Ffter Künstler- und Verlegerfamilie.
Mit dem Maler Carl Matthäus M. (1705-1770), einem Urenkel von Matthäus M. d. Ä., starb der Ffter Zweig der Familie aus.
M.straße, M.platz und M.schule, eine Grundschule, im Nordend.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 35, verfasst von: Birgit Weyel.
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5 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.
Merian, Caspar
Schüler und Mitarbeiter des Vaters. Zeitweilig in Paris und Nürnberg tätig. Nach dem Tod von Matthäus M. d. Ä. übernahm M. gemeinsam mit seinem Bruder Matthäus M. d. J. den Verlag und führte das Werk des Vaters fort. Auf ärztliches Anraten übersiedelte M. 1672 nach Wertheim. 1677 ging er nach Westfriesland, wo er bis zu seinem Tod bei der Sekte der Labadisten, einer radikalen protestantischen Glaubensgemeinschaft, lebte.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 35, verfasst von: Birgit Weyel.
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Stand des Artikels: 17.11.1994
Merian, Johann Matthäus von
Schüler des Vaters. Vielbeschäftigter Porträtmaler. Führte das väterliche Geschäft nach dessen Tod weiter. Da ohne eigene Erben, vermachte M. den Verlag seiner Nichte Charlotte Maria M. (1691-1729).
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 35f., verfasst von: Birgit Weyel.
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Stand des Artikels: 17.11.1994
Merian, Maria Sibylla
Erste deutsche Insektenforscherin.
Maria Sibylla Merian
Ölporträt, ihrem Stiefvater Jacob Marrel zugeschrieben (1679; im Besitz des Kunstmuseums Basel, Inv. 436).
© Bilddaten gemeinfrei – Kunstmuseum Basel, Sammlung Online, URL: http://sammlungonline.kunstmuseumbasel.ch/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&module=collection&objectId=2935 (abgerufen am 13.6.2019).
Maria Sibylla Merian
Stich von Johann Michael Zell (im Besitz der UB Ffm.).
© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Porträtsammlung Holzhausen, Nr. 443, URN: urn:nbn:de:hebis:30:2-313062).
Angeregt durch die künstlerische Atmosphäre im Atelier des Stiefvaters, fing Maria Sibylla früh zu zeichnen an. Als Elfjährige erhielt sie einen eigenen Arbeitsplatz in der stiefväterlichen Werkstatt, wo sie von Marrel selbst und insbesondere von einem seiner Schüler, dem Blumenmaler Abraham Mignon, im Zeichnen und Kupferstechen unterrichtet wurde. Aufgrund der Arbeiten des Stiefvaters, der in seinen Stillleben auch Insekten abbildete, begann sie schon als Kind, sich für diese Tiere zu interessieren. Seit etwa 1660 züchtete sie Seidenraupen, beobachtete den Vorgang der Metamorphose über die Puppe zum Falter und hielt das Geschaute in Wort und Bild fest. Im Mai 1665 heiratete M. den Nürnberger Architekturmaler Johann Andreas Graff, einen anderen Schüler ihres Stiefvaters, der zunächst weiterhin in dessen Werkstatt mitarbeitete. Graff duldete die Insektensammlung und -forschung seiner Frau, da er wohl Maria Sibyllas Mädchennamen als unschätzbares Kapital für seine künftige eigene Werkstatt ansah. 1668 wurde dem Ehepaar die erste Tochter, Johanna Helena (später verh. Herolt, † nach 1717), geboren.
