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Foerster, Erich

Erich Foerster

Erich Foerster
Fotografie.

© unbekannt. Der/die Fotograf/-in ist auf dem als Vorlage dienenden Originalfoto nicht genannt. Die Bildvorlage trägt auch keine anderen Copyrightangaben.

Foerster, Erich Seth Franz. Konsistorialrat. Prof. D. theol. Evangelischer Pfarrer. Kirchenhistoriker. * 4.11.1865 Greifswald, † 12.10.1945 Ffm.
Besuch des Gymnasiums Schulpforta. Studium der Theologie, Geschichte und Rechte in Marburg und Berlin, zuletzt bei dem für ihn wichtigen Julius Kaftan (1848-1926). 1892/93 Vikar und Mitarbeiter bei Martin Rades Zeitschrift „Christliche Welt“. Seit 1893 Pfarrer, zunächst in Hirschberg/Schlesien, ab 1895 in der Ffter Deutsch-reformierten Gemeinde. F. wurde in Marburg 1906 für seine Untersuchung „Die Entstehung der preußischen Landeskirche. Ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenbildung im deutschen Protestantismus“ (2 Bände, 1905/07) zum D. theol. promoviert, habilitierte sich 1907 für Kirchengeschichte an der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften in Ffm. und wurde somit 1914 Privatdozent an der neuen Universität Ffm., an der er ab 1915 als ordentlicher Honorarprofessor für Religions- und Kirchengeschichte lehrte. Sein Schwerpunkt lag bis zur Pensionierung 1935 in seinem Pfarramt. Von 1905 bis 1925 gehörte er zudem als Konsistorialrat der Leitung der Ffter Landeskirche an.
F. vertrat eine liberale, am Neukantianismus orientierte protestantische Theologie, die er mit der Entwicklung der modernen Naturwissenschaften und der veränderten sozialen Welt der Industriegesellschaft zu vereinbaren suchte. Er arbeitete kirchengeschichtlich, theologisch-dogmatisch und kirchenpolitisch. In den damaligen Auseinandersetzungen um die Wissenschaftsfreiheit der Theologie vertrat er eine liberale Linie, die ihn auch zu Kritik an sozialen Zuständen, an Zerfallserscheinungen der modernen Gesellschaft, aber auch an Politik und Kirchenpolitik führte. Gleichwohl blieb er einem „verinnerlichten Protestantismus“ mit einer an der sozialen Frage orientierten Kapitalismuskritik verbunden. Diese Position wurde später von Karl Barth (1886-1968) und Paul Tillich als ungenügende Abkehr von der protestantischen Tradition vor 1918 abgelehnt. F. näherte sich aber Barth seit Mitte der Zwanzigerjahre an. 1933 schloss er sich der Bekennenden Kirche an.
Veröffentlichungen (in Auswahl): „Die Möglichkeit des Christentums in der modernen Welt“ (1898), „Lebensideale“ (1901), „Das Ziel des Wollens“ (22 Predigten, Ffm. 1902), „Das Evangelium in der Großstadt. Predigten über sittliche Fragen und Aufgaben der Menschen von heute“ (1909), „Die Verfassung der evangelischen Kirche in Deutschland“ (1910), „Die christliche Religion im Urteil ihrer Gegner“ (1916), „Sozialer Kapitalismus“ (1924), „Kirche und Schule in der Weimarer Verfassung“ (1925), „Rudolph Sohms Kritik des Kirchenrechts. Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages am 29. Oktober 1841 untersucht“ (von „Teylers Godgeleerd Genootschap“ bekrönte Preisschrift, Haarlem 1942). Zahlreiche weitere Predigtsammlungen, Vorträge, Lexikonartikel und Gelegenheitsschriften (verzeichnet bei Stoodt, 1990).
„Lebenserinnerungen“ (nach der Handschrift von 1943 hg. v. F.s Enkel Erich Schulz-Du Bois, 1996).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Michael Stolleis.

