Carl Rössler (vorn in der Mitte) beim Besuch der Internationalen Rennwoche in Berlin-Hoppegarten
Fotografie (1930).
© ullstein bild – UMBO / Dephot, Berlin (Bildnr. 02639751).
Rössler (auch: Rößler), Carl. Auch: Franz Reßner. Schauspieler und Regisseur. Schriftsteller.
* 25.5.1864 Wien, † 13.2.1948 London.
Verfasser des Lustspiels „Die fünf Ffter“ über die fünf Söhne des Bankiers Mayer Amschel Rothschild. R., der nach dem Abschluss seiner Bühnenlaufbahn seit 1906 als freier Schriftsteller in München lebte und nach dem Erfolg seines mit Roda Roda (1872-1945) verfassten Militärschwanks „Der Feldherrnhügel“ (UA 1909) ein Thema für ein neues Stück suchte, schildert in seinen unveröffentlichten Memoiren (auszugsweise in: FNP, 22.5.1964), wie er durch die Lektüre Börnes auf den Stoff für „Die fünf Ffter“ aufmerksam wurde und daraufhin zu Recherchen nach Ffm. reiste, wo er in der Freiherrlich Carl von Rothschild’schen Öffentlichen Bibliothek forschte und das Stammhaus der Rothschilds in der Judengasse besuchte. In R.s aufgrund dieser Forschungen historisch recht detailgetreu geschriebenem Lustspiel kehren die Söhne Amschel Mayer, Salomon Mayer, Nathan Mayer, Carl Mayer und Jakob (gen. James) Mayer Rothschild aus Ffm., Wien, London, Neapel und Paris anlässlich ihrer Erhebung in den Adelsstand 1822 zu der Mutter Gudula in das „Glückshaus“ des Vaters in der Ffter Judengasse zurück. Das Stück wurde am 23.12.1911 am Theater in der Königgrätzer Straße (von 1908 bis 30.9.1911 und heute wieder: Hebbel-Theater) in Berlin erfolgreich uraufgeführt und ging über viele europäische Bühnen. In Ffm. wurde es erstmals am 23.2.1912 im Neuen Theater gegeben und mit 216 Aufführungen bis zur Dernière am 1.4.1928 das meistgespielte Stück des Hauses. Bis 1933 brachte das Neue Theater noch andere Lustspiele von R. heraus („Rösselsprung“, 1915; „Die beiden Seehunde“, 1917 und anlässlich von R.s 60. Geburtstag 1924; „Der Feldherrnhügel“, 1922; „Das verfl... Geld“, 1933), die jedoch bei Weitem nicht an den Erfolg von „Die fünf Ffter“ heranreichten. R., der seit 1928 in Berlin gelebt hatte und von dort 1933 zurück nach Wien gegangen war, emigrierte nach dem Novemberpogrom 1938 – laut eigener Aussage mit Hilfe einer Bürgschaft der Familie Rothschild – nach England. Sein Stück „Die fünf Ffter“, obwohl eigentlich keine Lokalposse, gehört inzwischen zu den Klassikern auf der Ffter Lustspielbühne, wobei in der zentralen Rolle der Frau Gudula zuletzt Mathilde Einzig (1952), Sophie Cossäus (1961) und Liesel Christ (1979-81 und 1991-95) brillierten.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 208, verfasst von: Sabine Hock (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Sabine Hock).
Lexika:
Brümmer 1913, Bd. 6, S. 59.
|
Emigrantenlex. II. 2, S. 976.
|
L. D. in: JL 4. 1 (1930), Sp. 1506.
|
Elisabeth Lebensaft in: Killy 9 (1991), S. 501f. (in der digitalen Ausgabe: S. 17262-17264).
|
Ingrid Bigler-Marschall in: Kosch: Lit. 13 (1991), Sp. 189.
|
Kosch: Theater 3 (1992), S. 1900.
|
Max Kaiser in: NDB 21 (2003), S. 748-750.
|
Elisabeth Lebensaft in: ÖBL 9 (1988), S. 208.
|
Wilpert: Dt. Dichterlex., S. 664.
|
Wininger 5 (1931), S. 261.
Literatur:
Rößler: Die fünf Ffter 1912.
|
Siedhoff: Neues Theater 1985, S. 14, 29, 73f., 125; Nr. 26, 157, 264, 473, 536, 850.
Quellen:
ISG, S2/3. 161.
|
Volkstheater Fft., Programmhefte, Spielzeit 1991/92, H. 1 („Die Fünf Ffter“).
Internet:
Wikipedia, 9.5.2019.
GND: 116595663 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Rössler, Carl. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/916.
Stand des Artikels: 10.5.2019
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 05.2019
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Mai 2019.