Familienwappen von Philipp Friedrich Gwinner
Ausschnitt aus dem „Wappen-Kalender des Hohen Senats der freien Stadt Ffm.“ (1849).
© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. S9-1 Nr. 45).
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
3 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.
Gwinner, Arthur (von)
Arthur von Gwinner
Fotografie (um 1910).
© Historisches Institut der Deutschen Bank, Ffm.
G.s Vater war Testamentsvollstrecker und Biograph Arthur Schopenhauers; der Vorname des Philosophen stand bei der Namenswahl für den Sohn Pate. Obwohl G. später zu den Gründern der Schopenhauer-Gesellschaft gehörte, war Goethe sein eigentlicher Heros. Sein lebenslanges Streben nach universaler Bildung, sein vielfältiges Interesse an philosophischen und naturwissenschaftlichen Fragen waren vor allem dem Vorbild des Dichterfürsten geschuldet. Sein Elternhaus stand im Großen Hirschgraben 5 – nur wenige Schritte von Goethes Geburtshaus entfernt.
Seine Schulzeit verbrachte G. an der Hassel’schen Lehr- und Erziehungs-Anstalt für Knaben in Ffm. Nach dem Schulexamen ging er zur Vertiefung der Französischkenntnisse nach Vevey am Genfer See. Nach Ffm. zurückgekehrt, absolvierte er von 1874 bis 1876 eine Banklehre im Privatbankhaus August Siebert, das zu dieser Zeit in die Ffter Agentur der Mitteldeutschen Creditbank umgewandelt wurde. Anschließend verbrachte G. knapp ein Jahrzehnt im Ausland (England, Frankreich, Spanien) und erwarb sich dort umfangreiche Kenntnisse des internationalen Bankgeschäfts. Wieder in Ffm., heiratete er 1885 Anna Speyer (1861-1940), Tochter eines Inhabers des Bankhauses Lazard Speyer-Ellissen, in das er hätte eintreten können. Doch es drängte den Nachwuchsbankier nach Berlin, das sich zu dieser Zeit – zuungunsten Fft.s – zum führenden deutschen Finanzplatz entwickelte. 1888 erwarb G. das Berliner Bankhaus Riess & Itzinger, das er unter eigenem Namen weiterführte, 1894 aber liquidierte, als er in den Vorstand der Deutschen Bank in Berlin eintrat. G. verantwortete vor allem die großen internationalen Geschäfte (Bagdadbahn, Eisenbahnfinanzierung in Nordamerika, Erdölgeschäft) und erwarb sich den Ruf als „Diplomat“ der Deutschen Bank. Von 1910 bis 1919 fungierte er als Sprecher der Deutschen Bank. Nach dem Ersten Weltkrieg zog sich G. aus dem Tagesgeschäft zurück und wechselte in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank, dem er, seit 1923 als stellvertretender Vorsitzender, bis zu seinem Tod angehörte. G. war das Ffter Element der alten Deutschen Bank. Als einziger Vorstandssprecher stammte er aus der Stadt, in der die größte deutsche Geschäftsbank seit 1957 ihren Sitz hat.
Seit 1910 gehörte G., der zwei Jahre zuvor das erbliche Adelsprädikat erhalten hatte, dem Preußischen Herrenhaus an.
G.s vielfältige Interessen außerhalb der Bank galten – neben philosophischen Betrachtungen – vor allem der Mineralogie, Geologie, Numismatik und Botanik. Als Förderer der Wissenschaften wandte G. erhebliche Summen auf. Große Zuwendungen erhielt das Senckenbergmuseum in seiner Vaterstadt. Insbesondere unterstützte G., der der SNG als korrespondierendes Mitglied angehörte, die Mineraliensammlung des „Senckenberg“, sowohl durch Geldspenden zur Anschaffung wertvoller Stücke als auch durch Schenkung von Mineralien aus seiner Privatsammlung. Zudem stiftete G. die Bibliothek des Schopenhauer-Archivs.
In seinen 1926 zusammengestellten „Lebenserinnerungen“ (Erstveröffentlichung 1975) zeichnet G. u. a. ein farbiges Bild seiner Jugendzeit in Ffm.
1922 naturwissenschaftliche Ehrendoktorwürde der Ffter Universität.
Ölporträt (Kopie, nach dem Original von Anders Zorn, 1911) und Bronzebüste (von Theodor Georgii, 1923) im Besitz der Deutschen Bank in Ffm. Porträtmedaille, geschaffen anlässlich von G.s Nobilitierung (von Rudolf Marschall, 1909), in einem Exemplar im Archiv der Deutschen Bank in Ffm.
