Hartmann Beyer
Ölgemälde von unbekannter Hand (1567).
Eigentümer: Dr. Senckenbergische Stiftung.
© Dr. Senckenbergische Stiftung, Ffm.
Beyer, Hartmann. Nachname auch: Bavarus, Bair, Bayer, Beier, Beyr. Psd.: Ariel Bicardus, Sigismundus Cephalus, Andreas Epitimus. Magister Artium. Lutherischer Theologe.
* 29.9.1516 Ffm., † 11.8.1577 Ffm.
Sohn des aus Büdingen nach Ffm. eingewanderten Tuchscherers Wilhelm B. Vater von Johann Hartmann B.
Nach Besuch des von einem patrizischen Kreis als „Junkerschule“ neu gegründeten Gymnasiums in Ffm. ging B. 1534, ausgestattet mit einem Stipendium des Rats, zum Studium der Theologie an die Universität Wittenberg, wo er Schüler Luthers und Melanchthons war, mit denen ihn später auch eine enge Freundschaft verband. Nach der Erlangung des Magisteriums 1539 unterrichtete B. in Wittenberg Studenten in den Artes, vor allem in der Astronomie, wozu er auch einen mehrfach gedruckten Kommentar zu dem astronomischen Standardwerk des Johannes de Sacrobosco veröffentlichte (Erstdruck 1549). Nach sechs Jahren berief ihn der Ffter Rat als Nachfolger von Sebastian Ligarius († 1545) auf die freigewordene Prädikantenstelle in Ffm., die B. 1546 antrat.
B. stand fest im lutherischen Glauben und war in seiner Amtsführung zu keinerlei Kompromissen bereit. Dies führte zu wiederholten Konflikten mit dem Ffter Rat; so weigerte er sich, die Bestimmungen des 1548 von der Stadt anerkannten Augsburger Interims im Gottesdienst umzusetzen und beispielsweise die Messliturgie nach katholischem Brauch zu feiern. Den offenen Widerstand B.s, insbesondere in seinen Predigten, musste der Rat 1553 mit seiner Entlassung beantworten; allerdings erreichte B. mittels der Fürsprache einflussreicher befreundeter Patrizier, darunter Adolf von Glauburg (1524-1555), seine baldige Wiedereinstellung. Die Aufnahme verfolgter Calvinisten aus der Wallonie, den Niederlanden und England 1554 und 1555 in Ffm. sorgte für neue Streitigkeiten. B. agitierte gegen die calvinistische Abendmahlslehre, scheute aber auch nicht vor fremdenfeindlichen Vorwürfen zurück, womit er schließlich erreichte, dass am 22.4.1561 die reformierten Flüchtlingsgemeinden in Ffm. verboten wurden. B. starb 1577 in Ffm. und hinterließ mehrere Kinder aus seiner dritten Ehe mit Katharina Ligarius († 1613), der Tochter seines Amtsvorgängers, worunter der Erstgeborene der spätere Arzt Johann Hartmann B. war.
B. hat teils unter eigenem Namen, teils unter Pseudonym zahlreiche Werke zu den genannten Glaubensstreitigkeiten publiziert, wobei der Ffter Drucker Peter Braubach nicht nur sein Verleger war, sondern zusammen mit dem ebenso streitbaren Hamburger Pastor Joachim Westphal (1510-1574) auch für die gemeinsame Glaubenssache eintrat. Bei Braubach veröffentlichte B. 1552 außerdem eine sehr häufig nachgedruckte Verdeutschung des Katechismus von Johannes Brenz, bei Christian Egenolff d. Ä. (Erben) 1555 eine ebenfalls äußerst erfolgreiche Historienbibel.
Porträtgemälde (von unbekannter Hand, 1567) im Besitz der Dr. Senckenbergischen Stiftung.
B. hat eine umfangreiche Büchersammlung besessen, die in der späteren Sammlung seines Sohnes Johann Hartmann B. aufging und zu einem kleinen Teil in der UB Ffm. erhalten ist. Darunter befinden sich ein Widmungsexemplar Luthers, aber auch Bücher aus dem ehemaligen Besitz Melanchthons und seines gymnasialen Lehrers Jacob Micyllus. Den Großteil der Bibliothek mit schätzungsweise 800 Drucken machten die theologischen Schriften aus, wobei hier insbesondere die Streitschriften zu den umkämpften Glaubensfragen dominierten; daneben besaß B. nicht wenige astronomische und mathematische Werke sowie einen kleinen Bestand an Humanistica. Über die Sammlung seines Sohnes sind auch 49 Bände mit Abschriften seiner Predigten sowie Briefe und autobiographische Notizen in die UB Ffm. gelangt.
Nach Besuch des von einem patrizischen Kreis als „Junkerschule“ neu gegründeten Gymnasiums in Ffm. ging B. 1534, ausgestattet mit einem Stipendium des Rats, zum Studium der Theologie an die Universität Wittenberg, wo er Schüler Luthers und Melanchthons war, mit denen ihn später auch eine enge Freundschaft verband. Nach der Erlangung des Magisteriums 1539 unterrichtete B. in Wittenberg Studenten in den Artes, vor allem in der Astronomie, wozu er auch einen mehrfach gedruckten Kommentar zu dem astronomischen Standardwerk des Johannes de Sacrobosco veröffentlichte (Erstdruck 1549). Nach sechs Jahren berief ihn der Ffter Rat als Nachfolger von Sebastian Ligarius († 1545) auf die freigewordene Prädikantenstelle in Ffm., die B. 1546 antrat.
