Schnitzler, Lilly Bertha Dorothea von, geb. (von) Mallinckrodt. Kunstsammlerin und Mäzenin.
* 25.6.1889 Köln, † 26.6.1981 Murnau/Staffelsee.
Mit ihrem Ehemann, dem Industriellen Georg August Eduard von Sch., kam Sch. 1920 nach Ffm. und avancierte bald zu einer Grande Dame der Ffter Gesellschaft. In ihrem um 1927 erworbenen repräsentativen Haus am Westendplatz, einer klassizistischen, im Innern von Martin Elsaesser modernisierten Villa, empfing sie bekannte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur. In ihrem Salon verkehrten u. a. Ernst Beutler, Rudolf Binding, Leo Frobenius, Heinrich George, Hermann Graf Keyserling, Margarethe Klimt, Georg Swarzenski, Richard Wilhelm sowie der Kreis der FZ um Heinrich Simon. Zunächst widmete sich Sch. der Förderung von Musikern und Schriftstellern. Durch Wilhelm Hausenstein lernte sie 1924 Max Beckmann kennen, erwarb noch im selben Jahr ihr erstes Beckmann-Bild und legte damit den Grundstein für ihre später so bedeutende Beckmann-Sammlung. Sie integrierte den Maler vollends in das Ffter Gesellschaftsleben und förderte ihn auch international. Als Vorstandsmitglied der Deutschlandgruppe des Europäischen Kulturbundes bereitete sie die Beckmann-Ausstellung 1931 in Paris mit vor. Ihre Kunstsammlung erweiterte Sch. u. a. um die Werke der ihr befreundeten Maler Werner Gilles und Ernst Wilhelm Nay. Mitbegründerin (mit Carl Anton Prinz Rohan, 1924) und Redakteurin der literarischen Monatsschrift „Europäische Revue”. Außerdem hatte Sch. zahlreiche Ehrenämter im kulturellen Bereich inne, u. a. im Vorstand der Frobenius-Gesellschaft und des Patronatsvereins der Städtischen Bühnen. Aufgrund der exponierten Stellung ihres Mannes im Wirtschaftsleben der NS-Zeit waren nach 1933 hohe Persönlichkeiten aus Politik und Partei bei Sch. zu Gast. Sie bemühte sich um Vermittlung zwischen den neuen politischen Machthabern und den traditionellen kulturellen Kreisen. Zu diesem Zweck richtete sie in ihrem Hause eine „Tafelrunde” ein, an der u. a. Oberbürgermeister Krebs und Generalintendant Meissner teilnahmen. Sie engagierte sich im Vorstand bzw. Stiftungsrat der von Krebs 1933 neu errichteten bzw. wiederbelebten „Heussenstamm’schen Stiftung – Hilfswerk des Oberbürgermeisters” zugunsten von verschämten Armen sowie von Künstlern und anderen Freischaffenden. In der dem „Hilfswerk” 1934 angeschlossenen „Künstlerküche” lernte sie u. a. Theo Garve und Will Kress kennen, die sie künftig förderte. Auch unterstützte sie den in Ffm. verbliebenen, der Existenzgrundlage beraubten und verfolgten Beckmann-Schüler Friedrich Wilhelm Meyer. Sie besuchte Beckmann noch im Exil und kaufte weiterhin seine Bilder. Nach Zerstörung ihrer Villa im Zweiten Weltkrieg lebte die von ihren Freunden „Schnilly” genannte Mäzenin in einer Hochhauswohnung in Sachsenhausen und auf ihrem Sommersitz in Murnau/Oberbayern. Nach 1945 wollte sie das künstlerische Leben in Ffm. reaktivieren. Sie war Mitbegründerin (1951) und Schatzmeisterin der Max-Beckmann-Gesellschaft. Außerdem engagierte sie sich für den Wiederaufbau des Städel und den Ausbau des Museums für Kunsthandwerk (des heutigen Museums Angewandte Kunst). Bis zuletzt war sie in der Heussenstamm’schen Stiftung tätig.
1931 Goetheplakette der Stadt Ffm.
Porträtiert von Max Beckmann (Ölgemälde, unvollendet, 1937-49; Zeichnung, 1929).
Die Bemühungen des Ffter Kulturdezernenten Karl vom Rath, Sch.s Beckmann-Sammlung für Ffm. zu erhalten, blieben erfolglos; zehn Bilder von Max Beckmann aus der Sammlung, u. a. „Frühling im Park Louisa” (1924), „Ilonka” (1932), „Selbstbildnis mit schwarzer Kappe” (1934) und „Leiermann” (1935), die dem Wallraf-Richartz-Museum in Sch.s Geburtsstadt Köln bereits seit 1957 zur Verfügung standen, gingen als Legat 1979 ganz an dieses Museum über.
1931 Goetheplakette der Stadt Ffm.
Porträtiert von Max Beckmann (Ölgemälde, unvollendet, 1937-49; Zeichnung, 1929).
Die Bemühungen des Ffter Kulturdezernenten Karl vom Rath, Sch.s Beckmann-Sammlung für Ffm. zu erhalten, blieben erfolglos; zehn Bilder von Max Beckmann aus der Sammlung, u. a. „Frühling im Park Louisa” (1924), „Ilonka” (1932), „Selbstbildnis mit schwarzer Kappe” (1934) und „Leiermann” (1935), die dem Wallraf-Richartz-Museum in Sch.s Geburtsstadt Köln bereits seit 1957 zur Verfügung standen, gingen als Legat 1979 ganz an dieses Museum über.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 321f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Literatur:
Hansert, Andreas: „... Frau von Schnitzler, reich, mondän und ziemlich intellektuell... “ – Der Salon der Lilly von Schnitzler im Fft. der 20er und 30er Jahre. In: AFGK 77 (2017): Ffter Frauengeschichte(n), S. 206-220.
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Jörg Schilling in: AFGK 75 (2016): Akteure des Neuen Fft., S. 173f.
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Ehrlich: Heussenstamm’sche Stiftung 1983, S. 26, 28, 49, 55, 57-61.
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Hauck: Ffter Allerlei 2017, S. 272f.
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Höffner: Ffter Privatsammlungen 1992, S. 152.
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Kat. Expressionismus im Rhein-Main-Gebiet 2011, bes. S. 259, 415.
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Keval: Widerstand 1988, S. 107f.
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Seng: Freies Deutsches Hochstift 2009, S. 339, 360-362, 383, 385, 404, 422, 444, 459.
Quellen:
Erinnerungen von Lilly von Schnitzler, 1962. ISG, Chroniken, S5/364.
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ISG, S2/2. 658.
Internet:
Ffter Frauenzimmer, 15.12.2014.
GND: 116848715 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Schnitzler, Lilly von. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1115.
Stand des Artikels: 25.8.1995