Franz Adam Lejeune
Ölgemälde von Emil Gies (1907; Kopie eines Bildnisses aus dem Jahr 1842).
Eigentümer: Dr. Senckenbergische Stiftung.
Reproduktion: Sebastian Krupp.
© Dr. Senckenbergische Stiftung, Ffm. / Sebastian Krupp, Nauheim.
Lejeune, Franz Adam (eigentl.: François Adam; auch: Adam Franz). Landgräflich Hessischer Geheimrat. Dr. med. Praktischer Arzt.
* 24.4.1765 Verviers, † 10.9.1854 Ffm.
Im Herbst 1795 kam L., der nach seiner Promotion in Reims 1788 als Arzt zunächst in seiner Geburtsstadt praktiziert hatte, nach Ffm. „[D]er Sturm der Umwälzung ergriff auch das Lütticher Land und L. mußte auswandern“, erklärt ein Zeitungsartikel zu L.s 50. Doktorjubiläum 1838. Eine in der Familie überlieferte Anekdote dagegen erzählt, dass L. damals eine Rheinreise unternehmen wollte und Station in einem Hotel in Ffm. machte. In der Nacht wurde er zu der mit ihrem Mann im selben Hause wohnenden russischen Großfürstin D’Oemidoff gerufen, da deren Niederkunft kurz bevorzustehen schien. Der großfürstliche Stammhalter ließ sich jedoch noch Zeit, zumal der Geburtstermin erst auf einige Wochen später errechnet war. Die Großfürstin aber hatte nun Vertrauen zu dem belgischen (und deshalb französisch sprechenden) Arzt gefasst. So blieb L. in Ffm., um ihr bei der Entbindung als Geburtshelfer beizustehen. In den Kreisen der Ffter Französisch-reformierten Gemeinde lernte er inzwischen Helene Marie, gen. Mimi, d’Orville (1768-1843) kennen, die im Juni 1796 seine Frau wurde. Er erwarb auf diese Heirat das Bürgerrecht und ließ sich als praktischer Arzt in Ffm. nieder. Mit seiner eigenen Praxis am Roßmarkt wurde er bald ein gesuchter und beliebter Hausarzt, u. a. angesehener Ffter Familien sowie des Steffan von Cronstett- und Hynspergischen adeligen evangelischen Damenstifts. Durch seine Bekanntschaft mit Soemmerring begegnete er Goethe bei dessen Aufenthalten in Ffm. 1814/15. Zu Beginn der Fünfzigerjahre noch, als Bismarck Bundestagsgesandter in Ffm. wurde, soll L. dessen Leibarzt gewesen sein.
1806 reiste L. in die Schweiz, um die Pestalozzi’sche Erziehungsanstalt in Iferten kennenzulernen. Daraufhin sandte er 1807 seine beiden Söhne Adam Eduard August (1797-1882) und (Johann) Gustav Adolf (1800-1888) zur schulischen Ausbildung dorthin. Damit gab er ein Beispiel für andere Ffter Familien, die nun ihre Kinder auch nach Iferten schickten, etwa die Familie von Holzhausen, die ihre Söhne von dem Hauslehrer Fröbel begleiten ließ (1808-10).
Freimaurer. Mitglied der Loge Sokrates zur Standhaftigkeit (1802).
Als Fachschriftsteller soll L. schon früh die Heilquellen des Bades Homburg v. d. H. beschrieben haben. In einem Bericht von Wilhelm Carl Rodaug im Homburger Anzeiger vom 18.10.1848 wurde dem Ffter Arzt sogar nachgesagt, bereits 1831 das Wasser des später so genannten Elisabethenbrunnens untersucht und dessen Heilwirkung entdeckt zu haben. In einem Leserbrief stellten daraufhin drei Homburger Bürger richtig, dass Dr. Eduard Christian Trapp (1804-1854) im Sommer 1834 der Entdecker der Heilquelle gewesen sei und dadurch das Bad Homburg begründet habe. Sie erkannten jedoch L. das Verdienst zu, als erster Arzt nach Trapp das Wasser zur Behandlung von Kranken eingesetzt zu haben, „während andere Aerzte den Gebrauch desselben für schädlich“ erklärt hätten. In der Familie L. aber hielt sich die Überlieferung, dass Franz Adam L. „als erster (...) die Heilquelle des Bades Homburg gewertet und reichlich empfohlen“ habe (Lina Lejeune), was ihm die Verleihung des (verbürgten) Geheimratstitels durch den Landgrafen eingebracht habe. Die bei Kallmorgen erwähnte Schrift über die Homburger Heilquellen, die L. verfasst haben soll, ließ sich bisher nicht auffinden.
Ritter I. Klasse des Großherzoglich Hessischen Ludwigsordens.
Porträt (Kopie eines Bildnisses aus dem Jahr 1842; von Emil Gies, 1907) im Besitz der Dr. Senckenbergischen Stiftung.
