Erster hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Höchst am Main von 1888 bis 1893.
Eugen Gebeschus
Fotografie, vermutlich des Ateliers Fricke (um 1916).
© Medienzentrum Hanau-Bildarchiv (Sign. MZHU XXIX/56).
Gebeschus, Karl August Georg Eugen. Dr. jur. Kommunalpolitiker.
* 12.12.1855 Demmin/Pommern, † 11.11.1936 Hanau.
Der Vater Georg G. (1817-1884) wirkte in Pölitz/Pommern von 1846 bis 1848 als Bürgermeister. Mutter Wilhelmine G., geb. Wobig (1817-1867). Verheiratet (seit 1884) mit Julie G., geb. Schweickhardt (1861-1931). Tochter Helena, gen. Leni (1884-?), Söhne Rudolf, gen. Rolf (1887-1918), und Kurt (1889-1968).
Aufgewachsen mit der älteren Schwester Ida G. (1848-1903; später Musikpädagogin und -historikerin, Schriftstellerin) in Demmin. Seit 1862 Besuch der Vorschule und des Gymnasiums in Demmin. Jurastudium in Tübingen (1874-77) und Greifswald (1877-78). Promotion (1882). Referendariat, beendet mit dem Assessorexamen (1883). Zwischen 1884 und 1888 Notar und Anwalt in St. Goarshausen. Von 1888 bis 1893 Bürgermeister der Stadt Höchst am Main. Von 1893 bis 1916 Oberbürgermeister in Hanau. Seit 1916 Ehrenbürger der Stadt Hanau.
Durch die Zustimmung von Regierungspräsident Lothar von Wurmb (1824-1890) am 19.3.1888 erhielt die Wahl G.ʼ zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister von Höchst am Main Rechtskraft. Bei der Wahl hatte er 45 von 48 Stimmen erhalten. G. arbeitete täglich bis zu 14 Stunden und am Sonntag nochmals sechs Stunden zum Wohle der Stadt und erwarb sich hiermit die Wertschätzung eines angesehenen und respektierten Stadtoberhaupts. Zugleich war er Mitglied des Kreisausschusses und Kommunallandtags sowie Vertreter des Landrats.
Nach der Vereidigung am 30.3.1888 setzte G. in seinen ersten anderthalb Amtsjahren eine umfangreiche Verwaltungsreform um. Seine Vorgänger waren Honoratiorenpolitiker gewesen, die ihren Dienst im Ausgleich für eine kleine Aufwandsentschädigung leisteten und juristische wie Verwaltungskenntnisse weitgehend vermissen ließen. G. legte eine neue Registratur an, reorganisierte die Abläufe, stellte einen Gemeindehaushalt auf, führte eine Kassenrevision durch und entließ unmotivierte und unqualifizierte Angestellte aus städtischen Diensten.
G. übte seine Profession äußerst gewissenhaft aus. Hierzu zählten auch tägliche Spaziergänge zur Kontrolle der Sicherheit der Straßen und der Gebäude sowie zur Überprüfung des Pflichtbewusstseins der Nachtwächter und Polizeibeamten. So schlenderte er häufig zweimal pro Nacht durch die Höchster Straßen. Wen G. nicht auf seinem Posten, sondern im Bett oder im Wirtshaus antraf, entließ er oder verdonnerte ihn zu Strafdienst.
Bei seiner Verwaltungstätigkeit unterstützten G. drei Sekretäre, die Grundbuchangelegenheiten, freiwillige Gerichtsbarkeit, Standesamtsangelegenheiten, Berichte an die Oberbehörden und Stadtratsbelange bearbeiteten. Er selbst nahm sich der Bauangelegenheiten an und beendete die weitgehend konzept- und planlose bauliche Entwicklung Höchsts. Zunächst ließ er 1888 einen Stadtentwicklungsplan durch Kreislandvermesser August Groll und den Königlichen Baurat Wagner entwerfen. Die beiden legten im Sommer 1889 den „Übersichts-Plan für die Erweiterung der Stadt Höchst“ vor, in dem die Freiflächen, Straßenverläufe und die künftige Bebauung vermerkt waren. Groll und Wagner führten in ihrem Plan das rechteckige Straßenraster fort, wollten im Stadtgebiet weitere Flächen für Siedlungs- und Gewerbezwecke verwenden und die damals noch landwirtschaftlich genutzten Flächen bebauen. Der von G. in Auftrag gegebene Stadtentwicklungsplan stand Pate für die Neufassung von 1897/98. Damit ordnete G. das Wachstum Höchsts und sah als Erweiterungsgebiete den Bereich zwischen Altstadt und Bahnlinie, Randzonen entlang der Königsteiner Straße und im Oberfeld vor.
