Deinet, Johann Conrad. Fürstlich Waldeckischer Hofrat. Kaiserlicher Bücherkommissar. Drucker und Verleger.
* 1735, † 30.1.1797 Ffm.
D. kam 1769 als Erzieher der Kinder des Buchdruckers Johann Ludwig Eichenberg (?-1769) nach Ffm. 1770 heiratete er die Witwe Maria Juliana Eichenberg, geb. Schild (1737-1802), und führte seitdem Eichenbergs Druckerei für die Erben weiter. Von 1773 bis 1783 gab er zudem 124 eigene Verlagswerke heraus. 1771 übernahm D. von der Brönner’schen Druckerei die Herausgabe der seit 1736 bestehenden „Ffter gelehrten Anzeigen“ und gewann den jungen Goethe, dessen Schwager Johann Georg Schlosser und Johann Heinrich Merck als Mitarbeiter. Wegen der in diesem Blatt veröffentlichten freizügigen Rezensionen theologischer Werke bekam D., selbst reformierten Bekenntnisses, Schwierigkeiten mit dem lutherischen Predigerministerium. Die Streitigkeiten wurden schließlich durch den Rat der Stadt beendet, der alle theologischen Rezensionen verbot. Auf D.s Berufung hin bestätigte die Theologische Fakultät der Universität Leipzig das Verbot und die D. auferlegte Geldstrafe von 20 Reichstalern. Daraufhin veröffentlichte D. die Gerichtsakten des Verfahrens, was einen neuen Prozess gegen ihn zur Folge hatte. Seitdem wurde D. wegen der Veröffentlichung weiterer scharfer Rezensionen in zahlreichen Prozessen zur Verantwortung gezogen. Trotzdem wurde er im April 1780 von Kaiser Josef II. zum Kaiserlichen Bücherkommissar ernannt. 1783 wurde er seines Amtes enthoben, weil ein von ihm in dem Anhang „Was Neues?“ zu den „Ffter gelehrten Anzeigen“ veröffentlichtes Gedicht über ein Marienbild als Verspottung der katholischen Kirche angesehen wurde.
D.s inzwischen mündig gewordene Stiefsöhne führten Druckerei und Handlung weiter. Die Verlagstätigkeit ruhte jedoch, bis sie 1788 von dem Stiefsohn Philipp Wilhelm Eichenberg wieder aufgenommen wurde (85 Verlagswerke bis 1796). Unter dessen Namen bestand die Buchhandlung bis 1843.
D.s inzwischen mündig gewordene Stiefsöhne führten Druckerei und Handlung weiter. Die Verlagstätigkeit ruhte jedoch, bis sie 1788 von dem Stiefsohn Philipp Wilhelm Eichenberg wieder aufgenommen wurde (85 Verlagswerke bis 1796). Unter dessen Namen bestand die Buchhandlung bis 1843.
Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 147, verfasst von: Sabine Hock.
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Lexika:
Richel, S. 106f.
Literatur:
Bräuning-Oktavio: Herausgeber u. Mitarbeiter d. Ffter Gelehrten Anzeigen 1966.
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Bräuning-Oktavio: Wetterleuchten d. lit. Revolution 1972, S. 67f.
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Dietz: Handelsgesch. IV. 2, S. 509f., 515.
Quellen:
ISG, Bürgerbücher 17 (Altsign.: 16; 1766-74), Bl. 201 (11. 5. 1770).
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Eintrag der Heirat mit Maria Juliana Eichenberg, geb. Schild, 28. 5. 1770: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 18 (1765-74), S. 353.
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ISG, Ratssuppl. 1794, Bd. II, Bl. 240f. (Bewerbung um Stelle als Stadtbibliothekar, 1794).
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ISG, S2/8. 116.
GND: 116055340 ( Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek ).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Deinet, Johann Conrad. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1992.
Stand des Artikels: 23.10.1987