Gedenktafel mit dem Namen von G. am Familiengrab G. auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann B an der Mauer 399).
G.s bedeutende Mineraliensammlung mit fast 1.200 Stücken befindet sich als Dauerleihgabe der Familie seit 1997 in der Geowissenschaftlichen Sammlung der Universität Bremen.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Reinhard Frost.
GND: 118543938 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Stand des Artikels: 27.3.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 10.2014
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Oktober 2014.
Gwinner, Philipp Friedrich
Philipp Friedrich Gwinner
Lithografie von Valentin Schertle (im Besitz des HMF).
© Institut für Stadtgeschichte (Sign. S7P Nr. 5751) / Historisches Museum (Inv.-Nr. C14090), Ffm.
Geboren auf dem Gutleuthof. Gymnasialzeit in Ffm. (1807-10) und, auf Rat des Familienfreundes Karl Hoffmann, in Darmstadt (1811-13). Von Dezember 1813 bis Mai 1814 Freiwilliger im Feldzug gegen Frankreich. Von 1815 bis 1818 Jurastudium in Berlin, Gießen, Jena und wieder in Gießen. Burschenschafter, u. a. Mitglied des Hoffmann’schen Bunds, der „Urburschenschaft“ bei deren Gründung in Jena und der radikalen „Gießener Schwarzen“ um Karl Follen. Teilnahme am Wartburgfest von 1817. 1818 Promotion in Gießen. Seit 1819 Bürger und Advokat in Ffm. Hier besorgte er den Druck des „Frag- und Antwortbüchleins über allerlei, was im Deutschen Vaterland besonders not tut. Für den deutschen Bürger und Bauersmann“ (1819), das sein Gießener Bundesbruder Friedrich Wilhelm Schulz verfasst hatte; es kam zu Untersuchungen gegen den Buchdrucker des Werks, die erfolglos und somit auch folgenlos für G.s weitere Karriere blieben.
Von 1826 bis 1856 Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung, zeitweise (1828-30) als deren Sekretär. Von 1831 bis 1834 Mitglied der Ständigen Bürgerrepräsentation. Von 1833 bis 1835 Kriminalrat und erster Polizeiassessor. In diesem Amt, u. a. in den Vernehmungen politisch Verfolgter nach dem Ffter Wachensturm von 1833, zeigte er eine sachlich abwägende wie humanitäre Haltung. Seit 1835 Senator. Seit 1836 Stadtgerichtsrat und seitdem mehrfach (erstmals 1842) Stadtgerichtsdirektor. Von 1848 bis 1866 Schöffe. Seit 1854 Appellationsgerichtsrat. Seit 1856 Deputierter in der Stadtkämmerei und dem Stiftungsausschuss. 1862 Syndikus. 1863 Mitglied der Bundeskommission, die den Entwurf eines neuen Obligationenrechts in Dresden beriet. Beim Fürstentag in Ffm. 1863 empfing G. als Repräsentant der Stadt den Kaiser Franz Joseph, um ihn von seinem Wagen über die Treppe zum Bankett im Kaisersaal zu geleiten. 1865 Älterer Bürgermeister. In der „Drohnotenaffäre“ vertrat G. vehement das Recht und die Freiheit der Stadt Ffm. gegen Preußen. Als letzter Älterer Bürgermeister von Ffm. konnte er seine Amtszeit vollenden, bevor im Folgejahr die Freie Stadt Ffm. von Preußen okkupiert und annektiert wurde.
Neben seiner Karriere im Staatsdienst der Freien Stadt Ffm. widmete sich G., seit 1844 Vorstandsmitglied des „älteren“ Ffter Kunstvereins (von 1829), der kunsthistorischen Forschung. Seit 1858 inventarisierte er im Auftrag des Senats sämtliche Gemälde aus städtischem Besitz und vereinigte die überallhin verstreuten Werke zu einer Bildergalerie, die zunächst im Saalhof aufgestellt wurde (vgl. den von G. verfassten Katalog, 1867). Besitzer einer beachtlichen Gemälde- und Kupferstichsammlung, vorwiegend deutscher und niederländischer Schulen sowie älterer und zeitgenösischer Ffter Meister (1869 versteigert) sowie einer Autographensammlung (heute im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek in München). Zwei Glanzstücke seiner Sammlung, Elsheimers „Der kleine Tobias“ („Tobias und der Engel“, um 1606) und Flegels „Stillleben mit Glas und Pfeife“ (1626/28), befinden sich heute im Besitz des HMF.
