Andreas Joseph Chandelle
Selbstporträt (Pastell, 1786).
Original im Besitz des Historischen Museums Frankfurt (Inv.-Nr. C100774).
© entfällt. Die Werke des Künstlers sind gemeinfrei.
Chandelle, Andreas Joseph. Kaiserlich bzw. Fürstlich Thurn und Taxis’scher Oberpostamtssekretär. Pastellmaler, Kunsthändler und Kunstsammler.
* 6.8.1743 Ffm., † 1.3.1820 Ffm.
Erster Sohn des wohlhabenden Weinhändlers Nicolas (auch: Nicolaus) C. (1706-1749) aus Cheratte bei Lüttich und dessen Ehefrau Anna Gertrud (auch: Gertrude, Gertraude), geb. Donett (1721-1795), aus Ffm. Der Großvater väterlicherseits, Matthieu André C. (1678-1750), war Bischöflich Kurmainzischer Weinhändler und versorgte von Bischofsheim (heute: Tauberbischofsheim) aus die Ffter Messen mit Frankenwein. Der Großvater mütterlicherseits war der Ffter Barockbildhauer Cornelius Andreas Donett (1683-1748). Zwei Brüder: Mattheus (auch: Matthäus) Georg (seit 1816: von) C. (1745-1826), promovierter Theologe; Georg Heinrich C. (1748-?). Mattheus Georg (von) C. wurde 1813 zum Staatsrat und Mitglied der Geheimen Geistlichen Konferenz des Großherzogtums Fft. berufen und 1818 zum Bischof von Speyer ernannt.
Verheiratet (seit 1773) mit der fränkischen Weinhändlerstochter Anna Rosina C., geb. Wiesen (1752-1832). Acht Kinder: Anna Gertrud Josefa C. (seit 1812 verh. Miot, 1780-1866), Maria Theresia Elisabeth C. (seit 1805 verh. Strauß, 1782-1834), Maria Dorothea Walpurgis C. (1784-1866), Franz Josef C. (1785-1829), Matheus Georg Nepomucenus C. (1786-1853), Josef Anton C. (1787-1831), Andreas Josef C. (1789-1821), Juliane Maria Anna Antonetta C. (seit 1815 verh. Perino, 1791-1862). Dorothea C. folgte dem Vater als Pastellmalerin. Zwei Töchter heirateten zugewanderte Kaufleute. Zwei Söhne gingen in den Postdienst, zwei in die zivile und kirchliche Verwaltung. C.s Enkelin Anna Dorothea Walpurgis Theresia C. (1829-1897), eine Tochter von Josef Anton C., heiratete 1851 den Ffter Metzgersohn Georg Ludwig Kohlbacher (1826-1894), Kupferstecher, Kunsthändler und von 1855 bis 1889 Inspektor des Ffter Kunstvereins.
Nach dem Studium der Philosophie, das er 1760 in Mainz abschloss, trat C. 1762 in Ffm. in den Thurn und Taxis’schen Postdienst ein. Er wurde 1773 Postoffizial und 1806 Sekretär am Kaiserlichen bzw. (ab 1806) Fürstlich Thurn und Taxis’schen Oberpostamt in Ffm. Seine gesamte Dienstzeit (bis 1820) betrug 57 Jahre. Seine ledige Tochter Dorothea C. erhielt noch 1862, erblindet und daher erwerbsunfähig als Pastellmalerin, finanzielle Unterstützung des Hauses Thurn und Taxis.
Neben seiner beruflichen Laufbahn als Postbeamter betätigte sich C. als Pastellmaler. Seine künstlerische Ausbildung soll laut Hüsgen alleine in der Betrachtung der Gemälde- und Kunstsammlung seines Onkels, des Ffter Bildhauers Georg Friedrich Donett (1723-1774), bestanden haben. C. erbte diese Sammlung. Als Lehrer kommt jedoch auch ein anderer Onkel mütterlicherseits, der Mainzer Hofbildhauer Peter Heinrich Hencke (1715-1777), der von 1769 bis 1774 im „Faustzeichnen“ an der Bauschule in Mainz unterrichtete, in Frage. C.s belegter Schaffenszeitraum reichte ca. von 1760 bis 1818.
C. war über seinen Onkel Georg Friedrich Donett mit dem Ffter Kunstkenner Henrich Sebastian Hüsgen, mit Johann Nikolaus Vogt, Kurator der Kunst- und Lehranstalten in Ffm., und mit dem Maler Christian Georg Schütz d. Ä. eng befreundet.
