Ludwig Joseph
Passfoto aus dem Mitgliedsausweis der Jüdischen Gemeinde Ffm. (1946).
© Jüdisches Museum Frankfurt (Nachlass Ludwig Joseph, B 1987/225).
Joseph, Ludwig. Journalist. Kaufmann.
* 6.12.1908 (Darmstadt-)Eberstadt, † 28.8.1987 Ffm.
Die Familie von J. stammte aus Eberstadt (seit 1937 Darmstadt-Eberstadt) in der Provinz Starkenburg. Sohn von Samuel J. und dessen Ehefrau Frieda, geb. Meyer.
J. besuchte die Volksschule in Eberstadt und anschließend das Realgymnasium in Darmstadt. Nach dem Schulabschluss 1924 absolvierte er eine Ausbildung zum Kaufmann in Worms. Zeitweise wohnte er in Mannheim, bevor er 1928 aus beruflichen Gründen in die Niederlande auswanderte und sich in Amsterdam niederließ.
Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 befand sich J. als Jude und Kommunist in akuter Gefahr. Er schloss sich dem antifaschistischen Widerstand an und lebte seit Juli 1942 in der Illegalität. In dieser Zeit arbeitete er für die kommunistische Tageszeitung „De Waarheid“. Im Juli 1946 schrieb er über die Zeit im Untergrund: „Ich war nämlich der Meinung, dass ich mit 90 % Wahrscheinlichkeit durch die Nazis liquidiert werden würde, und wollte auf jeden Fall wissen, wofür. Ich hatte deshalb meine Finger in allen möglichen Widerstands- und Sabotageangelegenheiten.“ Bis zur Befreiung der Niederlande durch die alliierten Streitkräfte lebte er klandestin in wechselnden Unterkünften in Amsterdam, Den Haag und Haarlem. Bisweilen blieb er ohne Obdach. Im Entschädigungsverfahren beim Regierungspräsidium Wiesbaden wurde J. zeitweise durch den Rechtsanwalt Erich Cohn-Bendit (1902-1959) vertreten. Er erhielt schließlich Entschädigung wegen Freiheitsbeschränkung in den Jahren 1942 bis 1944.
Ab Oktober 1945 lebte J. in Ffm. Er war von 1949 bis 1954 Geschäftsführer des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Von 1955 bis 1974 leitete er als Geschäftsführer die Jüdische Darlehenskasse mit Sitz in Ffm., die Kredite für Existenzgründungen vergab.
J. war beim Gründungstreffen des Zentralrats der Juden in Deutschland am 19.7.1950 im Ffter Philanthropin anwesend. Für die Ffter Gemeinde nahm er temporär an den jährlichen Ratsversammlungen des Zentralrats teil.
J. gehörte von 1960 bis 1978 ohne Unterbrechung dem Gemeinderat der Jüdischen Gemeinde Ffm. an. Von 1963 bis 1965 war er als Vorstandsmitglied für das jüdische Altenheim an der Bornheimer Landwehr zuständig. Er wurde mehrfach zum Vorsitzenden des Gemeinderats gewählt. In dieser Funktion wusste er stets zwischen den verschiedenen Wahlbündnissen zu vermitteln. Im Nachruf von Sophie Remmlinger und Salomon Korn heißt es: „Er war ein gefürchteter, aber auch geachteter und respektierter Debattenredner, seine geschliffenen Diskussionsbeiträge brachten manche Auseinandersetzung im Gemeinderat auf den Punkt. Seine stets originellen Reden zeichneten sich durch eine eindrucksvolle Mischung aus schneidender Schärfe und herzerfrischendem Humor aus.“ [Jüd. Gemeindezeitung Fft. 19 (1987), Nr. 7/8, S. 68.]
Von 1934 bis 1945 Mitglied der Kommunistischen Partei der Niederlande. Von 1946 bis zum Ausschluss 1948 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
Mitglied der Arbeiterwohlfahrt und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Vorstandsmitglied der Ignaz und Wanda Lipinski-Stiftung.
