Emma Neuhoff-Oppenheimer
Zeichnung von Wilhelm Kalb (um 1927; im Besitz des HMF, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. C30471).
© entfällt. Diese Abbildung ist gemeinfrei.
Neuhoff-Oppenheimer, Emma Catharina (auch: Katharina), geb. Neuhoff. Amtlicher Nachname seit der Heirat 1901: Oppenheimer; seit der Scheidung ab 31.8.1936: Neuhoff. Eigene Namenskreation in der Nachkriegszeit: Emma Karen Neuhoff-Oppenheimer. Spring- und Dressurreiterin.
* 29.4.1881 Ffm., † 2.2.1968 Ffm.
Tochter des Kaufmanns Georg Emil Neuhoff und dessen Ehefrau Karoline, geb. Schäfer, beide evangelisch. Der Vater firmierte im Adressbuch als „Wirtschafts-Agent für Colonialwaren und Cigarren“. Verheiratet (seit 1901) mit Moritz James Oppenheimer (1879-1941). Aus der Ehe stammten zwei Kinder: Paula Herta Oppenheimer (später verh. Spiegler, 1903-1985), Walter Emil Georg Oppenheimer (1904-1972). Beide Kinder wurden konfirmiert.
Emma Neuhoff entstammte eher kleinbürgerlichen Verhältnissen. Sie besuchte in Ffm. die Humboldtschule in der gleichnamigen Straße im Nordend, eine höhere Töchterschule; nach eigener Angabe gehörte dazu ein zusätzliches Schuljahr, die „Selecta“. Sie heiratete den Unternehmer Moritz James Oppenheimer, der ihr den Reitsport ermöglichte. Zudem erwarb er 1922 das Gestüt „Erlenhof“ in (Bad Homburg-)Dornholzhausen; sie kauften berühmte Pferde und bauten eine Zucht erstklassiger Rösser auf. Das brachte ihnen die Beachtung der feinsten Gesellschaft. Es ist möglich, dass sich Emma Oppenheimer bei der Gestütsverwaltung engagiert hat. Sie war ambitioniert: Sie wird beim Reitsprung gezeigt auf einem „Bild“, das die Ffter Stadtverwaltung etwa 1927 bei Wilhelm Kalb (1870-1938), der auf Pferdebilder spezialisiert war, in Auftrag für die Sammlung im Historischen Museum gab (HMF, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. C30471). Für die Organisation Ffter Turniere sei N.-O. „eine der treibenden Kräfte“ gewesen (International Sport 1928/29, S. 98).
Ihr Mann Moritz James Oppenheimer war Jude. Die Umstände der Scheidung am 25.6.1936 sind unbekannt. Nach einer längeren Leidenszeit unter dem NS-Regime beging Oppenheimer am 4.5.1941 Suizid. Bereits zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte Emma Oppenheimer Prokura in der Firma ihres Mannes, der „Mitteldeutschen mech. Papierwarenfabrik Moritz Oppenheimer“, bekommen. Es gibt Hinweise auf eine gesellschaftliche Aktivität von ihr im Rahmen der Kriegsfürsorge 1914/15. Nach zwei Versuchen mit Hotels erschien N. seit dem 1.12.1938 als Mitinhaberin beim Geschäft für Damenmoden „‚Efi‘ Fick & Neuhoff“ in der Kaiserstraße 15. Zuvor hatte dort Minnie Badmann, geb. Hall (1875-?), „das Geschäft für Damenmoden Anna Höchberg“ geführt; Minnie Badmann wurde am 21.10.1941 von Ffm. in das Ghetto Lodz („Litzmannstadt“) deportiert und fiel dem Holocaust zum Opfer. Emma Neuhoff gab bei ihrer Privatadresse zusätzlich „Geschäftsinhaberin“ an (ab Adr. 1939). Sie führte am Ende des Zweiten Weltkriegs einen Rechtsstreit durch alle Instanzen über einen Vermögensanteil in einer GmbH. Sie habe Klavier gespielt und zur Hausmusik eingeladen. Noch offen ist ihr soziales Beziehungsgeflecht.