C. wohnte in Ffm. vor 1780 bis 1790 in der Alten Mainzer Gasse, von 1802 bis 1806 Hinterm Prediger, zuletzt bis 1820 im Junghof (Lit. E 44) nahe dem Roßmarkt und dem damaligen Theaterplatz (heute: Rathenauplatz). Der prominente Wohnort ermöglichte den regelmäßigen Besuch von Kunstkennern und Käufern während der Ffter Messen. In den einschlägigen Führern zu Ffter Kunstsammlungen wurde C.s Sammlung seit 1780 systematisch erwähnt (Hüsgen 1780, 1790, 1802 und Gaudelius 1806).
Seit 1808 gehörte C. als bildender Künstler dem Ffter „Museum“ an. Im Auftrag des Fürstprimas und späteren Großherzogs Carl Theodor von Dalberg schätzte er 1809 zusammen mit dem Maler Johann Georg Schütz (1755-1813) die Gemälde aus der säkularisierten Dominikanerkirche, bevor diese Sammlung als privates Geschenk von Dalberg an das „Museum“ übergeben wurde. Die Kunstwerke bildeten den Grundstock für das heutige HMF.
Als Maler zeichnet sich C. vor allem durch herausragende Pastellporträts aus, die den überwiegenden Teil seiner tradierten Werke ausmachen. Stilistisch entwickelten sich C.s lebensnahe Porträts, die seine Ffter Zeitgenossen und seine Ffter Familie zeigen, vom Hochbarock über das Rokoko bis zum Klassizismus. Auch andere Motive in Pastell, kopiert aus seiner großen Gemäldesammlung, sind von ihm überliefert und werden heute in der Graphischen Sammlung des HMF verwahrt. Insgesamt besaß C. über 300 Ölgemälde, die 1808, 1820, 1833 und 1843 zur Versteigerung kamen. Durch seinen Neffen, den Juristen Johann Theodor Wiesen (1794-1875), wurden 112 Pastellgemälde von C. 1843 versteigert, von denen heute ca. 50 bekannt sind. In der Beschreibung der Pastelle im Auktionskatalog von 1843 heißt es: „Köpfe, Historien, Landschaften, Viehstücke, Pferdstücke, Küchen-, Früchte- und Blumenstücke. 90 auf Pergament, 22 auf Pappdeckel.“
Zwei Selbstporträts (Pastellgemälde, um 1760, als Fotoreproduktion und Pastellgemälde, 1786, im Original) im Besitz des HMF.
Von seiner Familie bekam C. im März 1820 einen bemerkenswerten Nachruf in der Ffter Ober-Postamts-Zeitung gewidmet. C. wurde auf dem Ffter Peterskirchhof bestattet. Er hinterließ ein Barvermögen (inklusive Forderungen) von 57.000 Gulden.
Das Stammbuch des Sohnes Matheus Georg Nepomucenus C. mit Einträgen von C., dessen Frau, weiteren Familienangehörigen und Freunden, das im HMF aufbewahrt wird, liest sich wie das „Who’s Who“ des kurzlebigen Dalberg-Staates.
Außer bei den Auktionen 1833 und 1843 wurden eigene Werke von C. in der Ffter Kunstausstellung von 1881, in der „Jahrhundert-Ausstellung Deutscher Kunst 1650-1800“ 1914 in Darmstadt und in der Ausstellung „Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts“ vom Central Collecting Point 1947 im Landesmuseum Wiesbaden ausgestellt. Durch aktuelle Forschungen wurde C., über den seit Hüsgen 1780 und Gwinner 1862 nicht viel Weiteres bekannt war, in seinem künstlerischen Werk und seinem sozialen Umfeld neu beleuchtet.
Verheiratet (seit 1773) mit der fränkischen Weinhändlerstochter Anna Rosina C., geb. Wiesen (1752-1832). Acht Kinder: Anna Gertrud Josefa C. (seit 1812 verh. Miot, 1780-1866), Maria Theresia Elisabeth C. (seit 1805 verh. Strauß, 1782-1834), Maria Dorothea Walpurgis C. (1784-1866), Franz Josef C. (1785-1829), Matheus Georg Nepomucenus C. (1786-1853), Josef Anton C. (1787-1831), Andreas Josef C. (1789-1821), Juliane Maria Anna Antonetta C. (seit 1815 verh. Perino, 1791-1862). Dorothea C. folgte dem Vater als Pastellmalerin. Zwei Töchter heirateten zugewanderte Kaufleute. Zwei Söhne gingen in den Postdienst, zwei in die zivile und kirchliche Verwaltung. C.s Enkelin Anna Dorothea Walpurgis Theresia C. (1829-1897), eine Tochter von Josef Anton C., heiratete 1851 den Ffter Metzgersohn Georg Ludwig Kohlbacher (1826-1894), Kupferstecher, Kunsthändler und von 1855 bis 1889 Inspektor des Ffter Kunstvereins.
