Rosa Kempf
Fotografie (1920).
© Bildarchiv des Bayerischen Landtags, München.
Kempf, Rosa. Dr. rer. pol. Lehrerin. Sozialwissenschaftlerin. Dozentin. Politikerin.
* 8.2.1874 (Bad) Birnbach/Niederbayern, † 3.2.1948 (Darmstadt-)Wixhausen.
Tochter des Bezirksarztes Jakob K. (1839-1909) und seiner Frau Emma, geb. Falciolla (1845-1909).
Durch mehrere Ortswechsel ihres Vaters bedingt, wuchs K. in verschiedenen kleinen bayerischen Landgemeinden auf. Nach dem Volksschulbesuch in Birnbach und Trostberg verließ sie 1888 ihr Elternhaus, um in München an der Kreislehrerinnenanstalt eine Ausbildung zur Lehrerin zu machen. Seit 1892, damals 18 Jahre alt, war sie zunächst als „Schulgehilfin“, dann als Hilfslehrerin in niederbayrischen Dörfern eingesetzt. 1900 wurde sie, nun als Volksschullehrerin in München tätig, in den Staatsdienst übernommen. Sie holte 1904/05 das Abitur nach, und ab dem Wintersemester 1905/06 studierte sie Philosophie und Staatswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sie kam mit der bayerischen bürgerlichen Frauenbewegung in Kontakt, war Mitglied im Münchener Lehrerinnenverein und im Verein Frauenbildung – Frauenstudium und publizierte in Organen der Frauenbewegung. Mehrfach für ihr Studium vom Schuldienst beurlaubt, promovierte K. 1911 bei Lujo Brentano „summa cum laude“ mit der Arbeit „Das Leben der jungen Fabrikmädchen in München“, wofür sie einige Zeit inkognito deren Arbeitswelt geteilt hatte. Die vielbeachtete Studie erschien in der Schriftenreihe des Vereins für Sozialpolitik. Danach trieb K. weiterführende Studien, hielt Vorträge und publizierte Aufsätze: Sie gilt heute als eine der Protagonistinnen der empirischen Sozialforschung. 1913 bewarb sich K. erfolgreich beim Ffter Institut für Gemeinwohl um die Stelle eines „wissenschaftlichen Assistenten“ – für die Leitung des in Gründung befindlichen Frauenseminars für soziale Berufsarbeit (heute: Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Fft. University of Applied Sciences). Zum 1.1.1914 schied sie aus dem bayerischen Schuldienst aus. Als Gründungsdirektorin des Frauenseminars war es an ihr, die Einrichtung trotz der schwierigen Kriegsverhältnisse binnen weniger Jahre zur Blüte zu bringen. K. engagierte sich sowohl im Verband Ffter Frauenvereine als auch im Bund Deutscher Frauenvereine. 1917 wechselte sie nach Düsseldorf, um dort an der Gründung der Niederrheinischen Frauenakademie mitzuwirken. Persönliche Differenzen mit ihrem Leitungskollegen ließen sie 1918 Düsseldorf verlassen. K. wandte sich nach München, um sich in der Politik zu engagieren und etwa das Frauenwahlrecht durchzusetzen. Langjähriges Mitglied der DDP (auf Reichsebene) bzw. der DVP/DDP (in Bayern), saß sie zunächst im bayerischen Provisorischen Nationalrat (1918-19) und in der Ära Kurt Eisner als Abgeordnete im Bayerischen Landtag (1919-20), doch gelang ihr 1920 die Wiederwahl nicht. K. kehrte nach Ffm. zurück und wirkte fortan als nebenamtliche Dozentin und Mitglied des Prüfungsausschusses an „ihrem“ Frauenseminar. Zugleich widmete sie sich sozialwissenschaftlichen Studien und trat als Rednerin auf, gern zu ihren ureigenen Themen Frauenarbeit, Frauenbildung, Wohlfahrtspflege. Im Zuge der „Gleichschaltung“ des Frauenseminars durch die Nationalsozialisten wurde K., obwohl schon für 1933 als Prüferin wiederberufen, als „politisch unzuverlässig“ entlassen. Sie widmete sich weiter Forschungsarbeiten, konnte aber kaum mehr publizieren. Die Kriegsjahre erlebte sie in Ffm. Ihre Gesundheit war stark angegriffen, sie litt an Demenz und starb 1948 im Altenpflegeheim Aumühle in Wixhausen bei Darmstadt.