Im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit schrieb J. u. a. für die „Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland“, das Ffter Jüdische Gemeindeblatt und „Unsere Stimme. Organ des Verbandes jüdischer Heimatvertriebener und Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland e. V.“. Thematische Schwerpunkte seiner Beiträge waren Rechtsradikalismus und Antisemitismus in der Bundesrepublik. Konflikt mit dem Ffter Schriftsteller Valentin Senger (1918-1997) wegen Falschangaben in dessen Buch „Kurzer Frühling“ (1984). Senger bezeichnete J. darin u. a. als „Jude Nummer eins in Frankfurt“.
1978 Ehrensiegel der Jüdischen Gemeinde Ffm. 1982 Widerstandskreuz (Verzetsherdenkingskruis) der Niederlande.
Beigesetzt auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Ffm.
J. besuchte die Volksschule in Eberstadt und anschließend das Realgymnasium in Darmstadt. Nach dem Schulabschluss 1924 absolvierte er eine Ausbildung zum Kaufmann in Worms. Zeitweise wohnte er in Mannheim, bevor er 1928 aus beruflichen Gründen in die Niederlande auswanderte und sich in Amsterdam niederließ.
Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 befand sich J. als Jude und Kommunist in akuter Gefahr. Er schloss sich dem antifaschistischen Widerstand an und lebte seit Juli 1942 in der Illegalität. In dieser Zeit arbeitete er für die kommunistische Tageszeitung „De Waarheid“. Im Juli 1946 schrieb er über die Zeit im Untergrund: „Ich war nämlich der Meinung, dass ich mit 90 % Wahrscheinlichkeit durch die Nazis liquidiert werden würde, und wollte auf jeden Fall wissen, wofür. Ich hatte deshalb meine Finger in allen möglichen Widerstands- und Sabotageangelegenheiten.“ Bis zur Befreiung der Niederlande durch die alliierten Streitkräfte lebte er klandestin in wechselnden Unterkünften in Amsterdam, Den Haag und Haarlem. Bisweilen blieb er ohne Obdach. Im Entschädigungsverfahren beim Regierungspräsidium Wiesbaden wurde J. zeitweise durch den Rechtsanwalt Erich Cohn-Bendit (1902-1959) vertreten. Er erhielt schließlich Entschädigung wegen Freiheitsbeschränkung in den Jahren 1942 bis 1944.
Ab Oktober 1945 lebte J. in Ffm. Er war von 1949 bis 1954 Geschäftsführer des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Von 1955 bis 1974 leitete er als Geschäftsführer die Jüdische Darlehenskasse mit Sitz in Ffm., die Kredite für Existenzgründungen vergab.
J. war beim Gründungstreffen des Zentralrats der Juden in Deutschland am 19.7.1950 im Ffter Philanthropin anwesend. Für die Ffter Gemeinde nahm er temporär an den jährlichen Ratsversammlungen des Zentralrats teil.
J. gehörte von 1960 bis 1978 ohne Unterbrechung dem Gemeinderat der Jüdischen Gemeinde Ffm. an. Von 1963 bis 1965 war er als Vorstandsmitglied für das jüdische Altenheim an der Bornheimer Landwehr zuständig. Er wurde mehrfach zum Vorsitzenden des Gemeinderats gewählt. In dieser Funktion wusste er stets zwischen den verschiedenen Wahlbündnissen zu vermitteln. Im Nachruf von Sophie Remmlinger und Salomon Korn heißt es: „Er war ein gefürchteter, aber auch geachteter und respektierter Debattenredner, seine geschliffenen Diskussionsbeiträge brachten manche Auseinandersetzung im Gemeinderat auf den Punkt. Seine stets originellen Reden zeichneten sich durch eine eindrucksvolle Mischung aus schneidender Schärfe und herzerfrischendem Humor aus.“ [Jüd. Gemeindezeitung Fft. 19 (1987), Nr. 7/8, S. 68.]
Von 1934 bis 1945 Mitglied der Kommunistischen Partei der Niederlande. Von 1946 bis zum Ausschluss 1948 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
Mitglied der Arbeiterwohlfahrt und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Vorstandsmitglied der Ignaz und Wanda Lipinski-Stiftung.