Nach dem Studium der Philosophie, das er 1760 in Mainz abschloss, trat C. 1762 in Ffm. in den Thurn und Taxis’schen Postdienst ein. Er wurde 1773 Postoffizial und 1806 Sekretär am Kaiserlichen bzw. (ab 1806) Fürstlich Thurn und Taxis’schen Oberpostamt in Ffm. Seine gesamte Dienstzeit (bis 1820) betrug 57 Jahre. Seine ledige Tochter Dorothea C. erhielt noch 1862, erblindet und daher erwerbsunfähig als Pastellmalerin, finanzielle Unterstützung des Hauses Thurn und Taxis.
Neben seiner beruflichen Laufbahn als Postbeamter betätigte sich C. als Pastellmaler. Seine künstlerische Ausbildung soll laut Hüsgen alleine in der Betrachtung der Gemälde- und Kunstsammlung seines Onkels, des Ffter Bildhauers Georg Friedrich Donett (1723-1774), bestanden haben. C. erbte diese Sammlung. Als Lehrer kommt jedoch auch ein anderer Onkel mütterlicherseits, der Mainzer Hofbildhauer Peter Heinrich Hencke (1715-1777), der von 1769 bis 1774 im „Faustzeichnen“ an der Bauschule in Mainz unterrichtete, in Frage. C.s belegter Schaffenszeitraum reichte ca. von 1760 bis 1818.
C. war über seinen Onkel Georg Friedrich Donett mit dem Ffter Kunstkenner Henrich Sebastian Hüsgen, mit Johann Nikolaus Vogt, Kurator der Kunst- und Lehranstalten in Ffm., und mit dem Maler Christian Georg Schütz d. Ä. eng befreundet.
C. wohnte in Ffm. vor 1780 bis 1790 in der Alten Mainzer Gasse, von 1802 bis 1806 Hinterm Prediger, zuletzt bis 1820 im Junghof (Lit. E 44) nahe dem Roßmarkt und dem damaligen Theaterplatz (heute: Rathenauplatz). Der prominente Wohnort ermöglichte den regelmäßigen Besuch von Kunstkennern und Käufern während der Ffter Messen. In den einschlägigen Führern zu Ffter Kunstsammlungen wurde C.s Sammlung seit 1780 systematisch erwähnt (Hüsgen 1780, 1790, 1802 und Gaudelius 1806).
Seit 1808 gehörte C. als bildender Künstler dem Ffter „Museum“ an. Im Auftrag des Fürstprimas und späteren Großherzogs Carl Theodor von Dalberg schätzte er 1809 zusammen mit dem Maler Johann Georg Schütz (1755-1813) die Gemälde aus der säkularisierten Dominikanerkirche, bevor diese Sammlung als privates Geschenk von Dalberg an das „Museum“ übergeben wurde. Die Kunstwerke bildeten den Grundstock für das heutige HMF.
Als Maler zeichnet sich C. vor allem durch herausragende Pastellporträts aus, die den überwiegenden Teil seiner tradierten Werke ausmachen. Stilistisch entwickelten sich C.s lebensnahe Porträts, die seine Ffter Zeitgenossen und seine Ffter Familie zeigen, vom Hochbarock über das Rokoko bis zum Klassizismus. Auch andere Motive in Pastell, kopiert aus seiner großen Gemäldesammlung, sind von ihm überliefert und werden heute in der Graphischen Sammlung des HMF verwahrt. Insgesamt besaß C. über 300 Ölgemälde, die 1808, 1820, 1833 und 1843 zur Versteigerung kamen. Durch seinen Neffen, den Juristen Johann Theodor Wiesen (1794-1875), wurden 112 Pastellgemälde von C. 1843 versteigert, von denen heute ca. 50 bekannt sind. In der Beschreibung der Pastelle im Auktionskatalog von 1843 heißt es: „Köpfe, Historien, Landschaften, Viehstücke, Pferdstücke, Küchen-, Früchte- und Blumenstücke. 90 auf Pergament, 22 auf Pappdeckel.“
Zwei Selbstporträts (Pastellgemälde, um 1760, als Fotoreproduktion und Pastellgemälde, 1786, im Original) im Besitz des HMF.
