Hans Zürn
Fotografie von Ulla Druschel (2016).
© Ulla Druschel, Ffm.
Zürn, Johann August, gen. Hans. Schauspieler.
* 12.2.1936 Ffm., † 13.3.2020 Ffm.
Sohn eines Möbelschreiners und einer Gastwirtstochter.
Geboren in Sossenheim. Aufgewachsen in Höchst, wo die Eltern die Gastwirtschaft „Zum Goldenen Adler“ betrieben. Von 1946 bis 1956 Besuch des Realgymnasiums, der Leibnizschule in Höchst, abgeschlossen mit dem Abitur. Studium der Germanistik und Philosophie, zunächst an der Ffter Universität, wo er Adorno und Horkheimer hörte. 1957 Wechsel zum Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft, u. a. bei Artur Kutscher (1878-1960), nach München. Dort erste Theatererfahrungen als Schauspieler (in der Rolle des jungen Malers in einer englischsprachigen Aufführung von „Anastasia“) und Regieassistent bei Peter Capell (1912-1986) an dessen Kaffeehausbühne. 1963 nach Ffm. zurückgekehrt mit dem Ziel, Dramaturg oder Regisseur zu werden. Hospitanz in der Regie an der Landesbühne Rhein-Main unter Kurt Heinz Welke. Daneben Sprechunterricht bei Charlotte Grantz-Söder sowie Ausbildung in Gesang (als lyrischer Bariton) bei Gerthy Haindl (1903-1994) und in Pantomime. Mit der Hauptrolle in der dramatisierten Fassung von Tucholskys „Schloss Gripsholm“ am Ffter Kellertheater „Die Katakombe“ 1967 kam Z. eher unbeabsichtigt zum Schauspielberuf. Bis 1970 gehörte er zum Ensemble der „Katakombe“. Engagements in Reutlingen (1970/71), Heilbronn (1971/72) und Bruchsal (1972-74) sowie seit 1974 regelmäßig bei den neu gegründeten Heppenheimer Festspielen, wo er in drei Sommern (1974, 1975, 1979) den Mammon im „Jedermann“ gab und diese Rolle mit frankfurterischem Akzent anlegte. Tätigkeit als freier Schauspieler, u. a. mit Stückverträgen an der Ffter „Komödie“ (etwa als Ganove in dem Musical „Irma la Douce“, 1975) und am Marburger Schauspiel (um 1977-79) unter der Intendanz von Peter Schlapp (* 1938). Im Herbst 1979 wurde Z. von Liesel Christ an das von ihr gegründete und geleitete Volkstheater Fft. verpflichtet, zunächst für die Rolle des Fürsten von Klausthal-Agordo in Rösslers Lustspiel „Die fünf Ffter“. In der Folge stieg er schnell vom Chargendarsteller zum Ersten Schauspieler an dieser Bühne auf und gehörte über 20 Jahre lang zu deren festem Ensemble.
Rollen am Volkstheater Fft.: Gerichtsrat Walter in „Der zerbrochne Krug“ (1980, 2001), Spirwes im „Datterich“ (1982, 1997), Arnold in Deichsels „Schule der Frauen“ nach Molière (1983), Wulkow im „Biberpelz“ (1985), die Titelrolle in Deichsels „Tartüff“ nach Molière (1987), der Diener Arlecchino in Goldonis „Der Lügner“ (1990), Mephisto im „Urfaust“ (1991, 1994, 1996), Salomon Rothschild in „Die fünf Ffter“ (1991, 1994; Fernsehaufzeichnung: HR, 1995), Striese in „Der Raub der Sabinerinnen“ (1993), Herr Biedermann in „Biedermann und die Brandstifter“ (1994), die Titelrolle in dem Lokalstück „Der alte Bürgerkapitän“ von Carl Malss (1996; Fernsehaufzeichnung: HR, 1996), der Clown Julius Schmittolini in „Katharina Knie“ (1997), Wagner im „Urfaust“ (1999), Don Camillo in zwei Stücken um „Don Camillo und Peppone“ (2001, 2004) u. v. a.; daneben vereinzelte Gastspiele an anderen Bühnen (etwa als einer der beiden Gangster in dem Musical „Kiss me, Kate“ an der Ffter „Komödie“, 2002) sowie Mitwirkung in Hörfunk und Fernsehen (u. a. in einzelnen Folgen der Reihen „Tatort“, ARD, 1978/97, und „Ein Fall für zwei“, 1982-96, in den Serien „Bei Mudder Liesl“ mit Liesel Christ, ARD, 1984, und „Himmelsheim“ mit Tilly Lauenstein und Hanns Zischler, SWF, 1997, in einer Episode des vierteiligen Fernsehfilms „Der große Bellheim“ von Dieter Wedel, ZDF, 1993). Seit 1982 übernahm Z. gelegentlich die Regie bei den jährlichen Weihnachtsmärchen des Volkstheaters und öfter deren musikalische Begleitung am Klavier. Bereits seit 1981 wirkte er an der Seite von Liesel Christ und Wolfgang Kaus, dem langjährigen Hausregisseur des Volkstheaters, in einer Reihe von musikalisch-literarischen Lesungen mit, u. a. mit Texten „Von Goethe bis Kästner“ (1981), „Von Goethe bis Tucholsky“ (1985) und von Heinrich Heine (1989), die jeweils auch als Gastspiele des Volkstheaters in Israel liefen. Regelmäßig seit 1982 traten Christ, Kaus und Z. (als „der Mann am Klavier“) mit einem „Stoltzekabarett“ auf, einem Programm politisch-literarischer Texte von Friedrich Stoltze, mit dem sie durch das Rhein-Main-Gebiet tingelten, und zum 150. Geburtstag von Adolf Stoltze 1992 präsentierte das Dreierteam einen „Spaziergang“ durch dessen Werk. Nach dem Tod von Liesel Christ 1996 waren Kaus und Z. weiterhin mit dem „Stoltzekabarett“ unterwegs, dessen Programm sie gelegentlich um „Neues von Friedrich Stoltze“ erweiterten.
Mit der Rolle des Kaisers Franz Joseph in dem Singspiel „Im Weißen Rössl“, die Z. erstmals 1996 übernommen hatte, wollte sich der beim Publikum sehr beliebte Schauspieler 2006 eigentlich von der Bühne verabschieden. Doch er blieb dem Volkstheater Fft. darüber hinaus verbunden und gab in der Neuinszenierung der „Fünf Ffter“ 2009 erneut den Fürsten von Klausthal-Agordo, einst seine erste Rolle an dieser Bühne; auch war er bei dem Freilichtspiel vom „Jedermann“ vor dem Dom 2010 als die Stimme Gottes zu hören, und 2012 begleitete er wieder das Kindermusical „Der Lebkuchenmann“ am Klavier, das letzte Weihnachtsmärchen des Volkstheaters vor dessen Schließung im Mai 2013.
Für ihre Verdienste um das Werk von Friedrich Stoltze wurden Hans Z. und Wolfgang Kaus 2001 mit der „Ffter Latern“ der Vereinigung der Freunde und Förderer des Stoltze-Museums ausgezeichnet.
