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Weil, Gotthold

Gotthold Weil

Gotthold Weil
Fotografie von Alfred Bernheim (um 1946).

© The Pritzker Family National Photography Collection, The National Library of Israel, Abraham Schwadron collection.

Weil, Gotthold Eljakim. Prof. Dr. phil. Orientalist. Bibliothekar. * 13.5.1882 Berlin, † 25.4.1960 Jerusalem.
Sohn des Lehrers David W. und dessen Ehefrau Henriette, geb. Weyl. Verheiratet in erster Ehe (seit 1913) mit Frieda W., geb. Dresel (?-1918), in zweiter Ehe (seit 1922) mit Harriet W., geb. Levy (1881-1964). Eine Tochter (Eva, * 1914) und ein Sohn (Götz, * 1916) aus erster Ehe.
1900 Abitur am Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin. Studium der Geschichte und orientalischen Philologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, u. a. bei dem Arabisten Eduard Sachau, bei Friedrich Delitzsch und Josef Horovitz, dem Begründer der Orientalistik an der Universität Ffm. Dissertation („Die Behandlung des Hamza-Alif im Arabischen (...)“, Berlin 1905, im Druck 1905) und Habilitation („Die grammatischen Schulen von Kufa und Basra“, Berlin 1912, im Druck 1913) zur arabischen Grammatik; später erweiterte W. sein Wissensgebiet auf die Turksprachen (Osmanisch und Tatarisch). Seit 1906 Mitarbeiter der Berliner Staatsbibliothek. Ab 1913 Lehrtätigkeit an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, später auch Mitglied von deren Kuratorium. Persönliche Bekanntschaft mit Martin Buber und Ismar Elbogen. Während des Ersten Weltkriegs Tätigkeit als Zensor und dadurch Bewahrung vor dem Fronteinsatz. Von 1918 bis 1931 Direktor der Orientalischen Abteilung an der Berliner Staatsbibliothek. Seit 1920 Honorarprofessor in Berlin. 1927/28 Forschungsreise nach Ägypten, Palästina, Syrien und in den Iran. 1931 Ruf an die Universität Ffm. in der Nachfolge des verstorbenen Josef Horovitz, seit 1932 als ordentlicher Professor für semitische Philologie und Direktor des Orientalischen Seminars. Aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung lehrte W. nur fünf Semester an der Ffter Universität. Nach Erlass des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurde er im Wintersemester 1933/34 zunächst von der Lehrtätigkeit entbunden und zwei Semester später zwangsweise in den Ruhestand versetzt. 1935 emigrierte er nach Palästina, wo er bis zu seiner Pensionierung 1946 die Jüdische National- und Universitätsbibliothek an der Hebräischen Universität in Jerusalem ausbaute und leitete; außerdem lehrte er als Professor für arabische und türkische Philologie an dieser Universität. Bereits seit 1924 hatte W., der ein gemäßigter Zionist war, dem deutschen Landeskomitee zur Etablierung einer Universität in Palästina angehört. Einen Ruf dorthin hatte er früher zweimal (1925 und 1931) abgelehnt, zuletzt zugunsten der ordentlichen Professur in Ffm.
Wissenschaftspolitisch vertrat W., wie viele deutsche Zionisten, das Ziel eines „antinationalen Nationalismus“; er plädierte für den Aufbau einer bilingualen Universität in Palästina im Geiste der humanistischen Tradition mit Arabisch und Hebräisch als gleichberechtigten Wissenschaftssprachen.
Zahlreiche Veröffentlichungen in seinen Forschungsgebieten. Besondere Verbreitung fand seine „Grammatik der osmanisch-türkischen Sprache“ (1917).
Nachlass in der Israelischen Nationalbibliothek (bis 2010: Jüdische National- und Universitätsbibliothek) in Jerusalem.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Gudrun Jäger.

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Engelhardt, Arndt/Zepp, Susanne (Hg.): Sprache, Erkenntnis und Bedeutung – Deutsch in der jüdischen Wissenskultur. Leipzig 2015. (Leipziger Beiträge zur jüdischen Geschichte und Kultur 9/2011).
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Espagne, Michel/Simon-Nahum, Perrine (Hg.): Passeurs d’Orient. Les Juifs dans l’orientalisme. Paris 2013.
| Overhoff, Edith: Gotthold Weil und die Universität Fft. In: Ffter Hefte 37 (1982), H. 5, S. 8-12.
Ffter Hefte. Zeitschrift für Kultur und Politik. Hg. v. Eugen Kogon [u. a.]. 39 Jahrgänge. Ffm. 1946-84.
| Hammerstein: JWGU I 1989, S. 220, 798.
Hammerstein, Notker: Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Ffm. Von der Stiftungsuniversität zur staatlichen Hochschule. Bd. I: 1914 bis 1950. Neuwied/Ffm. 1989.
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Ausgegrenzte Kompetenz. Porträts vertriebener Orientalisten und Orientalistinnen 1933-1945. Eine Hommage anläßlich des XXVIII. Deutschen Orientalistentags in Bamberg, 26.-30. März 2001. Zusammengestellt v. Ludmilla Hanisch. Hg. v. Hanne Schönig. Halle 2001.
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| George, Dieter: Gotthold Weil, der erste Direktor der Orientalischen Abteilung der preußischen Staatsbibliothek 1918-1931. In: Mitteilungen d. Staatsbibl. Preuß. Kulturbesitz 14 (1982), H. 2, S. 59-61.
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| Mangold-Will, Sabine: Gotthold Weil, die Orientalische Philologie und die deutsche Wissenschaft an der Hebräischen Universität. In: Naharaim 8 (2014), H. 1, S. 74-90.
Naharaim. Zeitschrift für deutsch-jüdische Literatur und Kulturgeschichte / Journal of German-Jewish Literature and Culture History. Hg.: Franz Rosenzweig Minerva Research Centre, The Hebrew University Jerusalem. Bisher 10 Bände. Berlin 2007-16.
| Wer ist wer? 1935, S. 1701; 1958, S. 1347f.
Wer ist’s? [Titel ab 1935 auch: Degeners Wer ist’s? Mit wechselnden Unter- bzw. Übertiteln, u. a.: Unsere Zeitgenossen. / Zeitgenossenlexikon. / Who’s Who in Germany?] Gründungsherausgeber: Hermann A. L. Degener. 1.-10. Ausgabe. Leipzig u. a. 1905-35. Fortgesetzt u. d. T.: Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 11.-52. Ausgabe. Berlin u. a. 1951-2015/16.
Quellen: ISG, S2/8. 486.
ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).
Internet: Wikipedia, 31.10.2017.
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Hg.: Wikimedia Foundation Inc., San Francisco/Kalifornien (USA).
https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthold_Weil

GND: 117251135 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).

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Empfohlene Zitierweise: Jäger, Gudrun: Weil, Gotthold. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/4233.


Stand des Artikels: 10.11.2017
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 11.2017
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. November 2017.
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