Wilhelm Heinrich Ackermann
Reproduktion eines Porträts (um 1839; aus Barth: Wilhelm Heinrich Ackermann 1913, Frontispiz).
© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Bibliothek, Sign. La 8 / Sign. S7P Nr. 43).
Ackermann, Wilhelm Heinrich. Pädagoge.
* 25.6.1789 Auerbach/Vogtland, † 27.3.1848 Ffm.
Sohn eines Pfarrers.
Erster Unterricht durch den Vater. Seit 1803 Besuch des Gymnasiums in Gotha. Seit 1808 Studium der Theologie an der Universität Leipzig. Von 1811 bis 1813 Aufenthalt und Ausbildung bei Pestalozzi in Iferten. Im Frühjahr 1813 in das Lützowsche Freikorps eingetreten, nahm A. an den Streifzügen an der Elbe in Sachsen und der Schlacht an der Göhrde, am Krieg an der Niederelbe, am Holsteinischen Krieg (mit der Belagerung von Glückstadt) sowie an den kriegerischen Operationen am Rhein und in Belgien (mit der Belagerung von Jülich) teil. Befreundet mit Theodor Körner, der am 26.8.1813 bei einem Gefecht im Forst von Rosenow bei Gadebusch fiel; A. und drei Kameraden gruben ihm das Grab unter einer Eiche in Wöbbelin. Im Frühjahr 1814 Beurlaubung, im Dezember 1814 Entlassung aus dem Korps im Rang eines Lieutenants. 1814 und 1815 Aufenthalte bei seinem Onkel, dem Buchhändler und Verleger Rudolph A. (1764-1834), in London, wo A. für zwei Hilfsgesellschaften zur Unterstützung des kriegszerstörten Deutschlands arbeitete. Auf einer Deutschlandreise kam A. Ende 1814 erstmals nach Ffm. und traf hier mit Ernst Moritz Arndt zusammen. Die Auseinandersetzung mit dem britischen Pädagogen Andrew Bell (1753-1832) in London, dessen Unterrichtssystem (Bell-Lancaster-Schule nach dem „Monitorialsystem“) er wegen des „mechanischen Vorgehens“ im Vergleich zu Pestalozzis Methode kritisierte, veranlasste A., in Bells Begleitung wieder nach Iferten zu fahren. Von 1815 bis 1817 lehrte und lernte er erneut dort bei Pestalozzi. Nach Reisen und Aufenthalten an verschiedenen Erziehungsinstituten, u. a. am Privatinstitut de Laspée in Wiesbaden, die er mit ihm anvertrauten Zöglingen unternahm, ging A. 1819 nach Ffm., zunächst als Lehrer an der offiziell erst zu Jahresbeginn 1820 neu eröffneten Bunsen’schen Lehr- und Erziehungsanstalt. Seit Sommer 1820 bis Ende 1847 war er ordentlicher Lehrer an der Musterschule, zunächst als Elementarlehrer in den unteren, später (seit 1824/26) als Lehrer für Deutsch und Geschichte in den oberen und obersten Klassen. A., der stets die Lehre Pestalozzis vertrat und sich für deren Verbreitung einsetzte, war als Pädagoge in Ffm. geschätzt und beliebt. Als er in den Tagen vor dem Vorparlament im März 1848 starb, führte der ansehnliche Trauerzug durch die mit schwarz-rot-goldenen Fahnen geschmückte Stadt; die Trauerrede hielt Salomon Friedrich Stiebel, ein Jugendfreund A.s aus der Zeit der Befreiungskriege, der seinerzeit den Trauerzug Körners angeführt hatte.
1840 Schriftführer des Ffter Liederkranzes.
Autobiographische Schriften, u. a. „Erinnerungen aus meinem Leben bei Pestalozzi. Mitgetheilt den 12. Januar 1846 an seinem hundertjährigen Geburtsfeste in Ffm.“ (1846) sowie Erinnerungen aus den Freiheitskriegen („Erinnerungen eines Lützower Jägers aus der Lüneburger Haide“ und „Das Geschwisterpaar unter der Eiche bei Wöbbelin“, beide 1847).
Auf dem Ölgemälde „Die Lützower an der Leiche Theodor Körners in Wöbbelin am 27. August 1813“ (1849; bis 1945 im Körnermuseum in Dresden) wurde A. von seinem Schüler Otto Donner-von Richter porträtiert als der Freund, der dem gefallenen Körner den Eichenkranz auf den Kopf setzt. Anlässlich des 100. Jubiläums der Musterschule 1903 wurde A.s Büste (wohl von A. Wenzel unter Mitarbeit von Otto Donner-von Richter) geschaffen und in je einem Exemplar in der Musterschule, in der Elisabethenschule, im Ffter Schulmuseum, im Körnermuseum in Dresden und im Königlichen Lehrerseminar in Auerbach/Vogtland aufgestellt. Eine dieser Büsten steht heute in der nach A. benannten Schule in Ffm. Reliefbüste als Vertreter des „Lehrstands“ (von A. Wenzel, um 1903) am Kleinen Cohn, dem Südturm des Neuen Rathauses, an der Fassade zur Buchgasse.
Grabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann E 69).
A.straße im Gallusviertel. A.schule, eine Grundschule, in der gleichnamigen Straße.
