Micyllus (auch: Molsheym), Jacob. Pädagoge. Humanist. Dichter.
* 6.4.1503 Straßburg, † 28.1.1558 Heidelberg.
Von 1518 bis 1522 Studium in Erfurt. Auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Wilhelm Nesen als Rektor des Ffter Gymnasiums soll sich Hamman von Holzhausen an Melanchthon gewandt haben, der daraufhin M. vorschlug. Obwohl der entsprechende Dienstvertrag bereits am 14.9.1523 geschlossen wurde, trat M. erst Ende Oktober 1524 das Amt in Ffm. an. Vermutlich hatte Hamman M. zuvor noch für einige Zeit zur Weiterbildung nach Wittenberg geschickt, vielleicht auch um Hammans Sohn Justinian von Holzhausen zu beaufsichtigen, der ebenfalls in Wittenberg (allerdings nachweislich erst ab dem 19.12.1524) studierte. Im Oktober 1524 löste M. den Interimsrektor Ludwig Carinus in der Leitung des Ffter Gymnasiums ab. Nach anfänglichem Aufblühen dieser Lehranstalt geriet M. in Konflikt mit dem Prädikanten Dionysius Melander, dessen Methoden als Anhänger der Zwingli’schen Lehre den Ansichten des Lutheraners M. widersprachen. Als M.’ Freund, der Theologe Johannes Cellarius, auf Melanders Betreiben 1532 Ffm. verlassen musste, sah sich auch M. genötigt, der Stadt den Rücken zu kehren, und er übernahm den Lehrstuhl für griechische Sprache in Heidelberg. Nach Melanders Weggang aus Ffm. wurde M., wiederum mit Unterstützung Melanchthons, unter verbesserten Bedingungen 1537 erneut zum Rektor des Ffter Gymnasiums berufen. In dieser zweiten, bis 1547 währenden Amtszeit schuf M. eine Schulordnung, die sich in ihren Grundzügen über mehrere Jahrhunderte erhielt („Descriptio scholae instituendae“). 1542 bezog er mit seinen Schülern die neuen Schulräume im ehemaligen Barfüßerkloster. In seinen letzten Lebensjahren hatte M. das Rektorat der Universität Heidelberg inne.
M. gehörte zu den bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit und hat sich neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten auch als Dichter einen Namen gemacht. Ein lateinisches Begrüßungsgedicht, das der Ffter Rat Kaiser Karl V. bei einer Durchreise 1530 überreichen ließ, stammte aus M.’ Feder.
M. gehörte zu den bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit und hat sich neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten auch als Dichter einen Namen gemacht. Ein lateinisches Begrüßungsgedicht, das der Ffter Rat Kaiser Karl V. bei einer Durchreise 1530 überreichen ließ, stammte aus M.’ Feder.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 54, verfasst von: Reinhard Frost.
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Lexika:
Adolf Brecher in: ADB 21 (1885), S. 704-708.
Literatur:
Steitz, Georg Eduard: Des Rector Micyllus Abzug von Fft. 1533, nach seinen bisher unermittelt gebliebenen Ursachen (...). In: AFGK NF 5 (1872), S. 216-256.
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Classen: Jacob Micyllus 1858.
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Classen: Nachträge zu der Biographie des Jacob Micyllus 1861.
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Matthäus, Michael: „Nach eynem redelichen, geschickten, gelerten vnd von mores geschickten Gesellen zu trachten... “. Die Gründung der Ffter Lateinschule im Jahr 1520. In: Mieles u. a. (Hg.): FS Lessing-Gymnasium 2020, S. 71-89, hier S. 81f.
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Ritter, Carolin: „Lateinische Gedichte im Zeichen humanistischer Freundschaft“. Der Rektor Wilhelm Nesen und seine Zeitgenossen Erasmus von Rotterdam, Philipp Melanchthon, Helius Eobanus Hessus und Jakob Micyllus. In: Mieles u. a. (Hg.): FS Lessing-Gymnasium 2020, S. 90-108.
Quellen:
ISG, S2/8. 169.
GND: 100310281 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Micyllus, Jacob. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/533.
Stand des Artikels: 21.6.1993