Zwei Jahre später übersiedelte die Familie nach Nürnberg, wo Graff seine Werkstatt begründete. Um zum Lebensunterhalt beizutragen, betrieb Maria Sibylla einen Farbenhandel, nahm Aufträge für Stoffmalereien an und führte eine Stick- und Malschule für Töchter und Damen aus der besseren Gesellschaft, die sie scherzhaft ihre „Jungfern-Company“ nannte. Als Vorlagensammlung für ihre Schülerinnen gab sie ein Buch mit 36 Blumendarstellungen zum Nachzeichnen und -sticken heraus, das in drei Lieferungen („Florum Fasciculus Primus“, „Florum Fasciculus Alter“ und „Florum Fasciculus Tertius“) 1675, 1677 und 1680 sowie als Neuausgabe aller Teile unter dem Titel „Neues Blumenbuch“ 1680 im Verlag ihres Mannes erschien. Aber auch ihre autodidaktischen Studien der Insektenwelt setzte Maria Sibylla fort. Kurz nach der Geburt ihrer zweiten Tochter, Dorothea Maria Henriette (später in 1. Ehe verh. Hendriks, in 2. Ehe verh. Gsell, 1678-1743), begann sie Latein zu lernen, um die einschlägigen naturwissenschaftlichen Abhandlungen verstehen zu können. Ihre eigenen Forschungsergebnisse veröffentlichte sie ab 1679 in ihrem Insektenbuch „Der Raupen wunderbare Verwandelung und sonderbare Blumennahrung” (1. Teil: Nürnberg, 1679; 2. Teil: Ffm., 1683; 3. Teil: Amsterdam, 1717 posthum), das M. als geniale malende Naturwissenschaftlerin ausweist.
1681, als der Stiefvater Jacob Marrel starb, kehrte Maria Sibylla mit ihren Töchtern zu ihrer Mutter nach Ffm. zurück. In der Ehe mit Graff, der ihr nach Ffm. folgte, kriselte es. Im Sommer 1685 verließ Maria Sibylla endgültig ihren Mann und zog mit der Mutter und den Töchtern zu ihrem Halbbruder Caspar M., der in einer Labadistengemeinde, einer radikal-urchristlichen Sekte, auf Schloss Waltha (nach dem Niederländ. auch: Walta) bei Wieuwerd im holländischen Westfriesland lebte. Maria Sibylla schloss sich der labadistischen Kommune an, setzte ihre Studien von Pflanzen und Insekten fort und unterwies ihre Töchter im Malen und in der Naturbeobachtung. Ein Mitglied der Besitzerfamilie von Schloss Waltha, Cornelis van Aerssen van Sommelsdijck (1637-1688), war Gouverneur in der niederländischen Kolonie Surinam und, selbst Anhänger der Labadisten, förderte die Aussendung von Missionsgruppen der Sekte dorthin, so dass sich erste Kontakte Maria Sibyllas zu diesem fernen Land ergaben: Nach der Rückkehr auf Schloss Waltha berichteten die Missionare nicht nur von der fantastischen Flora und Fauna des tropischen Regenwalds, sondern brachten auch präparierte Falter und Pflanzen von dort mit, deren wunderbarer Anblick bei Maria Sibylla den Wunsch geweckt haben soll, selbst nach Surinam zu reisen und dort zu forschen.
Als sich die Kommune auf Schloss Waltha allmählich aufzulösen begann, zog Maria Sibylla mit ihren Töchtern 1691 nach Amsterdam. Bereits mit dem Tod der Mutter im Jahr zuvor hatte sie die letzten Brücken nach Deutschland abgebrochen und ihr Ffter Bürgerrecht aufgekündigt. Seit der Scheidung 1692 trugen sie und die Kinder ihren Mädchennamen M. Systematisch betrieb Maria Sibylla in Amsterdam ihre Insektenstudien weiter, übte sich in der Kunst des Präparierens und fand Kontakte zu renommierten Naturwissenschaftlern wie dem Botaniker Caspar Commelin (auch: Commelijn; 1668-1731) und dem Erfinder Antonie van Leeuwenhoek (1632-1723), der sie den Umgang mit dem von ihm gebauten Mikroskop lehrte. Auch durch die Heirat (Juli 1692) ihrer Tochter Johanna Helena mit dem Überseekaufmann Jacob Hendrik Herolt (1660-nach 1717), der Handel mit Surinam trieb, knüpfte sie immer engere Verbindungen zu ihrem Traumland.
