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Jost, Isaac Marcus

Wegweiser für die moderne jüdische Geschichtsforschung.

Jost, Isaac Marcus. Dr. phil. Lehrer. Historiker und Philologe. * 22.2.1793 Bernburg/Saale, † 20.11.1860 Ffm.
Seit 1835 Lehrer für jüdische Geschichte, Religion und Englisch am Philanthropin in Ffm. Prediger im Andachtssaal des Philanthropins im Kompostellhof. Als Vertreter von Rationalismus und Aufklärung war J. ein Anhänger der jüdischen Reformbewegung, wenn er sich auch gegen eine radikale Reform wandte und die Rolle des Hebräischen in Schule und Synagoge verteidigte.
J. setzte sich für die Emanzipation der Juden in Deutschland ein. Sekretär der Rabbinerversammlung in Ffm. (1845). Mitbegründer des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur (1855). Tätig auf sozialem Gebiet, u. a. als Mitbegründer einer Erziehungsanstalt für verwaiste israelitische Mädchen, des Israelitischen Frauenvereins und des Israelitischen Krankenunterstützungsvereins.
Bedeutend ist J. als Bahnbrecher der modernen jüdischen Geschichtsforschung. Seine Werke zur Geschichte des Judentums („Geschichte der Israeliten seit der Zeit der Makkabäer bis auf unsere Tage“, 9 Bde., 1820-28; „Neuere Geschichte der Israeliten von 1815 bis 1845“, 2 Bde. mit Zusatzbd.: „Kulturgeschichte zur neueren Geschichte der Israeliten“, 1846-47; „Allgemeine Geschichte des israelitischen Volkes“, verbesserter Auszug aus der neunbändigen Ausgabe, 2 Bde., 1832; „Geschichte des Judentums und seiner Sekten“, 3 Bde., 1857-59) basieren auf umfangreicher Quellenarbeit und wurden zur Grundlage für die jüdische Geschichtsforschung. J. stellte darin weniger die Geschichte des jüdischen Volkes als die Geschichte der geografisch verteilt existierenden jüdischen Gemeinden dar. Er orientierte sich mehr an der politischen Geschichte als an kulturellen Hintergründen, beachtete aber auch soziale Aspekte. Verfasser von Lehrbüchern, u. a. einer Bibelausgabe für Jugendliche (1823), einem „Lehrbuch der englischen Sprache“ (mit G. F. Burckhardt, 1826), „Erklärendes Wörterbuch zu Shakespeares Plays für deutsche Leser“ (1830), einer punktierten Ausgabe der Mischna mit populärer deutscher Übersetzung (1832-34), dem „Theoretisch-praktischen Lehrbuch zum Unterricht im deutschen Stil“ (1835), dem „Lehrbuch des hoch-deutschen Ausdrucks in Wort und Schrift“ (1852) und „Die Schule des freien Gedankenausdrucks“ (1852) sowie Schriften zur jüdischen Volkskunde.
Herausgeber der „Freien Israelitischen Annalen“ (1839-41). Mitherausgeber der hebräischen Zeitschrift „Zion“ (mit Michael Creizenach, 1841-42).
Verfasser von Erinnerungen („Vor einem halben Jahrhundert. Skizzen aus meiner frühesten Jugend“, 1854).

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 375f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.

Lexika: Adolf Brüll in: ADB 14 (1881), S. 577-581.
Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.
| Heinz Mosche Graupe in: NDB 10 (1974), S. 628-630.
Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 27 Bde. (bis Wettiner). Berlin 1953-2020.
| Schrotzenberger, S. 120.
Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. 2., vermehrte u. verbesserte Aufl. Ffm. 1884.
Literatur: Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 230-233.
Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.
| FS Philanthropin 1904, S. 179.
Baerwald, Hermann/Adler, Salo: Festschrift zur Jahrhundertfeier der Realschule der Israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Ffm. 1804-1904. Ffm. 1904.
| Hirsch/Andernacht (Bearb.): Philanthropin 1964, S. 23-25, 29f., 141.
Das Philanthropin zu Ffm. Dokumente und Erinnerungen. Bearbeitung: Albert Hirsch, Dietrich Andernacht. Redaktion: Kommission zur Erforschung der Geschichte der Ffter Juden. Ffm. 1964.
Quellen: ISG, S2/13. 727.
ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).

GND: 118913565 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).

© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Jost, Isaac Marcus. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2863.


Stand des Artikels: 25.4.1990

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