Geboren in Sossenheim. Aufgewachsen in Höchst, wo die Eltern die Gastwirtschaft „Zum Goldenen Adler“ betrieben. Von 1946 bis 1956 Besuch des Realgymnasiums, der Leibnizschule in Höchst, abgeschlossen mit dem Abitur. Studium der Germanistik und Philosophie, zunächst an der Ffter Universität, wo er Adorno und Horkheimer hörte. 1957 Wechsel zum Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft, u. a. bei Artur Kutscher (1878-1960), nach München. Dort erste Theatererfahrungen als Schauspieler (in der Rolle des jungen Malers in einer englischsprachigen Aufführung von „Anastasia“) und Regieassistent bei Peter Capell (1912-1986) an dessen Kaffeehausbühne. 1963 nach Ffm. zurückgekehrt mit dem Ziel, Dramaturg oder Regisseur zu werden. Hospitanz in der Regie an der Landesbühne Rhein-Main unter Kurt Heinz Welke. Daneben Sprechunterricht bei Charlotte Grantz-Söder sowie Ausbildung in Gesang (als lyrischer Bariton) bei Gerthy Haindl (1903-1994) und in Pantomime. Mit der Hauptrolle in der dramatisierten Fassung von Tucholskys „Schloss Gripsholm“ am Ffter Kellertheater „Die Katakombe“ 1967 kam Z. eher unbeabsichtigt zum Schauspielberuf. Bis 1970 gehörte er zum Ensemble der „Katakombe“. Engagements in Reutlingen (1970/71), Heilbronn (1971/72) und Bruchsal (1972-74) sowie seit 1974 regelmäßig bei den neu gegründeten Heppenheimer Festspielen, wo er in drei Sommern (1974, 1975, 1979) den Mammon im „Jedermann“ gab und diese Rolle mit frankfurterischem Akzent anlegte. Tätigkeit als freier Schauspieler, u. a. mit Stückverträgen an der Ffter „Komödie“ (etwa als Ganove in dem Musical „Irma la Douce“, 1975) und am Marburger Schauspiel (um 1977-79) unter der Intendanz von Peter Schlapp (* 1938). Im Herbst 1979 wurde Z. von Liesel Christ an das von ihr gegründete und geleitete Volkstheater Fft. verpflichtet, zunächst für die Rolle des Fürsten von Klausthal-Agordo in Rösslers Lustspiel „Die fünf Ffter“. In der Folge stieg er schnell vom Chargendarsteller zum Ersten Schauspieler an dieser Bühne auf und gehörte über 20 Jahre lang zu deren festem Ensemble.
Rollen am Volkstheater Fft.: Gerichtsrat Walter in „Der zerbrochne Krug“ (1980, 2001), Spirwes im „Datterich“ (1982, 1997), Arnold in Deichsels „Schule der Frauen“ nach Molière (1983), Wulkow im „Biberpelz“ (1985), die Titelrolle in Deichsels „Tartüff“ nach Molière (1987), der Diener Arlecchino in Goldonis „Der Lügner“ (1990), Mephisto im „Urfaust“ (1991, 1994, 1996), Salomon Rothschild in „Die fünf Ffter“ (1991, 1994; Fernsehaufzeichnung: HR, 1995), Striese in „Der Raub der Sabinerinnen“ (1993), Herr Biedermann in „Biedermann und die Brandstifter“ (1994), die Titelrolle in dem Lokalstück „Der alte Bürgerkapitän“ von Carl Malss (1996; Fernsehaufzeichnung: HR, 1996), der Clown Julius Schmittolini in „Katharina Knie“ (1997), Wagner im „Urfaust“ (1999), Don Camillo in zwei Stücken um „Don Camillo und Peppone“ (2001, 2004) u. v. a.; daneben vereinzelte Gastspiele an anderen Bühnen (etwa als einer der beiden Gangster in dem Musical „Kiss me, Kate“ an der Ffter „Komödie“, 2002) sowie Mitwirkung in Hörfunk und Fernsehen (u. a. in einzelnen Folgen der Reihen „Tatort“, ARD, 1978/97, und „Ein Fall für zwei“, 1982-96, in den Serien „Bei Mudder Liesl“ mit Liesel Christ, ARD, 1984, und „Himmelsheim“ mit Tilly Lauenstein und Hanns Zischler, SWF, 1997, in einer Episode des vierteiligen Fernsehfilms „Der große Bellheim“ von Dieter Wedel, ZDF, 1993). Seit 1982 übernahm Z. gelegentlich die Regie bei den jährlichen Weihnachtsmärchen des Volkstheaters und öfter deren musikalische Begleitung am Klavier. Bereits seit 1981 wirkte er an der Seite von Liesel Christ und Wolfgang Kaus, dem langjährigen Hausregisseur des Volkstheaters, in einer Reihe von musikalisch-literarischen Lesungen mit, u. a. mit Texten „Von Goethe bis Kästner“ (1981), „Von Goethe bis Tucholsky“ (1985) und von Heinrich Heine (1989), die jeweils auch als Gastspiele des Volkstheaters in Israel liefen. Regelmäßig seit 1982 traten Christ, Kaus und Z. (als „der Mann am Klavier“) mit einem „Stoltzekabarett“ auf, einem Programm politisch-literarischer Texte von Friedrich Stoltze, mit dem sie durch das Rhein-Main-Gebiet tingelten, und zum 150. Geburtstag von Adolf Stoltze 1992 präsentierte das Dreierteam einen „Spaziergang“ durch dessen Werk. Nach dem Tod von Liesel Christ 1996 waren Kaus und Z. weiterhin mit dem „Stoltzekabarett“ unterwegs, dessen Programm sie gelegentlich um „Neues von Friedrich Stoltze“ erweiterten.