Lexika: Bergmann: Ffter Gelehrten-Hdb. 1930, S. 51.
Bergmann, E. (Hg.): Ffter Gelehrten-Handbuch. Ffm. [1930].
| Matthias Wolfes in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlex. 16 (1999), Sp. 497-526.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Begr. u. hg. v. Friedrich Wilhelm Bautz (1906-1979). Fortgeführt von Traugott Bautz (1945-2020) u. Uta Timpe-Bautz. Bisher 44 Bde. Herzberg 1975-2022.
| Kürschner: Lit. 1917, Sp. 433.
Kürschners Deutscher Literatur-Kalender. Hg. v. Joseph Kürschner u. a. Berlin/Leipzig 1905-1973.
| Karl Gerhard Steck in: NDB 5 (1961), S. 277f.
Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 27 Bde. (bis Wettiner). Berlin 1953-2020.
| Richel, S. 157.
Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.
Literatur: Achinger: Wilhelm Merton 1965, S. 387.
Achinger, Hans: Wilhelm Merton in seiner Zeit. Ffm. 1965.
| Hammerstein, Notker: Das Historische Seminar der Ffter Universität. In: Brockhoff/Heidenreich/Maaser (Hg.): Ffter Historiker 2016, S. 26.
Brockhoff, Evelyn/Heidenreich, Bernd/Maaser, Michael (Hg.): Ffter Historiker. Göttingen 2016. (Schriftenreihe des Ffter Universitätsarchivs 6).
| Foerster: Rechenschaft über den christl. Glauben im Schatten d. Dritten Reiches (hg. v. Werner Zager, 2012).
Foerster, Erich: Rechenschaft über den christlichen Glauben im Schatten des Dritten Reiches. Hg. v. Werner Zager. Kamen 2012. (Theologische Studien-Texte 24).
| Monsheimer, Otto: Student im Gründungsjahrzehnt. In: Jb. d. J. W. Goethe-Universität 1964, S. 87-98, hier S. 95f.
Die Johann Wolfgang Goethe-Universität. Jahrbuch, hg. v. d. Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann Wolfgang Goethe-Universität Ffm. e. V. Redaktion: Walter Rüegg. Ffm. 1964-66.
| Stoodt, Dieter: Liberale Theologie zwischen Affirmation und Kritik. Erich Foerster als Praktischer Theologe. In: Stoodt (Hg.): Martin Buber – Erich Foerster – Paul Tillich 1990, S. 11-67.
Stoodt, Dieter (Hg.): Martin Buber – Erich Foerster – Paul Tillich. Evangelische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Ffm. 1914 bis 1933. Ffm. [u. a.] 1990.
| Proescholdt, Joachim: Was sie dachten, was sie glaubten. Theologien und Ffter Theologen im 20. Jahrhundert. In: Telschow (Hg.): 100 Jahre ev. Gemeindeverband 1999, S. 70.
Telschow, Jürgen (Hg.) in Zusammenarb. m. Wendland, Gerhard/Müller, Helmut/Euring, Bernd: Alles hat seine Zeit. 100 Jahre evangelische Kirchengemeinden im alten Ffter Stadtgebiet. 100 Jahre evangelischer Gemeindeverband. Ffm. 1999. (Schriftenreihe des Evangelischen Regionalverbandes Ffm. 23).
Quellen: Adr. 1905, Teil I, S. 86; 1906, Teil I, S. 89; 1907, Teil I, S. 92 (erstmals mit dem Titel „D. theol. “); 1910, Teil I, S. 103.
Adressbuch der Stadt Ffm., 1832-2003.
| Einwohnermeldekarte in: ISG, Nullkartei.
ISG, Einwohnermeldekartei („Nullkartei“), ca. 1870-1930.
| ISG, S2/9. 363.
ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).
Internet: Wikipedia, 4.6.2018.
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Hg.: Wikimedia Foundation Inc., San Francisco/Kalifornien (USA).
https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Foerster

GND: 118935208 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).

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Empfohlene Zitierweise: Stolleis, Michael: Foerster, Erich. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/3406.


Stand des Artikels: 10.6.2018
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2018
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Juni 2018.
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