Klingensignatur von Carl Glauth auf einem Sabre Briquet für einen Bataillons-Tambour
Foto: Volker Löbner.
© Historisches Museum Frankfurt (Inv.-Nr. x31218) / Volker Löbner, Sulzbach/Taunus.
Glauth, Carl Heinrich Gerhard. Schwertfeger. Metallgießer. Handelsmann. Militäreffektenfabrikant.
* 3.4.1827 Ffm., † 12.11.1902 Ffm.
Einziger Sohn des Schwertfegers und „Revolutionarius“ Jacob G. (1790-1856) und dessen Ehefrau Charlotte Regina Elisabetha, geb. Heinckel (1790-1869). Aufgewachsen mit sechs Schwestern, von denen die älteste neun Jahre älter, die jüngste ein Jahr jünger als G. war; drei weitere Schwestern starben im Kindesalter. Verheiratet (seit 1853) mit der aus (Mühltal-)Nieder-Ramstadt gebürtigen Anna Elisabetha G., geb. Hammann (1815-1895). Aus der Ehe stammten fünf Kinder.
Der Vater wurde wegen Waffenlieferungen zum Ffter Wachensturm 1833 zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt und nahm nach siebenjähriger Haft 1840 eine Abschiebung („Deportation“) nach Amerika an, sodass G. seit seinem siebten Lebensjahr ohne Vater groß wurde. Die Mutter zog mit den Kindern von der Vilbeler Gasse Lit. C 34 (später Nr. 29) in die Allerheiligengasse Lit. B 144 (später Nr. 46) und betrieb das Schwertfegergewerbe ihres Mannes in Frauen- und Kinderarbeit weiter. Als G. 1848 volljährig wurde und somit das Gewerbe fortführen konnte, ließ die Mutter den Vater für tot erklären. G. erwarb 1848 das Ffter Bürgerrecht als Schwertfegermeister und trat ein Jahr später seinen Militärdienst beim Freiwilligen Löschbataillon an, dem er bis 1866 verbunden blieb. Trotz oder gerade wegen einer Verurteilung wegen „Akzisdefraudation von 10 Maß Kümmelbranntwein“ (verbotener Schnapsbrennerei) wählte man ihn im Dezember 1859 zum Geschworenen der geschenkten Feuerwerker. Sein Uniform-Mantel mit Namensetikett befindet sich im HMF (Inv.-Nr. 31207).
Als Schwertfeger arbeitete G. 1852 in der Bockgasse 8 und zog drei Jahre später in die Fahrgasse 98. Mit dem Handelsmann Weber führte er 1857 ein Geschäft für Jagd- und sonstige Waffen in der Schnurgasse 39. Seit 1861 galt er selbst als „Handelsmann“. Er führte 1866 eine „Fabrik und Handlung von Bekleidung“ am Goetheplatz 12. Zwei Jahre später firmierte er als „Militäreffectenfabrikant“ in der Seilerstraße 2 in unmittelbarer Nähe der Turnanstalt und damit in wirtschaftlich günstiger Lage. 1871 zog der umtriebige Unternehmer an den Roßmarkt 19, schräg gegenüber vom Hotel „Zum Hof von Holland“. Seine Fabrik für Militäreffekten betrieb er mit 20 Arbeitern in der Zeit von 1873 bis 1877 in der Neuen Mainzer Straße 20. G. starb im Alter von 75 Jahren als Privatier in seiner Wohnung in der Schweizer Straße 54a in Sachsenhausen.
Zu den Werken von G. als Schwertfeger gehören insbesondere ein auf der Klinge signierter Infanterie-Offizier-Säbel Modell 1850 nach österreichischem Muster, wie er am 18.1.1860 in Ffm. eingeführt wurde, und der ebenfalls signierte Kavallerie-Offizier-Säbel mit gebläuter und vergoldeter Klinge des Adjutanten Conrad Bansa-Streiber (HMF, Inv.-Nr. x04105). Zu den unsignierten, aber exakt datierbaren Blankwaffen zählt der prächtige Ehrensäbel im Empirestil von „Hermann Peter Hartmann, Lieutenant der freiwilligen Artillerie zu Ffm., 1846“ (HMF, Inv.-Nr. x04328). Ein gleicher Luxussäbel wurde vom Vater signiert (HMF, Inv.-Nr. x13536). Beide Säbelscheiden zeigen u. a. in einer Kartusche mit Trophäen eine Pyramide mit „F“ für Ffm.
