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Lichtigfeld, Isaak Emil

Isaak Emil Lichtigfeld

Isaak Emil Lichtigfeld
Fotografie (1967; Ausschnitt).

© HLA, Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Nachlass Herbst, Bestand 3008/47 Nr. 9363).

Lichtigfeld, Isaak Emil. Dr. jur. Rabbiner. * 3.1.1894 Bukaczowce/Galizien, † 24.12.1967 Ffm.
Die Familie von L. stammte aus Ostgalizien, damals Teil Österreich-Ungarns. Sohn des Lebensmittelhändlers Josua (auch: Schaye) L. und dessen Ehefrau Klara (auch: Chaya), geb. Weissberg. Zwei seiner Brüder, Jakob und Leo L., wurden 1942 im Getto Lodz ermordet.
Verheiratet (seit 1923) mit Ruth (auch: Feige) L., geb. Rosenbaum (1897-1960). Zwei Töchter und zwei Söhne.
1897 Übersiedlung ins Deutsche Reich nach Düsseldorf, wo L. die Schule besuchte. Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg. Freiwilliger Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und Verwundung in Westflandern. 1917 Ernennung zum Offiziersstellvertreter. Fortsetzung des Studiums in Ffm. und Berlin. 1921/22 Assessorexamen. Niederlassung als Rechtsanwalt in Düsseldorf, ab 1929 in Köln. 1933 Flucht in das britische Exil nach London. 1937 Rabbinerexamen am „Jews’ College“. Tätigkeit als Rabbiner an der Cricklewood Synagogue in Golders Green in London. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren war L. Vertreter des „Chief Rabbinate Council“ in der britischen Besatzungszone. 1947/48 religiöser Berater der jüdischen Flüchtlinge auf Zypern. L. war seit 1947 britischer Staatsbürger.
Seit 1954 Ffter Gemeinderabbiner und hessischer Landesrabbiner. L.s Anliegen war es, die religiösen Kerninstitutionen der Jüdischen Gemeinde wiederaufzubauen und die Vermittlung jüdischer Geschichte und Religion an die nachfolgenden Generationen sicherzustellen. Einrichtung von Religionsschulen im „Haus der Gemeinde“ im Baumweg 5-7 und im Nordtrakt der Westendsynagoge. Gemeinsam mit Hans Lamm (1913-1985), Kulturdezernent des Zentralrats der Juden in Deutschland, entwickelte L. Pläne zur Errichtung jüdischer Internate in den Ballungsräumen der Bundesrepublik. Als diese Bestrebungen zu Beginn der 1960er Jahre scheiterten, plante L. die Einrichtung einer jüdischen Schule in Ffm. Moritz Gertler (1921-2003), Kultusdezernent der Jüdischen Gemeinde Ffm., und L. favorisierten die Gründung einer Grundschule, die sukzessive um weitere Klassenstufen aufgestockt werden sollte. Die Grundschule der Jüdischen Gemeinde wurde am 18.4.1966 im Nordtrakt der Westendsynagoge eröffnet.
L. war von orthodoxer Prägung. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte er die Thora-Lehranstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft in Ffm. besucht. Nach 1918 engagierte er sich für die ultraorthodoxe Organisation „Agudath Israel“. Im „Minhag-Konflikt“ mit dem Rechtsanwalt Joseph Klibansky (1902-1957) im Jahr 1956 rückte er jedoch von strengreligiösen Positionen ab. Er ließ liturgische Änderungen in den Gottesdiensten der Westendsynagoge zu. Die Mehrzahl der Gemeindemitglieder stammten nach 1945 aus Osteuropa und waren mit der Ffter Liturgie in Anknüpfung an Samson Raphael Hirsch nicht vertraut. L. trug damit den neuen Verhältnissen in Ffm. Rechnung. Entscheidend für ihn war die „Aufrechterhaltung und Belebung des religiösen Gefühls“ der Gemeindemitglieder.
L. kämpfte gegen Assimilation und die liberal-religiöse Strömung im Judentum. Er war Gegner von interkonfessionellen Ehen.
Als Vorsitzender der deutschen Rabbinerkonferenz und Landesrabbiner von Hessen nahm L. an Sitzungen des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland teil. Bei der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden im März 1964 in Hannover übte er Kritik an der in seinen Augen mangelhaften Anerkennung des Rabbinerstands in der Bundesrepublik. Er thematisierte insbesondere die niedrige Entlohnung und das fehlende politische Mitspracherecht der Rabbiner. L. war Präsidialmitglied und seit 1966 Präsident der deutschen Sektion des Israelfonds „Keren Hayesod“. Aufgrund seines Ansehens und seiner Stellung im religiösen Leben in Deutschland wurde er von Paul Arnsberg als „der unangefochtene Raw, gewissermaßen der nicht ernannte Großrabbiner der Bundesrepublik“ bezeichnet.
Veröffentlichung: „Systematic Mishnah. An arrangement of the Mishnah in systematic order“ (1943).
1917 Eisernes Kreuz II. Klasse. 1964 Ehrenplakette der Stadt Ffm. und Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern. 1965 Ernennung zum Ehrenbeamten der Stadt Ffm.
Festschrift zum 70. Geburtstag (1964).
1968, ein Jahr nach L.s Tod, wurde die Schule der Jüdischen Gemeinde in „Isaak-Emil-Lichtigfeld-Schule“ umbenannt. Sie erhielt am 26.8.1969 die staatliche Anerkennung als „anerkannte Privatschule“ durch Kultusminister Ernst Schütte (SPD). Die Grundschule der Isaak-Emil-L.-Schule befindet sich in der Westendstraße. Im Gebäude des früheren Philanthropins im Nordend sind seit 2006 die Sekundarstufe I und seit 2018 die damals eröffnete Gymnasiale Oberstufe untergebracht.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Fedor Besseler.