G. stieß zahlreiche Bauvorhaben an, zunächst den 1890 bezogenen Neubau des Realgymnasiums zwischen Luciusstraße und Emmerich-Josef-Straße (Schulgebäude der heutigen Robert-Koch-Schule). 1891 folgte die Genehmigung für den Neubau des Pfarrhauses an der Justinuskirche und 1892 eine Erweiterung des städtischen Krankenhauses mit einem 18 Meter langen, zweistöckigen Anbau mit Operationsräumen. Unter G.ʼ Nachfolger Paul Wilhelm Karraß erfuhren zwei weitere von G. initiierte Bauprojekte, das Wasserwerk 1894 und die Werftanlagen am Mainufer 1897, ihre Fertigstellung.
Zudem sorgte G. für eine bessere Ausstattung der Polizeibeamten. Er strich das jährliche Kleidergeld und ließ fortan Uniformen, Helme, Mützen und Stiefel als Dienstkleidung sowie Revolver zur Verfügung stellen. Zusätzlich stellte G. neues Personal ein und übernahm den inneren Polizeidienst selbst. Auch für die Feuerwehr erreichte G. 1889/90 und 1893 eine Neuausrüstung mit einheitlich gefärbten Uniformen. Zugleich ließ G. 1890 für die Feuerwehr modernere Steigerausrüstungen anschaffen, einen Steigerturm errichten und führte Alarmhupen für schnellere Alarmierung ein.
Obwohl sich die Familie G. in Höchst sehr wohlfühlte, bewarb sich G. 1893 als Hanauer Oberbürgermeister. Ihm missfiel die Zustimmungspflicht der Landräte bei Bauangelegenheiten, in Polizeifragen und bei Brandschutzbelangen in Höchst. Er wollte solche Beschränkungen seiner Entscheidungsfreiheit nicht mehr hinnehmen und suchte nach einer neuen, zudem finanziell besser dotierten Herausforderung. G.ʼ Nachfolger in Höchst, Wilhelm Karraß, entwickelte weit weniger Initiativen; zugleich wirkten die Maßnahmen und Beschlüsse seines Vorgängers noch deutlich nach.
In seiner Funktion als Hanauer Oberbürgermeister von 1893 bis 1916 führte G. die aufstrebende Kleinstadt in die Moderne. An Main und Kinzig nutzte er die Machtfülle des Oberbürgermeisteramts, um vorausschauend sowohl im Rahmen der staatlichen Vorgaben als auch durch Anregung von Privatinvestoren Lösungsstrategien zu entwickeln. G. strukturierte die Verwaltung um, sicherte die dortige Versorgung mit Gas und Strom, erreichte hygienischere Bedingungen durch Wasserversorgung, Kanalisation, Krankenhausausbau und Altstadtsanierung, siedelte finanzstarke neue Industrien und zwei Garnisonen (1910/13) an, verhandelte die Verträge zur Einführung der Straßenbahn (1908), erschloss neue Siedlungsflächen im Zuge der Eingemeindung von Kesselstadt (1907) und ebnete so Hanaus Weg in die Zukunft.
G.straße in Höchst.
Aufgewachsen mit der älteren Schwester Ida G. (1848-1903; später Musikpädagogin und -historikerin, Schriftstellerin) in Demmin. Seit 1862 Besuch der Vorschule und des Gymnasiums in Demmin. Jurastudium in Tübingen (1874-77) und Greifswald (1877-78). Promotion (1882). Referendariat, beendet mit dem Assessorexamen (1883). Zwischen 1884 und 1888 Notar und Anwalt in St. Goarshausen. Von 1888 bis 1893 Bürgermeister der Stadt Höchst am Main. Von 1893 bis 1916 Oberbürgermeister in Hanau. Seit 1916 Ehrenbürger der Stadt Hanau.