L.s ältester Sohn Eduard, ein Freund Heinrich Hoffmanns und Förderer Friedrich Stoltzes, schwor am 31.10.1825 den Ffter Bürgereid als Kaufmann, begann im Handel mit Rauchwaren und gründete eine Hasenhaarschneiderei, die den Rohstoff für die Produktion von Filzhüten lieferte. Zunächst um Entsorgung und Anfertigung der Versandkisten von Tierfellen bzw. für Hasenhaar zu organisieren, schloss Eduard L. dem Betrieb bald einen Nutzholzhandel und ein Sägewerk an. Nachdem er seinen Bruder Gustav 1832 als Teilhaber aufgenommen hatte, erweiterte er das Unternehmen außerdem um eine Steinkohlenhandlung mit eigener (bis etwa 1858 bestehender) Reederei; auch war er an der Entwicklung und dem Vertrieb spezieller Öfen und Herde durch die Firma Buderus in Wetzlar beteiligt. Damit trug er zur Einführung der Ruhrkohle für die Feuerung in Betrieben und Haushalten in Ffm. bei, zumal er selbst die Kohle zum Anheizen des Beizofens in seiner 1836 neu errichteten Fabrik am Hauptfirmensitz in der Schäfergasse 15 (kriegszerstört 1944) nutzte. Nach Aufgabe der Hasenhaarschneiderei (um 1865) konzentrierte sich das Unternehmen ganz auf den Großhandel mit Brennstoffen, Nutzholz und, seit den 1930er Jahren, Bauplatten. Als Firma Ed. Lejeune KG, zuletzt (seit 1967) in der Hanauer Landstraße 220 im Ostend, bestand das Geschäft bis zur Beantragung eines Vergleichsverfahrens 1974 im Familienbesitz fort.
1806 reiste L. in die Schweiz, um die Pestalozzi’sche Erziehungsanstalt in Iferten kennenzulernen. Daraufhin sandte er 1807 seine beiden Söhne Adam Eduard August (1797-1882) und (Johann) Gustav Adolf (1800-1888) zur schulischen Ausbildung dorthin. Damit gab er ein Beispiel für andere Ffter Familien, die nun ihre Kinder auch nach Iferten schickten, etwa die Familie von Holzhausen, die ihre Söhne von dem Hauslehrer Fröbel begleiten ließ (1808-10).
Freimaurer. Mitglied der Loge Sokrates zur Standhaftigkeit (1802).
Als Fachschriftsteller soll L. schon früh die Heilquellen des Bades Homburg v. d. H. beschrieben haben. In einem Bericht von Wilhelm Carl Rodaug im Homburger Anzeiger vom 18.10.1848 wurde dem Ffter Arzt sogar nachgesagt, bereits 1831 das Wasser des später so genannten Elisabethenbrunnens untersucht und dessen Heilwirkung entdeckt zu haben. In einem Leserbrief stellten daraufhin drei Homburger Bürger richtig, dass Dr. Eduard Christian Trapp (1804-1854) im Sommer 1834 der Entdecker der Heilquelle gewesen sei und dadurch das Bad Homburg begründet habe. Sie erkannten jedoch L. das Verdienst zu, als erster Arzt nach Trapp das Wasser zur Behandlung von Kranken eingesetzt zu haben, „während andere Aerzte den Gebrauch desselben für schädlich“ erklärt hätten. In der Familie L. aber hielt sich die Überlieferung, dass Franz Adam L. „als erster (...) die Heilquelle des Bades Homburg gewertet und reichlich empfohlen“ habe (Lina Lejeune), was ihm die Verleihung des (verbürgten) Geheimratstitels durch den Landgrafen eingebracht habe. Die bei Kallmorgen erwähnte Schrift über die Homburger Heilquellen, die L. verfasst haben soll, ließ sich bisher nicht auffinden.
Ritter I. Klasse des Großherzoglich Hessischen Ludwigsordens.
Porträt (Kopie eines Bildnisses aus dem Jahr 1842; von Emil Gies, 1907) im Besitz der Dr. Senckenbergischen Stiftung.
L.s ältester Sohn Eduard, ein Freund Heinrich Hoffmanns und Förderer Friedrich Stoltzes, schwor am 31.10.1825 den Ffter Bürgereid als Kaufmann, begann im Handel mit Rauchwaren und gründete eine Hasenhaarschneiderei, die den Rohstoff für die Produktion von Filzhüten lieferte. Zunächst um Entsorgung und Anfertigung der Versandkisten von Tierfellen bzw. für Hasenhaar zu organisieren, schloss Eduard L. dem Betrieb bald einen Nutzholzhandel und ein Sägewerk an. Nachdem er seinen Bruder Gustav 1832 als Teilhaber aufgenommen hatte, erweiterte er das Unternehmen außerdem um eine Steinkohlenhandlung mit eigener (bis etwa 1858 bestehender) Reederei; auch war er an der Entwicklung und dem Vertrieb spezieller Öfen und Herde durch die Firma Buderus in Wetzlar beteiligt. Damit trug er zur Einführung der Ruhrkohle für die Feuerung in Betrieben und Haushalten in Ffm. bei, zumal er selbst die Kohle zum Anheizen des Beizofens in seiner 1836 neu errichteten Fabrik am Hauptfirmensitz in der Schäfergasse 15 (kriegszerstört 1944) nutzte. Nach Aufgabe der Hasenhaarschneiderei (um 1865) konzentrierte sich das Unternehmen ganz auf den Großhandel mit Brennstoffen, Nutzholz und, seit den 1930er Jahren, Bauplatten. Als Firma Ed. Lejeune KG, zuletzt (seit 1967) in der Hanauer Landstraße 220 im Ostend, bestand das Geschäft bis zur Beantragung eines Vergleichsverfahrens 1974 im Familienbesitz fort.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 451, verfasst von: Sabine Hock.
