Eberhard Friedrich Walcker
Ölgemälde von Alexander Bruckmann (1850; in Privatbesitz).
Foto: Gerhard Walcker-Mayer.
© Gerhard Walcker-Mayer, Orgelbau, Kleinblittersdorf.
Walcker, Eberhard Friedrich. Orgelbauer.
* 3.7.1794 (Stuttgart-Bad) Cannstatt, † 2.10.1872 Ludwigsburg.
Begründer eines weltweit tätigen Orgelbauunternehmens in Ludwigsburg, das unter seiner Leitung allein nach Ffm. 17 neue Orgeln (1832-71) lieferte. Ab 1821 selbstständig, erwarb sich W. bald einen guten Ruf im Stuttgarter Raum. Ein entscheidender Erfolg gelang ihm, als er sich als noch relativ unbekannter Meister um den Großauftrag für die Orgel der Paulskirche in Ffm. bewarb und ihn in vierjähriger Bauzeit, teils in Ludwigsburg, teils in Ffm., mit glänzendem Ergebnis realisierte (1829-33). Das Angebot der Stadt, seine Werkstatt nach Ffm. zu verlegen, schlug er aus. Damit begann sein beispielloser Aufstieg, der mit internationalen Aufträgen in Europa (bis nach Russland) und Nordamerika verbunden war. Mit seiner Werkstatt, die auch ein gesuchter Ausbildungsbetrieb war, setzte W. Maßstäbe für die Entwicklung des deutschen Orgelbaus im 19. Jahrhundert.
W.s Bedeutung als Orgelbauer beruht auf der geglückten Synthese von konservativer Haltung und fortschrittlichen Ideen, die zu konstruktiven Verbesserungen und letztlich zur klanglichen Vollendung der „romantischen Orgel“ führte. Unterschätzt werden meist seine Leistungen als Gehäusearchitekt mit einem eigenen, unverwechselbaren Stilempfinden, das im Klassizismus wurzelte. Orgeln von W. in Ffm. (wobei die römische Ziffer die Zahl der Manuale, die arabische nach dem Schrägstrich die Zahl der Register angibt): Paulskirche, III/74 (1829-33); Dom, Interimsorgel, I/12 (1850); Deutsch-reformierte Kirche, III/46 (1854); Katharinenkirche, III/52 (1857); Dom, III/52 (1857); Theater, I/4 (1857); Weißfrauenkirche, II/24 (1857); Alte Nikolaikirche, I/17 (1858); Französisch-reformierte Kirche, II/21 (1859); Hauptsynagoge, II/37 (1859); Versorgungshaus, I/8, 1862; Liebfrauenkirche, III/35 (1864); Anstalt für Irre und Epileptische, I/5 (1864); Heiliggeistspital, I/8 (1865); Leonhardskirche, II/26 (1867); Saalbau, III/45 (1872); Peterskirche, II/18 (1873).
Das Unternehmen in Ludwigsburg wurde bis zum Jahr 1916 von fünf Söhnen W.s fortgeführt. Danach erschloss der Enkel Oscar W. (1869-1948) als Alleininhaber der Firma neue internationale Märkte. Ab 1948 leitete dessen Enkel Werner W.-Mayer (1923-2000) das Unternehmen, das im deutschen Nachkriegsorgelbau erneut eine bedeutende Rolle spielte. Das Gesamtwerkverzeichnis der Ludwigsburger Firma zählt rund 6.000 Opera; davon wurden rund 130 Orgeln in die Stadt Ffm. und ihre Stadtteile geliefert. Spätere Orgeln der Firma W. in Ffm.: Opernhaus, I/10 (1880); Dr. Hoch’s Konservatorium, II/13 (1888); Dom, III/55 (als erste große pneumatische Kegelladenorgel aus dem Hause W., 1891); Neue Peterskirche, III/35 (1895), III/55 (1964); Saalbau, III/48 (1897); Paulskirche, Umbau, III/63 (1899), Provisorium, III/13 (1948); Dreikönigskirche, III/50 (1909); Westendsynagoge, III/48 (1910), III/36 (1950); Lukaskirche, III/65 (1912); Katharinenkirche, IV/55 (1954); Matthäuskirche, III/47 (1956); Erlöserkirche in Oberrad, II/21 (1956); Leonhardskirche, IV/57 (1957) u. a.