Im Frühsommer 1699 trat M. mit finanzieller Unterstützung der Stadt Amsterdam die Reise nach Surinam an. Die 52-Jährige reiste allein, ohne männlichen Schutz, nur in Begleitung ihrer 21-jährigen Tochter Dorothea Maria, was zu damaliger Zeit ungeheuerlich und einzigartig für eine Frau war. Nach dreimonatiger Fahrt auf einem holländischen Segelschiff kamen die beiden Frauen im frühen Herbst 1699 in Surinam an. Fast zwei Jahre lang lebten und arbeiteten M. und ihre töchterliche Assistentin dort. Sie wohnten in einem kleinen Holzhaus in der Nähe der Hauptstadt Paramaribo, von wo aus sie ihre Exkursionen in den tropischen Regenwald unternahmen. M. studierte die Flora und Fauna des Landes, sammelte und zeichnete Pflanzen, Insekten und kleine Reptilien. Sie hatte Kontakt zu den indianischen Ureinwohnern und zu den afrikanischen Sklaven und informierte sich über deren Sitten und Bräuche sowie deren Nutzung der heimischen Pflanzen als Heilkräuter oder als Gifte und Hypnotika. Da sich M. mit einer tropischen Krankheit, wahrscheinlich Malaria, infiziert hatte, mussten die beiden Frauen bereits 1701, früher als geplant, nach Holland zurückkehren. Gleich nach ihrer Ankunft in Amsterdam im September 1701 ließ der Bürgermeister ihre aufgezeichneten und mitgebrachten Naturschätze aus Surinam im Stadthaus zur Schau stellen.
Trotz ihrer Krankheit begann M. sofort mit der wissenschaftlichen Auswertung ihrer Reise. Sie vollendete die Darstellung der surinamischen Insekten- und Pflanzenwelt auf Pergament mit naturwissenschaftlicher Exaktheit und ließ sie auf 60 Tafeln in Kupfer stechen. Einige der Tafeln, die sie mit ausführlichen Erläuterungen (in lateinischer und holländischer Sprache) zu den dargestellten Pflanzen und Tieren, zum Teil aber auch zu den Lebensgewohnheiten der Indianer versah, kolorierte sie mit ihren Töchtern. 1705 erschien ihr Surinambuch, „Metamorphosis Insectorum Surinamensium“, das weltweit Aufsehen erregte. Die dadurch berühmt gewordene „Merianin“ erhielt daraufhin auch einmal Besuch aus ihrer Vaterstadt: 1709 kaufte der gelehrte Bibliophile Zacharias Conrad von Uffenbach bei ihr das Raupen- und das Surinambuch und fand sie als eine „gar muntere und sehr höfliche manierliche Frau“, die trotz ihres Alters noch „gar fleissig“ sei. Sogar der russische Zar Peter der Große erwarb, nur wenige Tage vor ihrem Tod 1717, zahlreiche Zeichnungen von ihr. Zusammen mit ihrer Tochter Dorothea Maria hatte M. zuletzt, sofern es ihr körperlicher Zustand nach einem Schlaganfall 1715/16 noch erlaubte, am dritten Teil ihres Raupenbuchs gearbeitet, dessen Erscheinen im März 1717 sie jedoch nicht mehr erlebte.
M. gilt als Begründerin und Wegbereiterin der modernen deutschen Insektenkunde. Ihr, einer naturwissenschaftlichen Autodidaktin, gelang es, den Erkenntnisstand der Naturwissenschaften bedeutend zu erweitern. Die Insektendarstellungen der M. halten freilich nicht nur naturwissenschaftlichen, sondern auch künstlerischen Kriterien stand. In ihren ausgewogenen Bildkompositionen stellte sie nicht einzelne Insekten dar, sondern die Natur als Prozess und Zusammenhang, als Einheit. Dazu getrieben wurde sie von ihrem Forscherdrang und dem Wunsch, das Wunderwerk der göttlichen Schöpfung zu preisen.
