Ffter Bankiersfamilie.
Die Gebrüder Sulzbach mit Freunden beim Whistspiel
Ölgemälde von Anton Burger (um 1860; aus Lerner: Bankhaus Heinrich Kirchholtes & Co. vorm. Gebrüder Sulzbach 1956, neben S. 72).
© Die Werke von Anton Burger sind gemeinfrei. Das Gemälde befand sich bei Erscheinen des o. g. Buchs (1956) im Besitz des Bankhauses Heinrich Kirchholtes & Co. in Ffm. Der Verbleib des Bildes konnte trotz intensiver Bemühungen bisher nicht ermittelt werden.
Das Geschäftslokal der Gebrüder S. befand sich zunächst (seit 1856) im eigenen Haus in der Großen Eschenheimer Gasse 37, bis das Anwesen 1871 an Leopold Sonnemann, den befreundeten Verleger und Herausgeber der FZ, veräußert wurde. Danach war das Bankhaus über Jahrzehnte (1871-1904) in der Bockenheimer Anlage 53 ansässig, dann (1904-23) in der Goethestraße 34 und von 1923 bis 1968 (mit Unterbrechungen) in der Mainzer Landstraße 4-6 (Grundstück heute teilweise von den Doppeltürmen der Deutschen Bank überbaut).
Als Stifter taten sich Mitglieder der Familie S., die teilweise das Bankfach aufgaben und sich künstlerischer Betätigung widmeten, u. a. bei der Gründung der Ffter Universität hervor. So errichtete der Bankier Karl S., Geschäftsnachfolger seines Vaters in der Firma Gebrüder S., 1912 eine Stiftung mit einem Kapital von 250.000 Mark zur Förderung der Wissenschaft in den Bereichen Geschichte, Literatur, Rechtswissenschaften, Nationalökonomie und Soziologie an der neu zu gründenden Universität; diese „Dr. Karl S.-Stiftung“ wurde in der NS-Zeit (1939/40) mit zwei anderen jüdischen Stiftungen, der Georg-Speyer-Stiftung und der Otto und Ida Braunfels-Stiftung, zur „Ffter Hochschulstiftung“ zusammengeschlossen.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Reinhard Frost.
3 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.
Sulzbach, Emil
Emil Sulzbach
Fotografie des Ffter Fotostudios „Kunst-Atelier Rembrandt van Ryn“ mit eigenhändiger Unterschrift des Porträtierten (1925; aus der Sammlung Manskopf im Besitz der UB Ffm.).
© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Sign. S 36/F11204).
Nach einer kaufmännischen Ausbildung trat S. in das Bankhaus Gebr. Sulzbach ein, dessen Teilhaber er 1879 wurde. Bereits neben seiner Banklehre studierte er, seinen Neigungen folgend, Musiktheorie und Kompositionslehre. 1893 trat er aus dem Bankgeschäft aus, um sich als Privatier nur noch der Musik widmen zu können, zunächst durch Fortsetzung seines Studiums bei Iwan Knorr am Hoch’schen Konservatorium.
Als engagierter Förderer und Mäzen machte sich S. besonders um Dr. Hoch’s Konservatorium verdient, dessen Kuratorium er seit 1883, zeitweise (1904-23) als Vorsitzender, angehörte. Er stiftete dem Konservatorium bedeutende Beträge, u. a. zur Anschaffung eines Konzertflügels (zusammen mit seinem Bruder Karl S., um 1903/04) und der Orgel für den Konzertsaal (um 1911/12), förderte aber auch das Palmengarten-Orchester, unterstützte arme Künstler bei ihren Studien und spendete großzügig für in Not geratene Musiker, deren Witwen und Waisen.
Außerdem setzte sich der passionierte Jäger für die Einrichtung von Naturschutzparks ein und förderte das Senckenbergmuseum.
Eigene Kompositionen, vor allem Kammermusikstücke, Lieder und Chorwerke, von denen viele in Ffm. uraufgeführt wurden.
1915 Kaiserlich Türkische Rote-Halbmond-Medaille in Bronze.
Am 9.10.1932 veranstaltete Dr. Hoch’s Konservatorium eine Gedächtnisfeier für sein Ehrenmitglied Emil S., bei der zwölf von dessen Liedern vorgetragen wurden.
