuvor angemietete Hotel „Römischer Kaiser“. Volle Integration gelang erst seinem Enkel. Als Repräsentant des Metternich’schen Systems musste R. 1848 Wien verlassen und ließ sich in Paris nieder.
Salomon Mayer (von) R. besaß in Ffm. den Neuhof nebst umfangreichen Ländereien.
Sein Sohn Anselm Salomon von R. (1803-1874), der für das Ffter Bankhaus der Familie tätig war, 1826 in Ffm. geheiratet, das Haus Neue Mainzer Straße 45 (49) erworben hatte und Generalkonsul von Österreich war, übernahm 1848 das Wiener Bankhaus, das bis zum Einmarsch Hitlers in Österreich 1938 bestand.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 220, verfasst von: Hans-Otto Schembs.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Literatur:
Mertens, Rüdiger: Die Villa Grüneburg, das sogenannte Grüneburgschlösschen, in Ffm. In: AFGK 74 (2014): Ffter Parkgeschichten, S. 49-56, bes. S. 49.
GND: 116641924 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, Salomon Mayer (von). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/950.
Stand des Artikels: 29.9.1995
Rothschild, Wilhelm Carl von
Rothschild, Wilhelm Carl, gen. Willy, von. Konsul Beider Sizilien. Generalkonsul von Österreich. Bankier.
* 16.5.1828 Ffm., † 25.1.1901 Ffm.
Sohn von Carl Mayer (von) R. (Neapel) und dessen Ehefrau Adelheid, geb. Herz (auch: Hertz, 1800-1853). Verheiratet (seit 1849) mit Hannah Mathilde von R., geb. von R. (aus der Wiener Linie), mit der er drei Töchter hatte.
Nach dem Tod seines Onkels Amschel Mayer (von) R. übernahm R. mit seinem Bruder Mayer Carl von R. 1855 die Leitung des Ffter Bankhauses, das er nach dem Tod des Bruders 1886 allein weiterführte.
Als frommer und gesetzestreuer Jude unterstützte R. die Orthodoxen in der Israelitischen Gemeinde, die sich zur Israelitischen Religionsgesellschaft zusammenschlossen. Er ermöglichte durch Spenden die Anstellung von deren Rabbiner und den Bau der Synagoge, blieb aber stets Mitglied der Israelitischen Gemeinde. 1870 stiftete R. mit seiner Frau ein Hospital zum Andenken an die früh verstorbene Tochter Georgine Sara (1851-1869).
R. ließ sich zwischen 1888 und 1894 einen Sommersitz in Königstein/Taunus erbauen (von 1956 bis 2005: Hotel „Sonnenhof“, seit 2007: Hotel „Villa Rothschild“).
Mit R.s Tod erlosch der Ffter Zweig der Familie in männlicher Linie. Das Ffter Bankhaus wurde liquidiert. R.s Schwiegersohn Maximilian von Goldschmidt-R. (1843-1940) durfte die Bank aufgrund der R.’schen Familientradition nicht weiterführen.
1902 stiftete R.s Tochter Minna Caroline, gen. Minka, von Goldschmidt-R. (1857-1903) zum Andenken an ihren Vater die Freiherrlich Wilhelm Carl von R.’sche Stiftung für wohltätige und gemeinnützige Zwecke, die ein Damenheim an der Hügelstraße baute, das noch heute besteht.
Nach dem Tod seines Onkels Amschel Mayer (von) R. übernahm R. mit seinem Bruder Mayer Carl von R. 1855 die Leitung des Ffter Bankhauses, das er nach dem Tod des Bruders 1886 allein weiterführte.
Als frommer und gesetzestreuer Jude unterstützte R. die Orthodoxen in der Israelitischen Gemeinde, die sich zur Israelitischen Religionsgesellschaft zusammenschlossen. Er ermöglichte durch Spenden die Anstellung von deren Rabbiner und den Bau der Synagoge, blieb aber stets Mitglied der Israelitischen Gemeinde. 1870 stiftete R. mit seiner Frau ein Hospital zum Andenken an die früh verstorbene Tochter Georgine Sara (1851-1869).
R. ließ sich zwischen 1888 und 1894 einen Sommersitz in Königstein/Taunus erbauen (von 1956 bis 2005: Hotel „Sonnenhof“, seit 2007: Hotel „Villa Rothschild“).
Mit R.s Tod erlosch der Ffter Zweig der Familie in männlicher Linie. Das Ffter Bankhaus wurde liquidiert. R.s Schwiegersohn Maximilian von Goldschmidt-R. (1843-1940) durfte die Bank aufgrund der R.’schen Familientradition nicht weiterführen.
1902 stiftete R.s Tochter Minna Caroline, gen. Minka, von Goldschmidt-R. (1857-1903) zum Andenken an ihren Vater die Freiherrlich Wilhelm Carl von R.’sche Stiftung für wohltätige und gemeinnützige Zwecke, die ein Damenheim an der Hügelstraße baute, das noch heute besteht.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 220f., verfasst von: Hans-Otto Schembs.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Literatur:
Frenz, Alexandra: „Ein solcher Besitz gehört unter die Lieblingswünsche des wohlhabenden Ffters“ – Der Rothschildpark. In: AFGK 74 (2014): Ffter Parkgeschichten, S. 40-48, bes. S. 45-47.
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Mertens, Rüdiger: Die Villa Grüneburg, das sogenannte Grüneburgschlösschen, in Ffm. In: AFGK 74 (2014): Ffter Parkgeschichten, S. 49-56, bes. S. 49.
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Vogt, Barbara: Der Grüneburgpark und der Günthersburgpark – Gartenkunst und Landwirtschaft auf Rothschild’schen Landsitzen in Fft. In: AFGK 74 (2014): Ffter Parkgeschichten, S. 57-64, bes. S. 59-61.
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Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 389-398.
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Feibel, Moritz: Erinnerungen aus den Glanzzeiten des Ffter Bankierstandes. In: Jb. d. Ffter Bürgerschaft 1926, S. 134f.
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Schembs: Jüd. Mäzene u. Stifter 2007, S. 126-128.
GND: 116641975 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, Wilhelm Carl von. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/951.
Stand des Artikels: 29.9.1995
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Empfohlene Zitierweise: Schembs, Hans-Otto: Rothschild, Familie (von). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/940.
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