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Pfitzner, Hans

Goethepreisträger 1934.

Pfitzner, Hans. Prof. Dr. h. c. Komponist. * 5.5.1869 Moskau, † 22.5.1949 Salzburg.
P. kam mit seiner Familie 1872 nach Ffm., als der Vater eine Anstellung als Geiger im Opernorchester erhielt. Besuch der Klingerschule. Von 1886 bis 1890 Studien am Hoch’schen Konservatorium. Unterricht bei Iwan Knorr (Musiktheorie) und seinem späteren Schwiegervater James Kwast (Klavier). P.s in dieser Zeit entstandene Kompositionen fanden bei seinen Lehrern wenig Resonanz: Scherzo in c-Moll für Orchester (1887), Chorballade „Der Blumen Rache“ (1888), Cellosonate in fis-Moll (1890), Schauspielmusik zu Ibsens „Fest auf Solhaug“ (1890) und zahlreiche Lieder. 1891 begann P. die Arbeit an seinem ersten Musikdrama „Der arme Heinrich“; sein Studienkollege, der Engländer James Grun, schrieb das Libretto. Eine Lesung aus dem Werk vor Ffter Publikum stieß auf Ablehnung, nur der Maler Hans Thoma äußerte sich anerkennend. „Der arme Heinrich“ wurde 1895 in Mainz uraufgeführt, wo P. mittlerweile unentgeltlich als Kapellmeister arbeitete. 1897 wurde das Werk in Ffm. erstaufgeführt und erfuhr Anerkennung in einer Theaterkritik, die Engelbert Humperdinck für die FZ geschrieben hatte.
P.s weitere Stationen waren vor allem Berlin, Straßburg und München. Enge Bindungen zu Ffm. blieben bestehen; 1899 heiratete P. Mimi Kwast (1879-1926), die Tochter seines früheren Klavierlehrers James Kwast am Hoch’schen Konservatorium. P. musste sie nach London „entführen“, da ihre Eltern die Verbindung ablehnten. Auch als wichtige Ur- und Erstaufführungsstätte seiner Werke blieb Ffm. für P. von Bedeutung, u. a. mit der Aufführung von Ausschnitten aus „Die Rose vom Liebesgarten“ (1912; Uraufführung der Neufassung am Ffter Opernhaus, 1939), mit der Ffter Erstaufführung seines 1917 in München uraufgeführten Hauptwerks „Palestrina“ (1921) und der Ffter Erstaufführung von P.s Chorfantasie „Das dunkle Reich“ (bei einer Veranstaltung der Ffter Museums-Gesellschaft, 1931). Für Oper und Museums-Gesellschaft war P. häufig als Gastdirigent verpflichtet.
In „Eindrücke und Bilder meines Lebens“ (1947) beschreibt P. seine Kindheit und Jugend in Ffm.
1934 wurde P. als erstem Musiker der Goethepreis der Stadt Ffm. verliehen. Für ihn, der sich zeitlebens missverstanden und angefeindet fühlte, war diese Auszeichnung eine sehr wichtige Anerkennung seiner Kunst, besonders zu einem Zeitpunkt, als er sich – obgleich sehr national und antisemitisch gesinnt – bei den Nationalsozialisten in Misskredit gebracht hatte. Aus Anlass der Goethepreisverleihung inszenierte der Komponist sein Werk „Palestrina“ am Ffter Opernhaus selbst.
1939, zu seinem 70. Geburtstag, veranstaltete die Ffter Museums-Gesellschaft ein Festkonzert mit Werken P.s. Aus diesem Anlass erhielt P. wohl die Goetheplakette der Stadt Ffm. In den folgenden Jahren fanden regelmäßig P.-Tage statt, bei denen die Werke des Komponisten zyklisch aufgeführt wurden. 1944 wurde ihm der „Ehrenring der Stadt des deutschen Handwerks“ verliehen.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 136f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.

Lexika: Schaefer: Komponisten 1 (1979), S. 33-37.
Schaefer, Hartmut: Komponisten in Ffm. Ausstellungskataloge der Stadt- und Universitätsbibliothek. 2 Folgen. Ffm. 1979/81.
Literatur: Rebentisch, Dieter: Das Musiktheater der „Moderne“ und die NS-Diktatur: Die Ffter Oper 1933-1945. In: AFGK 71 (2008), S. 137-163, hier S. 152-155.
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.
| Emrich: Goethepreis 1963, S. 122-130.
Emrich, Willi: Die Träger des Goethepreises der Stadt Ffm. von 1927 bis 1961. Ffm. 1963.
| Stemmler, Gunter: Der Ehrenring – eine junge Auszeichnung. In: Herold-Jb. NF 16 (2011), S. 231-258, hier S. 247f.
Herold-Jahrbuch. Hg. im Auftrag des Herold, Verein für Heraldik, Genealogie und Verwandte Wissenschaften zu Berlin. Zunächst 3 Jahrgänge, seit 1996 bisher 24 Bände der NF. Berlin u. a. 1972-74, NF 1996-2019.
| Kienzle: Mozart-Stiftung 2013, S. 189-198.
Kienzle, Ulrike: Neue Töne braucht das Land. Die Ffter Mozart-Stiftung im Wandel der Geschichte (1838-2013). Ffm. 2013. („Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, Schriftenreihe der Ffter Bürgerstiftung in Zusammenarb. m. der Cronstett- und Hynspergischen ev. Stiftung, hg. v. Clemens Greve, Bd. 10).
| Mohr: Musik 1976, S. 344-355.
Mohr, Albert Richard: Musikleben in Ffm. Ein Beitrag zur Musikgeschichte vom 11. bis zum 20. Jahrhundert. Ffm. 1976.
Quellen: ISG, S2/465.
ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).
Internet: Komponistinnen u. Komponisten in Ffm., 17.2.2015.
Das Kulturportal der Stadt Ffm., Bereich Musik, Komponistinnen und Komponisten in Ffm., hg. vom Kulturamt der Stadt Ffm.
http://www.kultur-frankfurt.de/portal/de/Musik/Pfitzner2cHans1869-1949/2434/0/74243/mod1981-seite2-details1/5.aspx

GND: 118593625 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).

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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Pfitzner, Hans. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/759.


Stand des Artikels: 14.11.1994

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