Verheiratet (seit 1886) mit Julie S., geb. Marckwald (1865-?), aus Berlin, einer Cousine von Martha Liebermann, geb. Marckwald (1857-1943), der Ehefrau des Malers Max Liebermann (1847-1935). Zwei Söhne und eine Tochter: Ernst Rudolf S. (1887-1954), Verleger, emigriert von Berlin 1936 über Mexiko nach Schweden, wo er in Stockholm als Lektor beim Bonnier-Verlag arbeitete und die Filmhistorische Sammlung mitaufbaute; Lili Theodora Louise S. (seit 1913 in erster Ehe verh. von Boxberger, in zweiter Ehe verh. Sandkühler, 1889-1973), die während der NS-Zeit bis 1944 illegal in Berlin lebte, dann nach Salzburg floh und später in Freilassing wohnte; Herbert Paul S. (1894-1985), Fabrikant, emigriert von Berlin 1937/38 nach England, wo er sich als Diplomat nach dem Zweiten Weltkrieg um die deutsch-britische Versöhnung verdient machte. Ernst S. war verheiratet in erster Ehe (1917-24) mit Kerstin Strindberg (1894-1956), der Tochter des Dramatikers August Strindberg (1849-1912), in zweiter Ehe mit der Grafikerin Renée S., geb. Goldberger (1892-1978), die nach Ernst S.s Tod dessen Lektorenstelle beim Bonnier-Verlag in Stockholm übernahm; aus der ersten Ehe stammte der Sohn Christoph S. (1919-2010), der als Bildhauer und Grafiker in Stockholm arbeitete. Herbert S. war in zweiter Ehe verheiratet mit der Schauspielerin Beate S., geb. Scherk (1896-1982), deren Mutter eine Cousine des Romanisten Victor Klemperer (1881-1960) und des Dirigenten Otto Klemperer (1885-1973) war.
Teilnachlass im ISG. Einzelne Kompositionen und Briefe (an Engelbert Humperdinck, 1899, und an Nicolas Manskopf, etwa 1901-28) in der UB Ffm.
Emil-S.-Straße in Bockenheim.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 456, verfasst von: Birgit Weyel (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Sabine Hock).
GND: 117373699 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Stand des Artikels: 3.8.2023
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 04.2017
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. April 2017.
Sulzbach, Rudolph
Rudolph Sulzbach
Fotografie.
© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. S7P Nr. 14198).
Wie sein wesentlich älterer Bruder Siegmund S. (1813-1876) genoss auch Ruben S., benannt nach dem Großvater mütterlicherseits, eine gründliche kaufmännische Ausbildung durch den Vater. 1854 erhielt er die Zulassung als Wechselmakler. Im April 1856 gründeten die beiden Brüder S. ein eigenes Bankhaus unter der Firma „S. Sulzbach“. In den ersten Monaten wurde das Geschäft provisorisch von S.s Privatwohnung in der Allerheiligenstraße aus geführt, bis ein Haus in der Großen Eschenheimer Gasse als Firmensitz (1856-71) erworben werden konnte; später (1871-1904) war die Bank in der Bockenheimer Anlage 53/Ecke Opernplatz ansässig. Auch wenn traditionsgemäß der Name des Erstgeborenen in der Initiale des Firmennamens stand, so war doch Rudolph S. von Anfang an der Motor des Bankhauses, das erst später (1866) folgerichtig in „Gebr. Sulzbach“ umfirmierte.
Neue Geschäftsfelder erschloss S. etwa durch sein Engagement für die Gründung von Aktiengroßbanken. Bereits im Februar 1856 hatte er in einem Konsortium Ffter, Hamburger und Leipziger Bankiers an der Gründung der Mitteldeutschen Creditbank in Meiningen mitgewirkt; künftig gehörte er auch der Leitung dieses Instituts (einer Keimzelle der heutigen Commerzbank) an, das seinen Hauptsitz 1876 nach Ffm. verlegte. Weitere Bankgründungen, an denen S. beteiligt war, waren u. a. die Niedersächsische Bank in Bückeburg (1857), die Banque de Bruxelles und die German Bank of London (beide 1871). Eine wichtige Rolle spielte S. bei der Entstehung der Deutschen Bank im März 1870. Als größter Einzelaktionär zeichnete er – immerhin nur vier Jahre nach der preußischen Annexion Fft.s – für sein Haus mehr als ein Fünftel des gesamten Gründungskapitals der neuen, in Berlin ansässigen Bank. Bis zu seinem Tod war er im Verwaltungsrat bzw. (ab 1889) Aufsichtsrat des bald größten deutschen Geldinstituts vertreten.