Durch mehrere Ortswechsel ihres Vaters bedingt, wuchs K. in verschiedenen kleinen bayerischen Landgemeinden auf. Nach dem Volksschulbesuch in Birnbach und Trostberg verließ sie 1888 ihr Elternhaus, um in München an der Kreislehrerinnenanstalt eine Ausbildung zur Lehrerin zu machen. Seit 1892, damals 18 Jahre alt, war sie zunächst als „Schulgehilfin“, dann als Hilfslehrerin in niederbayrischen Dörfern eingesetzt. 1900 wurde sie, nun als Volksschullehrerin in München tätig, in den Staatsdienst übernommen. Sie holte 1904/05 das Abitur nach, und ab dem Wintersemester 1905/06 studierte sie Philosophie und Staatswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sie kam mit der bayerischen bürgerlichen Frauenbewegung in Kontakt, war Mitglied im Münchener Lehrerinnenverein und im Verein Frauenbildung – Frauenstudium und publizierte in Organen der Frauenbewegung. Mehrfach für ihr Studium vom Schuldienst beurlaubt, promovierte K. 1911 bei Lujo Brentano „summa cum laude“ mit der Arbeit „Das Leben der jungen Fabrikmädchen in München“, wofür sie einige Zeit inkognito deren Arbeitswelt geteilt hatte. Die vielbeachtete Studie erschien in der Schriftenreihe des Vereins für Sozialpolitik. Danach trieb K. weiterführende Studien, hielt Vorträge und publizierte Aufsätze: Sie gilt heute als eine der Protagonistinnen der empirischen Sozialforschung. 1913 bewarb sich K. erfolgreich beim Ffter Institut für Gemeinwohl um die Stelle eines „wissenschaftlichen Assistenten“ – für die Leitung des in Gründung befindlichen Frauenseminars für soziale Berufsarbeit (heute: Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Fft. University of Applied Sciences). Zum 1.1.1914 schied sie aus dem bayerischen Schuldienst aus. Als Gründungsdirektorin des Frauenseminars war es an ihr, die Einrichtung trotz der schwierigen Kriegsverhältnisse binnen weniger Jahre zur Blüte zu bringen. K. engagierte sich sowohl im Verband Ffter Frauenvereine als auch im Bund Deutscher Frauenvereine. 1917 wechselte sie nach Düsseldorf, um dort an der Gründung der Niederrheinischen Frauenakademie mitzuwirken. Persönliche Differenzen mit ihrem Leitungskollegen ließen sie 1918 Düsseldorf verlassen. K. wandte sich nach München, um sich in der Politik zu engagieren und etwa das Frauenwahlrecht durchzusetzen. Langjähriges Mitglied der DDP (auf Reichsebene) bzw. der DVP/DDP (in Bayern), saß sie zunächst im bayerischen Provisorischen Nationalrat (1918-19) und in der Ära Kurt Eisner als Abgeordnete im Bayerischen Landtag (1919-20), doch gelang ihr 1920 die Wiederwahl nicht. K. kehrte nach Ffm. zurück und wirkte fortan als nebenamtliche Dozentin und Mitglied des Prüfungsausschusses an „ihrem“ Frauenseminar. Zugleich widmete sie sich sozialwissenschaftlichen Studien und trat als Rednerin auf, gern zu ihren ureigenen Themen Frauenarbeit, Frauenbildung, Wohlfahrtspflege. Im Zuge der „Gleichschaltung“ des Frauenseminars durch die Nationalsozialisten wurde K., obwohl schon für 1933 als Prüferin wiederberufen, als „politisch unzuverlässig“ entlassen. Sie widmete sich weiter Forschungsarbeiten, konnte aber kaum mehr publizieren. Die Kriegsjahre erlebte sie in Ffm. Ihre Gesundheit war stark angegriffen, sie litt an Demenz und starb 1948 im Altenpflegeheim Aumühle in Wixhausen bei Darmstadt.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Hanna Eckhardt.
Lexika:
Ebnet: Sie haben in München gelebt 2016, S. 315.
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Gr. Bayerische Biographische Enzyklopädie 2, S. 1003.
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Peter Reinicke in: Who is who der Sozialen Arbeit, S. 294f.
Literatur:
Eckhardt/Eckhardt: Meta Quarck-Hammerschlag 2016, S. 118, 122-126, 132, 135, 148f., 158, 165.
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Eckhardt, Dieter/Eckhardt, Hanna: Das „Frauenseminar für soziale Berufsarbeit“/Die „Wohlfahrtsschule für Hessen-Nassau und Hessen“ 1913-1933. In: Fachbereich Soziale Arbeit u. Gesundheit d. FH Ffm.: 100 Jahre Ausbildung für soziale Berufe 2014, S. 11-108; darin auch eine Kurzbiographie von Rosa Kempf, S. 21f.
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Keller, Marion: Frau Dr. rer. pol. Rosa Kempf: Wissenschaftlerin, (Sozial-)Politikerin und Gründungsdirektorin des „Frauenseminars für soziale Berufsarbeit“. In: Fachbereich Soziale Arbeit u. Gesundheit d. FH Ffm.: 100 Jahre Ausbildung für soziale Berufe 2014, S. 109-157; darin auch eine Bibliographie der Schriften von Rosa Kempf, S. 147-153.
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Sommer, Karin: „Sieg des Geistes über die Brutalität – dann sind wir frei“. Rosa Kempf 8. 2. 1874 – Februar 1948. In: Maximilianeum 14 (2002), Nr. 5, S. 67 u. 77.
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Reinicke: Ausbildungsstätten d. sozialen Arbeit 2012.
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Reining, Elke: Rosa Kempf (1874-1948). Ihr Kampf für die Rechte der Frauen. In: Zs. f. bayer. Landesgeschichte 64 (2001), H. 1, S. 149-168.
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Reining, Elke: Aspekte einer Biografie: Zur Erinnerung an Rosa Kempf (1874-1948). In: Zs. f. Sozialreform 44 (1998), H. 1, S. 22-45.
Quellen:
ISG, Seminar für soziale Berufsarbeit, V6/1, 14 u. 28.
Internet:
Wikipedia, 4.8.2017.
GND: 120865734 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Eckhardt, Hanna: Kempf, Rosa. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/9936.
Stand des Artikels: 14.2.2018
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 08.2017
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. August 2017.