Seit 1825 Mitglied der Polytechnischen Gesellschaft. Von 1828 bis 1831 Mitglied des evangelisch-lutherischen Gemeindevorstands. Seit 1831 Mitglied der Verwaltung des lutherischen Almosenkastens. Freimaurer in der Loge Sokrates zur Standhaftigkeit.
Hauptwerk: „Kunst und Künstler in Ffm. vom 13. Jahrhundert bis zur Eröffnung des Städel’schen Kunstinstituts“ (1862; Zusätze und Berichtigungen von 1867). Zudem viele kleinere Abhandlungen, u. a. „Das Städel’sche Kunstinstitut“ (1857), „Goethes Promotion“ (1859), „Die älteren Grundrisse und Ansichten der Stadt Ffm.“ (1860), „Eine neuentdeckte Merian’sche Ansicht von Fft. aus der Zeit von 1612-1619“ (1862) und „Verzeichnis der Bildnisse Ffter Künstler, Kunstdilettanten und Kunstfreunde“ (1868).
1820 Ehrenmitglied der SNG.
Porträt (Lithografie von Valentin Schertle) im Besitz des HMF.
Bestattet in der Familiengrabstätte G. auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann B an der Mauer 399).
Die G.straße in Seckbach ist nach ihm und seinem Sohn Wilhelm G. benannt.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 291, verfasst von: Sabine Hock (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Sabine Hock).
GND: 10251643X ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Stand des Artikels: 8.10.2014
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 10.2014
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Oktober 2014.
Gwinner, Wilhelm (von)
Wilhelm von Gwinner
Fotografie [aus Ffter Kirchen-Kalender für die evangelischen Stadt- und Landgemeinden des Konsistorialbezirks Ffm. 30 (1918), S. 20].
© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Sign. Na 50, Spez. 15).
Besuch des Gymnasiums in Ffm. Seit 1844 Studium der Rechtswissenschaft in Jena und Heidelberg. 1847 Promotion. Zunächst zweijährige Tätigkeit als Advokat in Ffm. Seit 1849 erneutes Studium, jetzt der Philosophie und Theologie, wahrscheinlich in Tübingen, abgeschlossen mit der Promotion. Später Eintritt in den Dienst der Freien Stadt Ffm., zunächst als Sekretär des Appellationsgerichts, später als Stadtgerichtsrat (1865-66) und zuletzt als Landgerichtsdirektor. Befreundet mit Theodor Creizenach, Heinrich Hoffmann und Ludwig Braunfels.
Ehrenamtliche Tätigkeit für die evangelisch-lutherische Kirche, u. a. als Senior des Gemeindevorstands (1880-82) und Direktor des Konsistoriums (1882/83-Ende 1899) sowie als langjähriges Mitglied im Vorstand der Weißfrauengemeinde.
Daneben schriftstellerische Arbeit. Aus seiner Freundschaft mit Schopenhauer (seit 1854), der G. dann als seinen Testamentsvollstrecker einsetzte und ihm seine Bibliothek vermachte, entsprang G.s Hauptwerk, die Biographie „Arthur Schopenhauer aus persönlichem Umgange dargestellt. Ein Blick auf sein Leben, seinen Charakter und seine Lehre“ (1862, 2. Ausgabe 1878, 3. Ausgabe 1910, kritische, von der Enkelin Charlotte G. besorgte Ausgabe 1922, Neuausgabe 1963/87). Weitere Werke u. a.: „Diana und Endymion“ (Roman, veröffentlicht unter dem Pseudonym Natalis Victor, 1860) sowie „Goethes Faustidee nach der ursprünglichen Conception aufgedeckt und nachgewiesen (...)“, eine vor Auffindung der Handschrift angelegte Rekonstruktion des „Urfaust“, die jedoch erst 1892 erschien. Zehn handschriftliche Bände mit philosophischen Schriften, die G. erst 30 Jahre nach seinem Tod herausgegeben wissen wollte, gingen durch Kriegseinwirkung 1945 in Berlin verloren.
Bestattet in der Familiengrabstätte G. auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann E an der Mauer 398a).
Die G.straße in Seckbach ist nach seinem Vater Philipp Friedrich G. und ihm benannt.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 292, verfasst von: Sabine Hock (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Sabine Hock).
GND: 116937742 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Stand des Artikels: 9.10.2014
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 10.2014
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Oktober 2014.
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Stand des Artikels: 08.10.2014
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 10.2014
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