Durch die Zustimmung von Regierungspräsident Lothar von Wurmb (1824-1890) am 19.3.1888 erhielt die Wahl G.ʼ zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister von Höchst am Main Rechtskraft. Bei der Wahl hatte er 45 von 48 Stimmen erhalten. G. arbeitete täglich bis zu 14 Stunden und am Sonntag nochmals sechs Stunden zum Wohle der Stadt und erwarb sich hiermit die Wertschätzung eines angesehenen und respektierten Stadtoberhaupts. Zugleich war er Mitglied des Kreisausschusses und Kommunallandtags sowie Vertreter des Landrats.
Nach der Vereidigung am 30.3.1888 setzte G. in seinen ersten anderthalb Amtsjahren eine umfangreiche Verwaltungsreform um. Seine Vorgänger waren Honoratiorenpolitiker gewesen, die ihren Dienst im Ausgleich für eine kleine Aufwandsentschädigung leisteten und juristische wie Verwaltungskenntnisse weitgehend vermissen ließen. G. legte eine neue Registratur an, reorganisierte die Abläufe, stellte einen Gemeindehaushalt auf, führte eine Kassenrevision durch und entließ unmotivierte und unqualifizierte Angestellte aus städtischen Diensten.
G. übte seine Profession äußerst gewissenhaft aus. Hierzu zählten auch tägliche Spaziergänge zur Kontrolle der Sicherheit der Straßen und der Gebäude sowie zur Überprüfung des Pflichtbewusstseins der Nachtwächter und Polizeibeamten. So schlenderte er häufig zweimal pro Nacht durch die Höchster Straßen. Wen G. nicht auf seinem Posten, sondern im Bett oder im Wirtshaus antraf, entließ er oder verdonnerte ihn zu Strafdienst.
Bei seiner Verwaltungstätigkeit unterstützten G. drei Sekretäre, die Grundbuchangelegenheiten, freiwillige Gerichtsbarkeit, Standesamtsangelegenheiten, Berichte an die Oberbehörden und Stadtratsbelange bearbeiteten. Er selbst nahm sich der Bauangelegenheiten an und beendete die weitgehend konzept- und planlose bauliche Entwicklung Höchsts. Zunächst ließ er 1888 einen Stadtentwicklungsplan durch Kreislandvermesser August Groll und den Königlichen Baurat Wagner entwerfen. Die beiden legten im Sommer 1889 den „Übersichts-Plan für die Erweiterung der Stadt Höchst“ vor, in dem die Freiflächen, Straßenverläufe und die künftige Bebauung vermerkt waren. Groll und Wagner führten in ihrem Plan das rechteckige Straßenraster fort, wollten im Stadtgebiet weitere Flächen für Siedlungs- und Gewerbezwecke verwenden und die damals noch landwirtschaftlich genutzten Flächen bebauen. Der von G. in Auftrag gegebene Stadtentwicklungsplan stand Pate für die Neufassung von 1897/98. Damit ordnete G. das Wachstum Höchsts und sah als Erweiterungsgebiete den Bereich zwischen Altstadt und Bahnlinie, Randzonen entlang der Königsteiner Straße und im Oberfeld vor.
G. stieß zahlreiche Bauvorhaben an, zunächst den 1890 bezogenen Neubau des Realgymnasiums zwischen Luciusstraße und Emmerich-Josef-Straße (Schulgebäude der heutigen Robert-Koch-Schule). 1891 folgte die Genehmigung für den Neubau des Pfarrhauses an der Justinuskirche und 1892 eine Erweiterung des städtischen Krankenhauses mit einem 18 Meter langen, zweistöckigen Anbau mit Operationsräumen. Unter G.ʼ Nachfolger Paul Wilhelm Karraß erfuhren zwei weitere von G. initiierte Bauprojekte, das Wasserwerk 1894 und die Werftanlagen am Mainufer 1897, ihre Fertigstellung.
