Rudolf Franz Erwein von Schönborn
Ausschnitt aus dem Hochaltargemälde von Franz Lippold (1748) in der Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Gaibach, die von Balthasar Neumann als Patronatskirche für die gräfliche Herrschaftsfamilie errichtet wurde. Auf dem Altarblatt ist Rudolf Franz Erwein von Schönborn in einer Gruppe der elf bedeutendsten Mitglieder seiner Familie zu sehen.
Foto: Dorothea Zwicker-Berberich.
© Dorothea Zwicker-Berberich, kunstSCHÄTZEverlag, Gerchsheim.
Schönborn, Rudolf Franz Erwein (auch: Erwin) Graf von. Kaiserlicher Geheimrat. Diplomat. Politiker. Komponist.
* 23.10.1677 höchstwahrscheinlich Mainz, † 22.9.1754 (Volkach-)Gaibach.
Sohn des kurmainzischen Staatsministers Melchior Friedrich Reichsfreiherr (seit 1701: Reichsgraf) von Sch. und dessen Ehefrau Maria Anna Sophia Johanna, geb. Freiin von Boineburg und Lengsfeld (1652-1726). Neffe des Ffter Propsts Franz Georg von Sch. und des Mainzer Kurfürsten Lothar Franz von Sch. (1655-1729). Bruder von vier deutschen Fürstbischöfen, u. a. von Johann Philipp Franz von Sch.
Besuch der Jesuiten-Gymnasien Aschaffenburg und Würzburg. Domizellar, zunächst (1689) in Würzburg, dann (1690-97) in Trier. Studium am Collegium Germanicum in Rom (1693-95), in Leiden (u. a. bei Hugo Grotius, 1696-98) und in Paris (1699). 1699 Aufenthalt in diplomatischer Mission in Rom. 1700, nach dem Ausscheiden aus dem kirchlichen Dienst, folgte Sch. seinem Vater als kurmainzischer Statthalter (Vizedominus) in Aschaffenburg (bis 1733). 1701 Heirat mit Maria Eleonore Gräfin von Hatzfeld-Gleichen, verw. Gräfin von Dernbach (1680-1718), wodurch er in Besitz der Herrschaft Wiesentheid gelangte und die Linie Sch.-Wiesentheid begründete. 1701 Kaiserlicher Kämmerer und Reichshofrat. 1707 kurmainzischer Wirklicher Geheimrat. 1709 Oberhofmarschall. 1710 Gesandter in Dresden.
1713 begann Sch. als bevollmächtigter Vertreter des Mainzer Kurfürsten seine Tätigkeit in der (politischen) kaiserlichen Kommission in Ffm. Nach dem Tod des Vaters Melchior Friedrich von Sch. 1717 übernahm er zudem die Leitung der kaiserlichen Rechnungskommission, und seit 1724 leitete er auch die Kommission für die „milden Stiftungen“. 1732 war er beteiligt an der Beilegung des Ffter Verfassungskonflikts und somit mitverantwortlich für eine der modernsten Verfassungen der Zeit, die die Rechte der Bürgerschaft gegenüber dem Rat erweiterte: Ein „Neunerausschuss“ sollte das Finanzgebaren des Rats, ein „Einundfünfzigerkolleg“ die Politik des Rats insgesamt überprüfen, und bürgerliche „Gegenschreiber“ sollten alle Ein- und Ausgaben überwachen; ferner wurde das Verfahren der „Kugelung“ bei den Ratswahlen eingeführt. Beim Brand des Karmeliterklosters 1726 beteiligte sich Sch. persönlich an den Löscharbeiten.
Bekannt wurde Sch. hauptsächlich als Musiker (Violoncellist), Komponist, Musikmäzen, Musikalien- und Instrumentensammler sowie als Bauherr (u. a. Umbau des Schlosses und Anlage des Parks in Wiesentheid).
Für seine Tätigkeit als kaiserlicher Kommissar in Ffm. wurde Sch. 1732 zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies ernannt. „Der unermüdlichen Tatkraft des Grafen Rudolf [Franz] Erwein von Sch. hat es die Ffter Bürgerschaft zu verdanken, daß der Kaiser als souveräner Herrscher noch einmal ordnend und regelnd in die Geschicke der Reichsstadt eingegriffen und ihr den Weg zum Mitbestimmungsrecht in den städtischen Angelegenheiten freigemacht hat.“ (Hohenemser: Ffter Verfassungsstreit 1920, S. 369f.)