Emma Oppenheimer war eine gute Spring- und Dressurreiterin, die wahrscheinlich dank sehr guter Pferde wichtige Erfolge bei den „Amazonen“ feiern konnte: Sie war „Champion im Damenspringen der Jahre 1920, 1921, 1922 und 1923“ in Deutschland [Roeingh (Hg.): Dt. Turnier- u. Herrenreiter in Wort u. Bild 1924, S. 10] und gewann zum fünften Mal hintereinander auch 1924 dieses „Championat“; dies war der erste Platz in der Gesamtwertung eines Jahres. Damals gehörte sie darüber hinaus kurzzeitig zu den besten Dressurreiterinnen. Für diese Leistungen sei sie hart gegen sich selbst gewesen und habe Stürze hingenommen. Für ihre internationale Beteiligung findet sich ein Nachweis an der Dressur in Malmö 1923. (Ihre Tochter Paula Oppenheimer nahm Spitzenplätze als Dressurreiterin in der ersten Hälfte der 1920er Jahre ein und belegte auch gute Plätze beim Springreiten. Der Sohn Walter Oppenheimer ritt Jagdspringen.) Die Karriere von N.-O. endete vielleicht abrupt; es ist offen, warum sie nach 1924 nicht mehr gewonnen hat und nicht mehr in den Listen erfolgreicher Reiterinnen erscheint. Lag es am Lebensalter, an ihren Verletzungen, am Fehlen exzellenter Pferde? (Ihre Tochter ist 1925 und 1926 noch erfolgreich gewesen, aber danach anscheinend auch nicht mehr.)
Emma Oppenheimer vertrat den Damensattel, der jedoch 1928 für schwere Springen verboten wurde. Für sie war das Pferd zu zwei Dritteln für den Erfolg beim Turnier verantwortlich: Sie legte Wert auf die Beachtung der Psyche des Pferdes. Sie schätzte ihre „Reittrophäen“ in der Fuchsjagd am höchsten ein, zeigte zugleich Verständnis für das Leiden des Fuchses. Die Oppenheimer waren stolz auf ihre Renn- und Reitpferde, darunter Angelina, Atalante, Athanasie, Deutsche Ehre, Dewadashi, Feuer, Formosa, Galleria Borghese, Harro, Himmelskönig, Lady Pride, Laland, Libertas, Livorno, Margaritona d’Arezzo, Norderney, Normanne, Pompon, Sennerin, Serapis, Teufelsrose, Teutone, Vervirag, Volterrra, Zwergkönig.
Emma Neuhoff entstammte eher kleinbürgerlichen Verhältnissen. Sie besuchte in Ffm. die Humboldtschule in der gleichnamigen Straße im Nordend, eine höhere Töchterschule; nach eigener Angabe gehörte dazu ein zusätzliches Schuljahr, die „Selecta“. Sie heiratete den Unternehmer Moritz James Oppenheimer, der ihr den Reitsport ermöglichte. Zudem erwarb er 1922 das Gestüt „Erlenhof“ in (Bad Homburg-)Dornholzhausen; sie kauften berühmte Pferde und bauten eine Zucht erstklassiger Rösser auf. Das brachte ihnen die Beachtung der feinsten Gesellschaft. Es ist möglich, dass sich Emma Oppenheimer bei der Gestütsverwaltung engagiert hat. Sie war ambitioniert: Sie wird beim Reitsprung gezeigt auf einem „Bild“, das die Ffter Stadtverwaltung etwa 1927 bei Wilhelm Kalb (1870-1938), der auf Pferdebilder spezialisiert war, in Auftrag für die Sammlung im Historischen Museum gab (HMF, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. C30471). Für die Organisation Ffter Turniere sei N.-O. „eine der treibenden Kräfte“ gewesen (International Sport 1928/29, S. 98).
Ihr Mann Moritz James Oppenheimer war Jude. Die Umstände der Scheidung am 25.6.1936 sind unbekannt. Nach einer längeren Leidenszeit unter dem NS-Regime beging Oppenheimer am 4.5.1941 Suizid. Bereits zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte Emma Oppenheimer Prokura in der Firma ihres Mannes, der „Mitteldeutschen mech. Papierwarenfabrik Moritz Oppenheimer“, bekommen. Es gibt Hinweise auf eine gesellschaftliche Aktivität von ihr im Rahmen der Kriegsfürsorge 1914/15. Nach zwei Versuchen mit Hotels erschien N. seit dem 1.12.1938 als Mitinhaberin beim Geschäft für Damenmoden „‚Efi‘ Fick & Neuhoff“ in der Kaiserstraße 15. Zuvor hatte dort Minnie Badmann, geb. Hall (1875-?), „das Geschäft für Damenmoden Anna Höchberg“ geführt; Minnie Badmann wurde am 21.10.1941 von Ffm. in das Ghetto Lodz („Litzmannstadt“) deportiert und fiel dem Holocaust zum Opfer. Emma Neuhoff gab bei ihrer Privatadresse zusätzlich „Geschäftsinhaberin“ an (ab Adr. 1939). Sie führte am Ende des Zweiten Weltkriegs einen Rechtsstreit durch alle Instanzen über einen Vermögensanteil in einer GmbH. Sie habe Klavier gespielt und zur Hausmusik eingeladen. Noch offen ist ihr soziales Beziehungsgeflecht.