Lexika: Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 522f.
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Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 / International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945. 3 Bde. München/New York/London/Paris 1980-83.
Literatur: Arnsberg: Neunhundert Jahre „Muttergemeinde in Israel“ 1974, S. 204-215.
Arnsberg, Paul: Neunhundert Jahre „Muttergemeinde in Israel“. Ffm. 1074-1974. Chronik der Rabbiner. Ffm. 1974.
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Brenner, Michael (Hg.): Geschichte der Juden in Deutschland. Von 1945 bis zur Gegenwart. Politik, Kultur und Gesellschaft. München [Copyright 2012].
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Freimüller, Tobias: Fft. und die Juden. Neuanfänge und Fremdheitserfahrungen 1945-1990. Göttingen [Copyright 2020]. (Beiträge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts 28 / Studien zur Geschichte und Wirkung des Holocaust 1).
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Krohn, Helga: „Es war richtig, wieder anzufangen“. Juden in Ffm. seit 1945. Ffm. 2011.
| Carlebach, Julius/Brämer, Andreas: Continuity or New Beginning? Isaac Emil Lichtigfeld, Rabbi in Ffm. and Hesse, 1954-1967. In: Leo Baeck Institute Yearbook 42 (1997), S. 275-302.
Leo Baeck Institute Yearbook. Bisher 65 Bde. Oxford 1956-2020.
| Willner, Max: Landesrabbiner Dr. I. E. Lichtigfeld. Eine persönliche Würdigung. In: Roth (Hg.): FS I. E. Lichtigfeld 1964, S. 15-19.
Roth, Ernst (Hg.): Festschrift Dr. I. E. Lichtigfeld, Landesrabbiner von Hessen, zum 70. Geburtstag. Ffm. 1964.
| Wenzel/Kößling/Backhaus (Hg.): Jüd. Fft. 2020, S. 161.
Wenzel, Mirjam/Kößling, Sabine/Backhaus, Fritz (Hg.): Jüdisches Fft. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Katalog zur Dauerausstellung des Jüdischen Museums Fft. München 2020.
| Brämer, Andreas: Eine sehr kurze Geschichte des Rabbinats in Ffm. 1945 bis 1967. In: Wiese u. a. (Hg.): Das jüdische Fft. – von der NS-Zeit bis zur Gegenwart 2024, S. 249-259.
Wiese, Christian/Vogt, Stefan/Freimüller, Tobias/Wenzel, Mirjam/Kiesel, Doron/Schneider-Ludorff, Gury (Hg.): Das jüdische Fft. – von der NS-Zeit bis zur Gegenwart. Berlin/Boston 2024. (Kontexte zur jüdischen Geschichte Hessens 3).
Quellen: Neuer Landesrabbiner für Hessen. In: Allg. Wochenzeitung d. Juden in Deutschland 9 (1954/55), Nr. 23, 10. 9. 1954, S. 13.
Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland. Jg. 4-20. Düsseldorf 1949/50-1965/66.
| Ein schwerer Verlust. In: Berliner allg. unabhängige jüdische Wochenzeitung 22 (1967/68), Nr. 41, 5. 1. 1968, S. 1.
Berliner allgemeine unabhängige jüdische Wochenzeitung. Jg. 21-28. Düsseldorf 1966/67-1973.
| Bundesarchiv Berlin, Sign. R 3001/66510.
Bundesarchiv (BArch) Berlin.
| ISG, NS-Verfolgte 3. 948.
ISG, Bestand NS-Verfolgte (Best. A.54.03), 1945-58.
| ISG, S2/2. 303.
ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).
| Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, BR 3008 Nr. 40107.
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Duisburg.
| Stadtarchiv Düsseldorf, Wiedergutmachung, Sign. 0-1-32-247. 0018.
Stadtarchiv Düsseldorf.
| Universitätsarchiv Ffm., Studierendenakte Emil Lichtigfeld, Best. 604 Nr. 4035.
Universitätsarchiv Ffm. (UAF), Archiv der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Ffm.
| Zentralarchiv zur Erforschung d. Geschichte d. Juden in Deutschland, B. 1/13, Serie A, Nr. 801.
Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, unselbständige Einrichtung des Zentralrats der Juden in Deutschland K. d. ö. R., Heidelberg.
| Zentralarchiv zur Erforschung d. Geschichte d. Juden in Deutschland, B. 1/13, Serie G, Nr. 446.
Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, unselbständige Einrichtung des Zentralrats der Juden in Deutschland K. d. ö. R., Heidelberg.
| Zentralarchiv zur Erforschung d. Geschichte d. Juden in Deutschland, B. 1/13, Serie G, Nr. 744.
Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, unselbständige Einrichtung des Zentralrats der Juden in Deutschland K. d. ö. R., Heidelberg.
| Zentralarchiv zur Erforschung d. Geschichte d. Juden in Deutschland, B. 1/13, Serie G, Nr. 951.
Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, unselbständige Einrichtung des Zentralrats der Juden in Deutschland K. d. ö. R., Heidelberg.
Internet: Wikipedia, 8.12.2023.
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Hg.: Wikimedia Foundation Inc., San Francisco/Kalifornien (USA).
https://de.wikipedia.org/wiki/Isaak_Emil_Lichtigfeld

GND: 121074404 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).

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Empfohlene Zitierweise: Besseler, Fedor: Lichtigfeld, Isaak Emil. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/3692.


Stand des Artikels: 4.3.2025
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 12.2023
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Dezember 2023.
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