Wie schon sein Vater konzentrierte sich S. beim Börsengeschäft weiterhin auf den Handel mit Eisenbahnaktien und Staatsanleihen; so vermittelte er nach dem amerikanischen Bürgerkrieg United States Bonds über eine ab 1865 zeitweilig in New York eingegangene Beteiligung. Großes Augenmerk richtete S. auf die Förderung neuer Technologien. So bildete er gemeinsam mit dem Berliner Bankier Jacob Landau und der Nationalbank für Deutschland ein Konsortium, das die Edison’schen Lizenzrechte für die Glühlampe erwarb, und finanzierte eine Studiengesellschaft, die die Verbreitung dieser Erfindung in Deutschland vorbereiten sollte. 1883 gründete er mit Hilfe einer Reihe Ffter Privatbankhäuser die „Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektricität“, die vier Jahre später, nach einer Kapitalerhöhung unter wesentlicher Beteiligung der Deutschen Bank, in „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“ (AEG) umbenannt wurde. Der AEG blieb S. bis zu seinem Tod als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender verbunden. Zu S.s Industrieinteressen zählten auch die Gewinnung von Kalisalzen als Düngemittel und die Herstellung von Aluminium, beides innovative Branchen, die er als einer der ersten finanziell förderte.
S., der aufgrund seiner Pionierleistungen in der Gründerzeit als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Ffter Privatbankiers gelten kann, setzte sich in Ffm. für zahlreiche Unternehmungen ein, die die Infrastruktur der werdenden Großstadt verbesserten. So gehörte das Bankhaus Gebr. Sulzbach gemeinsam mit der Mitteldeutschen Creditbank zu den Finanziers der 1889 in Betrieb genommenen Ffter Waldbahn von Sachsenhausen nach Neu-Isenburg (mit Abzweigungen nach Niederrad und Schwanheim). Weitere Engagements S.s galten der Ffter Quellwasserleitungs-Gesellschaft, der Ffter Hotel Aktien-Gesellschaft (Ffter Hof) und der Providentia Ffter Versicherungs-Gesellschaft.
Von 1871 bis 1903 Mitglied, dann Ehrenmitglied der Ffter Handelskammer. Mitglied im Komitee für den Neubau der Börse, der 1879 eingeweiht wurde. 1892/93 Sachverständiger der Börsenenquetekommission im Reichstag. Ewiges Mitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft.
1899 Komturkreuz I. Klasse des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens. 1902 Roter Adlerorden IV. Klasse.
Unmittelbar nach S.s Tod 1904 etablierten seine Söhne Emil und Dr. Karl S. die (bis 1941 bestehende) Rudolph-S.-Stiftung der Ffter Handelskammer, die mit einem Kapital von 100.000 Mark ausgestattet war. Stiftungszweck war die Förderung begabter junger Kaufleute in ihrer Ausbildung und die Unterstützung hilfsbedürftig gewordener ehemaliger Besucher der Ffter Börse. Auch die von Karl S. 1912 eingebrachte Dotation in Höhe von 250.000 Mark zur Gründung der Ffter Universität speiste sich noch aus S.s Mitteln.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Reinhard Frost.
GND: 1081043296 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Stand des Artikels: 8.4.2017
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 04.2017
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. April 2017.
Sulzbach, Walter
Walter Sulzbach
Fotografie.
© Universitätsarchiv Frankfurt am Main (UAF Best. 854 Nr. 1718).
1907 Abitur am Goethe-Gymnasium in Ffm. Studium der Nationalökonomie und Sozialwissenschaften in Grenoble, Straßburg, München und Freiburg (dort 1911 promoviert mit einer Arbeit über „Die Anfänge der materialistischen Geschichtsauffassung“). 1914 geriet S. auf einer Studienreise durch Südafrika infolge des Kriegsbeginns in englische Internierung (bis 1920). Nach der Habilitation mit einer Schrift über „Die Grundlagen der politischen Parteibildung“ in Ffm. 1921 Privatdozent, ab 1930 außerordentlicher Professor für Soziologie an der Ffter Universität. 1933 Entzug der Lehrbefugnis. 1937 Emigration in die USA, wo er u. a. am Claremont College/Kalifornien lehrte (1937-45). 1954 wurde S. von der Ffter Universität zum ordentlichen Professor (emeritus) ernannt. Zuletzt (seit 1960) lebte er in der Schweiz.
Obgleich S. von vornherein eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen hatte und nicht im Bankwesen tätig war, fungierte er von 1922 bis zu seiner Emigration 1937 als Teilhaber des familieneigenen Bankhauses Gebrüder S. in Ffm.
Zahlreiche soziologische Schriften, darunter mehrere Untersuchungen zur Erforschung des Nationalbewussteins („Nationales Gemeinschaftsgefühl und wirtschaftliches Interesse“, 1929, „Imperialismus und Nationalbewußtsein“, 1959, u. a.) und des Antisemitismus („Vorurteile und Instinkte“, 1923, „Die zwei Wurzeln und Formen des Judenhasses“, 1959, u. a.), sowie Artikel zu volkswirtschaftlichen Themen, u. a. in der FZ.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Reinhard Frost.
GND: 11737380X ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Stand des Artikels: 5.5.2017
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 05.2017
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Mai 2017.
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Stand des Artikels: 08.4.2017
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