Emma Oppenheimer war eine gute Spring- und Dressurreiterin, die wahrscheinlich dank sehr guter Pferde wichtige Erfolge bei den „Amazonen“ feiern konnte: Sie war „Champion im Damenspringen der Jahre 1920, 1921, 1922 und 1923“ in Deutschland [Roeingh (Hg.): Dt. Turnier- u. Herrenreiter in Wort u. Bild 1924, S. 10] und gewann zum fünften Mal hintereinander auch 1924 dieses „Championat“; dies war der erste Platz in der Gesamtwertung eines Jahres. Damals gehörte sie darüber hinaus kurzzeitig zu den besten Dressurreiterinnen. Für diese Leistungen sei sie hart gegen sich selbst gewesen und habe Stürze hingenommen. Für ihre internationale Beteiligung findet sich ein Nachweis an der Dressur in Malmö 1923. (Ihre Tochter Paula Oppenheimer nahm Spitzenplätze als Dressurreiterin in der ersten Hälfte der 1920er Jahre ein und belegte auch gute Plätze beim Springreiten. Der Sohn Walter Oppenheimer ritt Jagdspringen.) Die Karriere von N.-O. endete vielleicht abrupt; es ist offen, warum sie nach 1924 nicht mehr gewonnen hat und nicht mehr in den Listen erfolgreicher Reiterinnen erscheint. Lag es am Lebensalter, an ihren Verletzungen, am Fehlen exzellenter Pferde? (Ihre Tochter ist 1925 und 1926 noch erfolgreich gewesen, aber danach anscheinend auch nicht mehr.)
Emma Oppenheimer vertrat den Damensattel, der jedoch 1928 für schwere Springen verboten wurde. Für sie war das Pferd zu zwei Dritteln für den Erfolg beim Turnier verantwortlich: Sie legte Wert auf die Beachtung der Psyche des Pferdes. Sie schätzte ihre „Reittrophäen“ in der Fuchsjagd am höchsten ein, zeigte zugleich Verständnis für das Leiden des Fuchses. Die Oppenheimer waren stolz auf ihre Renn- und Reitpferde, darunter Angelina, Atalante, Athanasie, Deutsche Ehre, Dewadashi, Feuer, Formosa, Galleria Borghese, Harro, Himmelskönig, Lady Pride, Laland, Libertas, Livorno, Margaritona d’Arezzo, Norderney, Normanne, Pompon, Sennerin, Serapis, Teufelsrose, Teutone, Vervirag, Volterrra, Zwergkönig.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Gunter Stemmler.
Artikel in: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 96, verfasst von: Reinhard Frost.
Lexika:
Über den Ehemann Moritz Oppenheimer: Reichshdb. 1930/31, S. 1364.
Literatur:
International Sport 1928/29.
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Jb. aller in Deutschland veranstalteten Preisbewerbungen im Reit- und Fahr-Sport 2 (1920), S. 261.
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Jb. f. Halbblutprüfungen 3 (1921), S. 275.
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Jb. f. Prüfungen d. Warmblutpferdes 4 (1922), S. 68; 5 (1923), S. 163; 6 (1924), S. 208.
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Koch, Alexandra: Frauen im Pferdesport. Außenseiterinnen, Amazonen, Weltranglistenerste. In: Pferdesport-Journal 69 (2017), H. 11, S. 88-91, hier S. 89.
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Oppenheimer, Emma: Etwas über Damenreitsport: In: Roeingh (Hg.): Das Dt. Reiterbuch 1929, S. 58-60.
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Roeingh (Hg.): Dt. Turnier- u. Herrenreiter in Wort u. Bild 1924, S. 10f.
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Rundschau für Vollblutzucht u. Rennsport 7 (1929/30), S. 148f. (m. Abb. der von Wilhelm Kalb stammenden Zeichnung von Emma Oppenheimer).
