Röckle (auch: Roeckle), Franz. Architekt.
* 15.12.1879 Vaduz (Liechtenstein), † 23.12.1953 Vaduz.
1903 Staatsexamen in Architektur in Stuttgart. Schüler von Theodor Fischer (1862-1938), einem der Gründungsväter des Deutschen Werkbunds und Miterbauer des Berliner Reichstags. Spätestens seit 1908 als freier Architekt in Ffm. tätig. R. machte sich vor allem als Erbauer der Westendsynagoge (1908-10), des Israelitischen Krankenhauses mit Schwesternheim in der Gagernstraße (mit Fritz Voggenberger, 1911-14; schwer beschädigt bei dem Luftangriff vom 4.10.1943, teilweise wieder instandgesetzt ab 1945, abgerissen 1973-77) und des Instituts für Sozialforschung (1924) einen Namen; außerdem entwarf er 1921 das Grabdenkmal für den Ffter Mäzen Karl Kotzenberg auf dem Ffter Hauptfriedhof. Während R. seit dem Bau der Westendsynagoge einen historisierend-eklektizistischen Stil (teilweise unter Verwendung ägyptisch-assyrischer Elemente) verfolgt hatte, begann mit dem Institut für Sozialforschung im monumental-neoklassizistischen Stil „die linke Phase“ des Architekten. Von 1924 bis 1932 arbeitete er unter Stadtbaumeister Ernst May an dem Projekt des „Neuen Fft.“ mit. In diesen Jahren realisierte R. in Ffm. den Hallgartenblock im Nordend (1924-26), das Wohnhaus Braubachstraße 14-16 (1926) und die Siedlung Raimundstraße (Mavest-Block, 1926/29) sowie die Heimat- (1927-30), Teller- (1927) und Friedrich-Ebert-Siedlung (1930/32); zudem war er an der Planung der Siedlung Goldstein (1929-32) beteiligt. Er gilt als Erfinder des Wintergartens im sozialen Wohnungsbau. Seine letzte Arbeit soll das im Heimatschutzstil errichtete Rathaus in seiner Geburtsstadt Vaduz (1932-33) gewesen sein. Um diese Zeit schloss sich R. dem Nationalsozialismus an und trat in die NSDAP ein. Am 5.4.1933 beteiligte er sich an einem antisemitischen Pogrom in seinem Heimatland Liechtenstein, bei dem er zusammen mit einer Gruppe einheimischer und deutscher Nationalsozialisten ein jüdisches Ehepaar, den Berliner Theaterbesitzer Alfred Rotter (1886-1933) und dessen Frau Gertrud, geb. Leers (1894-1933), in den Tod hetzte. Wegen der „Rotter-Affäre“ mussten sich R. und drei seiner Kumpanen zwar vor Gericht verantworten, aber sie kamen mit einer geringen Haftstrafe davon.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 203, verfasst von: Reinhard Frost (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Sabine Hock).
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Literatur:
Wolfgang Voigt in: AFGK 75 (2016): Akteure des Neuen Fft., S. 165f.
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Über das von Hermann Senf und Franz Roeckle erbaute Büro- und Geschäftshaus Braubachstraße 14-16 (1926): Denkmalpflege in Ffm. 3 (2012-13), S. 28-31.
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Über die von Franz Roeckle erbaute Westendsynagoge (1908-10): Denkmalpflege in Ffm. 4 (2014-16), S. 98f.
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Schomann: Malerviertel 2016, S. 281.
Quellen:
Hans Riebsamen in: FAZ, 10. 12. 2009.
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Heinrich Hochthaler in: FNP, 28. 12. 1996.
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ISG, S2/553.
Internet:
Hist. Lex. d. Fürstentums Liechtenstein, 3.1.2019.
GND: 127859683 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard/Hock, Sabine: Röckle (auch: Roeckle), Franz. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/904.
Stand des Artikels: 3.3.1995