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Jourdan, Berta

Jourdan, Berta. Pädagogin. Politikerin. * 21.6.1892 Ffm., † 4.12.1981 Ffm.
Einer alteingesessenen jüdischen Familie enstammend, wandte sich J. dem Beruf der Lehrerin zu. 1917 wurde ihr die Förderklasse (vorwiegend mit Schülern und Schülerinnen aus schwierigem sozialem Milieu) an der Annaschule in der Ffter Altstadt übertragen. Unter dem Eindruck ihrer beruflichen Erfahrungen begann J. bald, sich bei den Ffter Sozialdemokraten politisch zu engagieren. Nach dem Ersten Weltkrieg leitete sie die „Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Lehrer in Hessen-Nassau“. Von 1924 bis 1928 Stadtverordnete (SPD). Leidenschaftlich kämpfte sie gegen die Konfessionalisierung des Schul- und Bildungswesens. Seit 1928 Mitglied im Preußischen Landtag. Sie vertrat dort die sozialdemokratische Fraktion im Schul- und Sportausschuss. 1933 wurde J. als „Exponentin der jüdisch-marxistischen Schulpolitik“ aus Beamtenverhältnis und Schuldienst entlassen. Daraufhin eröffnete sie in ihrer Wohnung in der Hansaallee eine Privatschule für jüdische Kinder. Im Januar 1939 wanderte J. nach Rhodesien aus. Sie wurde dort 1942 in den Staatsdienst übernommen und betreute bis 1963 Spezialklassen für schwererziehbare Kinder. Nach 1945 war sie für zwölf Jahre Berichterstatterin der Vereinten Nationen für rhodesische Erziehungsfragen. 1969 kehrte J. nach Ffm. zurück und verbrachte zuletzt im Henry und Emma Budge-Heim ihren Lebensabend.
Berufliche Schulen Berta J., ein Berufsschulzentrum für Sozialpädagogik, Ernährung und Hauswirtschaft (bis 1999: Hedwig-Heyl-Schule, umbenannt wegen der ideologischen Nähe der ursprünglichen Namensgeberin zum Nationalsozialismus), im Nordend.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 376, verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.

Lexika: Ludger Heid in: Dick/Sassenberg: Jüd. Frauen 1993, S. 199f.
Dick, Jutta/Sassenberg, Marina (Hg.): Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk. Reinbek 1993. (rororo Handbuch 6344).
Literatur: Beier: Arbeiterbewegung 1984, S. 457.
Beier, Gerhard: Arbeiterbewegung in Hessen. Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch 150 Jahre (1834-1984). Ffm. 1984. (Die Hessen-Bibliothek im Insel Verlag).
| Rainer Stübling in: König/Stübling: Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Friedensfreunde 1985, S. 162-168.
König, Fritz/Stübling, Rainer (Hg.): Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Friedensfreunde in Ffm. 1900-1933. Ffm. 1985.
| Maly: Stvv. II 1995.
Maly, Karl: Das Regiment der Parteien. Geschichte der Ffter Stadtverordnetenversammlung, Bd. II: 1901-1933. Ffm. 1995. (Veröffentlichungen der Ffter Historischen Kommission, Bd. XVIII/2).
Quellen: Der Wink, Nr. 7, März 1926, S. 5 (mit Porträtfoto).
Der Wink für Haus und Werk in Bild und Wort. [Untertitel ab Februar/März 1928: Das Magazin der Hausfrau.] Hg.: Ffter Gasgesellschaft, Ffter Kohlen- und Koks-GmbH, Vereinigte Installationsgeschäfte Ffter Gasgesellschaft und Karl Winterstein GmbH. 36 Nummern. Ffm. 1925-28.
| Rebentisch, Dieter: Zu ihren Lebzeiten durfte Lob nicht erscheinen. Eine Würdigung der profilierten Politikerin Berta Jourdan. In: FAZ, 14. 1. 1982.
Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.
| ISG, S2/6. 698.
ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).

GND: 1070174289 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).

© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Jourdan, Berta. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2865.


Stand des Artikels: 30.12.1992

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