Aquarelle und Kupferstiche von M. im Besitz des Städel Museums und des HMF sowie im Bestand der Senckenbergischen Bibliothek in der UB Ffm. Erstausgaben des Raupenbuchs und des Surinambuchs im Besitz der UB Ffm.
Kupferstichporträt (von Jacob Houbraken, um 1717, nach einem Bildnis von Georg Gsell, um 1715/16) im HMF. Marmorbüste (von Jules Constant Destreez, gestiftet von Baronin James von Rothschild, 1886; im Zweiten Weltkrieg zerstört) im Treppenhaus der alten Stadtbibliothek am Obermaintor.
Ein großer Teil von M.s Insekten- und insbesondere Schmetterlingssammlung (mit den von ihr selbst in Surinam angefertigten Präparaten) kam aus dem Besitz des Ffter Bankiers Johann Christian Gerning und dessen Sohn Johann Isaac von Gerning 1829 nach Wiesbaden zur Gründung des dortigen Naturhistorischen Museums; nach Restaurierung der Sammlung Gerning konnten kürzlich aufgrund von Forschungen von Joos van de Plas erstmals einzelne Präparate näher bestimmt und M. zugeordnet werden (Publikation der Ergebnisse anlässlich der Wiedereröffnung der Dauerausstellungen des Museums Wiesbaden, 2013; Präsentation der Sammlungsstücke in einer Kabinettausstellung im Museum Wiesbaden zu M.s 300. Todestag, 2017).
1987 Briefmarke der Deutschen Bundespost mit M.s Porträt in der Reihe „Frauen der deutschen Geschichte”. Von 1992 bis zur Einführung des Euros 2002 Porträt M.s auf dem Fünfhundertmarkschein. Zum 350. Geburtstag 1997/98 Gedächtnisausstellung „Maria Sibylla Merian. Künstlerin und Naturforscherin zwischen Fft. und Surinam“ im HMF, anschließend im Teylers Museum in Haarlem. Seit 2003 Raum für „Maria Sibylla M. und die Ffter Naturalienkabinette des 18. Jahrhunderts“ in der Dauerausstellung des Naturmuseums Senckenberg; dort eine Porträtbüste M.s (von Georg Hüter, 2003). 2003 Ausstellung mit Bildern aus dem „Raupenbuch“ von M. aus der Graphischen Sammlung im Städel. 2014 Gründung der „Maria Sibylla Merian Society“ in Amsterdam zur weiteren Erforschung von M.s Leben und Werk. Zum 300. Todestag 2017/18 Ausstellung „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ im Kuperstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, anschließend im Städel Museum in Ffm. Zum 300. Todestag 2017 Ausstellung des städtischen Amts für Kommunikation und Stadtmarketing (in Zusammenarbeit mit der Stiftergemeinschaft Justinuskirche, dem Porzellanmuseum Fft. und der Höchster Porzellan-Manufaktur) mit Pflanzen aus M.s Darstellungen im Garten sowie Motiven von M. auf Bildern und Höchster Porzellan im Antoniterturm der Justinuskirche in Ffm.-Höchst.
Seit Juni 2017 Maria Sibylla M.-Haus, Sitz des Senckenberg Biodiversität- und Klima- Forschungszentrums (SBiK-F; Gebäude des früheren Universitätsinstituts für Pharmazie und Lebensmittelchemie, erbaut von Ferdinand Kramer, 1954-57), in der Georg-Voigt-Straße 14-16 in Ffm. Maria Sibylla M.-Preis für bildende Künstlerinnen, verliehen von 1994 bis 2009 vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Maria Sibylla M.-Preis für Wissenschaftlerinnen, verliehen von 1998 bis 2005 vom Essener Kolleg für Geschlechterforschung an der Universität Duisburg-Essen. Akademische Damenverbindung Meriana, gegründet 2007 in Ffm.