Der Vater wurde wegen Waffenlieferungen zum Ffter Wachensturm 1833 zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt und nahm nach siebenjähriger Haft 1840 eine Abschiebung („Deportation“) nach Amerika an, sodass G. seit seinem siebten Lebensjahr ohne Vater groß wurde. Die Mutter zog mit den Kindern von der Vilbeler Gasse Lit. C 34 (später Nr. 29) in die Allerheiligengasse Lit. B 144 (später Nr. 46) und betrieb das Schwertfegergewerbe ihres Mannes in Frauen- und Kinderarbeit weiter. Als G. 1848 volljährig wurde und somit das Gewerbe fortführen konnte, ließ die Mutter den Vater für tot erklären. G. erwarb 1848 das Ffter Bürgerrecht als Schwertfegermeister und trat ein Jahr später seinen Militärdienst beim Freiwilligen Löschbataillon an, dem er bis 1866 verbunden blieb. Trotz oder gerade wegen einer Verurteilung wegen „Akzisdefraudation von 10 Maß Kümmelbranntwein“ (verbotener Schnapsbrennerei) wählte man ihn im Dezember 1859 zum Geschworenen der geschenkten Feuerwerker. Sein Uniform-Mantel mit Namensetikett befindet sich im HMF (Inv.-Nr. 31207).
Als Schwertfeger arbeitete G. 1852 in der Bockgasse 8 und zog drei Jahre später in die Fahrgasse 98. Mit dem Handelsmann Weber führte er 1857 ein Geschäft für Jagd- und sonstige Waffen in der Schnurgasse 39. Seit 1861 galt er selbst als „Handelsmann“. Er führte 1866 eine „Fabrik und Handlung von Bekleidung“ am Goetheplatz 12. Zwei Jahre später firmierte er als „Militäreffectenfabrikant“ in der Seilerstraße 2 in unmittelbarer Nähe der Turnanstalt und damit in wirtschaftlich günstiger Lage. 1871 zog der umtriebige Unternehmer an den Roßmarkt 19, schräg gegenüber vom Hotel „Zum Hof von Holland“. Seine Fabrik für Militäreffekten betrieb er mit 20 Arbeitern in der Zeit von 1873 bis 1877 in der Neuen Mainzer Straße 20. G. starb im Alter von 75 Jahren als Privatier in seiner Wohnung in der Schweizer Straße 54a in Sachsenhausen.
Zu den Werken von G. als Schwertfeger gehören insbesondere ein auf der Klinge signierter Infanterie-Offizier-Säbel Modell 1850 nach österreichischem Muster, wie er am 18.1.1860 in Ffm. eingeführt wurde, und der ebenfalls signierte Kavallerie-Offizier-Säbel mit gebläuter und vergoldeter Klinge des Adjutanten Conrad Bansa-Streiber (HMF, Inv.-Nr. x04105). Zu den unsignierten, aber exakt datierbaren Blankwaffen zählt der prächtige Ehrensäbel im Empirestil von „Hermann Peter Hartmann, Lieutenant der freiwilligen Artillerie zu Ffm., 1846“ (HMF, Inv.-Nr. x04328). Ein gleicher Luxussäbel wurde vom Vater signiert (HMF, Inv.-Nr. x13536). Beide Säbelscheiden zeigen u. a. in einer Kartusche mit Trophäen eine Pyramide mit „F“ für Ffm.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Volker Löbner.
Literatur:
Löbner: Ffter Uniformen 2017, S. 259.
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Löbner/Lombard: Ffter Blankwaffen 2012, erw. Neuaufl. 2016, S. 48, 77, 81, 83, 129-141.
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Sandler: Handbuch d. Leistungsfähigkeit d. gesammten Industrie Deutschlands, Oesterreichs, Elsass-Lothringens u. der Schweiz 1 (1873), 3. Serie, S. 103.
Quellen:
Adr. 1852, S. 101; 1862, S. 113; 1868/69, S. 66.
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Zur Wahl zum Geschworenen der geschenkten Feuerwerker: Intelligenzblatt, Nr. 140, 2. 12. 1859.
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ISG, MA R 1. 348, Bd. 2, Bl. 1-4 (Sachliche Kosten der Polizeiverwaltung für die Uniformierung und Ausrüstung der Schutzmannschaft und ihre Lokalitäten, Kosten für Fouragelieferungen, 1877-87; hier: Auftrag an Carl Heinrich Glauth für die Schutzmannschaft der Stadt Ffm.).
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ISG, Nachlassakten 1853/121 (Glauth, Carl Heinrich Gerhard, Schwertfeger: Einwilligung des Vaters zu seiner Ehe).
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ISG, Rechnei nach 1816, Nr. 515 (hier: Strafsache gegen den hiesigen Schwertfeger Karl Heinrich Gerhard Glauth wegen Akzisdefraudation von 10 Maß Kümmelbranntwein, 1859).
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ISG, Senatssuppl. 506/28 (Glauth, Witwe, geb. Heinckel, Verzicht auf das Meisterrecht zugunsten des Sohns Carl Heinrich Gerhard Glauth, 1848).
GND: 1246049325 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Löbner, Volker: Glauth, Carl Heinrich. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/8553.
Stand des Artikels: 2.6.2021
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2021
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Juni 2021.