Zudem sorgte G. für eine bessere Ausstattung der Polizeibeamten. Er strich das jährliche Kleidergeld und ließ fortan Uniformen, Helme, Mützen und Stiefel als Dienstkleidung sowie Revolver zur Verfügung stellen. Zusätzlich stellte G. neues Personal ein und übernahm den inneren Polizeidienst selbst. Auch für die Feuerwehr erreichte G. 1889/90 und 1893 eine Neuausrüstung mit einheitlich gefärbten Uniformen. Zugleich ließ G. 1890 für die Feuerwehr modernere Steigerausrüstungen anschaffen, einen Steigerturm errichten und führte Alarmhupen für schnellere Alarmierung ein.
Obwohl sich die Familie G. in Höchst sehr wohlfühlte, bewarb sich G. 1893 als Hanauer Oberbürgermeister. Ihm missfiel die Zustimmungspflicht der Landräte bei Bauangelegenheiten, in Polizeifragen und bei Brandschutzbelangen in Höchst. Er wollte solche Beschränkungen seiner Entscheidungsfreiheit nicht mehr hinnehmen und suchte nach einer neuen, zudem finanziell besser dotierten Herausforderung. G.ʼ Nachfolger in Höchst, Wilhelm Karraß, entwickelte weit weniger Initiativen; zugleich wirkten die Maßnahmen und Beschlüsse seines Vorgängers noch deutlich nach.
In seiner Funktion als Hanauer Oberbürgermeister von 1893 bis 1916 führte G. die aufstrebende Kleinstadt in die Moderne. An Main und Kinzig nutzte er die Machtfülle des Oberbürgermeisteramts, um vorausschauend sowohl im Rahmen der staatlichen Vorgaben als auch durch Anregung von Privatinvestoren Lösungsstrategien zu entwickeln. G. strukturierte die Verwaltung um, sicherte die dortige Versorgung mit Gas und Strom, erreichte hygienischere Bedingungen durch Wasserversorgung, Kanalisation, Krankenhausausbau und Altstadtsanierung, siedelte finanzstarke neue Industrien und zwei Garnisonen (1910/13) an, verhandelte die Verträge zur Einführung der Straßenbahn (1908), erschloss neue Siedlungsflächen im Zuge der Eingemeindung von Kesselstadt (1907) und ebnete so Hanaus Weg in die Zukunft.
G.straße in Höchst.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Markus Häfner.
Literatur:
Bekannte Persönlichkeiten auf Hanauer Friedhöfen 2008, S. 78f.
|
Blumschein: Geschichte d. Freiwilligen Feuerwehr Höchst am Main 1912, S. 16-22.
|
Steinel, Franz: Bauliche Entwicklung der Anstalt. In: FS Krankenhaus d. Stadt Höchst am Main 1908, S. 23-62, bes. S. 24-29.
|
Grossbach: Höchst am Main 2006, S. 108f.
|
Häfner: Stadtoberhaupt aus Leidenschaft 2018, bes. S. 77-92.
|
Blecker, Udo/Herth, Helmut: Die Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Ffm. -Höchst (FF Höchst) seit der Gründung. In: Herth/Freiwillige Feuerwehr Ffm. -Höchst (Hg.): Mer grinde e Feuerwehr 2002, S. 120-140, bes. 121f.
|
Metternich: Die städtebauliche Entwicklung von Höchst am Main 1990, S. 46-55.
|
Metternich: Höchst erstaunliche Geschichte 1994, S. 95.
|
Müller: 600 Jahre Stadt Höchst am Main 1955, S. 29f.
|
Schäfer: Chronik von Höchst am Main 1986, S. 174-176.
|
Schäfer: Höchst am Main 1981, S. 133.
Quellen:
ISG, Höchst 807-808.
|
ISG, Höchst 1. 887.
|
ISG, S2/1. 621.
|
Stadtarchiv Hanau L1 303/1: Gebeschus, Eugen: Lebenserinnerungen, bes. S. 338-399.
|
Stadtarchiv Hanau L1 301/6.
|
Stadtarchiv Hanau C3 289.
Internet:
Hess. Biografie, 7.6.2019.
|
Wikipedia, 7.6.2019.
GND: 1130814645 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Empfohlene Zitierweise: Häfner, Markus: Gebeschus, Eugen. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/3439.
Stand des Artikels: 11.6.2019
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2019
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Juni 2019.