Mit der Rolle des Kaisers Franz Joseph in dem Singspiel „Im Weißen Rössl“, die Z. erstmals 1996 übernommen hatte, wollte sich der beim Publikum sehr beliebte Schauspieler 2006 eigentlich von der Bühne verabschieden. Doch er blieb dem Volkstheater Fft. darüber hinaus verbunden und gab in der Neuinszenierung der „Fünf Ffter“ 2009 erneut den Fürsten von Klausthal-Agordo, einst seine erste Rolle an dieser Bühne; auch war er bei dem Freilichtspiel vom „Jedermann“ vor dem Dom 2010 als die Stimme Gottes zu hören, und 2012 begleitete er wieder das Kindermusical „Der Lebkuchenmann“ am Klavier, das letzte Weihnachtsmärchen des Volkstheaters vor dessen Schließung im Mai 2013.
Für ihre Verdienste um das Werk von Friedrich Stoltze wurden Hans Z. und Wolfgang Kaus 2001 mit der „Ffter Latern“ der Vereinigung der Freunde und Förderer des Stoltze-Museums ausgezeichnet.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Literatur:
Dt. Bühnen-Jb. 1969, S. 296; 1970, S. 297; 1971, S. 456; 1972, S. 365; 1973, S. 218; 1974, S. 235; 1975, S. 264; 1977, S. 137; 1978, S. 87, 144, 285, 1004; 1979, S. 144, 287, 957.
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FS Volkstheater 1981.
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FS Volkstheater 1991.
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Hock: Liesel Christ 2004, S. 171, 173, 181-183, 186, 190f., 201f., 204.
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Hock: Rollenverzeichnis von Liesel Christ 2005.
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Kaus: Mensche gibt’s, all sin se anners 2010, S. 71, 126-128, 136, 147f., 162, 166, 169.
Quellen:
Fink, Adolf: Jedermanns Krise in der Lebensmitte. Das Festspieldrama Hugo von Hofmannsthals vor dem „Dom der Bergstraße“ in Heppenheim. In: FAZ, 24. 8. 1979, S. 38.
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Heym, Heinrich: Die „Komödie“ hat das Zaubern nicht verlernt. „Irma la Douce“ – ein Musical wie am Schnürchen. In: FAZ, 15. 11. 1975, S. 43.
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Heym, Heinrich: Theater an der Bergstraße. „Jedermann“ – fast ohne Pathos. In: FAZ, 13. 8. 1974, S. 17.
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s-t.: Ein kurzes Glück. Schloß Gripsholm in neuer Besetzung/Aufführung der „Katakombe“. In: FAZ, 23. 8. 1967, S. 15.
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Schülke, Claudia: Schlag nach bei Shakespeare. Claus Helmer inszeniert „Kiss Me, Kate“ in der „Komödie“ Fft. und läßt das Ensemble tanzen, steppen und singen. In: FAZ, 26. 1. 2002, S. 74.
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ISG, S2/16. 219.
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Kämper, Lore: Ffter „Urgestein“ im Volkstheater. Hans Zürn. In: Senioren-Zeitschrift 1/2007, S. 66.
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Hock, Sabine: Hans Zürn. Zu seinem 60. Geburtstag am 12. Februar 1996. In: Volkstheater Fft., Programmhefte, Spielzeit 1995/96, H. 3 („Im Weißen Rössl“), [S. 16-18].
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Kurzporträt von Hans Zürn in: Volkstheater Fft., Programmhefte, Spielzeit 1979/80, H. 1 („Die fünf Ffter“), [S. 14].
Internet:
Wikipedia, 12.5.2020.
GND: 123188962 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Zürn, Hans. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/11557.
Stand des Artikels: 14.6.2020
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 05.2020
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Mai 2020.