Zum Andenken an M. gab der schwedische Naturforscher Karl von Linné, der die moderne Nomenklatur der Biologie begründete, einer Motte den Namen „Tinea Merianella“. Inzwischen wurde auch ein Krater auf der Venus nach M. benannt.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 36f., verfasst von: Birgit Weyel (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Sabine Hock).
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Stand des Artikels: 3.8.2021
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2017
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Juli 2017.
Merian, Matthäus, gen. d. Ä.
Schöpfer des „Merianplans“ von Ffm. (1628).
Aufgewachsen in der elterlichen Sägemühle in Basel, ging M. 1609/10 in Zürich in die Lehre bei dem Maler und Kupferstecher Dietrich Meyer (1572-1658). 1611 Beginn der Gesellenwanderung. Straßburg, Nancy, Paris. 1615 zurück in Basel. Großer Plan der Stadt Basel im Auftrag des Rats. Wegen der dort herrschenden Pest musste M. auf eine geplante Italienreise (1616) verzichten. Über Augsburg, Nürnberg, Stuttgart wanderte er daraufhin vermutlich in die Niederlande. Ende 1616 gelangte er nach Oppenheim am Rhein, wo er Beschäftigung fand als Illustrator von Reisebeschreibungen und anderen Werken, die bei Johann Theodor de Bry verlegt wurden. Das Hauptgeschäft des de Bry’schen Verlags, der seit 1588 in Ffm. angesiedelt war, war 1609 wegen konfessionell bedingter Schwierigkeiten nach Oppenheim verlegt worden. Am 17.2.1617 heiratete M. in Oppenheim de Brys Tochter Maria Magdalena (1598-1645) und arbeitete weiter für den Schwiegervater. 1620 löste sich M. von de Bry und ging mit seiner Frau und dem ersten Kind zurück nach Basel, wo er eine eigene kleine Werkstatt gründete. Erst nach dem Tod des Schwiegervaters verließ M. Ende 1623 Basel, um auf Bitten seiner Schwiegermutter, die wieder nach Ffm. zurückgekehrt war, zusammen mit dem Schwager Wilhelm (eigentl.: William) Fitzer (1600-1671) aus London den Verlag in Ffm. weiterzuführen. 1624 Beisassenrecht, 1626 Bürgerrecht. Im selben Jahr Trennung von Fitzer, der Verlag trug von nun an M.s Namen.
1628 fertigte M. auf insgesamt vier Platten einen großen Plan Fft.s aus der Vogelschau an. Nach eigenen Angaben hatte er dafür die Stadt selbst vermessen, anschließend gezeichnet und gestochen. Den Plan widmete er dem Rat der Stadt Ffm. als Dank für das ihm verliehene Bürgerrecht. Zwischen 1626 und 1650 verlegte M. über 90 Titel zu den unterschiedlichsten Sachgebieten, auch literarische Werke, dazu zahlreiche Einzelblätter. Viele der Bücher versah M. mit Illustrationen und Titelblättern.
Von 1642 bis 1654 erschien sein Hauptwerk, die „Topographia Germaniae”, eine einzigartige Sammlung von Städte- und Landschaftsansichten aus Deutschland und der Schweiz. Von zahlreichen Mitarbeitern in allen Teilen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation wurde M. mit Skizzen und Informationen zu diesem umfassenden Werk versorgt. Die meisten Radierungen dafür fertigte M. selbst an. In den unvergleichlich präzisen und detailtreuen Ansichten wurden die Städte in ihrem Zustand vor dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges und seinen Zerstörungen festgehalten. Für viele Orte ist der M.stich die früheste erhaltene historische Ansicht. Bis zu M.s Tod erschienen elf Bände, fünf weitere wurden von M.s Söhnen Matthäus d. J. und Caspar vollendet. Caspar M. edierte darüber hinaus drei Bände über Frankreich, die Erben M.s fügten weitere Bände über Griechenland, Rom und Italien hinzu. Schon zu M.s Lebzeiten erwies sich die „Topographia” als durchschlagender buchhändlerischer Erfolg.