B. stand fest im lutherischen Glauben und war in seiner Amtsführung zu keinerlei Kompromissen bereit. Dies führte zu wiederholten Konflikten mit dem Ffter Rat; so weigerte er sich, die Bestimmungen des 1548 von der Stadt anerkannten Augsburger Interims im Gottesdienst umzusetzen und beispielsweise die Messliturgie nach katholischem Brauch zu feiern. Den offenen Widerstand B.s, insbesondere in seinen Predigten, musste der Rat 1553 mit seiner Entlassung beantworten; allerdings erreichte B. mittels der Fürsprache einflussreicher befreundeter Patrizier, darunter Adolf von Glauburg (1524-1555), seine baldige Wiedereinstellung. Die Aufnahme verfolgter Calvinisten aus der Wallonie, den Niederlanden und England 1554 und 1555 in Ffm. sorgte für neue Streitigkeiten. B. agitierte gegen die calvinistische Abendmahlslehre, scheute aber auch nicht vor fremdenfeindlichen Vorwürfen zurück, womit er schließlich erreichte, dass am 22.4.1561 die reformierten Flüchtlingsgemeinden in Ffm. verboten wurden. B. starb 1577 in Ffm. und hinterließ mehrere Kinder aus seiner dritten Ehe mit Katharina Ligarius († 1613), der Tochter seines Amtsvorgängers, worunter der Erstgeborene der spätere Arzt Johann Hartmann B. war.
B. hat teils unter eigenem Namen, teils unter Pseudonym zahlreiche Werke zu den genannten Glaubensstreitigkeiten publiziert, wobei der Ffter Drucker Peter Braubach nicht nur sein Verleger war, sondern zusammen mit dem ebenso streitbaren Hamburger Pastor Joachim Westphal (1510-1574) auch für die gemeinsame Glaubenssache eintrat. Bei Braubach veröffentlichte B. 1552 außerdem eine sehr häufig nachgedruckte Verdeutschung des Katechismus von Johannes Brenz, bei Christian Egenolff d. Ä. (Erben) 1555 eine ebenfalls äußerst erfolgreiche Historienbibel.
Porträtgemälde (von unbekannter Hand, 1567) im Besitz der Dr. Senckenbergischen Stiftung.
B. hat eine umfangreiche Büchersammlung besessen, die in der späteren Sammlung seines Sohnes Johann Hartmann B. aufging und zu einem kleinen Teil in der UB Ffm. erhalten ist. Darunter befinden sich ein Widmungsexemplar Luthers, aber auch Bücher aus dem ehemaligen Besitz Melanchthons und seines gymnasialen Lehrers Jacob Micyllus. Den Großteil der Bibliothek mit schätzungsweise 800 Drucken machten die theologischen Schriften aus, wobei hier insbesondere die Streitschriften zu den umkämpften Glaubensfragen dominierten; daneben besaß B. nicht wenige astronomische und mathematische Werke sowie einen kleinen Bestand an Humanistica. Über die Sammlung seines Sohnes sind auch 49 Bände mit Abschriften seiner Predigten sowie Briefe und autobiographische Notizen in die UB Ffm. gelangt.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Frank Fürbeth.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 68, verfasst von: Sabine Hock.
Lexika:
Steitz in: ADB 2 (1875), S. 597f.
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Friedrich Wilhelm Bautz in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlex. 1 (1975, 2. Aufl. 1990), Sp. 570f.
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Kutz: Senck. Portr., S. 54; S. 85, Farbtafel 5; S. 107, Nr. 9.
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Lersner 2. 2, S. 213f.
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Dietrich Andernacht in: NDB 2 (1955), S. 203.
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G. E. Steitz in: Realencyklopädie f. protestant. Theologie u. Kirche 2 (1897), S. 675-677.
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Richel, S. 49.
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Schrotzenberger, S. 22.
Literatur:
Steitz, Georg Eduard: Der lutherische Prädicant Hartmann Beyer. Ein Zeitbild aus Fft. s Kirchengeschichte im Jahrhundert der Reformation. Zwei Teile. In: AFGK 4 (1847), S. 100-146; 5 (1853), S. 49-110.
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Dechent: Kirchengeschichte I, S. 161f., 169f., 174f., 183, 192, 199, 203, 215, 222, 224, 236, 239, 241, 254f., 257, 270.
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Fürbeth: Johann Hartmann Beyer u. seine Bücherstiftung 2020.
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Schäufele, Wolf-Friedrich: Johannes Calvin und die reformierten Flüchtlingsgemeinden in Ffm. In: Jb. d. Hess. Kirchengeschichtl. Vereinigung 61 (2010), S. 15-34.
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Junghänel: Prediger der Reichsstadt Ffm. 2010.
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Patiens: Hartmann Beyer 1578.
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Patiens: Resolutio aliquot locorum Sacrae Scripturae 1577.
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Schade: Joachim Westphal u. Peter Braubach 1981.
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Steitz: Der luth. Prädikant Hartmann Beyer 1852.
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Telschow: Gesch. d. ev. Kirche in Ffm. 1 (2017), S. 130-132, 135, 139-142, 145, 149, 152, 175, 180, 224, 483.
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Telschow/Reiter: Ev. Pfarrer 1985, S. 30.
Quellen:
ISG, Dominikanerkloster: Urkunden u. Akten, Sign. 223 (15. 03. 1564; B. als Zeuge).
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ISG, Holzhausen-Archiv: Urkunden (Best. S1-1004-01), Sign. 1. 252 (22. 12. 1558; B. erhält ein Legat von Margaretha von Holtzhausen).
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ISG, S2/1. 199.
Internet:
Ffter Patriziat, 25.1.2021.
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Hess. Biografie, 25.1.2021.
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Senckenbergische Portraitsammlung, 1.12.2023.
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Wikipedia, 25.1.2021.
GND: 118510487 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine/Fürbeth, Frank: Beyer, Hartmann. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1622.
Stand des Artikels: 1.2.2021
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 02.2021
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Februar 2021.