Kirchner, Karl Emil. Schlosser. Journalist. Kommunalpolitiker. Gewerkschafter.
* 2.12.1883 Stuttgart, † 24.11.1945 Ffm.
Verheiratet (1913-26) mit Johanna K., geb. Stunz.
Seit 1900 SPD-Mitglied und seit 1905 Mitarbeiter der „Volksstimme“, war K. seit 1906 als Bürogehilfe, seit 1907 als Parteisekretär in der Geschäftsstelle der Ffter SPD tätig. Daneben seit 1907 Journalist, u. a. als Herausgeber der „Sozialdemokratischen Korrespondenz“ (bis 1914). Seit 1910 Vorstandsmitglied des Sozialdemokratischen Vereins Groß-Fft. K. engagierte sich vor allem für die Demokratisierung der Kommunalpolitik im Sinne der Arbeiterbewegung. Seit 1914 war er ehrenamtlicher Geschäftsführer der Kriegsfürsorge in Ffm., bis er im April 1915 zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Aus gesundheitlichen Gründen im Oktober 1915 vom Militär entlassen, wurde er Leiter des von der Kriegsfürsorge und der Stadt Ffm. getragenen „Zentralbüros für Kartoffelversorgung“ und war damit für die Lebensmittelversorgung der Ffter Bevölkerung verantwortlich. Leiter der Schulkinderspeisung seit deren Gründung durch die Kriegsfürsorge im Oktober 1916. Nach der Verstadtlichung der Schulkinderspeisung und anderer Einrichtungen der Kriegsfürsorge (1919) wurde K. als „Direktor der Schulkinderspeisung“ in den städtischen Dienst übernommen. 1918 Mitglied des Ffter Arbeiter- und Soldatenrats. Von 1919 bis 1933 Stadtverordneter (SPD). Von 1924 bis 1933 Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. Sprecher des gewerkschaftlichen Flügels der SPD (u. a. als Vorstandsmitglied der Reichsgewerkschaft deutscher Kommunalbeamter, 1922-25). Parlamentarischer Gegenspieler von Oberbürgermeister Ludwig Landmann. Als Kenner der Verwaltung sowie des Etat- und Finanzrechts war K. ein scharfer und unbequemer Kritiker der Ffter Stadtverwaltung, als deren unbestechliches Kontrollorgan er die Stadtverordnetenversammlung begriff. Außerdem war er auf sozialpolitischem Gebiet tätig, u. a. als Mitglied der Lebensmittel-, der Jugend- und der Gesundheitsdeputation. Mitglied des Kommunal- und des Provinziallandtags. K. wandte sich entschieden gegen den Nationalsozialismus, was sich u. a. 1931/32 in einer Klage von Jakob Sprenger gegen ihn manifestierte. Sprenger behauptete, K. habe ihn in einer Sitzung des Kommunallandtags einen „Schurken“ genannt, was aber nicht zu beweisen war. K. wurde in zweiter Instanz freigesprochen. Nach 1933 wegen politischen Widerstands mehrfach verhaftet. 1934 aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ aus dem städtischen Dienst entlassen. 1944 nach dem Attentat auf Hitler untergetaucht. K. starb kurz nach Kriegsende an einer Lungen- und Kehlkopftuberkulose.
Teilnachlass im ISG.
Karl-K.-Siedlung in Preungesheim.
Seit 1900 SPD-Mitglied und seit 1905 Mitarbeiter der „Volksstimme“, war K. seit 1906 als Bürogehilfe, seit 1907 als Parteisekretär in der Geschäftsstelle der Ffter SPD tätig. Daneben seit 1907 Journalist, u. a. als Herausgeber der „Sozialdemokratischen Korrespondenz“ (bis 1914). Seit 1910 Vorstandsmitglied des Sozialdemokratischen Vereins Groß-Fft. K. engagierte sich vor allem für die Demokratisierung der Kommunalpolitik im Sinne der Arbeiterbewegung. Seit 1914 war er ehrenamtlicher Geschäftsführer der Kriegsfürsorge in Ffm., bis er im April 1915 zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Aus gesundheitlichen Gründen im Oktober 1915 vom Militär entlassen, wurde er Leiter des von der Kriegsfürsorge und der Stadt Ffm. getragenen „Zentralbüros für Kartoffelversorgung“ und war damit für die Lebensmittelversorgung der Ffter Bevölkerung verantwortlich. Leiter der Schulkinderspeisung seit deren Gründung durch die Kriegsfürsorge im Oktober 1916. Nach der Verstadtlichung der Schulkinderspeisung und anderer Einrichtungen der Kriegsfürsorge (1919) wurde K. als „Direktor der Schulkinderspeisung“ in den städtischen Dienst übernommen. 1918 Mitglied des Ffter Arbeiter- und Soldatenrats. Von 1919 bis 1933 Stadtverordneter (SPD). Von 1924 bis 1933 Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. Sprecher des gewerkschaftlichen Flügels der SPD (u. a. als Vorstandsmitglied der Reichsgewerkschaft deutscher Kommunalbeamter, 1922-25). Parlamentarischer Gegenspieler von Oberbürgermeister Ludwig Landmann. Als Kenner der Verwaltung sowie des Etat- und Finanzrechts war K. ein scharfer und unbequemer Kritiker der Ffter Stadtverwaltung, als deren unbestechliches Kontrollorgan er die Stadtverordnetenversammlung begriff. Außerdem war er auf sozialpolitischem Gebiet tätig, u. a. als Mitglied der Lebensmittel-, der Jugend- und der Gesundheitsdeputation. Mitglied des Kommunal- und des Provinziallandtags. K. wandte sich entschieden gegen den Nationalsozialismus, was sich u. a. 1931/32 in einer Klage von Jakob Sprenger gegen ihn manifestierte. Sprenger behauptete, K. habe ihn in einer Sitzung des Kommunallandtags einen „Schurken“ genannt, was aber nicht zu beweisen war. K. wurde in zweiter Instanz freigesprochen. Nach 1933 wegen politischen Widerstands mehrfach verhaftet. 1934 aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ aus dem städtischen Dienst entlassen. 1944 nach dem Attentat auf Hitler untergetaucht. K. starb kurz nach Kriegsende an einer Lungen- und Kehlkopftuberkulose.
Teilnachlass im ISG.
Karl-K.-Siedlung in Preungesheim.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 395, verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Lexika:
Bermejo: Ffter Stadtverordnete u. Magistratsmitglieder als Verfolgte d. NS-Staates 2006, S. 167-177.
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Bermejo: Hess. Parlamentarier in der NS-Zeit 2016, S. 130-135.
Literatur:
Beier: Arbeiterbewegung 1984, S. 464f.
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Emrich: Bildnisse Ffter Demokraten 1956, S. 36-38 (m. Abb. auf S. 85).
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Maly: Stvv. II 1995.
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Trott/Friedl: Karl Kirchner 1983.
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Ulrich: Polit. Widerstand im Rhein-Main-Gebiet 2005, 3. Aufl. 2008, S. 208, 225 u. ö.
Quellen:
Riebsamen, Hans: „Aktion Gitter“. Als das NS-Regime zurückschlug. In: FAZ, Internetausgabe (www. faz. net), Rhein-Main, 22. 7. 2016.
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ISG, S2/840.
GND: 118747088 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Kirchner, Karl. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/4095.
Stand des Artikels: 29.5.1990