Hörnigk, Ludwig (seit 1628: von). Kaiserlicher Rat. Kaiserlicher Bücherkommissar. Prof. Dr. med. et phil. Dr. jur. Arzt. Jurist.
~ 16.3.1600 Darmstadt, † 2.8.1667 Mainz.
Sohn des Pfarrtürmers und Stadtmusikus Veit H.
Aufgewachsen in Ffm. Studium der Medizin in Gießen, Padua und Straßburg. 1625 Zulassung als praktischer Arzt in Ffm. 1628 Comes palatinus. 1635 Stadtphysikus und Hospitalarzt. 1638 Promotion zum Dr. jur. in Marburg. Infolge eines Rechtsstreits mit den Ffter Apothekern, denen er nach Beaufsichtigung der Theriakbereitung (1643) Betrug vorwarf, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen H. und dem Rat, der sich auf die Seite der Apotheker stellte. Relegation H.s, die jedoch erst in Kraft trat, als dieser im Hospital Gewalt gegen seine Patienten anwandte und die entsprechende Geldstrafe dafür nicht zu bezahlen bereit war. H. lebte fortan als Gräflicher und Fürstlich Pfalz-Veldenzischer Rat sowie Amtmann und Arzt in Rödelheim, wo er sich in Händel mit der Geistlichkeit verwickelte, die zum Prozess führten. 1647 ging er deshalb nach Mainz, dann nach Wien, wohl um von dort aus seine Sache besser vorantreiben zu können. In Wien konvertierte er zum katholischen Bekenntnis, was er in einer Denkschrift ausführlich begründete (1649; dazu entsprechende Gegenschriften von Ffter Geistlichen). Seit 1650/51 lebte H. wieder in Mainz, wo er an der Medizinischen Fakultät der Universität lehrte (ordentlicher Professor 1654-63, Rektor 1658/59, Dekan 1660-67). Als Kaiserlicher Rat, Kurmainzischer Hofrat und Kaiserlicher Bücherkommissar (seit 1655) kehrte H. zu Messezeiten nach Ffm. zurück. In strengster Weise vertrat er die kaiserlichen Interessen, was sich u. a. in der Überprüfung der Druckereien, Konfiskationen bei Messebesuchern und Erhöhung der Zahl der nach Wien zu liefernden Pflichtexemplare äußerte. Infolge dieser Maßnahmen, die H.s Nachfolger Georg Friedrich Sperling fortsetzte, ging die Beteiligung an der Ffter Buchmesse zurück, so dass schließlich der Rat die Messebesucher aufforderte, H.s Anweisungen künftig zu missachten.
Medizinische und juristische Schriften kompilatorischen Charakters, u. a. „Medicaster Apella oder Judenartzt“ (1631), „Schwalbacher Saur- unndt Prodel-Brunnen-Beschreibung“ (1632), „Wissbades beschreibung“ (1637), „Politia medica“ (1638, Neuaufl. 1645) und „Würg-Engel: Von der Pestilentz Namen, Eygenschafft, Ursachen, Zeichen, Präservation, Zufällen, Curation etc.“ (1644). Besonders die medizinischen Werke H.s sind vom Judenhass geprägt.
Porträtiert von Sebastian Furck (1644).
Aufgewachsen in Ffm. Studium der Medizin in Gießen, Padua und Straßburg. 1625 Zulassung als praktischer Arzt in Ffm. 1628 Comes palatinus. 1635 Stadtphysikus und Hospitalarzt. 1638 Promotion zum Dr. jur. in Marburg. Infolge eines Rechtsstreits mit den Ffter Apothekern, denen er nach Beaufsichtigung der Theriakbereitung (1643) Betrug vorwarf, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen H. und dem Rat, der sich auf die Seite der Apotheker stellte. Relegation H.s, die jedoch erst in Kraft trat, als dieser im Hospital Gewalt gegen seine Patienten anwandte und die entsprechende Geldstrafe dafür nicht zu bezahlen bereit war. H. lebte fortan als Gräflicher und Fürstlich Pfalz-Veldenzischer Rat sowie Amtmann und Arzt in Rödelheim, wo er sich in Händel mit der Geistlichkeit verwickelte, die zum Prozess führten. 1647 ging er deshalb nach Mainz, dann nach Wien, wohl um von dort aus seine Sache besser vorantreiben zu können. In Wien konvertierte er zum katholischen Bekenntnis, was er in einer Denkschrift ausführlich begründete (1649; dazu entsprechende Gegenschriften von Ffter Geistlichen). Seit 1650/51 lebte H. wieder in Mainz, wo er an der Medizinischen Fakultät der Universität lehrte (ordentlicher Professor 1654-63, Rektor 1658/59, Dekan 1660-67). Als Kaiserlicher Rat, Kurmainzischer Hofrat und Kaiserlicher Bücherkommissar (seit 1655) kehrte H. zu Messezeiten nach Ffm. zurück. In strengster Weise vertrat er die kaiserlichen Interessen, was sich u. a. in der Überprüfung der Druckereien, Konfiskationen bei Messebesuchern und Erhöhung der Zahl der nach Wien zu liefernden Pflichtexemplare äußerte. Infolge dieser Maßnahmen, die H.s Nachfolger Georg Friedrich Sperling fortsetzte, ging die Beteiligung an der Ffter Buchmesse zurück, so dass schließlich der Rat die Messebesucher aufforderte, H.s Anweisungen künftig zu missachten.
Medizinische und juristische Schriften kompilatorischen Charakters, u. a. „Medicaster Apella oder Judenartzt“ (1631), „Schwalbacher Saur- unndt Prodel-Brunnen-Beschreibung“ (1632), „Wissbades beschreibung“ (1637), „Politia medica“ (1638, Neuaufl. 1645) und „Würg-Engel: Von der Pestilentz Namen, Eygenschafft, Ursachen, Zeichen, Präservation, Zufällen, Curation etc.“ (1644). Besonders die medizinischen Werke H.s sind vom Judenhass geprägt.
Porträtiert von Sebastian Furck (1644).
Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 339f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Lexika:
Albert Teichmann in: ADB 13 (1881), S. 157.
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Kallmorgen, S. 302f.
Literatur:
Stricker, Wilhelm: Ludwig von Hörnigk. Ein Charakterbild aus der Geschichte der Medizin. In: AFGK NF 4 (1869), S. 237-246.
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Dietz: Handelsgesch. III, S. 67-69.
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Friederichs, Heinz F.: Der Ffter Stadtarzt, Kaiserliche Bücherkommissar und Mainzer Universitätsrektor Ludwig von Hörnigk. In: Hess. Familienkunde 2 (1953), Sp. 209-215 u. 287-294.
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Schrohe, Heinrich: Prof. Ludwig von Hörnigk und die Mainzer Medizinische Fakultät (1653-67). In: Volk u. Scholle 6 (1928), S. 92-97.
Internet:
Mainzer Professorenkatalog, 24.1.2024.
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Wikipedia, 24.1.2024.
GND: 122259645 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Hörnigk, Ludwig (von). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2754.
Stand des Artikels: 11.8.1989