Abraham Adler
Ausschnitt aus der Druckgrafik „Untersuchungsgefangene im rheinhessischen Hochverrathsprozesse 1850“ von Georg Meisenbach nach einer Kreidezeichnung von unbekannter Hand (aus Börckel: Mainzer Geschichtsbilder 1890, S. 142; Vorlage des Gesamtbilds von Wikipedia, 17.9.2020).
© entfällt. Diese Abbildung ist gemeinfrei.
Adler, Abraham (Jakob). Dr. phil. Rabbiner. Prediger und Religionslehrer. Publizist.
* 9.7.1811 Worms, † 5.1.1856 Bendorf bei Neuwied.
Sohn des Wormser Rabbiners Isaac A. (1753-1822). Bruder des Rabbiners Samuel A. (1809-1891), der später (seit 1857) als Rabbiner am Temple Emanu-El in New York, der führenden jüdischen Reformgemeinde der USA, wirkte.
Talmudstudium in Worms, Karlsruhe und Würzburg. Studium der Philosophie, Theologie, Geschichte, Literatur und Orientalistik an den Universitäten in Bonn (seit 1833) und Gießen (seit 1835). Tätigkeit als Lehrer an einem Pensionat und später als Privatgelehrter in Ffm., dann (seit 1839) als Erzieher bei einer jüdischen Familie in Groß-Kanizsa (Ungarn). Seit 1842 Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Worms. Zur Sicherung seines Lebensunterhalts gründete und leitete A. außerdem ein Töchterpensionat, das später seine Frau Rahel, geb. Hochstädter (1823-1889), fortführte. Radikaler Verfechter des Reformjudentums. Teilnehmer der I. Rabbinerversammlung in Braunschweig (1844), der II. Rabbinerversammlung in Ffm. (1845) und der III. Rabbinerversammlung in Breslau (1846). Anlässlich der Ffter Versammlung veröffentlichte A. das Pamphlet „Die sieben und siebzig sogenannten Rabbiner und die Rabbiner-Versammlung“ (1845), das für einigen Aufruhr sorgte. Im Revolutionsjahr 1848 engagierte sich A. politisch für Freiheit und Fortschritt. Kurzzeitig (März/April 1848) war er als Redakteur der Wormser Zeitung tätig; von Juni bis Ende 1848 gab er ein eigenes Blatt, die Neue Wormser Zeitung, heraus. In der jüdischen Gemeinde gründete er den radikalen „Verein der Reformfreunde“. Auch gehörte er zu den Unterzeichnern einer von Arnold Ruge veranlassten Denkschrift über die Gründung einer „freien akademischen Universität“, deren Sitz in Ffm. sein sollte. Infolge einer Rede zum Schutz der neuen deutschen Reichsverfassung auf der Volksversammlung zu Horchheim bei Worms am 25.2.1849 wurde A. verhaftet, seines Amtes als Rabbiner enthoben und u. a. wegen Landesverrats angeklagt. Nach seinem Freispruch im rheinhessischen Hochverratsprozess in Mainz und seiner Begnadigung durch den Großherzog (1850) wurde er, trotz Fürsprache des Vorstands und der Mitglieder der jüdischen Gemeinde, nicht wieder als Rabbiner in Worms zugelassen. Eine Berufung nach New York 1854 musste er aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands infolge der Haft ablehnen. A. starb in einer Nervenheilanstalt.
A. hinterließ einige unveröffentlichte Manuskripte, u. a. eine „Geschichte der Juden in Ffm.“, die er wohl bereits bei seinem längeren Aufenthalt in Ffm. um 1837/38 begonnen hatte.