Erster Unterricht durch den Vater. Seit 1803 Besuch des Gymnasiums in Gotha. Seit 1808 Studium der Theologie an der Universität Leipzig. Von 1811 bis 1813 Aufenthalt und Ausbildung bei Pestalozzi in Iferten. Im Frühjahr 1813 in das Lützowsche Freikorps eingetreten, nahm A. an den Streifzügen an der Elbe in Sachsen und der Schlacht an der Göhrde, am Krieg an der Niederelbe, am Holsteinischen Krieg (mit der Belagerung von Glückstadt) sowie an den kriegerischen Operationen am Rhein und in Belgien (mit der Belagerung von Jülich) teil. Befreundet mit Theodor Körner, der am 26.8.1813 bei einem Gefecht im Forst von Rosenow bei Gadebusch fiel; A. und drei Kameraden gruben ihm das Grab unter einer Eiche in Wöbbelin. Im Frühjahr 1814 Beurlaubung, im Dezember 1814 Entlassung aus dem Korps im Rang eines Lieutenants. 1814 und 1815 Aufenthalte bei seinem Onkel, dem Buchhändler und Verleger Rudolph A. (1764-1834), in London, wo A. für zwei Hilfsgesellschaften zur Unterstützung des kriegszerstörten Deutschlands arbeitete. Auf einer Deutschlandreise kam A. Ende 1814 erstmals nach Ffm. und traf hier mit Ernst Moritz Arndt zusammen. Die Auseinandersetzung mit dem britischen Pädagogen Andrew Bell (1753-1832) in London, dessen Unterrichtssystem (Bell-Lancaster-Schule nach dem „Monitorialsystem“) er wegen des „mechanischen Vorgehens“ im Vergleich zu Pestalozzis Methode kritisierte, veranlasste A., in Bells Begleitung wieder nach Iferten zu fahren. Von 1815 bis 1817 lehrte und lernte er erneut dort bei Pestalozzi. Nach Reisen und Aufenthalten an verschiedenen Erziehungsinstituten, u. a. am Privatinstitut de Laspée in Wiesbaden, die er mit ihm anvertrauten Zöglingen unternahm, ging A. 1819 nach Ffm., zunächst als Lehrer an der offiziell erst zu Jahresbeginn 1820 neu eröffneten Bunsen’schen Lehr- und Erziehungsanstalt. Seit Sommer 1820 bis Ende 1847 war er ordentlicher Lehrer an der Musterschule, zunächst als Elementarlehrer in den unteren, später (seit 1824/26) als Lehrer für Deutsch und Geschichte in den oberen und obersten Klassen. A., der stets die Lehre Pestalozzis vertrat und sich für deren Verbreitung einsetzte, war als Pädagoge in Ffm. geschätzt und beliebt. Als er in den Tagen vor dem Vorparlament im März 1848 starb, führte der ansehnliche Trauerzug durch die mit schwarz-rot-goldenen Fahnen geschmückte Stadt; die Trauerrede hielt Salomon Friedrich Stiebel, ein Jugendfreund A.s aus der Zeit der Befreiungskriege, der seinerzeit den Trauerzug Körners angeführt hatte.
1840 Schriftführer des Ffter Liederkranzes.
Autobiographische Schriften, u. a. „Erinnerungen aus meinem Leben bei Pestalozzi. Mitgetheilt den 12. Januar 1846 an seinem hundertjährigen Geburtsfeste in Ffm.“ (1846) sowie Erinnerungen aus den Freiheitskriegen („Erinnerungen eines Lützower Jägers aus der Lüneburger Haide“ und „Das Geschwisterpaar unter der Eiche bei Wöbbelin“, beide 1847).
Auf dem Ölgemälde „Die Lützower an der Leiche Theodor Körners in Wöbbelin am 27. August 1813“ (1849; bis 1945 im Körnermuseum in Dresden) wurde A. von seinem Schüler Otto Donner-von Richter porträtiert als der Freund, der dem gefallenen Körner den Eichenkranz auf den Kopf setzt. Anlässlich des 100. Jubiläums der Musterschule 1903 wurde A.s Büste (wohl von A. Wenzel unter Mitarbeit von Otto Donner-von Richter) geschaffen und in je einem Exemplar in der Musterschule, in der Elisabethenschule, im Ffter Schulmuseum, im Körnermuseum in Dresden und im Königlichen Lehrerseminar in Auerbach/Vogtland aufgestellt. Eine dieser Büsten steht heute in der nach A. benannten Schule in Ffm. Reliefbüste als Vertreter des „Lehrstands“ (von A. Wenzel, um 1903) am Kleinen Cohn, dem Südturm des Neuen Rathauses, an der Fassade zur Buchgasse.
Grabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann E 69).
A.straße im Gallusviertel. A.schule, eine Grundschule, in der gleichnamigen Straße.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 11, verfasst von: Sabine Hock.
Lexika:
Wilhelm Wiederhold in: ADB 1 (1875), S. 35f.
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Heyden, S. 513-524.
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Josef Dolch in: NDB 1 (1953), S. 36f.
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Richel, S. 1f.
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Schrotzenberger, S. 3.
Literatur:
Barth: Wilhelm Heinrich Ackermann 1913.
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FS Musterschule 1903, S. 197.
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Pestalozzi u. Ffm. 1927, S. 192-199.
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Lippmann, Willi: Anhänger Pestalozzis und Lützower Jäger. Zum 200. Geburtstag des Pädagogen Wilhelm Heinrich Ackermann aus Auerbach/Vogtland. In: Sächsische Heimat 35 (1989), H. 6, S. 193-197.
Quellen:
ISG, S2/1. 418.
Internet:
Hess. Biografie, 4.2.2015.
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Personen-Wiki d. SLUB Dresden, 4.2.2015.
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Wikipedia, 4.2.2015.
GND: 116006102 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Ackermann, Wilhelm Heinrich. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/360.
Stand des Artikels: 2.3.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 03.2015
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. März 2015.