Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
der November meldet sich mit dem monatsüblichen Regen. Nach der langen Trockenheit in diesem Jahr nimmt man das erleichtert, vielleicht sogar erfreut und wohl kaum kommentarlos auf. Immer und überall, nicht nur in diesem Editorial hier, wird gern übers Wetter gesprochen. Und das hat sein Gutes – auch für die Geschichtsforschung.
Anhand von Informationen über das Wetter ließ sich beispielsweise ein großer Augenblick in der Physikgeschichte genau datieren. Nachdem den Physikern Otto Stern und Walther Gerlach in einer Februarnacht 1922 im Institut für Theoretische Physik in Frankfurt der erste Nachweis der Richtungsquantelung gelungen war, begann „ein herrlicher Morgen“, mit „Kaltlufteinbruch und Neuschnee“, wie es einer von Gerlachs Doktoranden in seinen Erinnerungen detailliert beschrieben hat. Durch den Vergleich mit meteorologischen Aufzeichnungen konnten der Physiker Horst Schmidt-Böcking und die Wissenschaftshistorikerin Karin Reich den historischen Tag – oder vielmehr: die historische Nacht des „Stern-Gerlach-Experiments“ bestimmen. Von dem wegweisenden Physiker Otto Stern und seiner Frankfurter Zeit handelt diesmal der Artikel des Monats.