Talmudstudium in Worms, Karlsruhe und Würzburg. Studium der Philosophie, Theologie, Geschichte, Literatur und Orientalistik an den Universitäten in Bonn (seit 1833) und Gießen (seit 1835). Tätigkeit als Lehrer an einem Pensionat und später als Privatgelehrter in Ffm., dann (seit 1839) als Erzieher bei einer jüdischen Familie in Groß-Kanizsa (Ungarn). Seit 1842 Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Worms. Zur Sicherung seines Lebensunterhalts gründete und leitete A. außerdem ein Töchterpensionat, das später seine Frau Rahel, geb. Hochstädter (1823-1889), fortführte. Radikaler Verfechter des Reformjudentums. Teilnehmer der I. Rabbinerversammlung in Braunschweig (1844), der II. Rabbinerversammlung in Ffm. (1845) und der III. Rabbinerversammlung in Breslau (1846). Anlässlich der Ffter Versammlung veröffentlichte A. das Pamphlet „Die sieben und siebzig sogenannten Rabbiner und die Rabbiner-Versammlung“ (1845), das für einigen Aufruhr sorgte. Im Revolutionsjahr 1848 engagierte sich A. politisch für Freiheit und Fortschritt. Kurzzeitig (März/April 1848) war er als Redakteur der Wormser Zeitung tätig; von Juni bis Ende 1848 gab er ein eigenes Blatt, die Neue Wormser Zeitung, heraus. In der jüdischen Gemeinde gründete er den radikalen „Verein der Reformfreunde“. Auch gehörte er zu den Unterzeichnern einer von Arnold Ruge veranlassten Denkschrift über die Gründung einer „freien akademischen Universität“, deren Sitz in Ffm. sein sollte. Infolge einer Rede zum Schutz der neuen deutschen Reichsverfassung auf der Volksversammlung zu Horchheim bei Worms am 25.2.1849 wurde A. verhaftet, seines Amtes als Rabbiner enthoben und u. a. wegen Landesverrats angeklagt. Nach seinem Freispruch im rheinhessischen Hochverratsprozess in Mainz und seiner Begnadigung durch den Großherzog (1850) wurde er, trotz Fürsprache des Vorstands und der Mitglieder der jüdischen Gemeinde, nicht wieder als Rabbiner in Worms zugelassen. Eine Berufung nach New York 1854 musste er aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands infolge der Haft ablehnen. A. starb in einer Nervenheilanstalt.
A. hinterließ einige unveröffentlichte Manuskripte, u. a. eine „Geschichte der Juden in Ffm.“, die er wohl bereits bei seinem längeren Aufenthalt in Ffm. um 1837/38 begonnen hatte.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 14, verfasst von: Sabine Hock.
Lexika:
Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 365.
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EJ 1 (1928), Sp. 867.
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Lex. dt. -jüd. Autoren 1 (1992), S. 14-18.
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Wilke: Rabbiner d. Emanzipationszeit 2004, Bd. 1, S. 123.
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Wininger 1 (1925), S. 64.
Literatur:
Jung, Rudolf: Ffter Hochschulpläne 1384-1866. In: AFGK III, 9 (1907), S. 80.
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Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. I, S. 488, 497.
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Nekrolog in: Der israelit. Volkslehrer 6 (1856), H. 1 (Januar), S. 14-19 (online in der Digitalen Sammlung von Judaica der UB Ffm. unter: http://sammlungen. ub. uni-frankfurt. de/cm/periodical/pageview/3130059, abgerufen am 16. 9. 2020).
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Edinger: Mein Lebensgang 2005, S. 23f., 32, 225 Anm. 56, 256.
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Siegmund Salfeld in: Hess. Biographien 2 (1927), S. 409f.
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Rothschild: Beamte d. Wormser jüd. Gemeinde, S. 22-25 (online in der Digitalen Sammlung von Judaica der UB Ffm. unter: http://sammlungen. ub. uni-frankfurt. de/freimann/content/pageview/649656, abgerufen am 16. 9. 2020).
Quellen:
ISG, S2/5. 667.
Internet:
Hess. Biografie, 5.3.2015.
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Jewish Encyclopedia, 5.3.2015.
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UB Ffm., 3.3.2016.
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UB Ffm., 3.3.2016.
GND: 1064856276 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Adler, Abraham. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/363.
Stand des Artikels: 16.9.2020
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 03.2015
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. März 2015.