W.s Bedeutung als Orgelbauer beruht auf der geglückten Synthese von konservativer Haltung und fortschrittlichen Ideen, die zu konstruktiven Verbesserungen und letztlich zur klanglichen Vollendung der „romantischen Orgel“ führte. Unterschätzt werden meist seine Leistungen als Gehäusearchitekt mit einem eigenen, unverwechselbaren Stilempfinden, das im Klassizismus wurzelte. Orgeln von W. in Ffm. (wobei die römische Ziffer die Zahl der Manuale, die arabische nach dem Schrägstrich die Zahl der Register angibt): Paulskirche, III/74 (1829-33); Dom, Interimsorgel, I/12 (1850); Deutsch-reformierte Kirche, III/46 (1854); Katharinenkirche, III/52 (1857); Dom, III/52 (1857); Theater, I/4 (1857); Weißfrauenkirche, II/24 (1857); Alte Nikolaikirche, I/17 (1858); Französisch-reformierte Kirche, II/21 (1859); Hauptsynagoge, II/37 (1859); Versorgungshaus, I/8, 1862; Liebfrauenkirche, III/35 (1864); Anstalt für Irre und Epileptische, I/5 (1864); Heiliggeistspital, I/8 (1865); Leonhardskirche, II/26 (1867); Saalbau, III/45 (1872); Peterskirche, II/18 (1873).
Das Unternehmen in Ludwigsburg wurde bis zum Jahr 1916 von fünf Söhnen W.s fortgeführt. Danach erschloss der Enkel Oscar W. (1869-1948) als Alleininhaber der Firma neue internationale Märkte. Ab 1948 leitete dessen Enkel Werner W.-Mayer (1923-2000) das Unternehmen, das im deutschen Nachkriegsorgelbau erneut eine bedeutende Rolle spielte. Das Gesamtwerkverzeichnis der Ludwigsburger Firma zählt rund 6.000 Opera; davon wurden rund 130 Orgeln in die Stadt Ffm. und ihre Stadtteile geliefert. Spätere Orgeln der Firma W. in Ffm.: Opernhaus, I/10 (1880); Dr. Hoch’s Konservatorium, II/13 (1888); Dom, III/55 (als erste große pneumatische Kegelladenorgel aus dem Hause W., 1891); Neue Peterskirche, III/35 (1895), III/55 (1964); Saalbau, III/48 (1897); Paulskirche, Umbau, III/63 (1899), Provisorium, III/13 (1948); Dreikönigskirche, III/50 (1909); Westendsynagoge, III/48 (1910), III/36 (1950); Lukaskirche, III/65 (1912); Katharinenkirche, IV/55 (1954); Matthäuskirche, III/47 (1956); Erlöserkirche in Oberrad, II/21 (1956); Leonhardskirche, IV/57 (1957) u. a.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Hermann Fischer.
Lexika:
Theodor Schott in: ADB 40 (1896), S. 657-659.
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Busch/Geuting (Hg.): Lex. d. Orgel 2007, S. 819-821.
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Fischer/Wohnhaas: Lex. süddt. Orgelbauer 1993, S. 443-446.
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Lex. norddt. Orgelbauer 1 (2009), S. 320f.
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Alfred Reichling in: MGG, 2. Aufl., Personenteil 17 (2007), Sp. 389-393.
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Hans Klotz in: MGG 14 (1968), Sp. 141-143.
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Riemann: Musik, Personenteil L-Z (1961), S. 883f.; Ergänzungsbd., Personenteil L-Z (1975), S. 872.
Literatur:
Eggebrecht (Hg.): Orgelwissenschaft u. Orgelpraxis 1980.
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Fischer, Hermann: Die Orgeln der Paulskirche. In: Fischer (Hg.): Von der Barfüßerkirche zur Paulskirche 2000, S. 401-421.
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Fischer: Das Orgelbauergeschlecht Walcker 1966.
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FS Walcker 1991; darin: Werkverzeichnis 1821-1951, S. 78f.
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Fischer, Hermann/Wohnhaas, Theodor: Eberhard Friedrich Walcker, Orgelbauer (1794-1872). In: Lebensbilder aus Schwaben u. Franken 13 (1977), S. 247-266.
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Moosmann/Schäfer: Eberhard Friedrich Walcker 1994.
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Walcker-Hausmitteilung 32 (März 1964), S. 52f.
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Werkverzeichnis 1950-61 in: Walcker-Hausmitteilung 1-45 (1949-93).
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Werkverzeichnis 1961-64 in: Walcker-Hausmitteilung 26 (April 1961), S. 45.
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Walcker, Oscar: Erinnerungen eines Orgelbauers 1948.
Internet:
Wikipedia, 8.11.2016.
GND: 119262347 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Fischer, Hermann: Walcker, Eberhard Friedrich. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/9789.
Stand des Artikels: 9.11.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 11.2016
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. November 2016.