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Schubert (Hg.): Entscheidungen d. Reichsgerichts in Zivilsachen 173 (2008), S. 198-209 (unter „Frau Emma Neuhoff geb. Neuhoff“).
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Sport im Bild 29 (1923), H. 11, S. 340f.
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Kleffel, Walther: Turnier-Jahr 1922. In: Sport im Bild 27 (1921), H. 43, S. 1690.
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St. Georg 25 (1924/25), H. 30 [d. i. das 3. Heft in 1925], S. 18.
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Oppenheimer, Emma: Meine Pferde. In: St. Georg 25 (1924/25), H. 1, S. 55-60.
Quellen:
Adr. 1938, T. IV, S. 53.
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Eintrag zur Fa. Anna Höchberg, Inh. Minnie Badmann, geb. Hall: Adr. 1939, T. III, S. 73; 1940, T. I, S. 142, 521 u. T. IV, S. 52; 1941, T. I, S. 143, 516 u. T. IV, S. 52; 1942, T. I, S. 143, 508 u. T. IV, S. 52; 1943, T. I, S. 145, 516 u. T. II, S. 49; 1949, S. 409; 1951/52, T. II, S. 552; 1953, T. II, S. 570; 1955, T. II, S. 601; 1960, T. II, S. 850; 1964/65, T. II, S. 869.
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Mitteldeutsche mech. Papierwarenfabrik Moritz Oppenheimer. Der Ehefrau (…) ist Einzelprokura erteilt. In: Amtsbl. für Ffm. 46 (1914), Nr. 32a (13. 8. 1914), S. 278.
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Aufruf an die Frauen von Fft. In: Die Fackel, 10. 4. 1915, S. 3.
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Bestattungstermine in: FAZ, 8. 2. 1968, S. 23.
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Von Fft. und Frankfurtern. In: FAZ, 28. 4. 1951, S. 12.
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Thomasius, Jutta W.: Zwischen Salon und Tattersall. Emma Neuhoff-Oppenheimer 85 Jahre. In: FNP, 29. 4. 1966.
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lk: Die „grande Dame“ der Turniere. Emma Neuhoff-Oppenheimer wird 85/Liebe zum Pferd und zur Musik. In: FR, 28. 4. 1966.
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Einzeichnungen zur Neujahrs-Ablösung des Ffter Armen-Vereins. In: FZ, Nr. 1, 1. 1. 1914, Drittes Morgenblatt, S. 5.
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HLA, Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Entschädigungsakten, Best. 518 Nr. 9281, Bd. 1-3 (Moritz James Oppenheimer, 1950-86).
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HLA, Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Entschädigungsakten, Best. 518 Nr. 11289, Bd. 1-3 (Emma Katharina Neuhoff-Oppenheimer, geb. Neuhoff, 1950-68, 1983-85).
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HLA, Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Steuerakten, Best. 685 Nr. 627 (Moritz Oppenheimer und Emma Oppenheimer, geb. Neuhoff, 1941-43).
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Eintrag der Heirat mit Moritz James Oppenheimer, 17. 12. 1901 (unter Vermerk der Scheidung am 25. 6. 1936): ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch, Bestand STA 11/296: Standesamt Ffm. I, Heiratsurkunde 1901/I/2570 (Bd. 8, Bl. 155).
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ISG, NS-Verfolgte 4. 778.
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ISG, S2/5. 185.
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ISG, S2/13. 779 (Moritz James Oppenheimer).
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ISG, Wirtschaftsarchiv, Firmenarchive, Oppenheimer’sche Papierwarenfabriken, W1/58, Nr. 29 (Reichsgerichtsurteil im Rechtsstreit zwischen Otto Zier und Emma Neuhoff, betr. den Geschäftsanteil von Dr. Walter Oppenheimer, 1944).
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Mitteilungen von Hiltraut Bergmann, Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), Warendorf, Oktober und November 2022.
Internet:
Hess. Biografie, 9.1.2023.
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Hist. Ges. d. Dt. Bank, 9.1.2023.
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ISG, 9.1.2023.
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Stolpersteine in Ffm., 9.1.2023.
GND: 1124713808 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard/Stemmler, Gunter: Neuhoff-Oppenheimer, Emma. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/633.
Stand des Artikels: 17.1.2023
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 01.2023
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Januar 2023.