Von seiner Familie bekam C. im März 1820 einen bemerkenswerten Nachruf in der Ffter Ober-Postamts-Zeitung gewidmet. C. wurde auf dem Ffter Peterskirchhof bestattet. Er hinterließ ein Barvermögen (inklusive Forderungen) von 57.000 Gulden.
Das Stammbuch des Sohnes Matheus Georg Nepomucenus C. mit Einträgen von C., dessen Frau, weiteren Familienangehörigen und Freunden, das im HMF aufbewahrt wird, liest sich wie das „Who’s Who“ des kurzlebigen Dalberg-Staates.
Außer bei den Auktionen 1833 und 1843 wurden eigene Werke von C. in der Ffter Kunstausstellung von 1881, in der „Jahrhundert-Ausstellung Deutscher Kunst 1650-1800“ 1914 in Darmstadt und in der Ausstellung „Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts“ vom Central Collecting Point 1947 im Landesmuseum Wiesbaden ausgestellt. Durch aktuelle Forschungen wurde C., über den seit Hüsgen 1780 und Gwinner 1862 nicht viel Weiteres bekannt war, in seinem künstlerischen Werk und seinem sozialen Umfeld neu beleuchtet.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Andreas Hohm.
Lexika:
Dessoff, S. 24f.
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Gwinner, S. 388.
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Hüsgen: Artist. Magazin 1790, S. 429f.
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Hüsgen: Nachrichten 1780, S. 204, 314.
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Richel, S. 87.
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Schrotzenberger, S. 42.
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Thieme/Becker 6 (1912), S. 360.
Literatur:
Brieger: Das Pastell 1921, S. 254f.
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Stammbaum der Familie Chandelle. In: Ffter Bll. f. Familiengesch. 5 (1912), H. 3, S. 47.
|
Cilleßen, Wolfgang P.: Wechselseitiger Ideenvertrieb. Carl Theodor von Dalberg (1744-1817) und das „Ffter Museum“. In: Ffter Sammler u. Stifter 2012, S. 119-137, hier S. 120, 122, 125f.
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Gaudelius: Beitrag zur Geschichte d. ältern u. neueren Verfassung d. Reichs-Stadt Fft. 1806, Bd. 1, S. 164.
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Hüsgen: Getreuer Wegweiser von Ffm. 1802, S. 53.
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Hohm, Andreas: Andreas Joseph Chandelle (1743-1820). Leben und Werk. In: Kunst in Hessen u. am Mittelrhein NF 9 (2016), S. 69-87.
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Hohm, Andreas: Die Pastellporträts der fränkischen Weinhändlerfamilie Wiesen als Zeichen bürgerlichen Selbstbewusstseins kurz vor 1800. In: Mainfränkisches Jb. f. Geschichte u. Kunst 75 (2023), S. 255-268.
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Hohm, Andreas: Dorothea Chandelle (1784-1866). Eine vergessene Ffter Pastellmalerin der Dalbergzeit. Biografie und Werkverzeichnis. In: Mitt. aus d. Stadt- u. Stiftsarchiv Aschaffenburg 12 (2019), S. 31-57.
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Hohm, Andreas: Neue Funde zu den Pastellmalern Andreas Joseph Chandelle (1743-1820) und Dorothea Chandelle (1784-1866) und ihren familiären Beziehungen zu Mainz und Aschaffenburg. In: Mitt. aus d. Stadt- u. Stiftsarchiv Aschaffenburg 15 (2022), S. 55-74.
Quellen:
Fürst Thurn und Taxis Zentralarchiv, Personalakte PA 1154.
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ISG, Nachlassakten 1832/3. 492 (Chandelle, Anna Rosina, geb. Wiesen, Witwe von Andreas Joseph Chandelle).
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Nachruf in: Ober-Postamts-Zeitung, Nr. 63, 3. 3. 1820.
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Staatskal./Staatshdb. 1812, S. 387.
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Städelsches Kunstinstitut, Archiv, Versteigerungskatalog der Sammlung A. J. Chandelle, 1843.
Internet:
Jeffares: Dictionary of pastellists before 1800, 18.6.2024.
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Städel, 18.6.2024.
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Wikipedia, 18.6.2024.
GND: 112455873X ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hohm, Andreas: Chandelle, Andreas Joseph. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/5079.
Stand des Artikels: 18.7.2024
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2024
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Juli 2024.