Das zweite Hauptwerk M.s, das „Theatrum Europaeum”, bereits 1635 begonnen, stellt die politischen Ereignisse des großen Krieges seit 1617 in Wort und Bild dar. Auch hierfür fertigte M. zahlreiche Kupfer selbst an, die Texte ließ er von verschiedenen Historikern verfassen. Bis zu seinem Tod erschienen fünf Bände, den Abschluss fand das „Theatrum” erst im Jahr 1738 mit dem 21. Band. Weitere bedeutende, von M. verlegte bzw. illustrierte Werke sind die Gottfried’sche Chronik (illustrierte Weltchronik in 8 Quartbänden, 1629-34), die Bilder-Bibel (Zetznerverlag Straßburg, 1630, erst 1704 posthum mit den Originalplatten im Merianverlag verlegt), die „Archontologia Cosmica” (Übersetzung eines französischen geografisch-politischen Handbuchs mit Städtebildern und Landkarten, 1638) und der „Basler Totentanz” (angesichts der Erwartung seines eigenen Todes mit 1620/21 für einen Basler Drucker radierten Kupferplatten neu ediert, 1649). Die Bücher des M.’schen Verlags wurden auf der Ffter Buchmesse vertrieben und fanden in ganz Europa Verbreitung.
Ein Exemplar vom Erstdruck des Fft.-Plans von 1628 sowie die mehrfach überarbeiteten Kupferplatten im HMF. Andere Arbeiten im Graphischen Kabinett des Städelschen Kunstinstituts, in der UB Ffm. sowie in der Senckenbergischen Bibliothek.
Standbild (von Franz Krüger, 1893; kriegszerstört 1944) an der Westfront auf dem Magazinflügel der alten Stadtbibliothek am Obermaintor. Standbild (von Heinrich Petry, vor 1904) im Osthof des Neuen Rathauses.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 37f., verfasst von: Birgit Weyel.
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Stand des Artikels: 17.11.1994
Merian, Matthäus, gen. d. J.
Schüler von Joachim von Sandrart in Ffm. Sandrart nahm ihn 1637 mit nach Amsterdam. 1639 bei van Dyck in London. 1641 in Paris, 1642 zurück in Ffm. Von 1643 bis 1647 in Italien, 1647 in Nürnberg, wo er Bildnisse einiger Teilnehmer des Friedenskongresses anfertigte. Politischer Agent und Vertreter mehrerer Fürsten. 1648 in Diensten des Generals von Wrangel. Vielbeschäftigter, erfolgreicher Porträtist. Leopold I. ließ sich während seines Aufenthalts zur Kaiserkrönung in Ffm. 1658 von M. malen. Daraufhin folgten viele Fürsten dem Beispiel des Kaisers. Bald wurde M. von Leopold I. nach Wien bestellt, um ein Bildnis vom Kaiser hoch zu Pferde anzufertigen. M. malte auch Kirchenbilder (z. B. zwei Altarblätter für den Bamberger Dom). Nach dem Tod von Matthäus M. d. Ä. 1650 übernahm M. zusammen mit seinem Bruder Caspar M. den Verlag und führte das Werk des Vaters fort, besonders die Herausgabe weiterer Bände der „Topographia” und des „Theatrum Europaeum”. Bis auf die großen, vom Vater begonnenen Reihenwerke kam die Buchproduktion des Verlags jedoch fast gänzlich zum Erliegen.
Ein Altarbild (mit einer Darstellung der Auferstehung Christi) aus der Ffter Barfüßerkirche und zwei Porträts von M.s Hand im HMF.
Grabstätte mit barockem Epitaph (1696) an der Südmauer des Petersfriedhofs.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 38f., verfasst von: Birgit Weyel.
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Stand des Artikels: 17.11.1994
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Stand des Artikels: 17.11.1994