Lexika:
Kallmorgen, S. 337.
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Kutz: Senck. Portr., S. 127, Nr. 104.
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Schrotzenberger, S. 147.
Literatur:
Zur Firma Ed. Lejeune: Altfrankfurter Firmen-Handbuch 1925, S. 117.
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Erinnerungen an den 31. Mai 1838, gewidmet dem Herrn Geheimerath Dr. med. A. F. Lejeune.
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Das fünfzigjährige Doktorjubiläum des Herrn geheimen Rath Dr. med. A. F. Lejeune. In: Ffter Jahrbücher 11 (1838), Nr. 36, 7. 6. 1838, S. 253.
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Familienerinnerungen: Lejeune, Adolf: Jugendglanz der alten Tage. Aus den Erinnerungen eines alten Ffters. In: FLS 1962, H. 3 (Sept. 1962), S. 46-51.
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Lejeune: Haus an der Pfingstweide 1932, S. 30-58.
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Zur Firma Ed. Lejeune: Lerner: Das tätige Fft. 1955, S. 136-138.
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A. Z.: Eduard und Gustav Lejeune. Zwei Zöglinge in Pestalozzis Institut zu Iferten. In: Pestalozzianum 28 (1931), Nr. 7/8 (November 1931), S. 25-28.
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Zur Firma Ed. Lejeune: Rödel: Fabr. 1986, S. 67, 86, 536f.
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Brief von Franz Adam Lejeune an Johann Heinrich Pestalozzi, Ffm., 12. 6. 1807: Sämtl. Briefe an Pestalozzi 2 (2010), Nr. 870, S. 246-248; vgl. darin auch die Nachweise zur folgenden Korrespondenz von Franz Adam Lejeune und seiner Familie mit Johann Heinrich Pestalozzi, 1807-09, lt. Register.
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Nachtrag zum Nachweis eines Briefs von Franz Adam Lejeune an Johann Heinrich Pestalozzi, 1809: Sämtl. Briefe an Pestalozzi 6 (2015), Nr. 1096e, S. 871.
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Nachweise zur Korrespondenz von Franz Adam Lejeune und seiner Familie mit Johann Heinrich Pestalozzi, 1810-11: Sämtl. Briefe an Pestalozzi 3 (2011), lt. Register.
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Über Hasenhaarschneidereien, u. a. die Firma Ed. Lejeune: Schneider: Industrialisierung 2014, S. 79f.
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Lingens, Peter: Nach „Missgeburten” und Impertinenzen wurde Homburg Weltbad. Vor 180 Jahren entdeckte Eduard Christian Trapp die Heilkraft der Elisabethenquelle. In: Unser Homburg 57 (2014), H. 9, S. 8-14.
Quellen:
Dietz, Alexander: Die Firma Eduard Lejeune. Zu ihrem hundertjährigen Jubiläum. In: FZ, Stadtblatt, 24. 5. 1925.
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ISG, Bürgerbücher 21 (Altsign.: 20; 1792-97), Bl. 320, Nr. 151 (Aufnahme von Adam Franz Lejeune als Bürger und Arzt auf Heirat, 3. 6. 1796).
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ISG, Proklamationsbuch 1796, Bl. 281.
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Nachlass der Familie Lejeune: ISG, S1/334.
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Sieger, Christian: Chronik der Firma Ed. Lejeune. Typoskript. Ffm. 1969. In: ISG, S1/280 (Nachlass Franz Lerner), Kasten 6, Nr. 165.
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ISG, S2/904.
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ISG, S2/806 (Familie Lejeune).
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ISG, S2/1. 036 (Eduard Lejeune).
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ISG, S2/3. 795 (Helene Marie Lejeune, geb. d’Orville).
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ISG, S3/3. 222 (Fa. Ed. Lejeune).
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ISG, S3/12. 152 (Hasenhaarschneider).
Internet:
Hess. Biografie, 24.1.2014.
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Senckenbergische Portraitsammlung, 1.12.2023.
GND: 1098172736 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Lejeune, Franz. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/3054.
Stand des Artikels: 26.8.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2014
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Juli 2014.