Besuch der Jesuiten-Gymnasien Aschaffenburg und Würzburg. Domizellar, zunächst (1689) in Würzburg, dann (1690-97) in Trier. Studium am Collegium Germanicum in Rom (1693-95), in Leiden (u. a. bei Hugo Grotius, 1696-98) und in Paris (1699). 1699 Aufenthalt in diplomatischer Mission in Rom. 1700, nach dem Ausscheiden aus dem kirchlichen Dienst, folgte Sch. seinem Vater als kurmainzischer Statthalter (Vizedominus) in Aschaffenburg (bis 1733). 1701 Heirat mit Maria Eleonore Gräfin von Hatzfeld-Gleichen, verw. Gräfin von Dernbach (1680-1718), wodurch er in Besitz der Herrschaft Wiesentheid gelangte und die Linie Sch.-Wiesentheid begründete. 1701 Kaiserlicher Kämmerer und Reichshofrat. 1707 kurmainzischer Wirklicher Geheimrat. 1709 Oberhofmarschall. 1710 Gesandter in Dresden.
1713 begann Sch. als bevollmächtigter Vertreter des Mainzer Kurfürsten seine Tätigkeit in der (politischen) kaiserlichen Kommission in Ffm. Nach dem Tod des Vaters Melchior Friedrich von Sch. 1717 übernahm er zudem die Leitung der kaiserlichen Rechnungskommission, und seit 1724 leitete er auch die Kommission für die „milden Stiftungen“. 1732 war er beteiligt an der Beilegung des Ffter Verfassungskonflikts und somit mitverantwortlich für eine der modernsten Verfassungen der Zeit, die die Rechte der Bürgerschaft gegenüber dem Rat erweiterte: Ein „Neunerausschuss“ sollte das Finanzgebaren des Rats, ein „Einundfünfzigerkolleg“ die Politik des Rats insgesamt überprüfen, und bürgerliche „Gegenschreiber“ sollten alle Ein- und Ausgaben überwachen; ferner wurde das Verfahren der „Kugelung“ bei den Ratswahlen eingeführt. Beim Brand des Karmeliterklosters 1726 beteiligte sich Sch. persönlich an den Löscharbeiten.
Bekannt wurde Sch. hauptsächlich als Musiker (Violoncellist), Komponist, Musikmäzen, Musikalien- und Instrumentensammler sowie als Bauherr (u. a. Umbau des Schlosses und Anlage des Parks in Wiesentheid).
Für seine Tätigkeit als kaiserlicher Kommissar in Ffm. wurde Sch. 1732 zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies ernannt. „Der unermüdlichen Tatkraft des Grafen Rudolf [Franz] Erwein von Sch. hat es die Ffter Bürgerschaft zu verdanken, daß der Kaiser als souveräner Herrscher noch einmal ordnend und regelnd in die Geschicke der Reichsstadt eingegriffen und ihr den Weg zum Mitbestimmungsrecht in den städtischen Angelegenheiten freigemacht hat.“ (Hohenemser: Ffter Verfassungsstreit 1920, S. 369f.)
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Roman Fischer.
Lexika:
Günter Christ in: Bosls bayerische Biographie 1 (1983), S. 694.
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Richel, S. 528.
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Constantin von Wurzbach in: Wurzbach: Biogr. Lex. d. Kaiserthums Oesterreich 31 (1876), S. 139.
Literatur:
Domarus, Max: Das Aschaffenburger Vizedomamt unter den Grafen von Schönborn. In: Aschaffenburger Jb. 4. 2 (1957), S. 746-752.
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Battonn: Oertliche Beschreibung 5 (1869), S. 147.
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Domarus: Rudolf Franz Erwein von Schönborn 1954, bes. S. 221-238.
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Hohenemser: Ffter Verfassungsstreit 1920.
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Schraut: Haus Schönborn 2005.
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Zobeley: Rudolf Franz Erwein Graf von Schönborn u. seine Musikpflege 1949.
Quellen:
Staatsarchiv Würzburg, Schönborn Korrespondenz Archiv (Depositum), Bestand Rudolf Franz Erwein von Schönborn.
Internet:
Wikipedia, 9.7.2017.
GND: 118610074 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Fischer, Roman: Schönborn, Rudolf Franz Erwein von. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/7828.
Stand des Artikels: 26.10.2017
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2017
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Juli 2017.