Im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit schrieb J. u. a. für die „Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland“, das Ffter Jüdische Gemeindeblatt und „Unsere Stimme. Organ des Verbandes jüdischer Heimatvertriebener und Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland e. V.“. Thematische Schwerpunkte seiner Beiträge waren Rechtsradikalismus und Antisemitismus in der Bundesrepublik. Konflikt mit dem Ffter Schriftsteller Valentin Senger (1918-1997) wegen Falschangaben in dessen Buch „Kurzer Frühling“ (1984). Senger bezeichnete J. darin u. a. als „Jude Nummer eins in Frankfurt“.
1978 Ehrensiegel der Jüdischen Gemeinde Ffm. 1982 Widerstandskreuz (Verzetsherdenkingskruis) der Niederlande.
Beigesetzt auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Ffm.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Fedor Besseler.
Literatur:
Freimüller: Fft. u. die Juden 2020, S. 100, 207-210, 238, 439.
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Jüd. Museum Ffm. (Hg.): Jüd. Gemeinde Ffm. 1998, S. 154, 221f.
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Krohn: Juden in Ffm. seit 1945, S. 101, 164f., 280, 327f.
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Senger: Kurzer Frühling 1984, Taschenbuchausgabe 2011, S. 83, 87f.
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Tauber: Zwischen Kontinuität u. Neuanfang. Die Entstehung d. jüdischen Nachkriegsgemeinde in Ffm. 2008, S. 97.
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Zimmermann: Juden in Eberstadt 2019, S. 57.
Quellen:
Arolsen Archives, International Tracing Service (ITS), Bad Arolsen, Sign. 32110000 133. 202, Document ID: 79236445 bis 79236447 (online unter: https://collections. arolsen-archives. org/de/archive/3-2-1-1_32110000-133-202, abgerufen am 5. 1. 2025).
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Hohe Auszeichnung für Ludwig Joseph. In: Ffter Jüd. Gemeindeblatt 15 (1982), Nr. 8-10, S. 17.
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Joseph, Ludwig: Probleme der jüdischen Darlehenskasse Fft. In: Ffter Jüd. Gemeindeblatt 4 (1958), Nr. 6 (Juni), S. 3.
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Ludwig Joseph zum 75. Geburtstag. In: Ffter Jüd. Gemeindeblatt 17 (1984), Nr. 1-3, S. 13.
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Die Juden und Fft. Fernsehfilm von Reinhard Ruttmann in der Reihe „Hessen in unserer Zeit“, ca. 29 Min. (mit einem Interview mit Ludwig Joseph ab 26’20). Hess. Rundfunk (HR), 22. 10. 1964.
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HLA, Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Entschädigungsakten, Best. 518 Nr. 17823.
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Erlebnisbericht von Ludwig Joseph in: Nitzling, Erich/Lang, Margot (Hg.): SPD-Nordend. Geschichten und Episoden aus der Geschichte. Manuskript, um 1990. ISG, Chroniken, S5/523.
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ISG, NS-Verfolgte 3. 049.
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ISG, S2/12. 665.
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JDC Archives, Geneva Collection 1955-1964, Sign. G55-64_CR_085_1137.
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Nachlass: JMF, B 1986/225.
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Remmlinger, Sophie: Sein Andenken wird fortleben. Die jüdische Gemeinde Fft. trauert um Ludwig Joseph s. A. In: Allgemeine jüd. Wochenzeitung ( Jüd. Allgemeine ) 42 (1987), Nr. 37, 11. 9. 1987, S. 11.
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Remmlinger, Sophie/Korn, Salomon: Ludwig Joseph zum Gedenken. In: Jüd. Gemeindezeitung Fft. 19 (1987), Nr. 7/8 (August/September), S. 68.
Empfohlene Zitierweise: Besseler, Fedor: Joseph, Ludwig. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/4184.
Stand des Artikels: 8.1.2025
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 01.2025
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Januar 2025.